Es ist möglich als großer Mensch zu handeln

Die Folgen des unermüdlichen Produzierens, der Globalisierung und der einseitigen Unterordnung des gesamten Lebens unter die Ökonomie wie der Zwang zu Wachstum und technischem Fortschritt haben inzwischen ein Maß an Separation und Einseitigkeit, an Unsicherheit und Zerstörung erreicht, dass die Menschen umzudenken beginnen. Das industrielle und kommerzielle Zeitalter geht zu Ende, und wir stehen am Beginn einer neuen Renaissance. Ja, wir treffen uns hier in dieser Akademie am Vorabend einer neuen Epoche, in der, wie in der Zeit von 1350-1650, der Mensch mit seinen Vermögen wieder in den Mittelpunkt gestellt wird.

Renaissance – Wiedergeburt. In den ältesten Literaturquellen der Menschheit, in den heiligen Büchern der Hindus, habe ich eine Textpassage gefunden, in der genau beschrieben wird, wie der Mensch nach der Geburt seine Fähigkeiten und seine Vermögen einsetzen soll.

Jeder Mensch bringt durch die eigene Geburt die kosmische Ordnung ein wenig durcheinander, und er soll sein ganzes Handeln während seines Erdendaseins darauf richten und seine Vermögen so einsetzen, dass die gestörte Ordnung wieder in die Balance überführt wird.“

Ist das kein schönes Bild?

Jan Teunen

Dies hier ist der richtige Ort, um darüber zu sprechen, wie wir mit unseren Vermögen gestörte Ordnungen wieder in die Balance überführen können. Wie sich die Verletzungen, die sich die Welt zugefügt hat, heilen lassen. Denn in Akademien wird Wissen aufbereitet und weitergegeben, und wenn alles richtig ist, wird dort auch dazu angeregt, das Wissen nicht vom Handeln zu trennen. Das Ziel von Wissen, so bläute es bereits der Heilkundige Hippokrates seinen Studenten ein, ist es nicht, die Welt zu verändern, sondern vielmehr das Gleichgewicht wieder herzustellen, damit die Dinge zu ihrer ursprünglichen Form zurückkehren. Vor diesem Hintergrund sollte das Wissen, das wir hier seit gestern teilen, die Wirtschaft nicht zu einer kompletten Erneuerung inspirieren. Es reicht vollkommen, wenn sie angeregt wird, eine Drehung zum Ursprung vorzunehmen, eine Drehung zur antiken Ökonomik. Sie entstand als ganzheitliche Managementwissenschaft von der ethisch verantwortlichen Menschenführung in einem Haus.

Ein Bild, so heißt es bei den weisen Chinesen, sagt mehr als tausend Worte. Deswegen ist hinter mir dieses meditative, bewegende Bild mit dem Buchstaben T und das fließende Wasser eingeblendet. Was Sie da in Slow Motion sehen, sind 2.000 Bilder pro Sekunde, und das ist eine Sensation. Der Komponist Mathias Willvonseder, der es im Moment mehr mit der Stille als mit dem Vertonen hat, hat es eigens für meinen Beitrag hier gedreht. Sie erleben also eine Uraufführung. Als Cultural Capital Producer habe ich das T als Logo gewählt, weil es das Gleichgewicht symbolisiert, zu dem ich in Unternehmen durch meine Arbeit beitragen will, zum Gleichgewicht zwischen der wirtschaftlichen und der ethischen Verantwortung. Dieses Gleichgewicht ist die Voraussetzung für das Entstehen von

Unternehmenskulturen, die Vermögen positiv wirksam werden lassen. Mit ihnen kommen die Werte frei Haus und somit auch die Würde, und durch Werte und Würde werden Unternehmen, Mitarbeiter, Kunden und die anderen Stakeholder beschützt. Unternehmer, die sich nicht darum bemühen, ein solches Gleichgewicht herbeizuführen, die nicht gesellschaftsrelevant handeln, weil es ihnen vor allem um Profitmaximierung geht und nicht auch um ein Vorankommen der Gesellschaft bis zur Weltgesellschaft, haben kaum noch Zukunft. Wer heute nicht im Sinne des Ganzen denkt, fühlt, arbeitet und handelt, ist morgen als Unternehmer tot. Ihre Unternehmen haben zwar auch eine Unternehmenskultur, und die Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten, sind Kulturträger genau wie die anderen auch. Alles ist eben Kultur, aber Kulturen, die Gesellschaft verunstalten statt sie zu gestalten, sind nicht zukunftsträchtig, es hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft vertieft, und talentierte Mitarbeiter und informierte erwarten von Unternehmen, dass sie sich wirklich kultivieren, indem sie ihre Produkt- und Marktorientierung ausdrücklicher um die Gesellschaftsorientierung erweitern.

Ich halte fest, dass der Begriff der Unternehmenskultur für sich betrachtet bedeutungslos ist, denn jedes Unternehmen hat eine Unternehmenskultur. Der Begriff Unternehmenskultur ist dehnbar wie ein Gummiband.

Deshalb lassen sich Unternehmen nur nach Art und Maß ihrer Kultur unterscheiden. Eine Unternehmenskultur setzt sich aus Werten, Ansichten, Zielsetzungen und Gewohnheiten zusammen. Aber welche sind das?

Eine Vielzahl von Unternehmen lähmt durch ihre Unternehmenskultur das Engagement der Mitarbeiter und verbreitet Angst. Laut brand eins engagieren sich in Deutschland nur 14% der Beschäftigten für ihr Unternehmen und ein renommiertes Institut ermittelte, dass 60% aller Beschäftigten mit berufsbezogenen Ängsten am Arbeitsplatz sind. Angst ist unproduktiv, zerstört sie doch Geistesgegenwart, lässt die Inspiration versiegen und trocknet das kritische Bewusstsein aus. Angst ist ein Verlustproduzent auf ganzer Linie. Unternehmenskulturen, die Angst produzieren, sind destruktiv und belastend. Das Resultat destruktiver Unternehmenskulturen ist ein Verlust der Ausgewogen- und Angemessenheit.

Die Alternative sind oikologische Unternehmenskulturen. Die entstehen bei Unternehmen, die versuchen, alles in ihrem unternehmerischen Handeln zu berücksichtigen – eben das Ganze, den Oikos. In ihren Bilanzen sind ausdrücklich die Einheit der Dinge des Menschen, der Gesellschaft und der Natur ausgewiesen. Oikologische Unternehmenskulturen tragen zum Erreichen einer natürlichen, gesellschaftlichen und individuellen Angemessenheit bei. Sie beschützen und motivieren ihre Mitarbeiter und produzieren Glück statt Angst. Unternehmen, die sich eine solche Kultur erarbeiten, gehen konform mit dem Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Weiterlesen…

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