Wie wir aus der Krise kommen oder die Gunst der Stunde

Es gibt einen Weg aus der Krise, ohne dass der Euro kippt - Bild: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wird zur größten Bedrohung für alle Staatsformen – auch für die Demokratie. Gier, Bereicherung und Aneignung (Raub) der Herrschenden gehen einher mit sozialer Ausgrenzung des traditionellen Bürgertums.

Die Börsen, Banken, multinationalen Konzerne und die großen familiengeführten Unternehmen „produzieren“ ein System der Hybris und Spekulationsblasen, das durch Lobbyarbeit der Politik schmackhaft gemacht und wird und für das Gesetze geschaffen werden, die den Unfug erst möglich machen. Durch dieses Vorgehen wird nicht nur die Fundamente der Wirtschaft, sondern langfristig auch unser Gesellschaft unterhöhlt, bis dahin, dass wir unseren Kindern und Kindeskindern eine Hypothek mitgeben, die ein Leben im Wohlstand, den wir kennen, unmöglich macht. Wenn alles so weitergeht hinterlassen wir größtenteils WÜSTE (vgl. Brüssel, wir haben ein Problem und Empörend! Oder?).

Jenseits der Tatsache, wer als Präsident oder Bundeskanzler regiert, dient dieser mehr den Wirtschaftsbossen und den Reichen, als dem Volk. Dieses Wirken wird durch Rettungsschirme und Bankenrettung auf die Spitze getrieben. So fehlt Geld für Bildung, Wissenschaft, Erneuerung, Infrastruktur, Innovation und Kultur. Mit dem Ergebnis, dass der Prozess der sozialen und wirtschaftlichen Destabilisierung durch „Ausrauben“ der weltweiten Volkswirtschaften weitergeht.

Klimawandel, steigende Krankheitskosten, Finanz – und Wirtschaftskrise, bis zum Währungsverfall und der damit verbundenen Verarmung der Bevölkerung werden bald im stärkeren Maße zur Gefahr von Unruhen, Aufständen und Revolutionen bis hin zum Terrorismus werden.

Vor einigen Tagen habe ich hier erklärt, warum ich denke, dass Geld keine Ware ist, sondern ein Recht. Denn Geld bedeutet letztlich nichts anderes, als das durch eigene Waren oder Dienstleistungen erworbene Recht, mir zu einem beliebigen Zeitpunkt Waren oder Dienstleistungen vom Markt zu nehmen. Der Kurs, also des Verhältnis von Geld zu Ware bzw. Dienstleistungen kann sich natürlich verändern. Deswegen bedeutet Geld Vertrauen.

Fassen wir Geld nun als Recht auf, hat das folgende Konsequenzen:

  1. Geld entsteht immer aus einer Leistung, die eine Nachfrage hat
  2. Leistung sollte immer fair bewertet werden
  3. Geld steht für den Handschlag und die Erinnerung daran
  4. Geld nimmt immer Glauben und Vertrauen in Anspruch
  5. Geld ist Kredit oder Anspruch
  6. Geld ermöglicht Freiheit und setzt im gleichen Maß Verantwortung voraus
  7. Geld ist somit verbriefte Leistung, Glauben, Vertrauen, Kredit, Anspruch, Freiheit und trägt den Siegel des Handschlags.

Auf Basis dieser These ergeben sich meiner Meinung nach automatisch Lösungen für unser Wirtschaftssystem im Allgemeinen und die derzeitige Finanzkrise im Besonderen. Allerdings tragen bei diesen Lösungen nicht die Bürger die Hauptlast, sondern diejenigen, die auf Grund falscher Annahmen sehr reich geworden sind. Die Lösungen lassen sich etwa wie folgender Maßnahmenkatalog darstellen:

  1. Es werden regionale und europäische Staatsanleihen ausgegeben, die von multinationalen Unternehmen, Managern und Eigentümern dieser Unternehmen sowie von den Superreichen, Reichen und reichen Wohlhabenden erworben werden. Dadurch wird eine organisierte Innenfinanzierung ermöglicht, ähnlich der von Japan.
  2. Diese Anleihen haben eine Laufzeit zwischen 30 und 40 Jahren mit 0,5 Prozent Zinsen die zum ersten Mal in zehn Jahren fällig werden.
  3. Alle steuerlichen Vergünstigungen entfallen, am besten gibt es nur noch die Umsatzsteuer.
  4. Auf der anderen Seite werden steuerliche Anreize geschaffen, die der Qualität und der Innovation dienen.
  5. Der Finanzmarkt wird in den machbaren und notwendigen Schritten abgeschafft.
  6. Danach erfüllen die Banken nur noch ihre ursprüngliche Aufgabe, die der Geldversorgung für die werteschaffende Wirtschaft.
  7. Versicherungen erhalten das Recht Waren, Ernten etc. abzusichern.
  8. Grundeinkommen mit Bedingung wird übergangsweise eingeführt.

Die Völker Griechenlands, Irlands, Islands, Israels, Italiens, Portugals und Spaniens gehen oder gingen auf die Straße, um gegen die ungerechten Sparmaßnahmen zu demonstrieren. In der ganzen Welt demonstrieren Menschen gegen die Macht der Banken und der multinationalen Konzerne. Diese unzufriedenen Massen, z.T. unter dem Label der Occupy-Bewegung auftretend, machen uns deutlich, dass es einer zeitnahen Lösung bedarf, wenn wir unseren Kindern und Kindeskindern nicht nur Wüste hinterlassen wollen.

Mein oben aufgeführter Acht-Punkte-Plan beruht zunächst auf Freiwilligkeit, die durch die Erkenntnis entsteht, dass Freiheit erst durch Verantwortung entsteht. Wird diese Verantwortung nicht übernommen, droht letzten Endes wieder der Urzustand, den der englische Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) so beschrieb, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf wird.

Es kann natürlich sein, dass diese Einsicht bei den Superreichen nicht entsteht. In diesem Worst-Case-Szenario ist es dann unumgänglich, ihnen Szenarien aufzuzeigen, die beweisen, dass das Volk die Macht hat. Beraubt man das Volk der Stimme, wird es aufbegehren. Und dann verlieren die Superreichen und auch viele Andere alles.

Politiker, die die Zeichen der Zeit – vielleicht mit Hilfe meiner Ausführungen – erkennen, haben die Chance in die Geschichtsbücher einzugehen. Denn es geht jetzt um die Entscheidung zwischen Evolution und Revolution. Die Beispiele Gaddafis, Berlusconis und vieler anderer zeigen, dass der Weg lang sein könnte, aber am Ende des Tages wird sich der Erfolg einstellen. Der Fall der Mauer im Herbst 1989 hat gezeigt, wie die Vorbereitungen in Polen, der damaligen Tschechoslowakei und anderen Ostblock-Ländern zu einem sehr schnellen Umschwung geführt hat.

Die Jetzt-Noch-Mächtigen sollten sich diese Geschichtsstunde noch einmal zu Herzen nehmen. Gemeinsam können wir alle gewinnen, versuchen sie den Alleingang, sind sie auf dem Holzweg. Die heute Superreichen, Reichen und Wohlhabenden haben Unternehmen, Konzerne und Banken legal genutzt, um mehr zu haben, als der Normal-Bürger. Sie nutzen seit 30 Jahren die Gunst der Stunde und versuchen diese durch Lobbyarbeit jeden Tag zu verlängern. Die Schere von Reich zu Arm geht immer weiter auseinander. Noch ist Zeit, für eine neue Einsicht und dadurch hervorgerufen, ein anderes Handeln. Anders ausgedrückt, es gibt wieder eine Gunst der Stunde.

4 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] sich daraus ableitenden Bedingungen eines gesunden Kapitalismus beachten. Mein Vorschlag ist, einen „gerechten Bond“ aufzusetzen, den die Profiteure der Deregulierung  speisen. Der Bürger hingegen bliebe […]

  2. […] Gewalt umgesetzte) Schritt zu verhindern ist, habe ich vor einigem Monaten auf meiner Webseite OekoHuman beschrieben. Ich nahm damals bereits die derzeitigen Umverteilungsgedanken mancher Politiker […]

  3. […] Damit die hier beschriebene Enteignung keine tiefen Wunden hinterlässt, habe ich hier einen Weg aus der Krise […]

  4. […] Dies geschieht jeden Tag auf der ganzen Welt – nicht nur in Griechenland. Man lese hierzu den Spiegel Artikel “Gelduntergang” (Ausgabe 34/2011) und meinen Artikel „Wie aus der Krise kommen“. […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.