Menschenrechte, Menschenwürde und die Bedeutung der Politik

Das Grundgesetz in Glas garviert vor dem Jakob-Kaiser-Haus im Berliner Regierungsviertel - Bild: Michael Rose / Wikipedia

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

(2) Das deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“

Mit diesem deutlichen Bekenntnis zur Menschenwürde seitens des Staates und der Menschenrechte durch uns, das Volk, beginnt unser Grundgesetz. Die Menschenrechte, bestmöglich in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinen Nationen gefasst, können dabei vor allem als von allen Individuen und Kollektiven zu beachtende äußere Rahmenbedingungen betrachtet werden. Die Menschenwürde hingegen ist ein juristisch nicht einzugrenzender und schwer zu bestimmender menschlicher Selbstentwurf, ja, sie setzt dem Recht „einen außerrechtlichen absoluten Wert“ entgegen, wie es der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio in seinem Buch Die Kultur der Freiheit einst formulierte.

Die Menschenrechte formulieren also das Recht des Menschen an sich selbst, insbesondere die Freiheit von allen möglichen Zwängen sowie die Gleichheit vor dem Gesetz. Die Menschenwürde korrespondiert mit der Freiheit und der Gleichheit, es kann aber nicht letztendlich festgelegt werden, ob sie sich aus diesen beiden Werten gewissermaßen automatisch ergibt oder ob sie einen dritten, ggfs. sogar konkurrierenden Wert darstellt. Für die folgenden Überlegungen kann jedoch festgehalten werden, dass gemäß dem Resonanzgesetz die Art und Weise, wie der Mensch sich selbst sieht und behandelt, sich eins zu eins im äußeren Erleben abbildet.

Auf der Handlungsebene können wir beispielsweise die Spekulation mit Nahrungsmitteln auf Kosten hungernder Menschen als einen Verstoß gegen die Menschenwürde betrachten, auch wenn genaugenommen keine Menschenrechte direkt verletzt werden. Es geht also darum, festzustellen, was würdig ist, um im Umkehrschluss die Grenzen zu unwürdigem Verhalten festlegen zu können.

Aus oekohumaner Sicht ist es deswegen notwendig, die Menschenrechte weiter zu fassen, damit sie sie die Achtung der Menschenwürde garantieren, so wie es z.B. Pico della Mirandola ausgedrückt hat oder wie es in der Bibel steht: jedem das Seine auf gleicher Augenhöhe. Denn zu den Menschrechten zählt meiner Meinung nach neben der Versorgung mit guten Lebensmitteln, das Recht auf saubere Luft, das Recht auf Ruhe, das Recht auf Wasser, das Recht auf Sauberkeit in allen Bereichen, das Recht auf Bildung, das Recht auf Selbstfindung und Selbstverwirklichung, das Recht auf Gerechtigkeit, das Recht auf Gesundheit und das Recht auf Freiheit (möglichst mit dem Verständnis der damit einhergehenden Verantwortung). Kurz: Behandle Alles und Alle so, wie du selbst behandelt werden willst.

Die oekohumane Perspektive zum Geld und dem Umgang mit Geld ist ein wertvoller Spiegel unserer Gesellschaft für den Umgang mit den Menschenrechten und der Würde des Menschen. Da Geld immer aus einer gebrauchten Leistung des Menschen entsteht (siehe Beispiel weiter unten), ist in dieser Quittung und dem Recht die faire Anerkennung der Leistung eine Art materielles Menschenrecht. Allerdings liegt schon im Verständnis vom und im Umgang mit Geld der berühmte Hase im Pfeffer, denn die meisten Definitionen von Geld kennen die oben beschriebenen Rechte, wenn überhaupt, nur oberflächlich. Nun gibt es in unserem Rechtsverständnis eine goldene Regel: Unwissenheit schützt nicht vor den Konsequenzen. Meine Beobachtung ist, dass gegen die oben genannten Rechte ganz oder teilweise jede Sekunde, Minute und Stunde verstoßen wird. Ein Beispiel:

Geld entsteht aus meiner Leistung, die ich erbringe und die ein anderer braucht. Ich erhalte gewissermaßen eine Quittung (Geld), dass ich diese Leistung auch wirklich erbracht habe. In dieser Leistung ist immanent die Qualität, da es sonst Abzüge gibt, bis hin zu keiner Quittung. Nun stellt diese Quittung gleichzeitig das Recht dar, im Gegenwert (Qualität) meiner Leistung eine andere Leistung, die noch kein anderer gebraucht hat, aus dem Markt zu nehmen. Dieser Vorgang heißt kaufen. Ich verkaufe also meine Leistungsfähigkeit und tausche diese (kaufe) gegen eine andere.“

So meine Grunddefinition, was Geld ist. Mit oder ohne diese Definition gibt es die Spielchen der Menschen untereinander, mit der Erde und allem was lebt, von Stehlen, Unfairness, Betrügen, Abwerten bis hin zum Versklaven, um den eigenen Gewinn (Geld und Geltung) auf Kosten anderer zu steigern. Beim Versklaven, da sind wir uns wohl alle einig, liegt ein Verstoß gegen die Menschenrechte vor. Wo bei allen anderen Umgangsformen ein Verstoß beginnt, darauf muss sich jede Gemeinschaft in Form von Gesetzen selbst einigen. Für mich fängt der Verstoß schon an, wenn ich es nötig habe, einen Menschen herablassend zu behandeln, um meinen Gewinn (Geltung, Selbstwert und Geld) zu steigern, wenn ich also zur eigenen Aufwertung mein Gegenüber abwerte. Also bemühe ich mich, jedem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und ihn zu achten. Manchmal fällt dieser Grundsatz mir leicht und manchmal schwerer.

Da nun die Verfügbarkeit von Lebensmitteln (aus oekohumaner Sicht) ein Menschenrecht ist, werden die hungernden Menschen von denen versklavt, die ihnen die Lebensmittel durch ihre Handlungen vorenthalten oder schlechte Lebensmittel produzieren. Für alle anderen oben aufgeführten Menschenrechte gilt das gleiche. Da nun nicht nur wir Menschen Lebewesen sind, sondern auch die Erde und alles Leben auf der Erde, gelten diese Rechte für Alles und Alle gegenseitig.

Wieder gilt die schon angeführte, einfache Formel, mit der jeder bei sich anfangen kann: Behandle Alles und Alle so, wie du selbst behandelt werden willst. Ich für meinen Teil versuche das jeden Tag bestmöglich umsetzen und wenn es mir an einem Tag nicht gelingt, sorge ich am nächsten für den Ausgleich.

Nun können wir uns ein scheinbar banale Frage stellen: Wenn das jeder so umsetzt, haben wir dann so etwas wie den Himmel auf Erden oder doch eher die Hölle? Ich sehe eher den Himmel auf Erden und ich sehe vor allem, dass es möglich ist. Nur beginnen muss jeder bei sich selbst.

Die gewählten Regierungen, sprich die Menschen namens Politiker, sind nun unsere Auftragnehmer, und der Auftrag lautet: Lass es uns anpacken, den fairen Wohlstand für alle. Die Politiker sind also die Schiedsrichter und Manager, um diese komplexe Aufgabe zum Erfolg zu bringen. Ich denke nun, dass diese Aufgabe nur unternehmerisch gelöst werden kann. Es gilt, das Unternehmen Erde für Alle und Alles und für alle nachkommenden Generationen so zu führen, dass es den Wohlstand (beinhaltet alle Rechte und Pflichten) in einem rechten Maß (was ist genug) für jeden sicher stellt.

Wir, das Volk, alle Menschen sind die Auftraggeber. Aber wir müssen den Auftrag auch geben und klar definieren. Nehmen wir einmal an die überwiegende Menschheit würde sich für das Ziel Wohlstand für Alles und Alle, sozusagen den Himmel auf Erden entscheiden, wie gehen wir dann mit dem Status Quo um? Verteufeln, anklagen, mit Wut und Zorn alles zerschlagen oder annehmen, akzeptieren, neu wählen und mit Ruhe und Kraft die Aufgaben bewältigen? Es ist genau diese Entscheidung, die uns entweder nur an den Symptomen herumdoktern oder die falschen in richtige Ursachen ändern lässt. Wir müssen anfangen, uns der grundsätzlichen Bedeutungen der Worte bewusst zu werden, wir müssen die Prinzipien unserer Gesellschaften, wie Menschenrechte und Menschenwürde verstehen. Wo etwa Wohlstand anfängt, kann völlig neu definiert werden, was also braucht es mindestens zum würdigen Leben und was ist höchstens möglich, bei dem heutigen Bewusstseinsstand und was können wir tun, um diesen ohne Benachteiligung und Gefährdung vom erreichten Wohlstand zu erweitern?

Meine Hypothese dabei lautet, dass die Quittung und das Recht, Geld genannt, erst dann glücklich machen wird, wenn jeder mit sich und dem Umgang mit Allen zufrieden ist. Ich nenne dies einen gesunden Egoismus, der sich an der oben angeführten Formel, der sogenannten Goldenen Regel orientiert.

Diese Einstellung und Haltung in die Welt zu tragen, ist das Ziel des OekoHuman und von mir. Wer dies unterschreiben kann, ist herzlich willkommen, denn wir müssen immer mehr werden, die nach solchen Zielen streben. Meine Haltung ist: Gewaltfrei, gewinnend, nicht klagend oder anklagend. Stattdessen alles mit absoluter Freude und Hingabe, die Gedanken und Gefühle hebend, mit Dankbarkeit, Begeisterung und vor allem Entschlossenheit.

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