Brüssel, wir haben ein Problem

Starökonom Hans-Werner Sinn - Bild: Jan Roeder / Wikipedia

Ganz plötzlich will er es entdeckt haben, das Riesendefizit bei der EZB: Hans-Werner Sinn, vom Spiegel gerne als Starökonom betituliert, hat errechnet, dass die Deutsche Bundesbank Forderungen in Höhe von 498 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank hat. Die Krisenländer stehen hingegen mit rund 600 Milliarden in der Kreide. Solange das Geld virtuell bleibe, kein Problem. Falle jedoch ein Land vollständig aus bzw. verlasse es den Euro-Raum, könnte das teuer werden, so Sinn. 498 Milliarden, das sind immerhin mehr als der anderthalbfache Bundeshaushalt (siehe auch die internationale Schuldenuhr). Bricht die Gemeinschaftswährung zusammen, bleibt die deutsche Notenbank auf dieser Forderung an einen dann nicht mehr existierenden Akteur sitzen (siehe auch meine generelle Kritik an der EZB).

Entstanden ist das riesige Missverhältnis zwischen den Notenbanken auch, weil viele Reiche ihr Eigentum in anderen Ländern parken. Wo aber wollen sie denn hin, es gibt kein Raumschiff? Selbst wenn, hätte dieser Planet auch noch ein anderes Verständnis von Reichtum. Pech oder!? Die im Artikel vorgeschlagene Lösung der Eurobonds, die die kaufen sollen, die von der EZB frisch gedrucktes Geld bekommen, kann nicht funktionieren. Irre wer glaubt, dass das irgendein langfristiges Gelingen in sich trägt (vgl. Das Wesen des Geldes).

Wir können es nur zusammen schaffen, also mit den Reichen und Wohlhabenden, die sich eingestehen müssen, dass sie sich bei dieser Gemengelage zu viel – viel zu viel – genommen haben. Geben sie ihren Reichtum freiwillig als Kredit wieder zurück ins System, dann erhalten sie die Chance, dass ihre Kinder den Kredit wieder zurück erhalten. Tun sie es nicht, dürfte es zu gewaltsamen Revolutionen kommen. Und die werden auch die Reichen nicht unbeschadet überstehen.

Ich habe diesen Vorschlag an anderer Stelle ausgearbeitet. Das wird allerdings nur funktionieren, wenn es Politiker gäbe, die es erstens verstehen und zweitens das Rückgrat haben, es ganz deutlich zu machen, dass es sonst die gesetzmäßige Pflicht gibt. Verfassungsrechtler sollten auch einmal prüfen, ob das Grundgesetz nicht nur den nur Einzelnen schützt, sondern den Einzelnen auch als Alle.

Der Politiker, der diesen Ball aufnimmt und durchsetzt hat für Ewigkeiten einen Platz in der Geschichte. Er würde die kopernikanische Wende in unserer Gesellschaft einläuten und den Wohlstand für Alle auf den Weg bringen. Denn dieser Schritt könnte dann in allen relevanten Bereichen von Atomenergie über Klima, Natur und Umweltschutz (Ökologie) und weiterführend über Ökonomie in die Gesellschaft und damit in die Politik (fünf Kräfte) bis in die Ökumene Fuß fassen. Heraus käme eine Welt, in der sich alle wohl fühlen.

„Welche Chance hat ein Phänomen, bei dem selbst Volkswirtschaftsprofessoren zwei Wochen zum Begreifen brauchen, jemals in einer Talkshow-Demokratie zum Thema zu werden?“, fragt sich auch Spiegel-Redakteur Stefan Kaiser. Nun, jetzt ist es eine Chance, die wir gemeinsam ergreifen können. Aber je länger wir warten, desto kleiner wird das window of opportunity, das Fenster unserer Möglichkeiten. Lassen wir die Krise vollständig zu, müssen wir bei null anfangen. Jetzt wäre wenigstens noch etwas da. Nur müssten diejenigen, die es haben, damit umgehen können.

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