System-Körper-Sprache Politik, Geld und Ökonomik.

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Update: 21.05.2022 – Die hohe Inflation ist ein Resultat von Leichtsinn und Ignoranz.

Die Preise steigen weltweit in hohem Tempo. Dies nur mit dem Ukraine-Krieg zu erklären, taugt nicht als Ausrede. Vielmehr haben die Zentralbanken während Jahren eine fahrlässige Politik betrieben. Künftige Historiker werden kein gnädiges Urteil fällen über die Geldpolitik der vergangenen Jahre. Von Überheblichkeit dürfte die Rede sein, aber auch von Geschichtsblindheit und Naivität. Und man wird festhalten, dass die Währungsbehörden in dieser Zeit viel Glaubwürdigkeit verspielt haben. Denn es gelang ihnen nicht, ihre wichtigste Aufgabe zu erfüllen: die Preise stabil zu halten. Vielmehr beobachteten sie ziemlich apathisch, wie die Inflation zusehends ihrer Kontrolle entglitt.

Das Schlimme dabei: Inflation entwertet nicht nur das Geld, sondern auch die bürgerliche Ordnung. Niemand hat das anschaulicher beschrieben als Stefan Zweig. In seinem 1942 publizierten Buch «Die Welt von gestern» schreibt er: «Nichts hat das deutsche Volk – dies muss immer wieder ins Gedächtnis gerufen werden – so erbittert, so hasswütig, so hitlerreif gemacht wie die Inflation.» Das Volk habe sich deshalb «beschmutzt, betrogen und erniedrigt» gefühlt.

Die Lehren der Geschichte:

Zweigs Thema war die Zwischenkriegszeit. Die damalige (Hyper-)Inflation ist nicht vergleichbar mit der Geldentwertung von heute. Dennoch, wenn in den USA und der Euro-Zone bereits eine Inflation von rund acht Prozent registriert wird, darf man sich über Empörung nicht wundern. Denn eine so hohe Teuerung bedeutet, dass ein Vermögen nach neun Jahren nur noch halb so viel Kaufkraft hat. Manch einer dürfte sich da ebenfalls «erniedrigt» fühlen oder anfällig werden für falsche Heilsversprechen. Wie konnte es so weit kommen? Ein wichtiger Grund: Man ignorierte die Geschichte. Denn ein Blick in die Historie hätte gezeigt, dass über kurz oder lang eine exzessive Ausdehnung der breiten Geldmenge stets zu hoher Inflation führt. Güter beziehen ihren Wert aus der Knappheit. Hätte Andy Warhol die Zahl seiner Marilyn-Monroe-Siebdrucke nicht klein gehalten, wäre jüngst nicht ein Exemplar für 195 Millionen Dollar versteigert worden. Und gäbe es Gold wie Sand am Meer, würde es niemand im Tresor bunkern.

Für Geld gilt dieselbe Logik. Wenn dieses in schier unbegrenzter Menge produziert wird und einige Schuldner mittels Negativzinsen gar noch für das Halten von Geld bezahlt werden, ist es keine Überraschung, wenn dieses Geld irgendwann an Wert verliert. Das gebieten die Regeln von Angebot und Nachfrage. Doch in den vergangenen Jahren verhielten sich viele Verantwortungsträger so, als hätten die Gesetze der Ökonomie ausgedient. «Dieses Mal ist alles anders», lautete das Credo – eine Maxime, die sich nun einmal mehr als Irrglaube herausstellt. Ignorierte man die Geschichte wider besseres Wissen oder bloß aus Naivität? Wahrscheinlich trifft beides zu. Zum einen musste es den Geldpolitikern durchaus bewusst sein, dass ein Fluten der Wirtschaft mit ständig noch mehr Geld langfristig nicht vereinbar ist mit dem Ziel stabiler Preise. Zum andern zählten sie blauäugig darauf, ihr Tun beim Aufkommen von Inflationsgefahren sofort und problemlos korrigieren zu können.  Zwar verfügen die Notenbanken tatsächlich über Mittel und Wege, um Geld abzuschöpfen; technisch wäre eine rechtzeitige Kurskorrektur kein Problem gewesen. Doch Währungshüter agieren nicht im luftleeren Raum. Ihr Handeln steht unter politischer Beobachtung. Und Politiker brauchen Geld – viel Geld – für ihre Anliegen und Wiederwahlchancen. Also sind sie interessiert an einer möglichst großzügigen Geldpolitik. Dieses Interesse lassen sie die Notenbanken spüren.

Unabhängigkeit auch leben.

Was technisch einfach ist, kann also politisch sehr schwierig werden. Das zeigte sich Anfang 2019 in den USA. Der kurz zuvor an die Notenbankspitze gewählte Jerome Powell wollte zwar die geldpolitische Straffung seiner Vorgängerin fortsetzen. Als die Börse aber in einen Abwärtssog geriet und Donald Trump mit der Entlassung von Powell drohte, wurde das Bremsmanöver rasch abgebrochen. Die Aktienmärkte jubelten – und Powell kämpft seither mit dem Ruf, die Stabilität der Börse vor die Stabilität der Preise zu stellen. Einen ähnlichen Verlust an Glaubwürdigkeit erlitt die Europäische Zentralbank (EZB). Unter ihrer Präsidentin Christine Lagarde wurde die Inflation systematisch bagatellisiert. Während die Teuerungsraten im Euro-Raum bereits steil in die Höhe schossen, drängte Lagarde stets auf weitere Daten. Mit solcher Verzögerungspolitik nährte die frühere französische Finanzministerin den Verdacht, ihr seien günstige Zinsen für überschuldete Euro-Staaten weit wichtiger als niedrige Inflationsraten.

Die angeschlagene Reputation von Powell und Lagarde zeigt: Formelle Unabhängigkeit nützt wenig, wenn der Wille fehlt, diese auch zu leben. Was es dazu braucht, ist Mut zu unpopulären Entscheiden, etwa zum Abräumen der Bowle, während die Party noch in vollem Gang ist. Damit macht man sich in den Augen vieler Investoren und Politiker zwar zum Spielverderber. Doch kluge Geldpolitik besteht darin, die Gemüter abzukühlen, ehe die Stimmung zu überhitzen droht. Diese Abkühlung findet nun viel zu spät statt. Und weil man so spät reagiert, wird man umso heftiger auf die Bremse treten müssen. Das ist suboptimal. Besser wäre es gewesen, vorausschauend und mit kleinen Schritten auf das Aufkommen erster Inflationsgefahren zu reagieren. Diese Gelegenheit ist längst verpasst. Damit steigt die Gefahr, dass die Inflation nur noch zum Preis einer Rezession gezähmt werden kann.

Nonchalance hat Folgen. Und die jüngsten Kursstürze an den Börsen legen nahe, dass die Rückkehr zu niedriger Inflation ruppig wird. Diese Ruppigkeit gilt es auszuhalten. Nichts wäre schlimmer, als wenn die Notenbanken nun zu einer Stop-and-go-Politik übergingen, also je nach Börsen- und Wirtschaftslage abwechselnd bremsten und beschleunigten. Solche Feinabstimmung funktioniert nie, sie verlängert nur das Leiden. Das erfuhren die USA in der Hochinflationszeit der 1970er-Jahre.

Die SNB muss Farbe bekennen.

Eine Ära der Hybris neigt sich dem Ende zu. Eine Ära, in der manche Notenbank dem Irrglauben verfiel, die Inflation sei kein Problem mehr. Und weil die Inflation aus dem Blickfeld geriet, widmete man sich glamouröseren Themen. In den USA fühlte sich das Fed nach einer Strategieanpassung plötzlich verantwortlich für den Abbau von Ungleichheit oder den Schutz benachteiligter Gruppen. Und im Euro-Raum verstand sich die EZB zusehends als Klimaschutzbehörde. Die Geldpolitik wurde «woke». Die Linke, die es schon immer auf die Notenbankbilanzen abgesehen hatte, applaudierte und reicherte den Forderungskatalog mit immer mehr Inhalten an. Vergessen ging dabei, dass die Notenbanken für die neuen Zuständigkeiten gar nicht über das nötige Werkzeug verfügten, sei es in der Sozial-, der Klima- oder der Finanzpolitik. Man übernahm Aufgaben, die man nicht erfüllen konnte, und vergaß jene Aufgabe, für die man gegründet worden war.

Für die Schweiz gilt diese Kritik nur beschränkt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich bisher recht erfolgreich gegen Begehrlichkeiten der Politik zu wehren vermocht. Außerdem konnte sie ihren Abstecher hin zur Wechselkurssteuerung – auf internationaler Bühne eine eher verpönte Sache – bis vor kurzem damit begründen, dass ein zu starker Franken zu sinkenden Preisen und einem deflationären Trend geführt hätte. Diese Begründung taugt nicht länger. Derzeit liegt die Inflation auch in der Schweiz über dem oberen Zielwert von zwei Prozent. Vor die Wahl gestellt, entweder die Inflation zurück in den Zielbereich zu drücken oder mit einer Schwächung des Frankens die Wettbewerbskraft der exportorientierten Schweiz zu schützen, kann es für die SNB nur eine Antwort geben: die Kontrolle der Inflation. Die Nationalbank ist keine Agentur zur Exportförderung. Jeder Kompromiss würde ihre – derzeit noch hohe – Reputation gefährden.

Gewiss, die Notenbanken sind nicht allein schuld an der Inflation. Wenn aufgrund eines Krieges die Energie knapp wird oder Lockdowns zu Lieferengpässen führen, kann die Geldpolitik wenig ausrichten. Doch die Währungsbehörden tragen eine grosse Mitschuld. Sie verharmlosten allzu lange die sich auftürmenden Risiken und enttäuschten dadurch das öffentliche Vertrauen in die Geldordnung. «So weit sie wache Augen hatte, sah die Welt, dass sie betrogen worden war», schrieb Zweig einst. Sein Verdikt klingt aktueller denn je.


Update: 23.04.2022 – Waren sie alle von Sinnen?

Gegen den Krieg kann Deutschland nichts tun, was es tun müsste. Das ist die Folge einer an Pathos und Profit orientierten Regierungspolitik – von Bernd Ulrich – Die ZEIT.

Ist es möglich, die Vergangenheit zu bewältigen, während sie noch gegenwärtig ist? Wahrscheinlich nicht, aber es muss sein – zu viel Schmerz ist da, zu viel steht auf dem Spiel. Und dann ist da noch die entscheidende Frage: Kann man jenen, die derart falschlagen, zutrauen, heute und morgen das Richtige zu sagen oder zu tun?

Die Rede ist von der deutschen Russlandpolitik und daher von einer ungeheuren Demütigung. Seit zwei Monaten führt Russland einen Vernichtungsfeldzug gegen die Ukraine, begeht Kriegsverbrechen, mordet, vertreibt, vergewaltigt, hungert aus. Und Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt und das mächtigste Land der EU, tut nicht, was es tun müsste. Es kann nicht aufhören, das russische Regime täglich mit 200 Millionen Euro für die Lieferung von Öl, Kohle und Gas zu füttern. Und es kann nicht genügend Waffen an die um ihr Leben kämpfenden Ukrainer liefern, weil die Bundeswehr, wie es heißt, selbst so schlecht bestückt ist, dass sofort die Landesverteidigung in Gefahr geriete, gäbe man ein paar Leopard-Panzer zu viel ab. Jedes Kettenfahrzeug zählt. Also jedes, das fährt.

Es ist unendlich peinlich, man schämt sich. Und man sucht nach den Schuldigen. Und die Schuldigen? Die suchen nach Auswegen. Sie geben, das eine oder andere zu, zum Beispiel, dass Nord Stream 2 ein Fehler war. Wobei man sagen muss: Ein Fehler, der über einen solch langen Zeitraum begangen wurde, ein Fehler, auf den man international und national wieder und wieder aufmerksam gemacht wurde, ein Fehler, den man mit derartiger Macht und so erheblichem Stehvermögen durchgesetzt hat, ist womöglich gar kein Fehler, sondern die logische Konsequenz einer grundfalschen Russlandpolitik. Und lässt einen für weiteres Regieren oder Präsidieren möglicherweise ungeeignet erscheinen.

Es wird auch gesagt, niemand habe wissen können, dass Wladimir Putin so weit gehen würde. Das stimmt natürlich nicht, denn die Ukraine und der amerikanische Geheimdienst wussten es. Doch selbst wenn man die Kontingenz der Geschichte in Anschlag bringt und behauptet, ohne Corona und den damit verbundenen Kreml-Lagerkoller wäre Putin womöglich nicht einmarschiert – selbst dann bleibt doch recht erstaunlich, warum Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Olaf Scholz, Wolfgang Kubicki und, ja, Angela Merkel so gehandelt haben, als könne eine russische Aggression auf gar keinen Fall passieren. Denn nur dann wäre es ja gerechtfertigt gewesen, die Infrastruktur der Freiheit in Deutschland – erneuerbare Energien, Flüssiggas-Terminals, eigene Gasspeicher, Diversifizierung der Gasimporte, funktionierende Bundeswehr – derart fahrlässig, man kann sogar sagen: mutwillig zu vernachlässigen.

Das aber haben sie getan. Und wegen dieser Vernachlässigung kann Deutschland jetzt nicht tun, wozu es als demokratisches Land die Pflicht hätte, wenn die eigene Sicherheit und Freiheit am Dnipro von anderen blutig verteidigt wird. Für die Ukraine wird es dadurch noch schwerer als ohnehin. Doch auch die Deutschen nehmen Schaden an ihrer Seele. Jeden Tag. Denn während frühere Regierungen die energiepolitische Abhängigkeit von Russland ständig erhöht haben, sagt ihnen die neue Regierung jetzt: Ihr Lieben, bei eurer großen Abhängigkeit einen sofortigen Energieboykott zu verhängen, das haltet ihr sowieso nicht durch. Ihr seid keine Helden, wir kennen euch. Gut zu wissen, was eine Regierung so denkt über ihr Volk.


Update: 26.03.2022 – Was Putins Rubel-Entscheidung beim Gas bedeutet:

Quelle: Handelsblatt.
Der russische Präsident hat angeordnet, dass der Westen Gas nur noch in Rubel bezahlen darf. Geht er noch einen Schritt weiter, könnte er Deutschland in ein Dilemma treiben.  Russland will weiter Gas in den Westen liefern. Doch anstatt mit Dollar oder Euro sollen die EU, die USA und weitere westliche Staaten nun gezwungen werden, ihre Rechnungen in der russischen Währung Rubel zu begleichen. Das hat Präsident Wladimir Putin am Mittwoch angeordnet.

Die Details dafür sollen innerhalb einer Woche ausgearbeitet werden. Die Folgen der Entscheidung sind für den Westen daher noch nicht abschließend zu klären. Auch die Bundesbank wollte das Thema nicht kommentieren. Doch eindeutig ist schon jetzt: Die Auswirkungen der Rubel-Entscheidung dürften sich erst einmal in Grenzen halten, helfen aber Putin. Geht der russische Präsident zudem einen weiteren Schritt, könnte er den Westen in eine erhebliche Zwangslage bringen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie werden Gasrechnungen bislang bezahlt?

Noch läuft es so: Der westliche Gasimporteur bezahlt in Dollar oder Euro seinen russischen Lieferanten. In der Regel handelt es sich dabei um den russischen Staatskonzern Gazprom. Gazprom erhält die Dollar/Euro und muss 80 Prozent von ihnen bei der russischen Zentralbank gegen Rubel eintauschen. Auch das geht auf eine Anordnung von Putin zurück, um den in den vergangenen Wochen stark fallenden Rubel-Kurs zu stützen.

Wie wird es in Zukunft ablaufen?

Statt der Zentralbank übernehmen in der Zukunft russische Geschäftsbanken den Tausch von Dollar/Euro in Rubel. Die westliche Bank des Gasimporteurs, zum Beispiel die Deutsche Bank, müsste dafür ein Konto bei der russischen Geschäftsbank eröffnen. Die russische Bank kauft die Dollar/Euro und schreibt dafür die Rubel auf dem Konto der westlichen Bank bei sich gut. Mit diesen Rubel wird dann etwa Gazprom bezahlt.

Muss der Westen dafür gegen seine eigenen Sanktionen verstoßen?

Nein, erst einmal nicht. Einige russische Geschäftsbanken sind von den Sanktionen ausgenommen, darunter die Gazprom-Bank. Der Umtausch von Euro/Dollar in Rubel ist grundsätzlich also kein Problem. „Um Rubel zu erwerben, muss niemand die Sanktionen gegen die russische Zentralbank brechen“, sagt Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann. Zwar ist unklar, ob aktuell genügend Rubel im Markt sind, damit sie zur Bezahlung der Gaslieferungen ausreichen. Die russischen Geschäftsbanken können aber neue Rubel schöpfen, um genügend für die Gasrechnungen zu haben. Das sei aber nicht endlos möglich, erklärt der Züricher Bankenökonom Hans Gersbach: „Dann beginnt sich die Geldmenge, immer weiter auszudehnen, gefährdet mit der Zeit noch stärker den Wert des Rubels und schürt die Inflation.“

Den Westen zum Umgehen von Sanktionen zu zwingen, würde aber eine weitere Maßnahme erfordern. Putin könnte den Banken nun verbieten, neue Rubel zu schöpfen oder Rubel an westliche Banken zu verkaufen. Dann könnte allein die russische Zentralbank das tun. Die westlichen Gasimporteure hätten dann womöglich nur noch die Möglichkeit, sich die benötigten Rubel bei der Zentralbank zu holen, womit sie allerdings gegen die eigenen Sanktionen verstoßen würden. Die Sanktionen müssten dann aufgehoben werden oder der Westen müsste auf russisches Gas verzichten, was gerade in Deutschland erhebliche wirtschaftliche Schäden hervorrufen würde. Ob Putin tatsächlich den eigenen Geschäftsbanken die Rubel-Schöpfung beziehungsweise den Verkauf untersagt, ist fraglich. Er würde so die wenigen nicht-sanktionierten russischen Banken erheblich einschränken, was den Rubel-Kurs zusätzlich belasten würde. Und es wäre generell praktisch kein Außenhandel mehr zwischen dem Westen und Russland möglich.

Was hat Putin dann von seiner Anordnung?

Durch den Plan wird Putin einfacher über die durch das Gas eingenommenen Dollar/Euro verfügen können. Bislang landeten die westlichen Währungen bei der Zentralbank, nachdem Gazprom und Co. sie dort in Rubel eingetauscht haben. Die Zentralbank kann damit aber nicht viel anfangen, weil sie schließlich sanktioniert wird. Das Problem dürfte Putin jetzt gelöst haben: „Stattdessen erhalten die Dollar/Euro die russischen Geschäftsbanken, die die Fremdwährungen direkt zur Stützung des Rubel nutzen können“, sagt der Ökonom Jens Südekum. Sebastian Dullien, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, ergänzt: „De facto übernimmt der Westen so Devisenmarkt-Interventionen für die russische Zentralbank.“

Und für Zahlungen in Dollar/Euro müssten russische Banken stets Fremdwährungskonten bei ausländischen Banken unterhalten, die dem Zugriff über Sanktionen stärker ausgesetzt seien, erklärt Tindaro Siragusano, Vorstandschef des Vermögensverwalters 7-Orca, der auf Währungsgeschäfte spezialisiert ist. Ferner könnte Putin so möglicherweise höhere Gaspreise durchsetzen. Wenn langfristige Verträge, die noch auf alten, niedrigeren Preisen basieren, nun auf Rubel umgestellt werden müssen, könnten auch die Preise neu verhandelt werden. Der Gaspreis ist bereits nach der Verkündung der Maßnahme durch Putin deutlich gestiegen. Allerdings orientieren sich viele Langfristverträge auch schon jetzt an den hohen Marktpreisen. Auch wenn für Deutschland nicht das Dilemma „Gasboykott oder Rubel-Zahlung“ eintreten sollte, könnte Putin mit seiner Ankündigung schon Schaden anrichten. Ändert Gazprom seine Verträge, könnten langwierige Rechtsstreitigkeiten die Folge sein.

Kann Putin einfach die Währung ändern, in der Gas gezahlt werden muss?

Grundsätzlich nicht, einseitige Vertragsänderungen sind nicht wirksam. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach am Mittwoch von „Vertragsbruch“. „Das ist im Prinzip auch richtig“, sagt Außenwirtschaftsrechtler Harald Hohmann. Deutschland könne sein Recht vor Gericht – eventuell einem internationalen Schiedsgericht – einklagen. „Eine Vollstreckung des Anspruchs könnte allerdings schwierig sein, kurzfristig wird das wohl nicht zu einer Lösung führen“, sagt Hohmann. Der österreichische Energiekonzern OMV hat angekündigt, russisches Gas vorerst weiter in Euro zu bezahlen.


Update 17.03.2022 – Bsp.: Dax-Unternehmen:

1. Das 273-Milliarden-Euro-Risiko: Hohe Schulden werden für Konzerne zum Problem.

2. Bert Flossbach: „Es droht ein Offenbarungseid der Notenbanken“.

   
Quelle: Handelsblatt/Bloomberg – HRI.


Die Dax-Konzerne haben fast doppelt so hohe Nettoschulden wie vor zehn Jahren. Jetzt ziehen die Zinsen an – und fordern
die Unternehmen heraus. Der Krieg in der Ukraine unterbricht Produktions- und Lieferketten, lässt die Energiepreise auf Rekordhöhe steigen und dürfte die Weltwirtschaft erheblich schwächen. In diese neue Krise gehen die großen deutschen Unternehmen hoch verschuldet: Binnen zehn Jahren stiegen die Nettofinanzschulden der Dax-Konzerne nach Handelsblatt-Berechnungen von 140 auf 273 Milliarden Euro.

Solange die Zinsen nahe null standen, war das kein Problem. Doch die Zinswende lässt die Kosten für neue Kredite drastisch steigen. Unternehmensanleihen rentieren nach Bundesbank-Statistiken derzeit durchschnittlich mit 1,88 Prozent. Im vergangenen August waren es noch 0,7 Prozent. „Im Niedrigzinsumfeld haben es sich viele Unternehmen gemütlich gemacht, aus dieser Einstellung müssen sie sich befreien“, sagt Bilanzexperte Kai Lehmann vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Mit Nettofinanzverbindlichkeiten – also Gesamtschulden abzüglich Cash – von 132 Milliarden Euro ist die Deutsche Telekom am höchsten verschuldet. Das sind knapp zehn Milliarden Euro mehr als vor einem Jahr.

In der wichtigen Relation zwischen Schulden und den jährlichen Gewinnen vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) steht der hochdefizitäre Essenslieferant Delivery Hero am schlechtesten da, gefolgt von Bayer, Fresenius, Siemens Healthineers und der Telekom: Die Unternehmen brauchen rechnerisch mehr als drei volle Jahre, um ihre Nettoschulden zu verdienen.

Schulden in zehn Jahren nahezu verdoppelt:

Fast alle Unternehmen haben in Zeiten sinkender Zinsen ihre Schulden erhöht. Lagen die Nettofinanzschulden – also die Differenz aus Liquidität und allen Verbindlichkeiten – vor zehn Jahren der damals noch 30 Dax-Konzerne bei 140 Milliarden Euro, so sind es inzwischen 256 Milliarden Euro. Hinzu kommen 17 Milliarden Euro bei den zehn neuen Unternehmen im Dax, der im vergangenen Jahr auf 40 Konzerne erweitert wurde. Banken und Versicherungen, die Deutsche Börse und der Immobilienkonzern Vonovia sind nicht eingerechnet, weil ihre bilanziellen Nettofinanzverbindlichkeiten nicht mit denen der übrigen Unternehmen vergleichbar sind.

Bei Siemens etwa stiegen zum 31.12.2021 die industriellen Nettofinanzschulden – also ohne die Finanzsparte – binnen eines Jahres von 8,3 auf 13,3 Milliarden Euro. Insgesamt machen Anleihen und Schuldverschreibungen bei dem Elektronik- und IT-Konzern 43,4 Milliarden Euro aus, die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten nur 2,3 Milliarden Euro. Darin spiegeln sich die günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten am freien Kapitalmarkt gegenüber den Banken wider.

Noch profitieren Aktionäre von niedrigen Zinsen:

Trotz der gestiegenen Verschuldung konnte Siemens seine Zinslast im abgelaufenen Geschäftsjahr um über 100 Millionen auf 704 Millionen Euro senken. Wenn der Elektronik- und IT-Konzern neue Anleihen oder Schuldverschreibungen herausgibt, werden dafür meist nur Zinsen zwischen null und einem Prozent fällig. Die abgelösten alten Schuldtitel rentieren mit deutlich höheren Zinssätzen. Noch wirken sich also die in den vergangenen Jahren gesunkenen Zinsen positiv auf die Gesamt-Zinslast aus.

Davon profitieren die Aktionäre. Angesichts eines von 4,2 auf 6,7 Milliarden Euro gestiegenen Nachsteuergewinns erhöhte Siemens seine Dividendenausschüttung auf der diesjährigen Hauptversammlung am 10. Februar um 381 Millionen Euro auf 3,2 Milliarden Euro. Zugleich ersetzte der Konzern ein auslaufendes Aktienrückkaufprogramm durch ein neues: Für bis zu drei Milliarden Euro erwirbt Siemens in den kommenden fünf Jahren eigene Anteilsscheine an der Börse und zieht diese überwiegend ein. Dadurch verknappt sich das Aktienangebot, zugleich steigen die künftigen Gewinne und Dividenden je Aktie – was den Kurs üblicherweise treibt.

Höhere Schulden und trotzdem geringere Zinslasten – das funktionierte lange Zeit sehr gut. Seit der Finanzkrise 2008 hat sich der durchschnittliche Zinssatz für Unternehmensanleihen von fünfeinhalb auf rund ein Prozent verringert. Doch dieser Vorteil und die sich daraus ergebenden Anlegergeschenke sind ein Auslaufmodell.

Seit Monaten steigen die Zinsen für Unternehmensanleihen. Der Trend beschleunigte sich zuletzt rasant: Im Februar erhöhte sich nach Statistiken der Deutschen Bundesbank die Umlaufrendite von Unternehmensanleihen von 1,33 auf 1,88 Prozent. Unternehmen müssen also immer mehr zahlen, wenn sie neue Anleihen begeben wollen. Steigende Zinsen bedrohen künftige Dividenden
Setzt sich der Trend fort, was aufgrund der hohen Inflationszahlen in den Industrieländern und der daraufhin eingeleiteten Zinswende der Notenbanken naheliegt, dann wird auch für deutsche Unternehmen der Zeitpunkt kommen, an dem sie für neue Anleihen höhere Zinsen zahlen müssen als für auslaufende Papiere.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine verschärft die Situation insofern, als er nicht nur den Welthandel schwächt und damit auch die Erträge der vielen exportstarken Unternehmen. Der Energiepreisschock „hat das Potenzial, das Wachstum zu verringern und die Inflation anzuheizen“, urteilt Ökonomin Stefanie Kennedy vom Schweizer Bankhaus Julius Bär. Dafür sorgen auch viele andere Rohstoffe und Vorprodukte, die infolge von Sanktionen und Lieferengpässen immer teurer werden. Deshalb dürften die Notenbanken an ihrer eingeleiteten Zinswende selbst dann festhalten, wenn sich die Weltwirtschaft aufgrund des geopolitischen und militärischen Konflikts abschwächt. „Das Auslaufen des Programms der EZB zum Ankauf von Unternehmensanleihen bedeutet einen unmittelbaren Anstieg der Kapitalkosten für europäische Unternehmen“, warnt der Marktstratege des französischen Vermögensverwalters Ostrum, Axel Botte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrer letzten Sitzung angekündigt, den Aufkauf von Firmenanleihen schneller als ursprünglich vorgesehen zu beenden. Damit fehlt künftig der größte Käufer an den Finanzmärkten, was es für die Unternehmen schwieriger und damit teurer macht, Abnehmer für ihre Kredite zu finden. Vorausschauend heißt es bereits im Jahresbericht von Siemens: „Änderungen der Wechselkurse und der Zinssätze beeinflussen sowohl das operative Geschäft als auch die Investitions- und Finanzierungsaktivitäten des Unternehmens.“ Experten sind sich sicher, dass sich die Unternehmen angesichts der strafferen Geldpolitik neu sortieren müssen. „Dann könnte die Ausschüttungspolitik zugunsten einer Entschuldung verändert werden“, prognostiziert Commerzbank-Analyst Markus Wallner mit Blick auf die künftigen Dividenden der Unternehmen.

Flossbach-Bilanzexperte Lehmann schlussfolgert: „Fest steht, wenn die Zinsen steigen, die operative Ertragskraft aber nicht, bleibt unterm Strich weniger für die Aktionäre.“

Bei Bayer ist die Last am größten.

Je leichter die Unternehmen an billiges Geld gekommen sind, desto geringer wurde ihre Spardisziplin und desto größer ihre Lust, Risiken einzugehen. Ein gefährlicher Kreislauf. Bei Fresenius etwa sind die Nettofinanzschulden zum Jahresende auf 24,4 Milliarden Euro gestiegen. Das waren 315 Millionen Euro mehr als im Jahr davor, und es entspricht dem 3,57-fachen Jahresgewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Die hohen Schulden resultieren bei dem Gesundheitskonzern aus vielen teuren und lange zurückliegenden Übernahmen: 2016 hatte Fresenius für 5,8 Milliarden Euro den spanischen Klinikbetreiber Quironsalud gekauft, zuvor die Rhön-Kliniken und den Generikahersteller APP Pharmaceuticals und davor den Dialysespezialisten Renal Care – und die Liste ist noch viel länger. Die Verbindlichkeiten werden dann zu einer großen Last, wenn weitere Probleme und Risiken für das Betriebsergebnis hinzukommen, wie bei Fresenius etwa Kostensteigerungen, Lieferengpässe und sinkende Erträge aufgrund aufgeschobener OP-Termine in den Krankenhäusern infolge der Coronapandemie. Am größten ist die Last bei Bayer. Dem Pharmakonzern war der Saatguthersteller Monsanto 50 Milliarden Euro wert. Mit früheren Zinssätzen von vier oder sechs Prozent wäre solch ein Deal ganz sicher nicht zu stemmen gewesen. Bayer drückten zum Geschäftsjahresende Nettofinanzschulden von 33 Milliarden Euro. Das entspricht dem 4,65-fachen Jahresgewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Kein anderer Dax-Konzerne hat solch eine hohe Verschuldungsquote. Binnen zwölf Monaten erhöhte Bayer seine Nettofinanzlast um weitere 3,4 Milliarden Euro.

Lesen sie auch: Der Dax hat noch viel Abwärtspotenzial – Drei Szenarien für den weiteren Verlauf

Acht Unternehmen haben mehr Bares als Schulden:

Solche Sorgen brauchen sich Mitarbeiter und Anteilseigner bei den Dax-Neulingen HelloFresh, Siemens Energy und Zalando, dem Flugzeugbauer Airbus, dem Triebwerkshersteller MTU sowie Mercedes-Benz und Volkswagen nicht zu machen. Sie alle haben mehr liquide Mittel als Schulden und deshalb eine negative Nettofinanzverschuldung. Diese ist mit jeweils gut 20 Milliarden Euro bei den Autobauern am höchsten, zumindest wenn man ihre jeweiligen Finanzsparten ausklammert. Die beste Relation aus Firmengewinn und Barmitteln erreicht Beiersdorf: Der familiengeführte Kosmetikkonzern mit Marken wie Nivea, Eucerin und Labello hatte zum Jahresende Nettofinanzschulden von minus 4,9 Milliarden Euro.

Das bedeutet: Auch Beiersdorf hat mehr Barreserven als Schulden. Gemessen an dem 2021 eingefahrenen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro ist das Guthaben sogar rund viermal so hoch. So viel Vorsorge und Risikobewusstsein sind einmalig im Dax.

Lesen ergänzend den folgenden Artikel: Sparen – Kurse – Finanzieren … und Sonntag-Winter-Intermezzo am 13. März 2022.

2. Bert Flossbach: „Es droht ein Offenbarungseid der Notenbanken“.

Der Fondsmanager glaubt nicht, dass die Zentralbanken den Kampf gegen die Inflation gewinnen. Ökonomen befürchten, dass die Notenbanken die Inflation nicht in den Griff bekommen. Nach Meinung von Bert Flossbach, müssten für eine wirksame Bekämpfung der Teuerung die Zinsen so gewaltig steigen, dass sie die Konjunktur abwürgen und die Finanzmärkte in schwere Turbulenzen stürzen würden. Im Handelsblatt-Interview warnt Flossbach vor einem „Offenbarungseid“ der Notenbanken. Der Fondsmanager erwartet, dass die Zinsen trotz einer strikteren Geldpolitik nach Abzug der Inflationsrate negativ bleiben werden. In einem solchen Szenario rät er zu zwei Anlagen: Aktien und Gold.

Doch auch diese Empfehlung, ist zu kurz gesprungen, da die Schulden für alle bleiben, nur nicht für die Staaten. Das Mittel der Staaten heißt modern Schuldenschnitt und traditionell Währungsreform. Rußland, wir es uns ALLEN zeigen, wie das geht. Somit ist Wladimir Putin klug, weil er kluge Berater hat.

Quelle Handelsblatt.

Russland droht der Staatsbankrott: Gefahr, dass Zahlungen an Investoren nicht durchgehen.

Die Sanktionen westlicher Länder gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs hinterlassen ihre Spuren. Es droht der erste Zahlungsausfall des Landes seit 1998, auf Schulden in Fremdwährung sogar der erste seit der Russischen Revolution 1917.

Der Angriffskrieg in der Ukraine und die folgenden Sanktionen westlicher Länder haben massive wirtschaftliche Folgen für Russland. Dem Land droht nun der Staatsbankrott. Finanzmarktexperten schauen in diesem Zusammenhang gespannt darauf, was mit zwei Dollar-Bonds des Schuldners Russland passiert. Auf diese wurden am Mittwoch Zinszahlungen in Höhe von 117 Millionen Dollar an Investoren fällig. Die Zahlungsanweisung sei an die US-Bank, die solche Transaktionen im Allgemeinen übernehme, gesendet worden, zitierte die Nachrichtenagentur Ria Novosti den russischen Finanzminister Anton Siluanov am Mittwoch. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Zahlungen nicht durchgehen würden. Es hänge nicht von Russland ab, ob sie erfolgen könnten. Damit spielte Siluanov auf die westlichen Sanktionen an, mit denen das Land nach dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine vom Finanzsystem abgeschnitten wurde. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg soll es sich bei der entsprechenden Bank um die Citibank handeln. Das russische Finanzministerium habe mitgeteilt, dass es sich später dazu äußern werde, ob die Transaktion erfolgreich gewesen sei oder nicht.

Vor einer Welle von Zahlungsausfällen?

Würde Russland die Zinszahlung nicht leisten, könnte dies der Beginn sein einer Welle von Zahlungsausfällen (Defaults) russischer Schuldner, die Gelder in ausländischen Währungen aufgenommen haben. Neben dem russischen Staat zählen dazu Unternehmen wie Gazprom, Lukoil oder Sberbank. Die Nachrichtenagentur Bloomberg beziffert das gefährdete Volumen solcher Anleihen mit 150 Milliarden Dollar. Die Entwicklung wäre umso dramatischer, als Russland bis vor kurzem noch ein Schuldner mit Ratings im Bereich der Investitionsklasse (Investment-Grade) war – und nun tief gefallen ist. Am Montag hatte das russische Finanzministerium mitgeteilt, die Schulden des Landes auch bei «unfreundlichen Staaten» bezahlen zu wollen – allerdings machte es keine Angaben zur Währung. Folglich ist es denkbar, dass Russland die Zahlungen in der heimischen Währung Rubel leisten will. Damit reagiere Russland auf die Sanktionen westlicher Länder, hatte Finanzminister Siluanov am Montag gesagt. Die Sanktionen drängten Russland in einen «künstlichen Zahlungsausfall». Das Land hat derzeit Anleihen in Fremdwährung im Volumen von 38,5 Milliarden Dollar ausstehen.

Zahlungsversprechen ist in Dollar.

Eine Zahlung in Rubel auf Dollar-Verbindlichkeiten ist ein Zahlungsausfall, unabhängig vom gewählten Wechselkurs, sagt dazu Moritz Krämer, Chefökonom und Leiter Research bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das vertraglich zugesicherte Zahlungsversprechen sei schließlich in Dollar gewesen, und das werde nicht eingehalten. Eine Zahlung in Rubeln entspricht einer Vertragsverletzung für Anleihen, die in anderen Währungen begeben wurden, teilt auch das Chief Investment Office der Großbank UBS auf Anfrage mit. Der Rubel habe bereits seine Fungibilität eingebüßt, und Investoren und Banken mieden das Risiko, offene Positionen in Rubeln zu führen. Auf gut Deutsch bedeutet das, dass Rubel-Bestände auf absehbare Zeit unbrauchbar sein dürften, heisst es weiter. Kommt Russland am Mittwoch seinen Verpflichtungen nicht nach, folgt eine 30-tägige Frist, in welcher der Staat die Möglichkeit hat, die Zahlungen in Dollar zu leisten. Erfolgt dies nicht, gilt die Entwicklung als Zahlungsausfall. Es wäre der erste von Russland seit 1998 und der erste mit Schulden in Fremdwährung seit der Russischen Revolution 1917.

Für Rußland ist ein „Staatsbankrott” ggf. ein Segen, da die  „Bewohner der Nato-Staaten” geschädigt werden“! 


Hier wurde die Zukunft gehandelt: Die Börse in der Reichshauptstadt Berlin (Holzstich, koloriert, nach einer Zeichnung von Edward Cucuel, um 1900). Seit 1871 waren die deutschen Länder ein Staat – mit einem Kaiser, einem Reichstag – und einer Währung, der Mark – Foto: akg-images/picture-alliance.

Update 5.12.2021 – die Geschichte der Mark.

Währungsgeschichte: Gold, Krieg und Frieden – SZ vom 3.12.:

Vor 150 Jahren führte das Deutsche Reich die Mark als Einheitswährung ein. Sie ermöglichte es Deutschland, an der ersten großen Welle der Globalisierung teilzunehmen – bevor sie dann gleich zweimal zerstört wurde. Die neue Währung der Deutschen war eine Frucht des Krieges. Nach dem Sieg Preußens und seiner Verbündeten im Deutsch-Französischen Krieg hatte sich das geschlagene Frankreich am 10. Mai 1871 im Frieden von Frankfurt verpflichten müssen, Reparationen von fünf Milliarden Goldfrancs an das neu gegründete Deutsche Reich zu zahlen. Das entsprach 1450 Tonnen Feingold. Ein gutes halbes Jahr später, am 4. Dezember 1871, verabschiedete der Reichstag in Berlin ein neues Münzgesetz. Damit wurde die Mark zur nationalen Einheitswährung erhoben. Und die sollte durch Gold gedeckt sein, was erst dank der französischen Reparationen überhaupt möglich wurde. Das Gesetz trat im Juli 1873 in Kraft. Von da an zahlten die Deutschen 128 Jahre lang mit Geld, das „Mark“ hieß: im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in der Nazidiktatur, in der Bundesrepublik, in der DDR und auch noch im vereinten Deutschland. Die Karriere der Währung endete erst am 1. Januar 2002, als in Deutschland und anderen europäischen Staaten das Euro-Bargeld eingeführt wurde.

Vor 1871 hatte in den deutschen Staaten ein Gewirr unterschiedlicher Währungen geherrscht. Daran erinnern heute noch viele Redewendungen: Im „Dukatenesel“ etwa steckt der Dukat, eine Goldmünze, die in Oberitalien, der Schweiz und einigen deutschen Territorien geprägt wurde. „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ – die Lebensweisheit ist eine Referenz an den Taler, eine im böhmischen Joachimsthal (heute in Tschechien) geschlagenen Silbermünze. Auch der Dollar leitet übrigens seinen Namen vom Taler ab. Das Trinklied „Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein…“ erinnert an das Geld, mit dem zum Beispiel in Bayern gezahlt wurde: Die höchste Einheit war der Gulden, aufgeteilt in 60 Kreuzer oder 240 Pfennige, wobei vier Kreuzer ein Batzen und ein Pfennig zwei Heller waren. In Norddeutschland galten Taler-Währungen, die in Groschen und Pfennige gestückelt wurden. Zusätzlich waren noch ausländische Münzen im Umlauf: französische Napoleons, britische Sovereigns, russische Imperials und andere – alles ziemlich ineffizient in einer zunehmend verflochtenen Wirtschaft.

Gute Gründe also für eine neue, einheitliche Währung. Dass diese den Namen „Mark“ bekam, hatte eine gewisse Folgerichtigkeit. Die Mark war ein uraltes Gewichtsmaß, vermutlich germanischen Ursprungs. Viele norddeutsche Städte und Territorien nannten ihr Geld „Mark“. Es gab die Lübische Mark und die Courantmark. Die Kölner Mark hatte in ganz Deutschland lange als Maßeinheit gegolten. Die neue Mark wurde in 100 Pfennige aufgeteilt. Sie war damit nach dem Dollar und dem französischen Franc die dritte große Währung der Welt, für die das Dezimalsystem galt.

Die Goldfunde 1848 in Kalifornien und in Australien veränderten das große Spiel um Geld und Macht.

Nicht selbstverständlich war es, dass die Mark durch Gold gedeckt werden sollte. Die meisten Währungen der Welt, darunter die der deutschen Staaten, leiteten ihren Wert bis dahin aus Silber ab. In Frankreich waren Gold und Silber gleichberechtigt, es galt der sogenannte Bimetall-Standard. Nur England besaß bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts eine Goldwährung. Dass sich dieser Goldstandard schließlich durchsetzte, war umfangreichen Goldfunden 1848 in Kalifornien und in Australien geschuldet. Erst nach diesem Goldrausch stand überhaupt ausreichend Währungsgold zur Verfügung. Im Deutschen Reich wurde die erste Reichsgoldmünze im Wert von 20 Mark 1871 geprägt. Wenig später gingen auch die skandinavischen Länder und die USA zum Goldstandard über.

Im Deutschen Reich begann eine Zeit großer Veränderungen, aber auch schwerer Krisen. Die Wirtschaftsbedingungen Europas wurden „eigenartig und unstet“, wie der Ökonom John Maynard Keynes in der Rückschau schrieb. Deutschland wandelte sich in kurzer Zeit von einem Agrar- zu einem Industrieland. Seine Bevölkerung wuchs von 40 Millionen (1870) auf 68 Millionen (1914). Mit den Worten von Keynes: „Die deutsche Maschine glich einem Kreisel, der sich immer schneller und schneller drehen muss, um sein Gleichgewicht zu erhalten.“

Zunächst lösten die Einigung Deutschlands und das neue Geld bei vielen irrationalen Überschwang aus. Die spekulative Blase platzte im Oktober 1873, kaum dass die Mark offiziell eingeführt worden war. An der Berliner Börse kam es zum Gründerkrach, dem die Gründerkrise mit unzähligen Pleiten folgte. Nun zeigte sich, dass der neuen Mark etwas Wesentliches fehlte: eine Zentralbank, die als „Hüterin der Währung“ (der Begriff tauchte jetzt erstmals auf) handeln konnte. Wie der Historiker Harold James schreibt, floss nach 1874 Gold im Wert von 900 bis 950 Millionen Mark ins Ausland ab; das entsprach mehr als dem Gesamtwert aller bis 1873 ausgegebenen Goldmünzen des Reiches. Und es gab niemanden, der das verhindern konnte.

Zwar hatte Preußen eine Art Zentralbank, die Preußische Bank, aber die war der neuen Aufgabe nicht gewachsen. Sie hatte sogar mit der Ausgabe ungedeckter Banknoten die Spekulation angeheizt, wofür der liberale Reichstagsabgeordnete Ludwig Bamberger den schönen Begriff „Sündenblüte“ prägte. Es war Bambergers Verdienst, mit einer flammenden Rede vor dem Reichstag die Widerstände, vorwiegend aus dem konservativen Preußen, gegen eine echte Zentralbank überwunden zu haben. Am 1. Januar 1876 nahm die Deutsche Reichsbank in Berlin ihre Arbeit auf. Die Liberalen im Reichstag und die liberal regierten süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Hessen hatten sich durchgesetzt. Die neue Reichsbank war nach dem Vorbild der Bank von England modelliert: Sie hatte private Aktionäre und sollte „regelgebunden“ arbeiten, also nicht Anweisungen der Regierung befolgen.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann sich die Mark „vom Gold zu emanzipieren“ und sich hin zu einer Papierwährung zu entwickeln

Auch nach dem Ende der Gründerkrise blieben die Zeiten schwierig. Historiker nennen die Jahre von 1873 bis 1890 die „Große Deflation“, wozu der Goldstandard wesentlich beitrug. Weil Silber aus dem Geldkreislauf verschwand und das Angebot an Gold nicht unbegrenzt wachsen konnte, stagnierten oder sanken die Preise. Gold machte die erste große Welle der Globalisierung möglich, aber die Not breiter Schichten, primär die der rasch wachsenden Arbeiterklasse, nahm zu. Die Große Deflation endete erst um das Jahr 1890, als neue große Goldlagerstätten in Alaska und Afrika entdeckt worden waren. Trotzdem kam es immer wieder zu spekulativen Geldabflüssen. Angesichts dessen erklärte die Reichsbank 1910 auch Banknoten zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Die Mark begann, „sich vom Gold zu emanzipieren“ (Harold James) und sich zu einer Papierwährung hin zu entwickeln. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 endete der Goldstandard faktisch und es begann der Niedergang der Mark. Die Reichsregierung finanzierte den Krieg zunehmend mit gedrucktem Geld – in der expliziten Erwartung, nach einem „Siegfrieden“ das Problem mit Reparationen der Verlierer lösen zu können – wie 1871. Tatsächlich musste Deutschland nach der Niederlage selbst horrende Reparationen leisten. Die Regierung versuchte, die Probleme mit immer mehr gedrucktem Geld zu lösen, was zur Hyperinflation des Jahres 1923 führte. Auf deren Höhepunkt kostete ein Dollar 4,2 Billionen Mark.

Im Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg wurde die Mark ein zweites Mal zerstört. Erst die Deutsche Mark, von amerikanischen Experten entworfen und 1948 in Westdeutschland eingeführt, hatte Bestand. Nach den Erfahrungen der Geschichte gehörte in der sozialen Marktwirtschaft, verkörpert durch Ludwig Erhard, Preisstabilität zur Staatsräson. Anfangs gab es auch noch Erinnerungen an den Goldstandard. Die D-Mark war zu einem festen Kurs an den Dollar gebunden, zum Ausgleich sagten die USA zu, Dollar jederzeit in Gold zu tauschen. Zwar nahmen sie diese Zusage 1971 zurück, bis dahin jedoch hatten die Deutschen einen gewaltigen Goldschatz gehortet, den es noch heute gibt und der in Tresoren in Frankfurt (Main), New York und London liegt.

Auch Silber spielte noch kurz eine Rolle: Die ersten Fünf-Mark-Stücke der Bundesrepublik bestanden zu einem Teil aus Silber. Die Praxis endete 1974 mit der großen Silberspekulation der texanischen Brüder Nelson und Herbert Hunt. Diese trieben den Preis so weit in die Höhe, dass Münzen aus dem Geldumlauf verschwanden, um in Silberbarren eingeschmolzen zu werden. Danach bestanden die Fünfer aus einer Kupfer-Nickel-Legierung mit einem Reinnickelkern, damit die Automaten sie besser erkennen konnten – alles lesen in der SZ.

 


Update 17.10.2021:

Von FDP und Grünen hängt ab, welche Richtung die nächste Regierung einschlägt.

  • Als die FDP vor acht Jahren einen Erneuerungsprozess einläutete, ging es ums Überleben. Heute, kurz vor einer Regierungsbeteiligung stehend, muss sie sich abermals neu erfinden.
  • Helfen kann dabei eine Rückbesinnung auf liberale Wurzeln. Auf die eine oder andere Weise wird sich die FDP aber auch Themen zuwenden müssen, um die sie sich bisher wenig gekümmert hat: Soziales und Ökologie.
  • Der Politikprofessor Hans Vorländer erklärt die Stärke der FDP und wieso der Blick in die Vergangenheit bei einer Ampelkoalition helfen kann.
  • Im Interview spricht FDP-Chef Christian Lindner über die Aufgaben seiner Partei, die Bedeutung eines liberalen Rechtsstaats und über Freiheit als die günstigste Form von Wirtschaftsförderung.

Die Neuerfindung der FDP begann mit einem Anruf vor ziemlich genau acht Jahren. Karl-Heinz Paqué, zu diesem Zeitpunkt ehemaliger Fraktionsvorsitzender der FDP-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, spazierte mit seinem Hund im Wald, als sein Handy klingelte.

Christian Lindner rief an, damals Landesvorsitzender der FDP in NRW. Nur wenige Wochen vorher war die Partei aus dem Bundestag geflogen und lag darnieder. Er stelle ein Team zusammen, sagte Lindner, um für den Bundesvorsitz zu kandidieren. Ob Paqué nicht dabei sein wolle? „Ich habe keine Sekunde gezögert“, erinnert sich Paqué, der heute die liberale Naumann-Stiftung leitet, wenn man so will, den Thinktank der Partei. Nicht nur Paqués Telefon klingelte in diesen Herbsttagen 2013. Auch Wolfgang Kubicki, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Johannes Vogel, Michael Theurer und Volker Wissing etwa sollten mit ins Team. Es formierte sich eine FDP-Führung, deren Schnittmengen mit jener Parteispitze, die unter fünf Prozent gelandet war, überschaubar groß war.

Acht Jahre später nun hat sich die FDP nicht nur personell neu gefunden, sie steht auch kurz vor einer Regierungsbeteiligung. Und dafür muss sie sich nun auch, zumindest teilweise, inhaltlich neu erfinden; sich für soziale und ökologische Themen von SPD und Grünen erwärmen, die in ihrem Programm bislang nur eine Nebenrolle spielten. So klingt es zumindest, wenn man die Aufgabe pessimistisch definieren möchte. Sieht man es aber optimistisch, dann klingt es so: Sie muss die Idee der Freiheit hochhalten und sie dafür zunächst wieder auf ein breiteres Fundament stellen. Und es wirkt in diesen Tagen, als sei die Parteispitze um Christian Lindner fest entschlossen, sich diese optimistische Sicht zu eigen zu machen.


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Es ist gerade ein paar Wochen her, Deutschland befand sich noch im Wahlkampf, da titulierte der FDP-Chef die Grünen am liebsten als „Verbotspartei“, mit der kein Staat zu machen sei. Hier die Liberalen, die für Wirtschaft, Wohlstand und Technik stehen, da die Grünen, die technologiefeindlichen und fortschrittsungläubigen Träumer, die den Industriestandort gefährden.

Der neue Lindner klingt so: „Wir spüren, dass allein die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen und wir uns um Lösungen in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre bemühen, vielen Menschen Anlass zur Hoffnung und Motivation ist.“ Lindner und sein Generalsekretär Volker Wissing achten auf die Bildsprache und inszenieren ihr Machtbewusstsein. Ein gemeinsames Selfie mit den Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck versprühte gemeinschaftliche Aufbruchstimmung. Zu den ersten Sondierungsgesprächen am Berliner Messezentrum kamen die vier am Montagmorgen wie eine Popgruppe. In den sozialen Netzwerken wurden sie gar mit den Freiheitskämpfern aus der Filmtrilogie Matrix verglichen.

Der Grandseigneur der Partei, Hermann Otto Solms, sagt: „Unser Ansinnen ist nicht, unter der SPD in die Regierung einzutreten, sondern wir wollen mit den aufgeschlossenen Grünen den Grundtenor der Politik bestimmen.“ Die SPD könne den Kanzler stellen, FDP und Grüne seien aber diejenigen, die für den Fortschritt stünden. Doch schöne Bilder und Statements reichen nicht. Der rhetorischen Erneuerung muss auch eine inhaltliche folgen. Dem Parteivorsitzenden winkt in der kommenden Regierung tatsächlich eine historische Chance – unabhängig davon, ob es nun eine Ampel, Jamaika oder was auch immer unter FDP-Beteiligung wird: Es geht um die Neuausrichtung des Liberalismus – mehr lesen im Handelsblatt.


Update 03.10.2021:

Unterschätzte Inflation: Warum die Preise immer stärker steigen – Quelle Handelsblatt.

Die EZB hält die vier Prozent Inflation in Deutschland für erwartbar. Doch einflussreiche Ökonomen warnen: Vier globale Trends deuten an, dass die Geldentwertung schneller weitergeht.

Im Juli 3,8 Prozent. Im August 3,9 Prozent. Und jetzt im September 4,1 Prozent. Stetig wie ein Uhrwerk steigt die Inflationsrate in Deutschland Monat für Monat. Die 4,1 markiert den höchsten Stand seit dem Wiedervereinigungsboom im Jahr 1992. Und es wird in diesem Jahr noch weiter Richtung fünf Prozent gehen. Davon jedenfalls ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann überzeugt. Jene Menschen, die von Berufs wegen die Preisstabilität zu sichern haben, reagieren zunehmend dünnhäutig – allerdings weniger, was die Inflationsdaten angeht, sondern vor allem die Debatte darüber. 13. September 2021, die Unternehmergespräche in Baden-Baden: Ein elitäreres Forum kann man sich in Deutschland kaum suchen. Was Isabel Schnabel dort zwischen den weißen Holzvertäfelungen und neobarocken Wandspiegeln des Palais Biron vortrug, war eine Generalabrechnung mit den deutschen Medien. Es gebe einen „neuen Schub von Kritik an der Geldpolitik“, sogenannte „Experten bedienen dort die Ängste der Menschen, ohne die Ursachen der Preisentwicklungen zu erklären“. Seit Anfang vergangenen Jahres ist die Ökonomin Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). Und sie ist inzwischen gegenüber der deutschen Öffentlichkeit so etwas wie die Botschafterin der mächtigsten wirtschaftspolitischen Institution Europas. Schnabel wetterte weiter: „Da wird von ‚Weimarer Verhältnissen‘ gesprochen.

Es werden Parallelen zu den 1970er-Jahren gezogen, in denen die Inflation in Deutschland auf knapp acht Prozent stieg. Und es wird vor dem ‚Mega-GAU‘ gewarnt, wenn die Zinsen weiterhin niedrig bleiben.“ Nach Schnabels Auffassung ist die Inflation, wenn man die Verzerrungen durch die Coronapandemie herausrechnet, eher noch zu niedrig. Noch wütender als Schnabels Rede allerdings waren in Deutschland die Reaktionen auf den von der EZB veröffentlichten Redetext. „Geht die gute Frau selbst einkaufen oder tanken?“, hieß es auf Twitter. Als „Totengräber des Mittelstands“ musste sie sich beschimpfen lassen. Den Deutschen wird ein quasi-religiöses Verhältnis zur Preisstabilität nachgesagt, ganz so, als spukten die beiden großen Geldentwertungen von 1923 und 1948 noch Generationen später durchs kollektive Bewusstsein der Republik.

Die Reaktion auf die steigenden Inflationszahlen fällt hier heftiger als in anderen Euro-Staaten oder in den USA. Was an dieser Reaktion ist irrationale German Angst, was begründete Sorge? Werden die Preise weiter im Tempo der vergangenen Monate steigen, oder handelt es sich tatsächlich nur um eine kurze Nachwehe der Pandemie? Und welche ökonomischen Risiken drohen Deutschland und der Welt, sollten die Inflationswarner recht behalten? Fakt ist: Die Inflationsraten steigen nicht nur in Deutschland und Europa – sie steigen vor allem auch in den USA, wo die Preissteigerungsrate bereits über fünf Prozent liegt. Die Ursachen dort sind schnell geklärt: US-Präsident Joe Biden hat gigantische staatliche Rettungs- und Investitionspakete aufgelegt, die Wirtschaft ist weitgehend ausgelastet, die Konjunktur droht zu überhitzen. Das Ganze paart sich mit einer nach wie vor ultralockeren Geldpolitik. Erst im kommenden Jahr will die US-Notenbank Federal Reserve („Fed“) ihre Anleiheankäufe zurückfahren.

Selbst ein überzeugter Keynesianer wie der US-Ökonom und ehemalige Finanzminister Lawrence Summers zählt inzwischen zu den Warnern. „Die Inflationsrisiken werden unterschätzt – in den USA und global“, sagte er dem Handelsblatt. Der Harvard-Professor zieht Parallelen zur Lage Ende der 1960er-Jahre, als sich Inflationserwartungen sukzessive aufbauten: „Auch damals konzentrierten sich die Notenbanker nicht mehr nur auf die Geldwertstabilität, sondern beschäftigten sich auch mit sozialen Problemen. Es ging den Notenbankern nicht mehr nur darum, einer Inflation zuvorzukommen, sondern auch darum, sich an Inflation zu gewöhnen.“

Auch Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, erwartet, dass „die Zeiten der ganz niedrigen Inflation vorbei sind“: „Um die Erwartungen zu stabilisieren, ist es jetzt sicher sinnvoll, dass Gegensteuern handwerklich und kommunikativ vorzubereiten.“ Der US-Amerikaner Summers und der Österreicher Felbermayr sind unverdächtig, unter irgendwelchen spezifisch deutschen Inflationstraumata zu leiden. Sie blicken nüchtern auf die wirtschaftspolitischen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte und haben erkannt: Es gibt derzeit tatsächlich Anlass zur Sorge vor langfristigen Inflationstreibern – über alle pandemiebedingten Sondereffekte hinaus:

  • Da ist der Trend zur De-Globalisierung, der die preisdämpfenden Effekte der internationalen Arbeitsteilung verringert.
  • Da sind die gigantischen Kosten der Dekarbonisierung, die über die kommenden Jahre und Jahrzehnte in die Volkswirtschaft eingepreist werden.
  • Da ist der demografische Wandel in fast allen Industrieländern und der damit einhergehende Arbeitskräftemangel, der die Löhne nach oben treibt.
  • Und da ist die sprunghaft angestiegene Staatsverschuldung. Die Befürchtung: Die EZB wäre auch bei weiter steigender Inflation nicht in der Lage, die Zinsen hinreichend deutlich zu erhöhen, weil dann die Schuldenlast von Euro-Staaten wie Italien unfinanzierbar würde. Eine höhere Preissteigerungsrate könnte für diese Staaten sogar ein willkommenes Vehikel sein, um einen Teil ihrer Schulden wegzuinflationieren.

Das Ergebnis wären dauerhaft deutlich steigende Preise. Und, sofern die Zinsen nicht im Gleichschritt mitsteigen, eine schleichende Teilenteignung all jener Anleger, die einen Teil ihrer Ersparnisse in festverzinsliche Wertpapiere investiert haben. Dazu zählt fast jeder Bundesbürger – auch wenn es viele gar nicht wissen. Denn Kapitallebensversicherungen, mit über 80 Millionen Policen beliebteste Anlageform in Deutschland, müssen aufgrund von Regulierungsvorgaben einen erheblichen Teil ihres Kapitals in Staatsanleihen stecken. Angesichts der gewachsenen Inflationsrisiken sollte jeder Anleger überprüfen, wie resistent sein Portfolio gegenüber steigenden Preisen und womöglich auch Zinsen aufgestellt ist. Zumal Inflationsszenarien für Anleger nicht nur Risiken, sondern durchaus auch Chancen bieten können.

Nicht nur für Anleger, vor allem auch für Notenbanker wäre es geradezu fahrlässig, ein langfristiges Szenario hoher Inflationsraten von vornherein auszuschließen. Alle jene, die glauben, mit dem Abflauen der Sondereffekte käme auch das Ende der derzeitigen Inflationsraten, geraten zunehmend in Erklärungsnot. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute (HRI), kritisiert: „Die ungemein niedrige Inflationsrate 2020, rasant gestiegene Rohölpreise, die neue CO₂-Abgabe, Rückkehr zum alten Mehrwertsteuersatz, steigende Importpreise, gestörte Lieferketten – die Liste der aufgezählten Einmal- und Basiseffekte zur Begründung der in diesem Jahr in Deutschland in die Höhe geschnellten Inflationsrate wird immer länger, und sie kommt der Führung der EZB zupass“. Die Berufung auf Einmaleffekte hilft der Zentralbank laut Rürup dabei, an der derzeitigen expansiven Geldpolitik festzuhalten: „Im Kern geht es darum, über massive Wertpapierkäufe namentlich die Zinsen für Staatsanleihen sehr niedrig zu halten, ohne sich mit dem Vorwurf der mandatswidrigen Staatsfinanzierung auseinandersetzen zu müssen.“ Nutznießer dieser Politik mit dem Ziel, die Währungsunion zusammenzuhalten, seien insbesondere die hoch verschuldeten südeuropäischen Mitgliedsländer.

Tatsächlich könnte die Tatsache, dass die EZB erst im Sommer ihr Inflationsziel angepasst hat, diesen Verdacht nähren. Nicht mehr wie bisher „unter, aber nahe bei zwei Prozent“ liegt die angestrebte Marke, sondern bei glatt zwei Prozent. Die Notenbanker haben damit ein symmetrisches Ziel geschaffen, zu wenig Inflation wird genauso bekämpft wie zu viel. Hinzu kommt: Die EZB fordert von sich selbst „besonders starken Einsatz“, wenn die Inflation zu niedrig ist und die nominalen Zinsen nahe null liegen. Rürup sieht das kritisch: „Letztlich geht es nur darum, die Toleranzgrenze nach oben zu erweitern.“ Was das Misstrauen zusätzlich wachsen lässt: Wenn all die Inflationstreiber tatsächlich so absehbar gewesen sein sollen, wie es die EZB jetzt darstellt, warum hat sie in ihrer Kommunikation dann nicht rechtzeitig davor gewarnt? Dieses Erwartungsmanagement gilt gemeinhin als Kerndisziplin der Geldpolitik, nichts hassen die Finanzmärkte so sehr wie böse Überraschungen. Im Dezember wird die EZB ihre viel beachteten Inflationsprognosen aktualisieren. Bislang erwartet sie für dieses Jahr eine Teuerungsrate für die Euro-Zone von 2,2 Prozent. Für das kommende Jahr hat die EZB ihre Vorhersage inzwischen von 1,5 auf 1,7 Prozent erhöht. In Summe wäre das noch immer im Rahmen des neuen Inflationsziels. Die EZB muss ihre Geldpolitik zwangsläufig an der Gesamtheit der Währungsunion ausrichten.

Solange in Deutschland die Wirtschaft besser läuft als im Schnitt der Euro-Zone, muss die Inflationsrate in der Bundesrepublik nahezu zwangsläufig über der Zwei-Prozent-Marke liegen. Diese Aussicht ist aus der Warte deutscher Sparer bereits ungemütlich genug. Doch gewichtige Argumente sprechen dafür, dass die Preissteigerungsraten auch noch über das derzeitige Maß hinaus steigen könnten.

1. Arbeitskräfte werden knapp, die Lohn-Preis-Spirale kommt in Gang

Die rapide Alterung in den Industriestaaten wird nicht nur schwerwiegende Folgen für die Sozialversicherungssysteme haben, die demografische Wende wird sich auch in der Preisentwicklung niederschlagen. „Der sinkende Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verknappt das Arbeitsangebot und spricht für steigende Löhne und damit für eine höhere Inflation“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In Deutschland wird der massive Alterungsschub bereits Mitte dieses Jahrzehnts einsetzen, wenn die Babyboomer in Rente gehen, und etwa zwei Jahrzehnte andauern.

Bis 2035 wird die erwerbsfähige Bevölkerung um vier bis sechs Millionen, konkret auf 45,8 bis 47,4 Millionen Erwerbsfähige, zurückgehen. Nicht nur in den USA, auch in Europa und in Deutschland finden Unternehmen schon jetzt in vielen Branchen schlichtweg keine Mitarbeiter mehr, wenn sie nicht beim Lohn kräftig was obendrauf legen. Das Problem wäre lösbar, würde es nur einzelne Staaten betreffen. Doch der Alterungsschub ereilt die westlichen Industriestaaten ebenso wie Japan und China. Die Ökonomen Charles Goodhart und Manoj Pradhan prophezeien deshalb in ihrem Buch „The Great Demographic Reversal“: Die Inflation werde innerhalb der kommenden drei Jahrzehnte deutlich steigen. „Wir sehen schneller, als ich erwartet habe, einen Mangel an Arbeitskräften“, warnte Goodhart bei einer Konferenz der EZB in dieser Woche.

Zu den höheren Löhnen kommt die gesteigerte Konsumlaune. „Im Ruhestand neigen die Menschen dazu, ihre Ersparnisse zumindest teilweise abzubauen und ihr Geld auszugeben“, sagt der Wirtschaftsweise Volker Wieland. Gerade die Deutschen haben hohe Ersparnisse aufgebaut. Zudem seien die nachkommenden, arbeitenden Generationen kleiner, sodass in Deutschland dann gesamtwirtschaftlich gesehen weniger gespart wird, erklärt Wieland. Fazit: Die Alterung befeuert das Inflationsrisiko durch knappe Arbeitskräfte, gepaart mit einer höheren Konsumquote.

2. Der Kampf gegen den Klimawandel verursacht gigantische Kosten

Nichts wird in den kommenden Jahren so teuer sein wie der Kampf gegen den Klimawandel. Die Mehrzahl dessen, was in 250 Jahren Industrialisierung erfunden, entwickelt und erschaffen wurde, soll binnen 25 Jahren durch etwas Neues, Besseres und vor allem Saubereres ersetzt werden. „Die Klimapolitik erhöht die Inflation, indem sie zwei Kostenwellen auslöst. Zunächst müssen die Unternehmen mehr für CO2-Emissionen zahlen. Weitere Kosten kommen auf sie zu, weil der höhere CO2-Preis sie zu einem klimagerechten Umbau ihrer Produktion veranlasst“ , analysiert Commerzbank-Ökonom Krämer. Die seit Anfang dieses Jahres erhobene Abgabe von 25 Euro je Tonne CO2 habe „die Verbraucherpreise über teurere Kraft- und Heizstoffe in diesem Jahr um gut 0,6 Prozent erhöht“. Weitere Preiswellen dürften folgen. Noch teurer wird der klimagerechten Umbau der Wirtschaft als Ganzes. Die höheren CO2-Preise und der politische Druck zwingen die Unternehmen zu gigantischen Investitionen.

Die Produktionsprozesse werden tendenziell teurer. „ Die Klimapolitik dürfte die Verbraucherpreise wegen der Umstellungskosten bis zum Ende dieses Jahrzehnts für sich genommen um etwa 2,5 Prozent erhöhen. Hinzu kommt der Effekt der CO2-Abgabe, der eine ähnliche Größenordnung haben dürfte “, erwartet Krämer. Damit ergebe sich für den gesamten Zeitraum ein Anstieg der Verbraucherpreise um etwa fünf Prozent pro Jahr. Umgerechnet bedeutet das eine im Durchschnitt um etwa einen halben Prozentpunkt höhere Inflationsrate. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat in einer Rede am Dienstag ausdrücklich vor diesem Klimaeffekt gewarnt. Bereits jetzt ist klar, dass der Klimawandel nicht mehr vollständig abgewendet werden kann. Auch dadurch befürchtet der Ökonom Peter Bofinger steigende Preise. „Wenn die Weltbevölkerung weiter signifikant wächst und der Klimawandel voranschreitet, kann das ein Inflationstreiber werden“, sagt der frühere Wirtschaftsweise. Der Grund: Dürren oder Starkregen verknappen das Angebot an Nahrungsmitteln, gleichzeitig wächst die Nachfrage.

Fazit: Der Klimawandel und der Kampf gegen ihn wirken auf drei Kanälen als Inflationstreiber: über Nahrungsmittelpreise, Umbaukosten und CO2-Bepreisung.

3. Die Globalisierung fällt als Preisdämpfer aus

Die Ära der entfesselten Globalisierung hat in den vergangenen 30 Jahren die Inflation durch einen simplen Mechanismus gedämpft: Fast immer, wenn ein Lieferant seine Preise erhöhen wollte, war ein anderer, kostengünstigerer zur Stelle – im Zweifel von der anderen Seite der Erde. Doch dieser Effekt kommt nun an seine Grenzen. Bereits die von Donald Trump initiierten Handelskriege bremsten den globalen Warenaustausch. Auch sein Nachfolger Joe Biden drängt auf eine Entkopplung des Westens von China, der zweitgrößten Volkswirtschaft. Die logistischen Verwerfungen der Pandemie und die Debatte um „unsichere Lieferketten“ werden den Trend der De-Globalisierung verfestigen. „Eine höhere Resilienz der Wertschöpfungsketten auch über höhere Lagerhaltung wird nicht kostenlos zu haben sein“, sagt Johannes Mayr, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz. Dadurch könne sich auch der Trend von Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer abschwächen, der bislang die Inflation dämpfte. Der positive Effekt aus Sicht der Beschäftigten in den Industriestaaten: Sie gewinnen wieder mehr Verhandlungsmacht beim Lohnpoker zurück, weil die Arbeitgeber nicht mehr so einfach mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen drohen können. Resultiert diese Verhandlungsmacht in höheren Tarifabschlüssen, wirken die abermals preistreibend.

Fazit: Der sinkende Anteil des Welthandels am globalen Bruttoinlandsprodukt wird sich in höheren Preisen niederschlagen, weil Unternehmen weniger Möglichkeiten haben, auf günstigere Lieferanten oder Standorte auszuweichen.

4. Rapide steigende Staatsverschuldung zerstört Vertrauen.

Die jahrelange Nullzinspolitik hat die Illusion genährt, dass eine hohe Staatsverschuldung kein Risiko darstellt. Erst Finanzkrise, dann Euro-Krise, jetzt die Pandemie – die ständige Krisenbekämpfung hat die Schuldenstände der meisten Industriestaaten weit nach oben getrieben. In den USA beträgt die Schuldenquote inzwischen über 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP).

In Italien sind es mehr als 160 Prozent, auch Spanien und Frankreich belastet jeweils eine Rekordverschuldung von 120 beziehungsweise 113 Prozent – Tendenz überall steigend. Ausgerechnet jene EU-Mitglieder, die hoch verschuldet sind, fordern nun vehement eine Reform der Maastricht-Kriterien, die die Schuldenquote bislang auf 60 Prozent und das Haushaltsdefizit auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzen. Das alles ist tragbar, solange der Kapitalmarktzins nahe null liegt. Aber wie lange kann das noch so bleiben? Die EZB hat in den vergangenen Jahren alles unternommen, um die langfristigen Refinanzierungskosten der Staaten auf einem erträglichen Niveau zu halten, nicht zuletzt durch den massiven Ankauf von Staatsanleihen.

Bis zum Jahresende wird die Zentralbank voraussichtlich Staatsanleihen fast im Volumen der gesamten Neuemissionen der Euro-Länder in diesem Jahr gekauft haben. „Der Kredithunger der Staaten bleibt ebenso groß wie die Bereitschaft, ihn durch Anleihekäufe zu stillen“, sagt Krämer. Diese Politik hat ihren Preis: Seit Beginn der Finanzkrise ist die EZB-Bilanz von 1,5 auf mehr als 8,2 Billionen Euro gewachsen. Nach der Finanzkrise versickerte all das dadurch zusätzlich geschaffene Geld primär an den Finanzmärkten und sorgte dort für die sogenannte Asset-Price-Inflation. Die trieb zum Beispiel die Immobilienpreise in Deutschland nach oben. Inzwischen jedoch fließt das geschöpfte Geld mehr und mehr in die Realwirtschaft, an Verbraucher und Unternehmen. Das zeigt die Entwicklung der Geldmenge M3 (Bargeld, Sicht-, Termin- und Spareinlagen sowie Geldmarktfonds und kurzfristige Bankschuldverschreibungen), die seit Monaten mit zweistelligen Raten wächst. Die Geldmenge M3 ist seit 2000 um mehr als 200 Prozent gestiegen. Die reale Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone dagegen nur um ein Viertel. Ähnlich wie Lawrence Summers sieht auch Krämer Parallelen zu den USA in den 60er-Jahren, „als die Fed die Haushaltsdefizite finanzierte, die wegen des Vietnam-Kriegs und des Ausbaus des Sozialstaates unter Präsident Johnson gestiegen waren“. Dieses Zuviel an Geld habe sich bereits Mitte der 60er-Jahre in einer höheren Inflation niedergeschlagen. Das könne nun auch in Europa so passieren.

Hinzu kommt ein bislang wenig beachteter Faktor: Nach der Weltfinanzkrise waren die Eigenkapitalvorschriften der Banken stark verschärft worden. Eine Folge: Die Banken benutzen ihre Reserven bei der EZB nicht mehr primär, um Kredite an ihre Kunden auszureichen und so zusätzliches Geld zu schöpfen. „Nun ist zu erwarten, dass nach dem Abflauen der Coronapandemie die Bankenregulierung nicht weiter verschärft wird“, sagt Hans Gersbach, der den Lehrstuhl für Makroökonomie an der ETH Zürich innehat. Die Befürchtung: „Die Banken könnten die enorm hohen liquiden Mittel benutzen, um deutlich verstärkt Kredite zu vergeben oder Wertpapiere zu kaufen. Das schafft Inflationsrisiken.“ Gersbach arbeitet aktuell an einer Studie, die diese Risiken aufzeigt.

Zwar ist der vom amerikanischen Ökonomen Milton Friedman postulierte direkte Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation umstritten. Dass es ihn gar nicht gibt, glauben die wenigsten Ökonomen.
Fazit: Das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Staatsverschuldung spielt bei der Entwicklung der Inflation eine wichtige Rolle. Dieses Vertrauen könnte in der Euro-Zone erodieren. Skeptisch stimmt in diesem Zusammenhang auch das starke Wachstum der Geldmenge.

Die EZB bleibt optimistisch

Die EZB sieht all diese langfristigen Probleme durchaus. Christine Lagarde, ihre Präsidentin, ging am Dienstag bei der Eröffnung des geldpolitischen Forums der Notenbank ausführlich auf die steigenden Kosten ein, die der Kampf gegen den Klimawandel mit sich bringt. Sie sprach auch die zwiespältige Rolle der Digitalisierung an: Einerseits kann die Automatisierung den absehbaren Mangel an Arbeitskräften abfedern. Zugleich erfordert dieser Trend zu mehr Technik hoch qualifizierte Mitarbeiter, die möglicherweise nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen und entsprechend teuer sind. Zunächst ist die EZB ebenso wie die Fed in den USA mit der kurzen und der mittleren Frist beschäftigt. Und das heißt auch: mit der noch längst nicht überwundenen Coronapandemie. Im Unterschied zu den USA spricht in der Euro-Zone noch niemand von einer drohenden Überhitzung der Konjunktur, verglichen mit der Fed hat die EZB noch deutlich mehr Zeit, die richtigen Schritte einzuleiten. Die EZB unterscheidet drei Gruppen von Faktoren, die die Inflation antreiben. Einmal sind es schnell vorübergehende Effekte, etwa durch die deutsche Mehrwertsteuer oder den Absturz der Energiepreise vor einem Jahr bedingt.

Das Zweite sind auch vorübergehende, aber länger anhaltende Effekte, bei denen es darauf ankommt, dass sie nicht zu einer Lohn-Preis-Spirale führen. Das sind hauptsächlich die Produktionsengpässe. Und das Dritte sind wirklich langfristige Faktoren wie etwa ein Wandel in der Demografie, die aber heute noch keinen Ausschlag für die Geldpolitik geben. Unterm Strich sieht sie sich daher jetzt in der Rolle, wachsam, aber auch noch geduldig zu sein. „Jetzt kommt es auf das richtige Timing an. Es ist wichtig, die expansive Geldpolitik lang genug aufrechtzuerhalten, damit wir unser mittelfristiges Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig erreichen“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel dem Handelsblatt. Die EZB wolle auf keinen Fall die Erholung der Konjunktur abwürgen.

Schnabel sagt aber auch: „Sollte sich über temporäre Schwankungen hinaus ein Inflationsdruck aufbauen, der die Preisstabilität gefährdet, werden wir darauf ebenso entschieden reagieren. Dafür sehen wir allerdings derzeit keine Anzeichen.“
Schnabel weist die These zurück, dass eine höhere Geldmenge zu Inflation führen muss: „Eine entscheidende Frage ist: Was passiert mit den angehäuften Ersparnissen? In unseren Umfragen zeichnet sich bislang nicht ab, dass die Menschen das Geld in großem Umfang ausgeben wollen.“ Vor allem aber wehrt sie sich gegen die Unterstellung, die Notenbank lasse sich von den Interessen hoch verschuldeter Staaten steuern. Sie betont: „Wir haben stets klargemacht, dass die Regierungen sich nicht darauf verlassen können, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben. Wir sind unserem Mandat der Preisstabilität verpflichtet.“ Unterstützung bekommt Schnabel von Katharina Utermöhl, der Europa-Ökonomin der Allianz: „Die Hauptvoraussetzung für eine dauerhaft höhere Inflation ist eine Lohn-Preis Spirale, doch damit die in Gang kommt, benötigt es eine Kombination aus steigenden Inflationserwartungen und kräftigen Lohnzuwächsen.“ Bislang gebe es keinen Hinweis auf solch eine selbstverstärkende Dynamik.

Utermöhl nimmt die EZB gegen den Verdacht zu großer Abhängigkeit von der Politik in Schutz: „Sollten sich die Hinweise auf einen nachhaltigen Inflationsschub mehren, dann dürfte die EZB kaum zögern zu handeln.“ Denn andernfalls würde die Notenbank „ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, was den Kampf gegen die Inflation nur zusätzlich erschweren würde“. Auch der Einfluss der Demografie auf die Inflation, den die britischen Ökonomen Goodhart und Pradhan formuliert haben, ist nicht unumstritten. „Meiner Meinung nach ist Japan ein klares Gegenbeispiel zur inflationistischen These“, sagt Vitor Gaspar, Finanzdirektor beim Internationalen Währungsfonds.
In Japan liegen die Leitzinsen seit 25 Jahren nahe der Untergrenze von null Prozent, und die Entwicklung des Preisniveaus stagniert trotz einer rückläufigen Erwerbsbevölkerung in dieser Zeit. Es sei innerhalb der nächsten zehn Jahre auch nicht damit zu rechnen, dass sich daran etwas ändere.

Es bleibt eine Frage des Vertrauens

Natürlich hat die EZB ausreichend Macht, den jüngsten Inflationstendenzen entgegenzuwirken. Die EZB könnte die Ankäufe von Staatsanleihen einstellen oder sogar die Zinsen erhöhen. Nur – wird sie es tun, und wann wird sie es tun? Längst haben sich Finanzmärkte, Unternehmen und vor allem auch Staaten an das süße Gift des billigen Geldes gewöhnt. Zugleich das Wachstum nicht zu gefährden, die Börsen nicht kollabieren zu lassen und die Inflation im Zaum zu halten wird immer schwieriger. Die US-Notenbank hatte den Exit aus der lockeren Geldpolitik 2013 schon einmal zaghaft versucht – und eine Panikattacke an den Märkten ausgelöst.

Die EZB ist in ihrer Freiheit wohl noch eingeschränkter als die US-Notenbank. Sie muss zusätzlich die Währungsunion zusammenhalten – und jeder Anstieg der langfristigen Kapitalmarktzinsen untergräbt das Vertrauen in die Schuldentragfähigkeit südeuropäischer Staaten. Die griechische Schuldenkrise hat gezeigt, dass es von diesem Vertrauensverlust bis zum möglichen Zerbrechen der Euro-Zone nur noch ein vergleichsweise kleiner Schritt ist. Und dass die EZB bereit ist, den Erhalt der Währungsunion und damit ihre eigene Existenz über alle anderen Ziele zu stellen, hat bereits der damalige EZB-Präsident Mario Draghi 2012 in seiner berühmten „Whatever it takes“-Rede deutlich gemacht.

Der deutsche Sparer sieht sich als Opfer dieser Interessen, und bis zu einem gewissen Grad ist er das auch. Die Volkswirtschaften in der Euro-Zone unterscheiden sich strukturell. Ein Inflationsziel für die ganze Währungsunion kann nur erreicht werden, wenn manche Staaten das Ziel auch überschreiten. Konkret: Die Inflationsrate in Deutschland muss derzeit über zwei Prozent liegen, damit die EZB ihr Inflationsziel insgesamt erreichen kann. Zum Schwur kommt es, wenn die Inflationsrate auch im Schnitt der gesamten Euro-Zone dauerhaft über zwei Prozent steigt. Dann muss die EZB schleunigst beweisen, wie viel ihr Credo der Unabhängigkeit von nationalen Interessen und des alleinigen Fokus auf die Geldwertstabilität wirklich wert ist.

Die Entwicklung der Inflation wird am Ende vor allem auch davon abhängen, wie groß das Vertrauen der Menschen in die Glaubwürdigkeit der Geld- und Fiskalpolitik ist. Davon wiederum hängt auch ab, wie sich die Inflationserwartungen entwickeln – und diese wachsen, vorrangig in den USA, aber auch in Europa. Schon der deutsche Ökonom Gottfried Bombach wusste: „Inflation herrscht, wenn die Leute glauben, dass Inflation herrscht.“ Man muss also kein Inflations-Hysteriker sein, um die jüngsten Tendenzen an der Preisfront für bedenklich zu halten. Manches spricht dafür, dass 2021 einmal als das Jahr in die Geschichte eingehen wird, in dem die totgeglaubte Inflation in die industrialisierte Welt zurückkehrte.


Stillstand der Regierungsgeschäfte in letzter Minute abgewendet: Der Kongress beschließt ein Gesetz, das die Finanzierung aller wichtigen Behörden bis Anfang Dezember sicherstellt. Gelöst sind die Probleme damit aber noch lange nicht – von Claus Hulverscheidt, Berlin.

Der US-Kongress hat die Zwangsschließung wichtiger Bundesbehörden und den Stillstand der Regierungsgeschäfte wenige Stunden vor Beginn des neuen Haushaltsjahres abgewendet. Nach dem Senat stimmte am Donnerstagabend auch das Repräsentantenhaus einem Überbrückungsgesetz zu, das die Finanzierung aller Ämter und Aufgaben bis zum 3. Dezember sicherstellt. Hätte es keine Einigung gegeben, hätte die Regierung ab Mitternacht keine Mittel mehr zur Verfügung gehabt, um Zehntausende Mitarbeiter und Dienstleister in wichtigen Bereichen zu bezahlen. Viele Behörden hätten in Folge eines solchen „Shutdowns“ ihre Pforten für die Bürger schließen müssen. Beschäftigte in „essenziell wichtigen“ Bereichen hätten zwar weiterarbeiten müssen, aber kein Gehalt mehr bekommen.

Mit der Verabschiedung des Gesetzes, dem im Senat auch mindestens 15 Mitglieder der oppositionellen Republikaner zustimmten, ersparen sich die USA zumindest vorerst eine Regierungskrise. Aus dem Schneider ist Präsident Joe Biden allerdings noch nicht, denn bereits Mitte Oktober wird seine Regierung die gesetzlich festgelegte Staatsschuldengrenze von 28,4 Billionen Dollar (rund 24 Billionen Euro) erreichen. Wird das Limit nicht angehoben oder gänzlich beseitigt, werden die Vereinigten Staaten eine Art Staatsbankrott erklären müssen: Ein Teil ihrer Kreditgeber auf den Finanzmärkten und in Privathaushalten erhielten die zugesagten Zinsen nicht mehr, zugleich müsste die Regierung auch die Auszahlung vieler gesetzlich versprochener Leistungen einstellen.

Überschattet wurde der Streit über einen möglichen „Shutdown“ und die Schuldenobergrenze vom Gerangel des Kongresses um Bidens Infrastrukturprogramm, mit dem der Präsident Straßen, Brücken und Schienenwege im ganzen Land sanieren und das Digitalnetz ausbauen will. Schuld an dem Gezerre sind in diesem Fall allerdings allein die regierenden Demokraten: Obwohl die gesamte Partei Bidens Pläne im Gesamtvolumen von einer Billion Dollar unterstützt, drohten Abgeordnete vom linken Flügel damit, bei der für Donnerstagabend geplanten Abstimmung mit Nein zu votieren. Der Grund: Die Parlamentarier verlangen von ihren Parteifreunden im ebenfalls demokratisch dominierten Senat, dass sie zugleich das geplante Sozial-, Familien- und Klimaprogramm des Präsidenten im Umfang von 3,5 Billionen Dollar billigen. Da mit Kyrsten Sinema und Joe Manchin zwei demokratische Mitglieder der Kammer das Paket aber als zu teuer ablehnen, kam ein Deal zunächst nicht zustande – weiterlesen in der SZ.


Update 10.06.2020:
Die Auswirkungen in Deutschland und der Welt für Politik, Geld und Wirtschaft:

Die SPD – unwählbar sogar für ihre eigenen Wähler – weiterlesen.
Türkische Gemeinde unterstützt Esken in Rassismus-Debatte – weiterlesen.
Tennis-Champion Boris Becker hat in London gegen Rassismus demonstriert – und wurde dafür auf Twitter hart angegangen – weiterlesen.

 

Auswirkungen auf Geld und Politik, das Zünglein an der Waage?!
Mit Zünglein an der Waage bezeichnet man bildhaft einen ausschlaggebenden Umstand oder eine entscheidende Person in einer ansonsten ausgewogenen Situation, besonders in einer Pattsituation. Die metaphorische Redewendung will deutlich machen, dass eine kleine Ursache in bestimmten Situationen große Wirkung haben kann – Chaostheorie.

Der investigative Journalismus – OeHu-Wiki-Beitrag.

Eine bundesweite Risikoanalyse aus dem Jahr 2012 spielte eine Virus-Pandemie in Deutschland hypothetisch durch. Dabei handelt es sich um keinen „Geheimplan der Regierung“. (Symbolbild: Pixabay / Bastian Wiedenhaupt).

Es wird eine schmerzhafte jedoch notwendige Aufarbeitung der Corona-Krise. Spätestens seit die sprunghaft gestiegene Zahl der Anhänger von Verschwörungstheorien dies indirekt fordert. Dazu braucht es auch den investigative Journalisten, den „Sherlock Holmes“ der wahren vierten Macht, um Politik, Geld und Wirtschaft zu zügeln.

Vor allem die folgende Frage gilt es in den kommenden Wochen präzise und ohne falsche Rücksichtnahmen zu beantworten. Hat die Regierung die ernsten Warnungen aus China und aus dem Kreise der eigenen Experten wochenlang überhört und das Virus damit eingeladen, in der ganzen Welt heimisch zu werden?

Insbesondere eine Risikoanalyse, die eine Virus-Pandemie hypothetisch durchspielte, sollte Gegenstand von Fragen sein, da diese das Wirtschaftsministerium beauftragt hatte. Der „Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012“ der Bundesregierung an den Bundestag wurde am 3. Januar 2013 veröffentlicht. Darin werden zwei Szenarien in der Theorie durchgespielt: ein extremes Schmelzhochwasser – für OeHu auch Synonym für die Kräfte, die eine „Geld-Sintflut“ freisetzen kann – und eine „Pandemie durch Virus Modi-SARS“. Das zweite Szenario erarbeitete damals das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeinsam mit anderen Bundesbehörden.

Im Pandemie-Bericht ging es um „ein außergewöhnliches Seuchengeschehen (Spanische Grippe und Pest ähnlich), das auf der Verbreitung eines neuartigen Erregers basiert“. Dieser hypothetische Erreger sei „sehr eng an das SARS-Virus angelehnt“. Der Erreger der Infektionskrankheit SARS wurde im Februar 2003 erstmals identifiziert – RKI 1. Teil-Bericht und 2. Teil-Bericht. Doch sind 78 Tage vergangen von der ersten Meldung im Frühwarnsystem ProMED bis zu entschlossenen Maßnahmen: Großveranstaltungen abgesagt, Schulen zu, Geschäfte geschlossen. So wie es in der Blaupause von 2012 beschrieben steht.

Untersuchungen auf höchster Ebene, um eine Lernkurve noch oben zu zeichnen:
Es geht um Verantwortung. Und es geht um die Lehren für die nächste Pandemie. Es geht darüber hinaus um die Lehren, die sich auch für alle anderen Gewalten ziehen ließe.
Somit geht es im Kern um Prävention, die die Gier zügelt, damit die „Pferde der Neugier, ihre Natur leben können. Denn es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Hoffnungen auf schnelle wirtschaftliche Erholung ein Märchen aus 1001 Nacht ist, denn die billionenschweren Liquiditätshilfen können lädierte Geschäftsmodelle nicht heilen. Sie lindern die Not, aber beseitigen sie den Virus Gier nicht.

Fazit: Die Krise nach der Krise hat begonnen. Die Pandemie ist vom Tier auf den Menschen und von dort auf die Volkswirtschaften der Welt übergesprungen.
Das Corona-Signal: Jene Maßnahmen, die zur Unterbrechung der menschlichen Infektionsketten führen sollten, haben zugleich das Gier-Virus ins Bewußtsein gehoben und das ökonomische Infektionsgeschehen enorm beschleunigt.

OekoHuman Präventiv-Investigativ:
Wenn Sie für SICH besser wappnen wollen und nicht in die gleiche Falle der Politik (RKI-Risikoanalyse 2012) treten wollen – lesen Sie dazu Artikel im OeHu-Unternehmer News- und Impuls-Update alle 14 Tage und die Information über alle OeHu Neuigkeiten am Mittwoch. In Verbindung mit diesem Artikel empfehlen wir Geld- und Wirtschaftslage.

Der Maßstab:
Die Körpersprache des Universums ist im Einklang, mit der Sprache des Schöpfers. Nur so führen wissentliche Errungenschaften, für den Menschen zu einem komfortableren Leben.
Daraus ergibt sich, wenn Worte und Körpersprache im Einklang sind, nutzt dies ALLEN und ALLEM.
Damit hätte der Mensch einen objektiven Bezugspunkt und eine Benchmark, für gute, richtige und objektive Informationen an seine Mitmenschen und die Menschheit.
Sollte es sich um eine fundierte Spekulation handeln, braucht der Sender der Botschaft dies nur zu sagen und der Empfänger hat die Wahl, für seine Entscheidung.
Weitere Informationen zur Körpersprache.

Die drei klassischen Disziplinen haben eine gemeinsame und wesentliche Grundlage: die Statik. Gemessen an der Anzahl der Absolventen sind diese drei Disziplinen, die mit Abstand Wichtigsten: das Bauingenieurwesen, der Maschinenbau und die Elektrotechnik. Der Flugzeugbau umfasst alle drei Disziplinen.

  • Das Bauingenieurwesen befasst sich mit den verschiedenen Bauwerken. Dazu zählen Häuser, Brücken, Straßen, Tunnel, Häfen oder Kanäle. Es geht dabei einerseits um die Planung dieser Bauwerke (Konstruktion, Berechnung) als auch um die Durchführung und Organisation der Bauarbeiten.
  • Der Maschinenbau befasst sich mit verschiedenen Maschinen. Dazu zählen Turbinen, Otto- und Dieselmotoren, Pumpen, Krane, Förderbänder oder Werkzeugmaschinen bis hin zu ganzen Fahrzeugen. Er befasst sich sowohl mit der Konstruktion und Entwicklung der Maschinen als auch mit ihrer Fertigung.
  • Die Elektrotechnik befasst sich mit Technik, die auf elektrischen oder magnetischen Funktionsprinzipien beruht. Dazu zählt Technik, die mittels Elektrizität Informationen verarbeitet, wie die Elektronik (Dioden, Transistoren …), Nachrichtentechnik (Funkgeräte, Handys) oder Computer. Außerdem zählt zur Elektrotechnik die elektrische Energietechnik (Energieübertragung, Elektromotoren, Generatoren, Kraftwerke, Hochspannungsnetze …)

Alle Geschäftsmodelle, die zur Wahrheit gezwungen sind, weil ansonsten die wirtschaftliche Existenz gefährdet ist, halten sich an die Wahrheit. Jüngstes Beispiel 737 Max. Sowohl die Politik-Regierungen, als auch Boeing als Unternehmen, waren sich in puncto Wahrhaftigkeit einig. Ein Sonderfall?!

Grundsätzliches und der Maßstab wird, wenn irgendwie möglich, verwässert und vernebelt. Wahrheit wird zur Halbwahrheit und reicht bis zur Lüge. Das einige was zählt, ist Profit um jeden Preis.
Politik, Geld und Wirtschaft sind ein Beispiel für Profit um jeden Preis. Die Bandbreite reicht von Macht-Gier bis zur Geld-Gier, gleichgültig, ob Mensch oder Natur den wahren Preis dafür zahlen.
Mit einer Rückschau in die Vergangenheit findet sich ein roter Faden durch Gemeinschaften und Kulturen. Das einzige, was sich geändert hat, die Globalisierung. Heute betrifft es ALLE und ALLES:

Damit kein Mißverständnis aufkommt: OekoHuman ist überzeugt, dass dies alles nur passiert, damit jeder Einzelne, nach Vernunft strebt. Um das Dorf, die Stadt, das Land, die Nation und die Welt braucht sich niemand zu sorgen. Denn wenn ein Dorf usw. vernünftig wird, wird es früher oder später auch die Welt sein.
OekoHuman will einen signifikanten Beitrag dazu leisten, weil wir es können.

System-Körper-Sprache Politik, Geld und Ökonomik:
Im Prinzip haben alle System-Körper-Sprachen eine einheitliche Grundlage: ALLES ist EINS – ALLES ist miteinander verbunden – ALLES ist in ALLEM enthalten.
Sowie bei einem Spinnennetz, das immer im Rücken das Licht hat!


Die Spinne sitzt ruhig im Dunkel/Verborgenen, mit nur einem Faden mit dem Netz verbunden und wartet, bis die ahnungslose Beute ins Netz fliegt.
Die Wache wartet auf die Schlafenden, die durch das Licht angezogen wird. Die Spinne wartet ruhig und still, damit keine Körpersignale, die Beute warnen können.
Das einzige, was für die Spinne zählt, ist das Licht. Das Gleiche gilt für die Beute. Bild der Beute stimmt mit dem scheinbaren überein. Die Falle schnappt zu.

Ähnlich ist es in Bezug auf die System-Körper-Sprache Politik, Geld und Ökonomik. Wähler und Konsumenten träumen vom Licht (Geld, Wohlstand, Reichtum etc.).
Im Traum nehmen sie keine Körpersignale wahr und die, die sie wahrnehmen, interpretieren sie in das eigene innere Bild, dem eigenen Nutzen um.
In den News und den Updates auf der Vereinsseite kann sich jeder näher informieren.
Für Fragen und Gespräche stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Individuell ist besser als Allgemein.

mehr Information:

Vom Privatsekretär zum Generalisten, als Unternehmer-Privat-Sekretär

Die Wachen, die verantwortungsbewusst über die Schwachen wachen

Gefühl- und Denkgefängnisse legen den Menschen und die Person individuell in Ketten.
OekoHuman will einen Beitrag leisten, sich Selbst aus diesen „Gefängnissen“  zu „entlassen“.

Das Europäische Zentralbanksystem

weitere Artikel zum Geld

Prävention, Bildungsangebot und Praxisumsetzung

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Grundlagen

Gesamtüberblick, der Artikel zu den System-Köper-Sprachen im Unternehmer News- und Sonntag-Update.

Fortsetzung folgt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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