Fünf Billionen Euro

AKW Brokdorf, eine Umweltgefahr? - Bild: gabriele Planthaber / pixelio.de

Mit erstaunlichen fünf Billionen Euro im Jahr schlagen laut einer UN-Studie die jährlich von den 3.000 bedeutendsten Unternehmen der Welt verursachten Umweltschäden zu Buche. Konkret bedeutet das das Artensterben (Biodiversität), der Klimawandel, die Versteppung ganzer Regionen, der stratosphärische Ozonverlust, die Verunreinigung der Meere durch z. B.  Ölkatastrophen, Überfischung der Meere, Landraub durch Entwaldung und vieles mehr. Die fünf Billionen Euro stehen für eine rasch voranschreitende Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und damit für extreme Verschlechterung der Lebensbedingungen auf unserem Planeten. Diese Verschlechterung der Lebensbedingungen schaffen die „Wenigen“ nicht nur für ihre Kinder, sondern für alle Kinder und Kindeskinder.

Der sogenannte Umweltraum wurde in die Nachhaltigkeitsdebatte der 1980er und 1990er Jahre eingeführt, um verantwortungsbewusst mit der Erde, den Menschen, den Tieren, den Pflanzen, dem Wasser, der Luft, dem Boden, dem Klima, der Natur und ihrer Nutzung umzugehen: Wie können Abfälle und Emissionen naturverträglich recycelt werden, wie ressourcenschonend Energie gewonnen und nicht erneuerbare Rohstoffe langfristig genutzt, wie kann landwirtschaftlich nutzbare Fläche für die gesamte Menschheit genutzt, kann sogar Wüste in fruchtbaren Boden umgewandelt werden? Dies sind die Fragen, die mit dem Begriff Umweltraum qualifiziert beantwortet werden könnten, um den Wohlstand für Alle zu schaffen.

Der Menschheit als Ganzes stehen die Nutzung der Ressourcen und die Möglichkeiten des Umweltraums zu, so wie die Bibel beschrieben hat: Mensch mache Dir die Welt Untertan und herrsche weise. Dieses und herrsche weise, wurde in den Übersetzungen unterschlagen. Es wäre nun von der oekohumanen Bewegung vielleicht zu kurz gesprungen, zu behaupten, hier läge eine der Hauptursachen, dass die ökologisch verhängnisvolle Praxis der Großkonzerne die Nutzungsrechte aller nachhaltig verletzt.

Die Zahlen der UN-Studie belegen auch, dass der Trend zur raschen Vernichtung des Umweltraums nach wie vor ungebrochen ist und scheinbar der Glaube vorherrscht, dass es eine ins Unendliche angelegte Verwertungsspirale ohne Regenerierung gibt. Man muss sich verdeutlichen, dass Banken, Konzerne und Unternehmen Plattformen sind, die von Menschen geführt werden, wir nennen sie die Wenigen. Diese Plattformen dienen in erster Linie dazu, den Vielen die Illusion der Teilhabe zu vermitteln (Brot und Spiele), um den Wenigen die „legale“ Ausbeutung von Natur und Mensch zu ermöglichen.

So nennen 0,15 Prozent der Menschheit 40 Prozent des liquiden Kapitals ihr Eigen und weitere 1,85 Prozent der Menschheit zusätzliche 16 Prozent des liquiden Kapitals, während 80 Prozent der Menschheit mit 3.650 Dollar pro Jahr (32% des Welt-BIPs) auskommen müssen. Übrigens: 20 Prozent (1,4 Milliarden Menschen) müssen von  ca. 460 Dollar pro Jahr (365 Euro) leben. Die oben genannten 5 Billionen Euro werden zum größten Teil unseren Kindern und Kindeskindern geraubt und das Fatale ist, die Vielen, die Engagierten und die Einzelnen lassen diesen Unsinn aus den unterschiedlichen Gründen zu.

Bedrohte Vielfalt des Lebens

Biodiversität versteckt sich in den kleinsten Lebewesen - Bild: Peashooter / pixelio.de

Das Problem des rasanten Biodiversitätsverlustes wird immer noch unterschätzt, die Konsequenzen sind weitreichender und langfristiger als beim Klimawandel. Biodiversitätsverlust heißt, wir verlieren jeden Tag Vielfalt des LEBENS. So Volker Mosbrugger, Biologe, Chemiker und Generaldirektor des Senckenberg Museums in Frankfurt. Die Eckpunkte seines Beitrages im HR 2 Kultur (Sendung: Wissenswert, 21.03.2012) sind:

  • Der Faktor des Wandels der Arten ist um den Faktor 100 bis 1000 beschleunigt.
  • Der Mensch lebt nicht nur in der Natur, sondern vor allen von der Natur.
  • Ökosystem-Dienstleistungen wie zum Beispiel die Bestäubung sind kostenlos und beziffern sich jährlich auf ca. 30 Billionen Euro (30.000.000.000.000!), ein wie ich meine sehr großzügiges Geschenk von der Natur an die Menschen.
  • Diese Ökosystem Dienstleistungen sind zum größten Teil nicht nur für den Menschen überlebensnotwendig.
  • Zwei Faktoren die im Wesentlichen den Prozess des Biodiversitätsverlustes auslösen:
    • Landverbrauch bzw. -raub (Entwaldung), weltweit entspricht das jährlich etwa der Fläche Großbritanniens, diese Fläche wird dem Körper Erde zur Regeneration entzogen;
    • Der Klimawandel.
  • Der Fußabdruck des Plünderns wird 5 Millionen Jahre sichtbar sein.

Soviel zur wahren Definition von Nachhaltigkeit, Verantwortung und Gerechtigkeit über Generationen! Der Lösungsansatz kann freilich nur darin liegen, eine Vollkostenrechnung aufzustellen und den Klimawandel mit aller Kraft und Macht stoppen.

Unserem OekoHuman-Ansatz nach, können nur die Gewissenhaften und Wissenden dem Wahnsinn ein Ende setzen – dazu müssen sie sich jedoch organisieren und zusammenarbeiten. Dass es sich auch ökonomisch auszahlt, im Einklang mit der Natur zu arbeiten, verdeutlicht das gleichnamige Projekt der Welthungerhilfe.

Echtes Geld?

Was ist echtes Geld? Kann eine Währung echter sein, als eine andere? - Bild: Stefan Kawik / pixelio.de

Wieder einmal spielt hier heute Merkels Zukunftsdialog eine Rolle. Ich hatte kürzlich am Beispiel der Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen nachgewiesen, dass viele ihre Stimme verschwenden, indem sie ihre Zusammenarbeit nicht koordinieren bzw. gar nicht zusammenarbeiten.

Schon damals wies ich auf einen Vorschlag hin, der die Einführung von echtem Geld erreichen will. In den Kommentaren hat sich eine spannende Diskussion entwickelt (sofern man bei den bescheidenen technischen Möglichkeiten dieses angeblichen Dialoges überhaupt von Diskussion sprechen kann). Allerding dreht sich diese Diskussion im Kreis, weil Worte verwendet werden, deren Inhalt keiner hinterfragt. So redet jeder über etwas anderes und alle aneinander vorbei

Es gilt zu allererst zu unterscheiden was ist Geld – ja auch ein Schuldschein –, was passiert auf dem Markt, was ist Preis, was ist Wert, was ist Inflation. Wodurch wird dieselbe geschaffen, gleiches gilt für Deflation, was ist Kapital, wo kommt es überall vor, was unterscheidet Kapital von Reichtum und Vermögen, was ist Ertrag, was sind Einnahmen, was sind Kosten, was sind Ausgaben, was sind Rückstellungen, was ist Gewinn, was sind stille Reserven, was sind offene Reserven, wer hat wie was beeinflusst, was sagt das Risiko zu alledem wirklich, wie, wer und was beurteilt eine Leistung, was hat die Ökonomie richtig erkannt, wo gibt es blinde Flecken

Dies sind lediglich einige der wichtigsten betriebswirtschaftlichen Einflussfaktoren. Hinzu kommen die volkswirtschaftlichen, die psychologischen, die ethischen und die ökologischen Einflussfaktoren. Wenn alles ernsthaft und laufend beleuchtet wird, dann erst können wir anfangen, über echtes Geld zu sprechen und zu diskutieren.

Auch wenn es im Moment noch wenige sehen, alle und noch mehr Faktoren bestimmen schon heute die Qualität des Geldes. Der Antrag hat also nur aus einem Grund eine Daseinsberechtigung: Wir haben Falschgeld und es wird jeden Tag schlimmer. Lieber wenden wir uns seltsamen Gedankenspielen zu, als Falschgeld zu erhalten. Die spannende Frage ist: wie entsteht echtes Geld und wie kann dessen Qualität erhalten bleiben.

Zahlen, ganz große Zahlen…

Die EZB in Frankfurt am Main bei Nacht - Bild: Linda Karlsson / pixelio.de

Vor einigen Wochen habe ich hier über Deutschlands große Forderungen an die Europäische Zentralbank (EZB) berichtet, die durch Target 2, also den innereuropäischen Handel mit Waren entstanden sind. Das System funktioniert wie folgt:

Eine Firma z.B. in Griechenland kauft eine deutsche Maschine. Das Geld dafür überweist die griechische Staatsbank an die EZB, die dadurch entsprechende Schulden bei der Deutschen Bundesbank hat. Zahlen nun die Griechen nicht, fließt auch kein Geld an die EZB. Griechenland steht also dort in der Kreide. Gleichzeitig bleibt die Bundesbank auf den Forderungen sitzen, denn die Maschine wurde ja bereits geliefert und der entsprechende Betrag im Zweifelsfall an den deutschen Hersteller ausgezahlt. Komplett undurchsichtig wird der Kreislauf, wenn sich die griechische Firma zusätzlich noch einen Kredit bei einer deutschen Bank für die Anschaffung genommen hat.

Verzögerungen bei diesen Finanztransaktionen sind nicht unüblich, fällt jetzt aber ein Land gänzlich aus, dürfte das System ganz schön ins Schwanken kommen… Und so wie es aussieht, muss der (deutsche) Steuerzahler dann dafür aufkommen, dass andere mit ihrem Export sehr große Gewinne eingefahren haben.

Wieder einmal muss ich hier die saubere Arbeit von den Querschüssen loben, wo sich eine grafisch gut aufgearbeitete Übersicht dazu findet. Aber Vorsicht, die großen Unterschiede bei den Schulden- und Forderungsbalken in den Diagrammen können ganz schön verschrecken!

Wachstum braucht Schöpfung

Wachstum braucht auf dem Markt immer ein Gegenstück - Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

Am 22. August 2011, titelte Der Spiegel: Gelduntergang, die zerstörerische Macht der Finanzmärkte. Wie man dieser Webseite und bei genauem Lesen auch den Medien entnehmen kann, haben die Zentralbanken der Euro-Länder (u.a.) einen nicht unerheblichen Anteil daran. Vor einigen Tagen traf ich mich mit Dr. Stefan L. Eichner, seines Zeichens Ökonom, der zu diesem Thema regelmäßig bei Querschüsse und auf seinem eigenen Blog schreibt.

Unter dem Motto Spurensuche versuche ich regelmäßig andere Blickwinkel auf die gleichen Krisen zu finden, um die Symptome ins rechte Licht zu rücken, die blinden Flecken zu identifizieren und zu entfernen. Dies erreichen wir, indem wir auf die eigentlichen Ursachen verweisen. Herr Eichner, der die Ursachen der Krise ähnlich wie ich beurteilt, schaut sich die Krise vor allem  von der Marktseite an und hinterfragt, ob die Lösungsansätze, die von den Politkern angeboten werden, überhaupt eine Chance haben, realisiert zu werden. Unter anderem untersucht er, ob es genügend Wachstum (Angebot oder Nachfrage) geben kann, das auf dem Markt sein Gegenstück findet.

Eichners Einschätzungen zu Griechenland (Teil 1, Teil 2, Teil 3) überzeugen durchweg. Er entlarvt die innere Panik der Rettungsversuche von Politik und Banken, ein marodes, auf falschen Annahmen basierendes System zu retten. Eichners Hypothese: Wachstum ohne Entwicklung ist nicht möglich, denn erstens ist Wachstum in Entwicklung enthalten und zweitens kann Wachstum nur durch Schöpfung (Kreativität) und der damit verbundenen Bewusstseinserweiterung unendlich sein. Wachstum ohne Schöpfung und Entwicklung stößt gewissermaßen mit dem Kopf an die Decke des Alten, das Leben erwartet Neuerungen.

Im Extremfall sind wir damit bei Josef Schumpeters Prozess der schöpferischen Zerstörung, der das Extrem einer Entwicklung beschreibt, ausgelöst durch eine radikale Innovation, mit dem Ergebnis des Umbruchs ganzer Volkswirtschaften. Bei Schumpeter bestand die technologische Revolution in der Entwicklung von der Kutsche zum Automobil, aber auch die Erfindung der Druckerpresse oder des Internets ist eine solche.

Fazit: Die derzeitigen Rettungsversuche sind nicht in der Lage, die Staaten vor dem Zusammenbruch zu bewahren, sondern helfen auf den ersten Blick nur den organisierten Wenigen. Ob diese Rechnung für die Reichen aufgeht, kann erst ein zweiter Blick zeigen. Gaddafi und die Revolutionen in den arabischen Ländern lassen grüßen. Im besten Fall, so der oekohumane Ansatz, kommt die Einsicht bei den Wenigen und damit die Bewusstseinsentwicklung vor der radikalen Variante des Zusammenbruchs. Die Fakten und Zahlen, deren Interpretation und die daraus folgenden Ergebnisse sind heute leichter vorauszusagen als der tägliche Wetterbericht.

In dem hier aufgeführten Artikel setzt Eichner sich ausnahmsweise mit Zahlen der Investmentbanken auseinander. Die darin aufgeführte Tabelle erklärt und zeigt der einen Seite auf, Wie Sie mit fünf Banken und ein paar Politikern ein ganzes Volk ausnehmen können, auf der anderen Seite, dass das Spiel noch nicht zu Ende ist.


Zitterpartie griechischer Schuldenschnitt …, nur für wen?

Stefan L. Eichners Blog, 8. März 2012

Der Termin, bis zu dem sich die Gläubiger Griechenlands entscheiden müssen, ob sie sich freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen oder nicht, steht fest:

Heute um 21:00 Uhr (MEZ).

Die entscheidende Frage ist, ob der Schuldenschnitt gelingt oder – möglicherweise trotz der jüngst in Gesetzesform gebrachten Möglichkeit zur Zwangsbeteiligung (Collective Action Clauses (CAC)) von Gläubigern – scheitert.

Das Gesetz kommt zur Anwendung, wenn sich zu wenig Gläubiger freiwillig beteiligen, das heißt, wenn weniger als 75 Prozent der betroffenen griechischen Schulden durch die Gläubiger abgedeckt sind, die sich bis 21 Uhr auf die entsprechende Liste eingetragen haben. Das Gesetz kann andererseits jedoch nicht zur Anwendung kommen, wenn die sich freiwillig beteiligenden Gläubiger für weniger als 50 Prozent der relevanten Schulden stehen. Kommen mehr als 50 Prozent für den freiwilligen Schuldenschnitt zusammen, bedarf es der Zustimmung von Zweidrittel dieser, sich freiwillig beteiligenden Gläubiger, damit das Gesetz zur Zwangsbeteiligung angewendet werden kann.[ref]Griechenlands geplanter Anleihetausch: So funktioniert der Schuldenschnitt (v. 08.03.12); URL: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/schuldenschnitt110.html [/ref]

Nun ist bekannt, dass bisher vor allem Banken und Versicherungen ihre Bereitschaft zum freiwilligen Schuldenschnitt bekundet haben. Werden sie im Zweifelsfall die Anwendung des Gesetzes zur Zwangsverpflichtung befürworten?

Wovor alle Angst haben und was die ganze Welt gegenwärtig beschäftigt, ist die Frage, ob es in diesem Zusammenhang offiziell zu einem Kreditereignis kommt und damit die auf griechische Anleihen abgeschlossenen Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps (CDS)) fällig werden. Denn wer wo und inwieweit mit CDS im Risiko steht und ob tatsächlich alle Anbieter von entsprechenden CDS im Falle eines griechischen Kreditereig­nisses wirklich zahlen können und ob es, wenn das nicht der Fall ist, nicht infolge gegen­seitiger Absicherung von CDS-Anbietern durch CDS eine neue Kettenreaktion auf den Finanzmärkten erfolgt, weiß niemand. Nach der Lehman-Pleite ist genau das geschehen – man denke nur an den Fall der einst weltgrößten Versicherung AIG.

Die Entscheidung, dass ein Kreditereignis vorliegt, trifft der Derivateverband, die Inter­national Swaps and Derivatives Association (ISDA), genauer gesagt das innerhalb der ISDA für Europa zuständige Komitee. In diesem Komitee sitzen unter anderem die im CDS-Geschäft größten acht Banken, namentlich: die Bank of America Merrill Lynch, Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley, Societe Generale und die UBS. Auch in CDS engagierte „Nicht-Banken“ und Investoren gehören dazu: Pimco, Blue Mountain Capital, D.E. Shaw Group und die Elliot Management Corporation.[ref]Kreditausfallversicherung: CDS auf griechische Staatsanleihen werden nicht fällig (v. 01.03.12); URL: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/kreditausfallversicherung-cds-auf-griechische-staatsanleihen-werden-nicht-faellig/6274452.html [/ref]

Da liegt das Problem. Nehmen wir zum Beispiel einmal die US-Banken in den Blick.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen des Office of the Comptroller oft the Currency (OCC) für das dritte Quartal 2011 vereinen lediglich fünf große US-Banken 96 Prozent des von US-Banken und -Handelsgeselllschaften getätigten Derivategeschäfts. Auf Holdingebene sind das die in der Tabelle aufgeführten.[ref]OCC, Quarterly Report on Bank Trading and Derivatives Activities Third Quarter 2011, Table 2, page 26 (v. 16.12.12); URL: http://www.occ.gov/topics/capital-markets/financial-markets/trading/derivatives/dq311.pdf [/ref]

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Das sind bombastische Zahlen – nur damit kein Zweifel aufkommt: Es geht hier um Billionen bzw. amerikanisch: um Trillions – die jedoch durch das sogenannte Netting, bei dem entsprechende Positionen auf der Aktiv- und Passivseite der Bilanz einfach gegen­einander aufgerechnet werden, auf „kleinere“ Milliardenbeträge zusammenschmelzen. Genau genommen verschwinden die Risiken dadurch natürlich nicht.

Das bedeutet im gegebenen Zusammenhang, dass Banken als Kreditversicherer im Ge­schäft sind und sich andererseits in ähnlicher Größenordnung über Kreditversicherungen bei anderen CDS-Anbietern abgesichert haben. Genau daraus, das heißt aus der – völlig undurchschaubaren – gegenseitigen Absicherung bei gleichzeitiger Konzentration des CDS-Geschäfts auf eine weltweit überschaubare Zahl von großen Akteuren, resultiert die Gefahr einer Kettenreaktion im Falle eines Kreditausfalls.

Vor diesem Hintergrund stellt sich ernstlich die Frage, ob die sich freiwillig am Schulden­schnitt beteiligenden Großbanken und Investoren bereit sein werden, der Anwendung des Gesetzes für die Zwangsbeteiligung am Schuldenschnitt zuzustimmen? Schließlich befin­den sich unter diesen wenigstens einige derjenigen, die zur Crème de la Crème des CDS-Marktes gehören und im für den Fall Griechenland zuständigen ISDA-Komitee die Ent­scheidung über das Vorliegen eines Kreditereignisses zu fällen haben.

Diese Frage mag sich jeder selbst beantworten. Jim Sinclair hat in diesem Punkt kürzlich eine drastische Einschätzung kundgetan: Er rechnet im Falle eines Kreditereignisses in Griechenland mit der Insolvenz der fünf größten US-Spieler auf dem Derivatemarkt – allerdings rechnet er auch fest damit, dass sie von der US-Regierung gerettet werden.[ref]Frank Meyer, Rott&Meyer, Die drohende, nicht erklärte Insolvenz von fünf systemrelevanten US-Banken (v. 07.02.12); URL: http://www.rottmeyer.de/jim-sinclair-die-drohende-nicht-erklarte-insolvenz-von-funf-systemrelevanten-us-banken/ [/ref]

Warten wir es also ab.