Empört Euch und engagiert Euch!

Günter Grass - Bild: Florian K / Wikipedia

Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind. Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird […]“

So schrieb es Günter Grass in seinem Gedicht unter dem Titel Was gesagt werden muss vor wenigen Tagen und löste damit eine hochkochende, geradezu aufschäumende Debatte aus. Ich nehme das Gedicht von Grass zum Anlass, um meine Empörung über den Meinungsbildungsversuch von der Mehrzahl deutscher Medien, den Kommentaren und Reaktionen scheinheiliger Politiker sowie den sogenannten Intelektuellen wie Martin Walser und Durs Grünbein zum Ausdruck zu bringen.

Nehmen wir mal an, der Aufruf bzw. die Ermahnung von Günter Grass würde ernst genommen. Hätten wir dann Krieg oder Frieden? Nehmen wir mal an, Deutschland würde die Worte eines Günter Grass ernst nehmen, würde sich damit eine Möglichkeit eröffnen? So, wie Joachim Gauck in seiner Antrittsrede die 68er-Bewegung lobte, sich mit der gesamten deutschen und europäischen Geschichte qualifiziert auseinanderzusetzen, um Vorreiter zu sein, um Wohlstand für Alle zu erreichen und dadurch Frieden zu bringen? Nehmen wir an, unsere Führungsmannschaft, die Politiker, würde dieses Thema als Chance begreifen – was für ein historischer Augenblick, bei dem Wohlstand aus Frieden erwächst, könnte geboren werden. Stattdessen überbieten sich Politiker, wie die der SPD und der israelische Innenminister, Medien, wie Spiegel FAZ und Zeit sowie Intelektuelle in kleingeistiger und verordneter Meinungshoheit, dass kein deutscher das Recht habe, Israel zu kritisieren. Schon gar nicht Günter Grass, mit seiner Vergangenheit.

Wer sonst, als Günter Grass, der bereut und sich schämt Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein? Wer sonst als das deutsche Volk, das bereut, die Millionen Juden und die Millionen russischen Bürger getötet zu haben?

Denn wir Deutsche können aus dem Bewusstsein im Unrecht gewesen zu sein, Menschenrechte für die Welt einfordern, mit Offenheit und ohne Angst unserer Vergangenheit gegenüber. So, wie das Oberhaupt der Deutschen, Joachim Gauck, es vertritt: Erst mit dem Wissen von Unrecht, kann Recht entstehen. Die am Anfang kritisierte Gruppe festigt leider den Irrglauben, wenn „Richtiges“ niedergemacht wird, dann wird alles gut. Zum Glück gibt es den mündigen Bürger und vernünftige und von Weisheit getragene Stimmen und eine bemerkenswerte, von israelischen Bürgern getragene Facebook-Initiative Iraner wir lieben Euch sowie die letzten Sätze des Kommentars Von einem Land, das sich selbst misstraut von Stefan Kornelius: „Der aktuelle Fall lehrt, dass Frieden, auch der gesellschaftliche, ein kostbares Gut ist. Dass Demagogie auch heute noch funktioniert. Und dass jedes Land Sachlichkeit und Fairness verdient“.

Zahlen, ganz große Zahlen…

Die EZB in Frankfurt am Main bei Nacht - Bild: Linda Karlsson / pixelio.de

Vor einigen Wochen habe ich hier über Deutschlands große Forderungen an die Europäische Zentralbank (EZB) berichtet, die durch Target 2, also den innereuropäischen Handel mit Waren entstanden sind. Das System funktioniert wie folgt:

Eine Firma z.B. in Griechenland kauft eine deutsche Maschine. Das Geld dafür überweist die griechische Staatsbank an die EZB, die dadurch entsprechende Schulden bei der Deutschen Bundesbank hat. Zahlen nun die Griechen nicht, fließt auch kein Geld an die EZB. Griechenland steht also dort in der Kreide. Gleichzeitig bleibt die Bundesbank auf den Forderungen sitzen, denn die Maschine wurde ja bereits geliefert und der entsprechende Betrag im Zweifelsfall an den deutschen Hersteller ausgezahlt. Komplett undurchsichtig wird der Kreislauf, wenn sich die griechische Firma zusätzlich noch einen Kredit bei einer deutschen Bank für die Anschaffung genommen hat.

Verzögerungen bei diesen Finanztransaktionen sind nicht unüblich, fällt jetzt aber ein Land gänzlich aus, dürfte das System ganz schön ins Schwanken kommen… Und so wie es aussieht, muss der (deutsche) Steuerzahler dann dafür aufkommen, dass andere mit ihrem Export sehr große Gewinne eingefahren haben.

Wieder einmal muss ich hier die saubere Arbeit von den Querschüssen loben, wo sich eine grafisch gut aufgearbeitete Übersicht dazu findet. Aber Vorsicht, die großen Unterschiede bei den Schulden- und Forderungsbalken in den Diagrammen können ganz schön verschrecken!