Den Kapitalismus retten…

Das oekohumane Sechseck des gesunden Kapitalismus

Mit diesem Diagramm will ich veranschaulichen, wie Geld als Dreh- und Angelpunkt und als Mittler auf unser Leben wirkt. Mit der Qualität von richtig und gut (effektiv und effizient) in allen sechs Kernbegriffen und in den Verbindungen untereinander, wird Geld als Mittler diese Qualität auch transportieren. Die Abweichung von der höchst möglichen Qualität in einem oder in mehreren Kernbereichen bzw. Verbindungen untereinander, werden zu einer schlechteren Qualität im Kapitalismus und damit unseres Gesellschaftssystem führen.

Am oberen Punkt des gepunkteten Dreiecks befindet sich der Wohlstand, er ist das Ergebnis von richtigem und guten Umgang mit der Macht in Verbindung mit der Ethik. Wohlstand braucht Kapital und Kapital braucht Wohlstand, um sich gegenseitig zu nähren und zu erhalten.

Kapital ist das Ergebnis von richtigem und gutem Umgang von Reichtum in Verbindung mit unseren Fähigkeiten (Vermögen). Das Geld wiederum ermöglicht es durch sein Wesen, gewissermaßen durch seinen Auftrag, uns aufzuzeigen wo es an Qualität fehlt und dadurch ein Ungleichgewicht entstanden ist. Die Missachtung des Ungleichgewichts, führt zwangsläufig zur Krise bis hin zum Zusammenbruch.

Das Verständnis um die Qualität von Macht und Ethik, Reichtum und Vermögen, Wohlstand und Kapital brauchen, damit sie zur richtigen und guten Entfaltung kommen, die entsprechende Bildung. Im Bereich von Macht und Ethik spreche ich hier von der Bildung als Unterweisung, soll heißen: Das Wahre des bisher Gedachten aus Philosophie, Wissenschaft und Praxis um die Erkenntnise und Errungenschaften von heute erweitern, um das Richtige und Gute in den Vordergrund zu stellen, da wir das Falsche und Schlechte seit Tausenden von Jahren in allen Varianten erfahren haben. In Bezug zur Ethik ist hier bei der Unterweisung besonderes Augenmerk auf die Fairness zu legen, die sich im Wirtschaftsleben als Fair–Trade etablieret hat.

Im Bereich von Reichtum und Vermögen spreche von der Bildung als Erziehung, also einem „herausziehen“. Der Lehrer hat zunächst die Aufgabe herauszufinden, was seinem Schüler „leicht von der Hand geht“, hier findet er einen ersten Hinweis auf die Talente (Reichtum) seines Schülers, nun gilt es die Fähigkeiten zu fördern – zu heben -, wenn möglich bis zur Kunst. Die Wertschöpfungskette heißt: Vermögen – Können – Kunst.

Unterweisung und Erziehung im rechten Maß können zu einem mit Begeisterung richtig und klug handelnden Menschen führen.

  • 1. Fazit: Dies ist der Idealfall, der als Orientierung hilfreich sein kann. Im Kern führt die  Unterweisung zum Richtigen und Guten.  In der Erziehung geht es darum, bei welcher Tätigkeit kann ICH meine eigene Individualität am besten zur Entfaltung bringen. Beides im Einklang ergibt als höchste Entwicklungsstufe Wohlstand und Kapital, denn Unterweisung und Erziehung bedingen sich gegenseitig.

Ein zusätzlicher Faktor der ordnungshalber nicht unerwähnt bleiben darf, sind die Rahmenbedingungen. Diese unterstützen die Entwicklung vom Einzelnen über die Gruppe bis zur Gemeinschaft. Die erste Berührung mit Rahmenbedingen hat der Mensch von Geburt an mit seinem Umfeld in der Familie, später im Kindergarten, bis in sein Berufsleben, in der Gruppe und als Teil der Gesellschaft. Die Rahmenbedingungen Schaffenden sind Klima, Umfeld, Eltern, Unternehmer und Politiker mit ihren jeweiligen Zielen. Die Kräfte, die versuchen das Ziel zu erreichen, heißen in der Politik Legislative, Exekutive, Judikative, Monetative sowie der rahmengebende Weisen- und Ethikrat.

  • 2. Fazit: Diese fünf Kräfte wirken in jeder menschlichen Organisationsform, ja sogar in jedem Einzelnen. In der Natur sind diese Kräfte mit Feuer, Wasser, Luft und Erde vergleichbar, der Äther oder Raum steht für die Rahmenbedingungen. Die Balance von Stoffen, Qualität und Kräften führt zur Gesundheit. Fehlende Gesundheit zeigt sich in Symptomen, der immerwährende Symptomprozess heißt Pathogenese, der immerwährende Ursachenprozess heißt Salutogenese. Symptome zeigen die Wirkung und die Ursachen bewirken.

Daraus läßt sich ableiten: Wenn die Wirkungen unerfreulich sind, macht es wenig Sinn, sich den Wirkungen zuzuwenden, sondern es empfiehlt sich, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Bezogen auf eines unserer Ziele, den gesunden Kapitalismus zur Entfaltung zu bringen, gilt das Motto, kümmern wir uns besser um die Ursachen, als an den Symptomen – Wirkungen – herumzudoktern. Ein Motto, dass sie vielleicht von bestimmten Ärzten gehört haben. Diese haben zu allen Zeiten auch gefragt: Was fehlt Ihnen, und nicht, was haben Sie.

Mit diesem Diagramm will ich veranschaulichen, wie Geld als Dreh- und Angelpunkt und als Mittler auf unser Leben wirkt. Mit der Qualität von richtig und gut (effektiv und effizient ) in allen sechs Kernbegriffen und in den Verbindungen untereinander, wird Geld als Mittler diese Qualität auch transportieren. Die Abweichung von der höchst möglichen Qualität in einem oder in mehreren Kernbereichen bzw. Verbindungen untereinander, werden zu einer schlechteren Qualität des Kapitalismus führen; damit unseres Gesellschaftssystems und den Start für unsere Kinder verschlechtern.

Echte & praxisorientierte Gewaltenteilung

So soll Merkels Dialog über Deutschland funktionieren (Screenshot)

Seit Anfang Februar läuft der Dialog über Deutschland von Bundeskanzlerin Merkel. Sie will von den Bürgern wissen, was ihnen wirklich wichtig ist. Noch bis zum 15. April können Sie mit abstimmen. Und ich würde mich natürlich freuen, wenn Sie Ihre Stimme (auch) für den OekoHuman Vorschlag abgeben. Klicken Sie dafür einfach unten auf den Button. Hier mein Vorschlag für Deutschland:

Deutschland bedarf einer praxisorientierten Gewaltenteilung. So sollten die Richter an Bundesverfassungsgericht und Bundesgerichtshof in erster Linie durch ihren Befähigungsgrad
und unabhängig von ihrer Parteienzugehörigkeit besetzt werden. Gleiches gilt für alle Organe der Exekutive, etwa den Polizeipräsidenten.

Judikative, Legislative und Exekutive sollten außerdem um eine ordnungspolitische Monetative (Finanzmarktaufsicht) sowie einen Weisen- oder Ethikrat ergänzt werden. Dieser Rat schöpft Einsichten aus der Praxis und wird u.a. besetzt durch Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, des BGH, der Polizei, von Vertretern der Wirtschaft, Kirchen etc.

Die fünf genannten Kräfte wirken in jedem Einzelnen, aber auch im politischen Gemeinwesen. Die derzeitige Krise offenbart ein Ungleichgewicht zwischen diesen Kräften, sie ist der Ausdruck von: es läuft etwas schief. Gleichzeitig bietet gerade die Krise die Chance, das Ungleichgewicht zu erkennen und in eine gesunde, oekohumane Balance zu bringen. Doch auch dafür braucht es einen hohen Befähigungsgrad.

Mehr Informationen über die oekohumane Vorstellung der Gewaltenteilung finden Sie unter Die fünf Kräfte in der Politik.

Die fünf Kräfte in der Politik

Die Nationalversammlung in der Paulskriche 1848, das erste demokratisch gewählte gesamtdeutsche Parlament - zeitgenössisches Gemälde von Ludwig von Elliot

In jedem Menschen sowie in jeder Organisationseinheit – sei dies nun die Familie oder ein Unternehmen oder ein Staat – wirken fünf Kräfte:

  • die Legislative,
  • die Exekutive,
  • die Judikative,
  • die Monetative, gutes Geld als Kulminationspunkt von Macht, Ethik und Fairness;
  • Weisheit und Ethik, als Gewissen im Einzelnen, als übergeordnete Instanz (z.B. Weisen- und Ethik-Rat) in Organisationen.

Diese fünf Kräfte sind unter Berücksichtigung des (ge)rechten Maßes in Balance zu halten. Im Menschen, in der Familie und im Staat, also im Kleinen, wie im Großen wirken die gleichen Kräfte, lediglich die Komplexität nimmt zu. Diese gilt es i.S. des (ge)rechten Maßes zu managen. Dabei müssen alle Kräfte sich gegenseitig kennen, d.h. jeder ist in einem Gebiet Spezialist und in den anderen vier Generalist.

Die ersten drei Kräfte sind z.B. in einer idealen Gewaltenteilung demokratischer Staaten bereits austariert. Eine gleichzeitige starke Ordnungspolitik wird auch die Monetative zu beachten haben, wie das Beispiel Bundesbank dies bereits erfolgreich umgesetzt hat. Wenn bei all dem allerdings Weisheit und Ethik unterschlagen werden, die die Sinnzusammenhänge herstellen, wird eventuell das Gewissen in alle Überlegungen viel zu spät mit einbezogen. Die Konsequenz wäre ein Chaos mit zumindest hohen „Reparaturkosten“.

In Zukunft werden wir dies hier weiter ausführen und veranschaulichen.

Kann Grundeinkommen bedingungslos sein?

Plakat des Films: Ziemlich beste Freunde (Ausschnitt)

Meiner Meinung nach gibt es in der relativen Welt nichts, das bedingungslos ist. Mit einer Ausnahme: der Liebe.

Grundeinkommen kann nicht losgekoppelt sein von einer Leistung. Deswegen muss zunächst die Leistung genauer definiert werden. Es ist eben auch eine Leistung, wenn der Mensch sozial tätig ist, z.B. einer alten Frau die Tasche trägt oder sie an einer Ampel über die Straße begleitet.

Seit Anfang Januar 2012 läuft in Deutschland der Film Ziemlich beste Freunde, der in Frankreich mind. 12 Millionen Menschen in die Kinos gelockt hat. Auch hierzulande steht er auf Nr. 1. Der Film handelt von einem sehr wohlhabenden Menschen Philippe im Rollstuhl, der einen neuen Betreuer sucht. Mit dem jungen und arbeitslosen Franzosen Driss aus einem Pariser Problemviertel findet Philippe jemanden, der zwar über Charme verfügt, aber mit Philippe, als bis zum Hals Querschnitt gelähmten sehr brüsk umgeht. Für Driss ist Philippe jemand, dem er Arme und Beine „ersetzt“, aber nicht seinen Kopf, Selbstachtung und sein Selbstwertgefühl.

Der Film zeigt im Verlauf einen Schöpfungsprozess auf, in dem jeder dem anderen etwas zu geben hat, das über unser heutiges Verständnis von Geld und Leistung hinaus geht. Mit einem neuen Verständnis von Leistung im Sinne des Films, eröffnen wir uns einen neuen Horizont.

Unter diesem Blickwinkel erfährt Grundeinkommen eine andere Bedeutung. Das Beste an dem Film ist, das er auf einer wahren Begebenheit beruht. Im Zeit Magazin hat Stefan Klein den Film zum Anlass genommen den Wert der Freundschaft näher zu beleuchten.

Haben wir unsere Hausaufgaben gemacht?

Europa: Staaten- und Wertegemeinschaft oder nur Friedensbund? - Bild: Gerd Altmann / pixelio.de

„Friede in Europa ist keine Selbstverständlichkeit, gerade deshalb ist die Sicherung des Friedens die größte historische Leistung der europäischen Integration“, schrieb  Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Kulturstaatsminister im ersten Kabinett von Gerhard Schröder, vor einigen Tagen in der Zeit. Gleichzeitig stellt er ernüchtert fest, das „Europa des großen Visionärs, Strategen und Administrators Jean Monnet ist am Ende.“

Umfragen zufolge ist fast die Hälfte der Bevölkerung der Meinung, dass die EU aus der Friedenssicherung ihre wichtigste Legitimation gewinnt. Tatsächlich geht dieses Pro-EU-Argument aber weit vor das 20. Jahrhundert zurück, nämlich im Wesentlichen auf  Immanuel Kant, der für das als demokratischer Frieden bezeichnete Prinzip mit seiner Schrift Zum ewigen Frieden (1795) ausformulierte, warum 1) die Staatsform (Demokratie) und 2) ein Friedensbund (in diesem Falle die EU) für einen dauerhaften Frieden notwendig sind. Die Ideengeschichte lässt sich sogar noch weiter bis hin zu Niccolò Machiavelli und Montesquieu (und gewissermaßen auch auf Giovanni Pico della Mirandola) zurückverfolgen.

Prof. Gunnar Heinsohn hielt dem von Nida-Rümelin vertreten Ansatz jedoch schon vor einem Jahr im Cicero (2/2011) entgegen:

Sogar aus der Psychologie – hier in Gestalt des hoch angesehenen Thomas Elbert (Universität Konstanz) – kommt Zustimmung: „Stellen Sie sich vor, der Euro zerbricht, und die  materiellen Sicherheiten gehen verloren: Europa hat die Sprengkraft auseinanderzufliegen – und wir alle haben das Potenzial zum Töten ins uns“ (Süddeutsche Zeitung, 28./29.8 2010). Nun ist dieses „in uns“ ja nicht falsch. Da es aber vor, während und nach den großen Auslöschungen wirkt, muss gefragt werden, was hinterher nicht mehr da ist, so dass die Potentiale inaktiv bleiben.

Doch umgekehrt wird ein Schuh draus. Erst die Kriegsunfähigkeit Europas nach 1945 ermöglicht seine Einigung. Angriffskriege hören ja nicht auf, weil die Beteiligten nach 500 Jahre davon genug haben. Würden dafür nicht auch 90 oder 490 Jahre reichen? Fast immer werden Räume dann friedlich, wenn sie keine disponiblen Söhne mehr verbrauchen können. Hätte sich der Kontinent seit 1920 auch nur vermehrt wie die USA (106 auf 310 Millionen), stände man heute – nach knapp 500 Millionen damals – nicht bei gut 700 Millionen, sondern bei 1,4 Milliarden Menschen und wäre die unangefochtene Nummer eins vor China und Indien. Hätten sich die Kolonialgebiete hingegen weiter so langsam vermehrt wie vor 1920, dann hätten die europäischen Mächte ihre Imperien verteidigt und noch jede Menge Wut und Personal für Konflikte vor Ort einsetzen können.

Hätte das imperiumslose Deutschland sich seit 1950 vermehrt wie vor 1900 oder wie die Menschen im Gazastreifen jetzt (200.000 auf 1,6 Millionen), dann stände man nicht bei 82 Millionen mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren, sondern bei 530 Millionen mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren. Statt 7,5Millionen hätte man 75 Millionen wehrfähige Männer. Würden die aus Liebe zu den Römischen Verträgen (25. März 1957) zehnmal so viel Pazifismus in die Welt tragen oder würden sie auf Palästinenser machen, also Bomben in den verlorenen Gebieten hochgehen lassen, weil man die fortschrittliche deutsche Jugend doch nicht für die Verbrechen der Nazis bestrafen dürfe? Welche Verträge hätten solche Megaarmeen in Ketten schlagen können?“

Zwei Meinungen, zwei Theorien. Welcher können Sie, liebe Leser besser folgen? Darüber würde ich mit ihnen diskutieren. Vielleicht gibt es ja auch noch eine Dritte? Es spricht einiges für Heinsons Thesen, denn an unserer Währung sehen wir, dass es uns in Europa an gemeinsamen Werten und Zielen fehlt. Mehr dazu bald hier…

Lesen Sie dazu auch:

Gunnar Heinsohn (2003): Söhne und Weltmacht. Terror und Aufstieg im Fall der Nationen.  Orell Fuessli, 192 Seiten. Entweder als Buch (Amazon) oder kostenlos als PDF auf dieser Webseite (inklusive einiger Links zu Diskussionsbeiträgen dazu).