Geld ist ein Recht und keine Ware

G.E.L.D
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Im Jahr 1543 stellte Nikolaus Kopernikus die Welt nahezu wörtlich, auf den Kopf:

Seine Beobachtungen des Planetensystems hatten ergeben, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums sein konnte. Gegen den Widerstand der Kirche wandelte sich in der Folge das geozentrische Weltbild in ein heliozentrisches. Vor Kopernikus sprachen sich bereits Aristarchos von Samos (3./2. Jahrhundert v. Chr.) und auch der deutsche Universalgelehrte und Kardinal Nikolaus von Kues (1401-1464) für ein heliozentrisches Weltbild aus.

Beide erhielten allerdings wegen des herrschenden Zeit-Geistes und der Welt-Anschauung, nicht die ihnen gebührende Anerkennung. Auf diese Weise wurde die Menschheit noch ca. 1.800 Jahre in einem „Denk-Gefängnis“ gehalten.

Seit N. Kopernikus Entdeckung, spricht die Menschheit von einer kopernikanischen Wende, wenn ein grundlegender Paradigmenwechsel in einem Wissens-Gebiet, die Führung der Menschheit dazu bringt, einen neuen Zeit-Geist populär zu kommunizieren. Dies führt zu einer kollektiv neuen Weltanschauung.

Beispiele dafür sind etwa Immanuel Kants Metaphysik, die er in der Kritik der reinen Vernunft (1781/ 1787) begründet hat oder Einsteins Relativitäts-Theorie oder die Entdeckungen der Quantenphysik, die unser Verständnis von Zeit, Raum und Materie völlig umgekrempelt haben oder die Chaos-Theorie mit dem „Schmetterlingseffekt“ nach Edward N. Lorenz oder zuvor die Heisenbergsche Unschärferelation.

Zu einer solchen „kopernikanischen Wende“ möchte ich Sie heute in Bezug auf unser Verständnis von GELD und Wirtschaft einladen.

Für OekoHuman drückt der Begriff „kopernikanischen Wende“ vor ALLEM eins aus:
Die sogenannte Wende, bringt die Wahrheit ans Licht, die schon seit Anbeginn des Universums anwesend war, doch wurde die Anwesenheit übersehen und manchmal sogar, aus Gründen der Manipulation zum Eigennutz Weniger, unter den Teppich gekehrt.

Um einer solchen Behauptung Substanz zu verleihen beginne ich bei „Adam und Eva“, denn:

Im Anfang war das Wort:

1. Synonyme für Wirtschaften sind demnach:
„abmessen, bemessen, berechnen, budgetieren, disponieren, dosieren, einplanen, einteilen, haushalten, maßhalten, planen, rationieren, rechnen, sparen, kontingentieren und von OekoHuman ergänzt: ausbalancieren i.S. von Bilanz in Balance – Soll und Haben bzw. Aktiva und Passiva sind gleich.
All diese Begriffe helfen Wirtschaften besser und genauer zu verstehen, doch konzentrieren möchte sich OekoHuman in diesem Artikel auf haushalten, Bilanz und ausbalancieren.

2. Den Dreh- und Angelpunkt für unser heutiges Wirtschafts-Leben finden wir im Geld.
GELD, abgeleitet vom indogermanischen ghel (Gold) und dem althochdeutschen gelt (Vergeltung, Vergütung, Einkommen oder Wert) ist ein Begriff für ein Wertäquivalent.

3. Im Englischen wird Geld Money genannt:
Money stammt von Moneta (lat. Mahnerin), und Moneta wiederum von monere (erinnern, warnen oder anweisen).
Moneta ist auch der Beiname der römischen Staatsgöttin Juno (abgeleitet von Uni, also das Eine, einzigartig, Einheit, Union, United). Im oder neben dem Tempel auf dem römischen Kapitol befand sich eine Münzstätte, von der sich der Begriff Moneten ableitet.

4. Unter Wert versteht OekoHuman immer Qualität im Sinne: „mein Wort gilt“.
Der Wert ist wiederum vom Preis, der die Quantität zum Ausdruck bringt, klar und eindeutig zu unterscheiden. Wert und Preis ergänzen einander und beides zusammen bewirkt den Kauf, wenn etwas angeboten wird, dass der Käufer braucht bzw. haben möchte.
Dabei ist der Preis in den meisten Fällen, das letzte Kaufkriterium in der Entscheidungs-Kette, da es hier um die Frage geht: Kann ich es mir leisten i.S. von haushalten – also ist meine persönliche Haushalts-Bilanz nach dem Kauf noch ausbalanciert.

Fazit von 1. bis 4.

Im OekoHuman-Sinn, geht es um Rechte, die jeder Mensch hat, bevor er eine Kauf- oder Verkauf-Entscheidung trifft:
1. brauche ich das Produkt oder die Dienstleistung für meinen persönlichen und / oder familiären Bedarf
2. kann ich mir das Produkt oder die Dienstleistung leisten im Kontext
3. Ist das Produkt oder die Dienstleistung seinen Preis – Wert
4. Kann ich den zugesagten Worten über den Wert trauen – also kann ich Vertrauen

Aus diesen und einigen zusätzlichen Gründen, wie zum Beispiel die Menschenrechte, wird Geld zu einem Rechte-Bündel und nicht – wie es üblicher Weise gesehen wird – zu einer Ware. Stellen Sie sich einmal vor, was passiert, wenn diese Erkenntnis und Einsicht sich verbreitet, wie sich die Weltanschauung über GELD fundamental verändert und Geld-Drucken rechtlich-logischethisch, nicht mehr möglich ist.

Denn z.B. gedruckte Menschenrechte und Werte, sind keinen Pfifferling wert, wenn diesen Worten, nicht die entsprechende Tat folgt. Denn erst durch die entsprechenden Leistungen – TUN – werden Rechte auf Werte – Qualität, in der Welt etabliert.
Das Motto dazu lautet: Gedacht – Gesagt – Glauben – Getan – Gewohnt-Gut umgesetzt

OekoHumans Kernthese stützt sich deshalb auf die Annahme, dass Geld erst entsteht, wenn eine Leistung erbracht wird, für die es eine Nachfrage gibt. Diese Nachfrage dokumentiert sich immer in einem Vertrag.
Ob dies per Handschlag (in anderen Kulturkreisen gibt es sicherlich ein ähnliches Signal) geschieht oder durch einen schriftlichen Vertrag ist dabei sekundär. Primär ist, dass sich die Beteiligten und Betroffenen an die Absprache und / oder an die Vereinbarung, im Kontext von Redlichkeit, Glauben und Vertrauen, auch erinnern = monere = Money = GELD.

Die Staatsgarantie als „Herausgeber von Geld“, ist eine Bürgschaft, diese hat die Funktion des „Handschlags“ übernommen und bildet als Staatsgarantie einen Werte-Garantie-Vertrag ab. Die mit der Verpflichtung einhergeht die Qualität durch entsprechende Gesetze sicherzustellen.

In der heutigen Zeit ist es nun unübersehbar, Geld wird zur Ware, es kann beliebig ohne Haftung/Gegenwert hergestellt werden und das „gegebene Wort“ wird inflationiert, weil das entsprechende TUN fehlt.

In genau dieser Kern-Tatsache liegen die Ursachen aller Krisen und damit auch die Ursache unserer heutigen Wirtschafts- und Finanzkrise.

Zitate zum Ende dieses Artikels, die hilfreich für OekoHuman waren sich dem Thema GELD von einer anderen Seite zu nähern:

1. „Es wäre manches besser in der Welt, wenn alle gebildeten Menschen wüßten, was „Geld“ ist. Denn nicht nur wirtschaftliche Krisen, Kreditnot, Teuerung, sondern auch soziale Übel, wie Klassengegensätze und Massenverelendung, haben ihre wichtigsten Wurzeln nur allzuoft in der allgemeinen Unkenntnis vom Gelde. Die Wirtschaftswissenschaft hat manche geistvolle Definition des Geldes und manche konsequent durchgeführte Systematik geliefert. Aber da sie sich stets an die äußere Erscheinungsform, an das Geldzeichen klammerte und das Wesen des Geldes und seinen Rechtsinhalt, übersah, so redeten die verschiedenen Theorien aneinander vorbei“ – Argentarius – Vom Gelde

2. „Der Zustand des Geldwesens eines Volkes ist ein Symptom aller seiner Zustände“ – Joseph Schumpeter

3. Es ist schwierig, jemandem etwas verständlich zu machen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen – Upton Sinclair

4. „Geld verdirbt nicht den Charakter, sondern offenbart den Charakter“ – Jörg Adam Leo Schallehn

OekoHuman-Glossar indem Sie auch Erklärungen finden, für Begriffe wie Inflation, Deflation, Verbindlichkeiten und Schulden.

weitere Artikel zur Ökonomie

Fortsetzung über GELD folgt.

Es ist möglich als großer Mensch zu handeln

Die Lotusblüte als Sinnbild natürlicher Perfektion - Bild: Dieter Schütz / pixelio.de

Manche Menschen betrachten Akademien[ref]Vortrag von Jan Teunen, gehalten am 5. November 2009 im Hotel Adlon, Berlin im Rahmen des Symposiums der Vermögensakademie: Wie macht man gutes Geld in einer öko-humanen Marktwirtschaft?[/ref] als Orte, an denen man schöne Trinkgelage abhalten kann. Sie leiten Akademie von Akademos ab, dem Beinamen von Bacchus. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht. Für mich sind Akademien irdische Repräsentanzen des Universums. Das griechische Kosmos, das lateinische Universum und das mittelhochdeutsche All sind Begriffe, die eine schöne, geordnete, tugendhafte Welt umschreiben. Eine solche Welt ist das Modell, auf das wir unsere Vermögen ausrichten sollten. Was immer wir im Privaten oder Geschäftlichen unternehmen, wir sollten unsere Vermögen so einsetzen, dass die Häuser unserer Familien und die Häuser unserer Unternehmen zu etwas werden, das sich als geschrumpfter Kosmos bezeichnen lässt.

Das stellt hohe Anforderungen an das Vermögen, Menschen zu lieben, an das Denkvermögen, ans Sprachvermögen und an das Vermögen zu handeln, oder dort, wo dies eher angebracht ist, an das Vermögen, das Handeln zu unterlassen. In diesem Zusammenhang kommt mir das weise Gebet der Teresa von Ávila (1515-1582) in den Sinn:

Herr, gib mir die Weisheit, das, was ich ändern kann, von dem zu unterscheiden, was ich nicht ändern kann, die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann, und die Gelassenheit, das zu ertragen, was ich nicht ändern kann.“

Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen in der Wirtschaft über diesen Satz meditieren würden, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen. Wenn ich dann noch etwas mehr wünschen dürfte, würde ich darum bitten, dass sie sich auf dem Weg zur Arbeit immer wieder folgende Sätze aus dem Talmud vergegenwärtigen, nicht zuletzt auch, um ihre eigenen Vermögen zu schützen und zu mehren:

Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden deine Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

Ich habe mich für diesen Text inspirieren lassen von den Weisheiten alter Chinesen, die der Meinung waren, dass alle Angelegenheiten des Universums in den Bereich ihrer Verantwortung fielen und dass ihre Verantwortung alle Angelegenheiten des Universums einschloss. Mein Titel heute, „Es ist möglich als großer Mensch zu handeln“, ist vom chinesischen Philosophen Meng-Tzu (372-289 v.Chr.). Die Methode des Vortrages habe ich von dem Nobelpreisträger der Literatur Joseph Brodsky übernommen. Eine Methode, die er angewandt hat, als er als Redner am internationalen Zermatter Symposium zum Thema „Intuition und Kreativität“ teilgenommen hat. Dort hat er seine gewagte Behauptung wiederholt, dass die Ästhetik die Mutter der Ethik sei. Die entscheidende Aufgabe für eine Gesellschaft, für eine Ansammlung von Individuen, so Brodsky, ist die individuelle Entwicklung des Geschmacks. Denn wenn man den Geschmack entwickle, lasse man sich nicht so leicht täuschen.

Die Zuhörer in Zermatt waren von den Ausführungen Brodskys begeistert und bedankten sich mit einer stehenden Ovation. Brodsky, der ein sehr bescheidener Mensch war, bat sie mit dem Klatschen aufzuhören und sich wieder zu setzen. „Danken Sie mir für nichts“, so sagte er. „Ich sitze hier, aber das bin nicht genau ich. Ich bin die Endsumme all dessen, was ich gelesen habe und woran ich mich erinnere… Und in dem Augenblick, wo ich mich nicht mehr daran erinnere, kann mich in der Straße irgendeiner erstechen, und es wäre kein großer Verlust. Doch solange ich Erinnerung habe, bin ich eine Schatztruhe.“

Eine solche Schatztruhe will ich heute für Sie sein, in der Hoffnung, dass dadurch in Ihren Köpfen und zwischen Ihnen die eine oder andere neue Kombination entsteht. Ich habe mich erinnert an die vielen Lektionen, die ich von meinen Philosophenfreunden Hajo Eickhoff und Arnold Cornelis erhalten habe, an die Lektionen des Friedennobelpreisträgers Professor Yunus und des Systemwissenschaftlers Professor Laszlo sowie an die Lektüre von Texten einer Vielzahl weiser Menschen, von Sri-Aurobindo bis Peter Sloterdijk.

Bei den alten Chinesen war der Weise derjenige, der die Normen des Himmels und der Erde zu den Menschen herab holte und für Ordnung im All sorgte. Weise sind Brückenbauer. Zum Wohle der Menschen überbrücken sie die makro- und mikrokosmischen Sphären mit Hilfe der Tugenden und stellen die Menschlichkeit allem voran. Viele Führungskräfte in der Wirtschaft sind nicht weise, weil sie es zulassen, dass Unternehmen und Organisationen, für die sie Verantwortung tragen, geprägt sind von der Dominanz wirtschaftlicher Rationalität. In einer solchen Enthumanisierung der Gesellschaft durch die Wirtschaft wird Vermögen in einem unvorstellbar großen Ausmaß vernichtet. Das bringt nicht nur die Wirtschaft und die Weltgemeinschaft in große Schwierigkeiten, wie wir es gerade erleben, es bringt auch den Kosmos in Unordnung. Weiterlesen…

Eurokrisen: Ursache & Wirkung

Startfolie meiner Präsentation (siehe unten)

Heute hatte ich die Gelegenheit auf dem DACH Elite Gipfel 2012 in München zum OekoHuman zu sprechen. Mein Vortrag beschäftigte sich mit der aktuellen Eurokrise, deren Ursachen und unseren Reaktionsmöglichkeiten. Denn schließlich muss es uns gelingen, den gesunden Kapitalismus zu retten:

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Den Kapitalismus retten…

Das oekohumane Sechseck des gesunden Kapitalismus

Mit diesem Diagramm will ich veranschaulichen, wie Geld als Dreh- und Angelpunkt und als Mittler auf unser Leben wirkt. Mit der Qualität von richtig und gut (effektiv und effizient) in allen sechs Kernbegriffen und in den Verbindungen untereinander, wird Geld als Mittler diese Qualität auch transportieren. Die Abweichung von der höchst möglichen Qualität in einem oder in mehreren Kernbereichen bzw. Verbindungen untereinander, werden zu einer schlechteren Qualität im Kapitalismus und damit unseres Gesellschaftssystem führen.

Am oberen Punkt des gepunkteten Dreiecks befindet sich der Wohlstand, er ist das Ergebnis von richtigem und guten Umgang mit der Macht in Verbindung mit der Ethik. Wohlstand braucht Kapital und Kapital braucht Wohlstand, um sich gegenseitig zu nähren und zu erhalten.

Kapital ist das Ergebnis von richtigem und gutem Umgang von Reichtum in Verbindung mit unseren Fähigkeiten (Vermögen). Das Geld wiederum ermöglicht es durch sein Wesen, gewissermaßen durch seinen Auftrag, uns aufzuzeigen wo es an Qualität fehlt und dadurch ein Ungleichgewicht entstanden ist. Die Missachtung des Ungleichgewichts, führt zwangsläufig zur Krise bis hin zum Zusammenbruch.

Das Verständnis um die Qualität von Macht und Ethik, Reichtum und Vermögen, Wohlstand und Kapital brauchen, damit sie zur richtigen und guten Entfaltung kommen, die entsprechende Bildung. Im Bereich von Macht und Ethik spreche ich hier von der Bildung als Unterweisung, soll heißen: Das Wahre des bisher Gedachten aus Philosophie, Wissenschaft und Praxis um die Erkenntnise und Errungenschaften von heute erweitern, um das Richtige und Gute in den Vordergrund zu stellen, da wir das Falsche und Schlechte seit Tausenden von Jahren in allen Varianten erfahren haben. In Bezug zur Ethik ist hier bei der Unterweisung besonderes Augenmerk auf die Fairness zu legen, die sich im Wirtschaftsleben als Fair–Trade etablieret hat.

Im Bereich von Reichtum und Vermögen spreche von der Bildung als Erziehung, also einem „herausziehen“. Der Lehrer hat zunächst die Aufgabe herauszufinden, was seinem Schüler „leicht von der Hand geht“, hier findet er einen ersten Hinweis auf die Talente (Reichtum) seines Schülers, nun gilt es die Fähigkeiten zu fördern – zu heben -, wenn möglich bis zur Kunst. Die Wertschöpfungskette heißt: Vermögen – Können – Kunst.

Unterweisung und Erziehung im rechten Maß können zu einem mit Begeisterung richtig und klug handelnden Menschen führen.

  • 1. Fazit: Dies ist der Idealfall, der als Orientierung hilfreich sein kann. Im Kern führt die  Unterweisung zum Richtigen und Guten.  In der Erziehung geht es darum, bei welcher Tätigkeit kann ICH meine eigene Individualität am besten zur Entfaltung bringen. Beides im Einklang ergibt als höchste Entwicklungsstufe Wohlstand und Kapital, denn Unterweisung und Erziehung bedingen sich gegenseitig.

Ein zusätzlicher Faktor der ordnungshalber nicht unerwähnt bleiben darf, sind die Rahmenbedingungen. Diese unterstützen die Entwicklung vom Einzelnen über die Gruppe bis zur Gemeinschaft. Die erste Berührung mit Rahmenbedingen hat der Mensch von Geburt an mit seinem Umfeld in der Familie, später im Kindergarten, bis in sein Berufsleben, in der Gruppe und als Teil der Gesellschaft. Die Rahmenbedingungen Schaffenden sind Klima, Umfeld, Eltern, Unternehmer und Politiker mit ihren jeweiligen Zielen. Die Kräfte, die versuchen das Ziel zu erreichen, heißen in der Politik Legislative, Exekutive, Judikative, Monetative sowie der rahmengebende Weisen- und Ethikrat.

  • 2. Fazit: Diese fünf Kräfte wirken in jeder menschlichen Organisationsform, ja sogar in jedem Einzelnen. In der Natur sind diese Kräfte mit Feuer, Wasser, Luft und Erde vergleichbar, der Äther oder Raum steht für die Rahmenbedingungen. Die Balance von Stoffen, Qualität und Kräften führt zur Gesundheit. Fehlende Gesundheit zeigt sich in Symptomen, der immerwährende Symptomprozess heißt Pathogenese, der immerwährende Ursachenprozess heißt Salutogenese. Symptome zeigen die Wirkung und die Ursachen bewirken.

Daraus läßt sich ableiten: Wenn die Wirkungen unerfreulich sind, macht es wenig Sinn, sich den Wirkungen zuzuwenden, sondern es empfiehlt sich, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Bezogen auf eines unserer Ziele, den gesunden Kapitalismus zur Entfaltung zu bringen, gilt das Motto, kümmern wir uns besser um die Ursachen, als an den Symptomen – Wirkungen – herumzudoktern. Ein Motto, dass sie vielleicht von bestimmten Ärzten gehört haben. Diese haben zu allen Zeiten auch gefragt: Was fehlt Ihnen, und nicht, was haben Sie.

Mit diesem Diagramm will ich veranschaulichen, wie Geld als Dreh- und Angelpunkt und als Mittler auf unser Leben wirkt. Mit der Qualität von richtig und gut (effektiv und effizient ) in allen sechs Kernbegriffen und in den Verbindungen untereinander, wird Geld als Mittler diese Qualität auch transportieren. Die Abweichung von der höchst möglichen Qualität in einem oder in mehreren Kernbereichen bzw. Verbindungen untereinander, werden zu einer schlechteren Qualität des Kapitalismus führen; damit unseres Gesellschaftssystems und den Start für unsere Kinder verschlechtern.

Sparer als Bremser, Kreditnehmer als Beleber

Deflation und Inflation zeigen sich im Geld, aber auch im Alltag - Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de

Wachstum und Austausch als Lebensprinzip

Deflation und Inflation sind das Ergebnis von zwei Lebensprinzipien: Wachstum und Austausch. Diese finden wir im Leben allgemein und im Speziellen in der Art und Weise des Gesellschafts- und Wirtschaftssystems begründet. Grundsätzlich sind alle Lebewesen und damit auch der Mensch vom Austausch abhängig. Einatmen und Ausatmen ist ein natürlicher Prozess, auch in der Kommunikation und Kooperation sprechen wir vom Austausch, so auch in der Sprache, verbal und nonverbal.

Haushalten und Wirtschaften in der Familie und in der Ökonomie, im Kleinen und im Großen, ist u.a. der Austausch von Leistungen, in Form von Waren und Dienstleitungen. Um diese Art von Austausch in der Ökonomie frei zu gestalten, wurde das Geld als Mittler eingeführt (siehe: Das Wesen des Geldes). Natur und der Mensch streben nach Wachstum in jeder Beziehung, der eine geistig, ein anderer seelisch und wieder ein anderer körperlich. Der Wunsch nach Austausch und Wachstum ist jedem Atom, jedem Molekül und  jeder Zelle im Menschen und der Natur im Allgemeinen vorhanden, der antrieb ist der Überlebenswille. Deflation und Inflation sind gewissermaßen ein Messinstrument, wie weit die Balance durch Wachstum aus dem Ruder läuft. Ähnlich einem trainierenden Sportler, dem der Atem anzeigt, dass die Kondition noch nicht mit seinem Ziel übereinstimmt.

Im Folgenden stelle ich die Beispiele auf der Ebene der Ökonomie gewissermaßen in Schwarz und Weiß dar und verzichte auf die verschiedenen Grautöne, da es sonst zu komplex würde. Allerdings gelten dieselben Gesetzmäßigkeiten auch innerhalb der Grautöne.

Nun gibt es Menschen, die wollen aus ihrem Ersparten wachsen, andere wollen wachsen, indem sie Kredite aufnehmen. Die, die sparen, nehmen keine Waren aus dem Markt und die, die Kredite aufnehmen, nehmen Waren aus dem Markt, obwohl sie selbst noch keine Leistung dafür erbracht haben. So nehmen wir es hier der Einfachheit halber an. In der Regel müssen letztere allerdings ihre Leistungsbereitschaft und -fähigkeit nachweisen und bestehen die Prüfung der Bank entsprechend ihrer Kreditwürdigkeit und -fähigkeit. Akzeptiert das Kreditinstitut diese Sicherheit, dann haftet es für den gesamten Betrag beim Ausfall des Kreditnehmers.

In unserem Beispiel, das lediglich schwarz und weiß darstellt an, begnügt sich die Bank mit dem guten Namen, der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, den aktuellen Zahlen und der Prognose als Sicherheit.

1. Fazit: Der Sparer bringt seine erbrachte Leistung in Form von Geld zur Bank und verzichtet zunächst auf die Gegenleistung. Der Kreditnehmer erwirbt mit Hilfe des Kredites eine Leistung aus dem Markt, die er sich heute noch nicht leisten kann. Er glaubt allerdings fähig zu sein, seine eigene Leistung im Laufe der Zeit zu erbringen, um den Kredit inklusive der Zinsen rechtzeitig wieder zurückzuzahlen.

Der Sparer kauft und will immer in der Gegenwart wachsen, der Kreditnehmer kauft und wächst heute für ein Resultat, das in der Zukunft liegt. Der Sparer wirkt auf den Wirtschaftskreislauf bremsend und der Kreditnehmer belebend. Der Sparer geht das Risiko der Inflation ein und der Kreditnehmer das Risiko der Deflation.

Die Banken im Zusammenspiel mit den Zentralbanken haben im Kern die Aufgabe, Angebot und Nachfrage von Geld zu koordinieren. Das Angebot wird durch die Sparer hervorgerufen und die Nachfrage von den Kreditnehmern. Die Hauptaufgabe der Banken liegt in der Beachtung der Qualität. Die Kreditnehmer sind immer auf die Zukunft fixiert und glauben auch immer, dass heute der Vorteil für sie größer ist, als morgen. Dies gilt für den Konsumenten, Hauskäufer und den Unternehmer im gleichen Maße. Für unser Beispiel wenden wir uns dem Unternehmer zu.

Der Unternehmer „riecht“ gewissermaßen ein Geschäft. Wenn er überzeugt davon ist, einen Vorteil erkannt zu haben, kann ihn nur die Bank davon abhalten, diesen Vorteil auch für sich zu nutzen. Nehmen wir an, er konnte seine Bank von seiner Idee überzeugen und die Bank verlässt sich auf die seit Jahren bestehende gute Geschäftsbeziehung und den guten „Riecher“ ihres Kunden. Im Kern verlässt sich die Bank auf die Bilanzen, die Gewinn und Verlustrechnung (G + V) und Zahlen aus Gegenwart und Zukunft. Die Bilanz und die G +V stellt den Markt der Vergangenheit dar, die laufenden Zahlen den Markt der Gegenwart und die Prognosezahlen den Markt der Zukunft.

Der Unternehmer sieht in der Neuinvestition die Chance, Marktanteile dazu zu gewinnen, er schätzt die Einnahmen und Erträge höher ein, als die Ausgaben und Kosten, so dass am Ende ein Gewinn verbleibt, den er sonst nicht generiert hätte. In den Kosten sind die Zinsen für den Kredit enthalten und aus dem Gewinn wird die Tilgung aufgebracht. Steuerliche Überlegungen und staatliche Subventionen lasse ich außen vor, obwohl diese sehr entscheidende und tragende Entscheidungshilfen darstellen.

Vorausgesetzt unser Beispielsunternehmer hat die Lage richtig eingeschätzt und sich richtig an den vier Eskalationsstufen der Risikoeinschätzung orientiert, so wird er seinen Kredit inklusive der vereinbarten Zinsen in der vereinbarten Zeit zurückbezahlt haben. In diesem Fall sind Inflation und Deflation im ersten Blick in Balance.

Aus dem Gesagten ist zu erkennen, dass Inflation und Deflation immer stattfinden, beides gehört zu einem natürlichen Prozess, wie das Einatmen und Ausatmen. Es ist kein Ereignis, dass sich plötzlich und unerwartet ergibt. Es lässt sich auch erkennen, dass es sich um eine Folge oder ein Kind der Geld- bzw. Kreditschöpfung handelt. Wenn der Prozess unkontrolliert abläuft und ohne Führung sich selbst überlassen wird, dann kollabiert das System, ähnlich dem hyperventilieren bei der Atmung. Die Aufgabe der Führung und Kontrolle übernimmt in der Regel die unabhängige Zentralbank.

Im Teil 2 zur Inflation und Deflation wird es um die vier Eskalationsstufen der Risikoeinschätzung gehen.