Flutkatastrophen, Alternativen und Evolution

Natürlich Flussläufe mäandern, verlangsamen dadurch ihre Fließgeschwindigkeit und das Risiko für Hochwasser - Bild: (links):  M. Klüber Fotografie / Wikipedia; (rechts): Stefan Penninger / Wikipedia (CC-Lizenz)

Natürlich Flussläufe mäandern, verlangsamen dadurch ihre Fließgeschwindigkeit und das Risiko für Hochwasser – Bild: (links): M. Klüber Fotografie / Wikipedia; (rechts): Stefan Penninger / Wikipedia (CC-Lizenz)

Nur wenige Kommentare zum derzeitigen Hochwasser in Österreich und Deutschland haben den Mut, nach den Ursachen dafür zu fragen, warum die Flut zu einer Katastrophe wurde. Eine angenehme Ausnahme war diesbezüglich die Radiosendung Der Tag bei hr2 Kultur (12. Juni 2013, hier der Podcast zum Nachhören, 54 min). Sie ging nicht nur der Frage nach, wie Politiker bei der letzten „Jahrhundertflut“ 2002 und der derzeitigen Steigerung versuchen, in Gummistiefeln Wahlen zu gewinnen. Die Journalisten begaben sich auch auf die Suche nach effektiven Möglichkeiten, des Hochwassers Herr zu werden.

Und sie fanden einige sehr erfolgreiche Methoden und Ideen. Allen gemeinsam war, dass die Menschen begonnen hatten, echte Alternativen mit Qualität zu denken und entsprechend dieser Einsicht zu handeln. Sie verließen die gewohnten Pfade und schufen etwas scheinbar Neues. In Wirklichkeit haben sie sich an Naturgesetzmäßigkeiten orientiert. Oftmals belächelt oder gar angefeindet, stehen sie heute als klug handelnd da. Und dies beginnt bereits mit so einfachen Schritten, anstelle von 60.000 Sandsäcken lieber mobile Wände auf der Grundlage von Euro-Paletten aufzustellen. Glaubt man den Entwicklern dieser Idee (in Köln), spart die öffentliche Kasse pro einem ausgegebenen Euro rund zehn Euro an Schaden. Darüber hinaus sind die Hochwasserwände wiederverwertbar und müssen nicht wie die durchweichten Sandsäcke entsorgt werden. So schützen die Maßnahmen nicht nur uns Menschen, sondern auch noch die Umwelt.

Doch – wie leider fast immer – haben nur wenige Menschen – zu wenige Menschen – begonnen, vorgegebene Pfade zu verlassen und neu zu denken und zu handeln. Das Ergebnis können wir jeden Tag in den TV-Nachrichten sehen. Doch wie schon Friedrich Schiller in Die Jungfrau von Orleans so treffend schrieb: „Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“. Der mittelalterliche Volksmund wusste übrigens auch schon, „gegen Dummheit oder Wahnsinn ist kein Kraut gewachsen“.

Erhängen oder Erschießen

Wir sehen also, dass sich unvernünftiges oder ignorantes Verhalten trotz rationaler Gegenargumente ständig wiederholt und man deshalb kaum eine Chance hat, es endgültig zu Qualität zu transformieren. Und selbst das Aufbringen größter Bemühungen versandet meist erfolglos.

Aus oekohumaner Sicht zeigt sich hier ein allgegenwärtiger Fehler in unserem Denken, Fühlen und Handeln. Die Menschen glauben an die Alternativlosigkeit, weil die von ihnen „gewählten“ Konzernmanager und Politiker ins immer gleiche Einlull-Horn blasen. OekoHuman nennt dies die Entscheidung zwischen Erhängen und Erschießen.

Doch es gibt, wie auch der hr2-Beitrag zur Hochwasserbekämpfung zeigt, nachhaltige Alternativen in jedem Bereich der Gesellschaft und Menschen, die sowohl gestern als auch heute eine Alternative hatten und haben. Doch wurden diese Menschen von den Wenigen aus Gründen der Ego-Gier lächerlich gemacht und das Gute und Richtige verschwand in Schubladen.

OekoHuman hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Alternativen in zentralen Lösungsansätzen zusammenzufassen. Oder als Slogan ausgedrückt:

OekoHuman setzt auf die (R)Evolution in jedem selbst, damit die Menschen nach der „Wiederauferstehung“ die Evolution im Außen bewirken können.

Die wahre und nachhaltige Hilfe heißt also: Hilfe zur Selbsthilfe. Diese besteht im qualitativ neuem Denken, Fühlen, Empfinden und Handeln nach Erkenntnissen und Einsichten von gestern; in dem echten Lernen aus Fehlern. OekoHuman feiert also die wenigen Menschen, die nach der Flut 2002 klug gehandelt haben. Sie sind die Vorreiter – Vordenker – Vorseher für unseren zentrales Motto:

Leben für und mit Qualität in jedem Ton: OekoHuman

Eine fundamentale Änderung unseres Konsumverhaltens

Soil & More sorgt für guten Boden - Hintergrundbild: Peter Smola / pixelio.de

Der Boden war seit je her ein – wenn nicht das zentrale Thema der Bio- und biodynamischen Landwirtschaft. Und es ist wichtiger denn je, denn weltweit werden nachhaltig, d.h. langfristig fruchtbare Böden knapper und knapper. So knapp, dass bereits große konventionelle Firmen und Düngerhersteller dem Bodenschutz und Entwicklung höchste Priorität geben. Doch nicht nur die konventionelle Landwirtschaft hat hier noch einige Hausaufgaben zu machen, auch in Biobetrieben gibt es hier sowohl in Europa als auch international noch großes Verbesserungspotential.

Kompostierung von landwirtschaftlicher Biomasse ist hier ein Lösungsansatz. Wir produzieren nicht nur Äpfel, Birnen, Kartoffeln und Tomaten, sondern auch die Bäume, Äste, Zweige, Blätter und Pflanzen, die diese Früchte tragen. Sie alle sind voll von wertvollen Nähr- und Strukturstoffen sowie Wasser und mikrobiellem Leben. Wenn wir diese Nebenprodukte nicht dem Boden zurückführen, ist das ein ökologisches aber auch ökonomisches Verlustgeschäft für den landwirtschaftlichen Zyklus.

Für eine wirkliche und umfassend nachhaltige Entwicklung in der Lebensmittelkette ist aber auch der Konsument bzw. eine fundamentale Änderung unseres Konsumverhaltens unabdinglich. Solange wir 40 Prozent der erzeugten Lebensmittel wegwerfen (weltweiter Durchschnitt) und gleichzeitig immer billigere Lebensmittel fordern, ist unser Verhältnis zu Lebensmitteln gestört. Lebensmittel sind zentraler Bestandteil unseres Lebens und wir müssen ihnen einen höheren Stellenwert geben und sie nicht nur als notwendiges Übel betrachten. Nur dann werden wir fähig sein Preis, Qualität, Fairness und Umweltbewusstsein nachhaltig zu entwickeln und umzusetzen.

Mehr Informationen: www.soilandmore.com

Fünf Billionen Euro

AKW Brokdorf, eine Umweltgefahr? - Bild: gabriele Planthaber / pixelio.de

Mit erstaunlichen fünf Billionen Euro im Jahr schlagen laut einer UN-Studie die jährlich von den 3.000 bedeutendsten Unternehmen der Welt verursachten Umweltschäden zu Buche. Konkret bedeutet das das Artensterben (Biodiversität), der Klimawandel, die Versteppung ganzer Regionen, der stratosphärische Ozonverlust, die Verunreinigung der Meere durch z. B.  Ölkatastrophen, Überfischung der Meere, Landraub durch Entwaldung und vieles mehr. Die fünf Billionen Euro stehen für eine rasch voranschreitende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und damit für extreme Verschlechterung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Diese Verschlechterung der Lebensbedingungen schaffen die „Wenigen“ nicht nur für ihre Kinder, sondern für alle Kinder und Kindeskinder.

Der sogenannte Umweltraum wurde in die Nachhaltigkeitsdebatte der 1980er und 1990er Jahre eingeführt, um verantwortungsbewusst mit der Erde, den Menschen, den Tieren, den Pflanzen, dem Wasser, der Luft, dem Boden, dem Klima, der Natur und ihrer Nutzung umzugehen: Wie können Abfälle und Emissionen naturverträglich recycelt werden, wie ressourcenschonend Energie gewonnen und nicht erneuerbare Rohstoffe langfristig genutzt, wie kann landwirtschaftlich nutzbare Fläche für die gesamte Menschheit genutzt, kann sogar Wüste in fruchtbaren Boden umgewandelt werden? Dies sind die Fragen, die mit dem Begriff Umweltraum qualifiziert beantwortet werden könnten, um den Wohlstand für Alle zu schaffen.

Der Menschheit als Ganzes stehen die Nutzung der Ressourcen und die Möglichkeiten des Umweltraums zu, so wie die Bibel beschrieben hat: Mensch mache Dir die Welt Untertan und herrsche weise. Dieses und herrsche weise, wurde in den Übersetzungen unterschlagen. Es wäre nun von der oekohumanen Bewegung vielleicht zu kurz gesprungen, zu behaupten, hier läge eine der Hauptursachen, dass die ökologisch verhängnisvolle Praxis der Großkonzerne die Nutzungsrechte aller nachhaltig verletzt.

Die Zahlen der UN-Studie belegen auch, dass der Trend zur raschen Vernichtung des Umweltraums nach wie vor ungebrochen ist und scheinbar der Glaube vorherrscht, dass es eine ins Unendliche angelegte Verwertungsspirale ohne Regenerierung gibt. Man muss sich verdeutlichen, dass Banken, Konzerne und Unternehmen Plattformen sind, die von Menschen geführt werden, wir nennen sie die Wenigen. Diese Plattformen dienen in erster Linie dazu, den Vielen die Illusion der Teilhabe zu vermitteln (Brot und Spiele), um den Wenigen die „legale“ Ausbeutung von Natur und Mensch zu ermöglichen.

So nennen 0,15 Prozent der Menschheit 40 Prozent des liquiden Kapitals ihr Eigen und weitere 1,85 Prozent der Menschheit zusätzliche 16 Prozent des liquiden Kapitals, während 80 Prozent der Menschheit mit 3.650 Dollar pro Jahr (32% des Welt-BIPs) auskommen müssen. Übrigens: 20 Prozent (1,4 Milliarden Menschen) müssen von  ca. 460 Dollar pro Jahr (365 Euro) leben. Die oben genannten 5 Billionen Euro werden zum größten Teil unseren Kindern und Kindeskindern geraubt und das Fatale ist, die Vielen, die Engagierten und die Einzelnen lassen diesen Unsinn aus den unterschiedlichen Gründen zu.

Bedrohte Vielfalt des Lebens

Biodiversität versteckt sich in den kleinsten Lebewesen - Bild: Peashooter / pixelio.de

Das Problem des rasanten Biodiversitätsverlustes wird immer noch unterschätzt, die Konsequenzen sind weitreichender und langfristiger als beim Klimawandel. Biodiversitätsverlust heißt, wir verlieren jeden Tag Vielfalt des LEBENS. So Volker Mosbrugger, Biologe, Chemiker und Generaldirektor des Senckenberg Museums in Frankfurt. Die Eckpunkte seines Beitrages im HR 2 Kultur (Sendung: Wissenswert, 21.03.2012) sind:

  • Der Faktor des Wandels der Arten ist um den Faktor 100 bis 1000 beschleunigt.
  • Der Mensch lebt nicht nur in der Natur, sondern vor allen von der Natur.
  • Ökosystem-Dienstleistungen wie zum Beispiel die Bestäubung sind kostenlos und beziffern sich jährlich auf ca. 30 Billionen Euro (30.000.000.000.000!), ein wie ich meine sehr großzügiges Geschenk von der Natur an die Menschen.
  • Diese Ökosystem Dienstleistungen sind zum größten Teil nicht nur für den Menschen überlebensnotwendig.
  • Zwei Faktoren die im Wesentlichen den Prozess des Biodiversitätsverlustes auslösen:
    • Landverbrauch bzw. -raub (Entwaldung), weltweit entspricht das jährlich etwa der Fläche Großbritanniens, diese Fläche wird dem Körper Erde zur Regeneration entzogen;
    • Der Klimawandel.
  • Der Fußabdruck des Plünderns wird 5 Millionen Jahre sichtbar sein.

Soviel zur wahren Definition von Nachhaltigkeit, Verantwortung und Gerechtigkeit über Generationen! Der Lösungsansatz kann freilich nur darin liegen, eine Vollkostenrechnung aufzustellen und den Klimawandel mit aller Kraft und Macht stoppen.

Unserem OekoHuman-Ansatz nach, können nur die Gewissenhaften und Wissenden dem Wahnsinn ein Ende setzen – dazu müssen sie sich jedoch organisieren und zusammenarbeiten. Dass es sich auch ökonomisch auszahlt, im Einklang mit der Natur zu arbeiten, verdeutlicht das gleichnamige Projekt der Welthungerhilfe.