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Der schwarze Schwan, als Metapher, daß es NICHTS gibt, was es NICHT gibt.

 

Prof. Severin Wucher

„Risiko“ ist in unserer bezifferbar gemachten Welt ein zentrales Werkzeug geworden, anhand dessen zukünftige Optionen taxierbar werden. Per definitionem ist Risiko das „Produkt der Eintrittswahrscheinlichkeit eines unerwünschten Er­eignisses und der maximalen Schadenshöhe“. „Risiko“ ist also nicht gleichbedeutend mit dem Begriff „Ge­fahr“, mit dem man es um­gangssprachlich gleichsetzt, sondern vielmehr eine Wette auf die Zukunft: Wenn wir etwas wagen, wägen wir ab.

Im Forschungsvorhaben zur „Phänomenologie des Risikos“ ­interessierte uns zunächst das Verhältnis von scheinbar exakten Zahlenwerten – Risiko wird ja in Prozenten ausgedrückt – und den zum Teil sehr unklaren Bildern von Risiken. Wir unterscheiden in unserer Untersuchung dabei zwei Arten von Risiken: plötz­liche und schleichende. Bei der Recherche zur „Phänomenologie des Risikos“ fiel uns auf, dass es für Plötzliche ­Risiken (z. B. ein Flugzeugabsturz) viele überspitzt konkrete und redundante mediale Bilder gibt (z. B. Explosions-Piktogramm auf der Tagesschau-Landkarte, Fotos von qualmen­den Trümmerteilen), es für die – statistisch gesehen – wesentlich wahrschein­licheren Schleichenden Risiken (z. B. eine Herz-Kreislauf-Erkrankung ­in­folge falscher Ernährung) oft gar keine Bilder gibt. Wir vermuteten, dass genau das Fehlen solcher Bilder die schleichenden Risiken so gefährlich macht. Versuchsreihen scheinen das zu bestätigen: die persönliche Einstellung zu Risiken wird von medialen Vor-Bildern beeinflusst.

Angelehnt an Nicholas Nassim Talebs – (Schwarzer Schwan) Über­legungen zur Antifragilität („Antifragilität“, Knaus 2013) beschrieben wir anschließend das „Durchleben“ eines Risikos anhand eines Sechs-Phasen-­Modells. Es ist eine An­leitung zur bewussten, subjektiv je unterschiedlichen Wahrnehmung von Risiko-Situationen.

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Update vom 30. Juli 2022: Wo Risiken sind, gibt es auch Chancen!
„Schwarze Chancen-Schwäne” oder die Profiteure – warum die Inflation
auch Gewinner produziert.


Auch eine Art von einem „Schwarzem Loch”, an dessen Ende steht: In statu nascendi!

Inflation ist das Schreckgespenst aller Ökonomen und Politiker. Sie ist ein Desaster für Arbeitnehmer, Rentner und Sparer, deren Einkommen mit der Teuerung nicht Schritt hält. Doch ist die Geldentwertung tatsächlich jedermanns Feind? Zweifel sind angebracht von Rainer Hank im NZZ.

In einer berühmten Rede vor dem Kongress erklärte Präsident Gerald Ford am 8. Oktober 1974 die Inflation zum «public enemy number one». Ford, seit August im Amt, war mit einem schweren Erbe konfrontiert: Die Arbeitslosigkeit war hoch, die Teuerung lag bei 12,3 Prozent – Folgen der Ölkrise im Jahr zuvor. Fords Diktum hat Eingang in die Lehrbücher der Ökonomie gefunden. Aber stimmt es auch? Nach Lehrbuchdefinition gewiss. Steigt das allgemeine Preisniveau, können die Menschen sich für das gleiche Geld weniger Güter und Dienstleistungen kaufen. Auf die Dauer ist das ein Desaster für Rentner, Sparer und Arbeitnehmer, deren Löhne und Gehälter mit der Teuerung nicht Schritt halten. Sie alle müssen Realverluste hinnehmen und verlieren das Vertrauen in die Stabilität des Geldes. Und die Preise verlieren ihre Steuerungsfunktion, zuverlässig Knappheiten anzuzeigen.

Die Unternehmen freut’s.

Doch ist der «public enemy» tatsächlich jedermanns Feind? Zweifel sind erlaubt. Seit vergangenem Jahr steigen die Preise weltweit. In der Euro-Zone wird für 2022 eine durchschnittliche Inflation von mehr als 8 Prozent befürchtet, in den USA war man im Juni schon bei 9,1 Prozent. Die Schweiz sieht mit 3,4 Prozent Preissteigerungen zwar aus wie die Insel der Seligen. Verantwortlich dafür sind der starke Franken, die relative Autarkie bei der Energie (Wasser und Atom) und eine protektionistische Abschottung vom Rest der Welt, die das Land gegen importierte Inflation imprägniert. Aber auch in der Schweiz ist die Inflation inzwischen auf dem höchsten Stand seit 1992.

Inflation bleibt der «public enemy number one» – nicht zuletzt, weil es viele Trittbrettfahrer und Profiteure gibt, die die Erträge leistungslos einstreichen.
Und wer freut sich? Die Unternehmen. Statt rückläufiger Umsätze und Gewinne angesichts hoher Energiepreise meldet der weltgrößte Chemiekonzern BASF für das erste Halbjahr ein Umsatzplus von 16 Prozent und eine Gewinnsteigerung um 33 Prozent auf über 2 Milliarden Euro. Schon im letzten Jahr hatten sich die Gewinne verdoppelt. Das passt nicht wirklich zur seit Wochen anhaltenden Klage des Konzerns und seines Vorstandsvorsitzenden Martin Brudermüller, dass angesichts hoher Energiekosten und rückläufiger Gaslieferungen aus Russland das Unternehmen am Abgrund stehe.

Die‹ Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nicht nur bei der BASF, sondern auch in der Automobilindustrie, die trotz brüchigen Lieferketten und fehlenden Halbleitern so viel verdient wie noch nie. Isabel Schnabel, deutsche Ökonomin im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), hat diese überraschende Resilienz der Unternehmensgewinne allen Widrigkeiten der ökonomischen und geopolitischen Erschütterungen zum Trotz jüngst in einer Rede vor der Österreichischen Vereinigung für Finanzanalyse in Wien bestätigt. So sind die allermeisten Firmen (vor allem die großen Konzerne) in der Lage, die höheren Preise für Energie und andere Rohstoffe an ihre Kunden weiterzugeben. Den Gewinn je Stück («unit profit») konnten seit 2020 alle Branchen der Euro-Zone beträchtlich steigern. Die Erwartungen für die nächsten zwölf bis achtzehn Monate bleiben hoch.›

Dies hat mehrere Ursachen: Es ist viel Geld in der Welt, die Nachfrage ist auf hohem Niveau, in Corona-Zeiten hat sich die Sparquote vieler Volkswirtschaften erhöht – Geld, das jetzt ausgegeben wird. Der starke Dollar verteuert zwar die Importe, nützt aber der Exportindustrie. Solange sich die Arbeitskosten der Unternehmen nicht im selben Masse erhöhen und der Kunde genügend Geld hat, bleibt den zufriedenen Aktionären eine höhere Gewinnmarge. «Ich sage es provokant», so Isabel Schnabel: «Viele Firmen in der Euro-Zone sind die Profiteure der Inflation.» Das ist keine «böse» Absicht, sondern eine Art «windfall profit» als Folge des derzeitigen Umfelds mit seiner starken Nachfrage und den Angebotsengpässen, welche die Inflation begünstigen.

Was genau ist Übergewinn?

Man kann es aber noch provokanter sagen als die zur Vorsicht verpflichtete EZB-Bankerin. Es ist die Industrie, die zugleich Treiber und Profiteur einer Teuerung ist, die vor zwei Jahren kaum einer vorhergesagt hat. Es sind jedenfalls im Euro-Raum (noch) nicht die Arbeitnehmer, denen man vorwerfen könnte, sie provozierten eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale. Bei mehr als 8 Prozent Inflation führen Tarifforderungen der deutschen Gewerkschaften von mehr als 8 Prozent, die am Ende bei einem Abschluss von mutmaßlich 6 Prozent landen, zu Reallohnverlusten.

Aus Sicht der Gewerkschaften muss es zynisch klingen, wenn die Regierungen von ihren Bürgern Mäßigung verlangen, während die Unternehmen sich ihrer Rekordgewinne erfreuen. Man kann deshalb auch Verständnis dafür aufbringen, wenngleich man es nicht billigen sollte, dass Italien und Grossbritannien mit einer Übergewinnsteuer die Profite der Konzerne abschöpfen wollen. Solch schwere Eingriffe in die marktwirtschaftlich garantierten Eigentumsrechte führen in Teufels Küche. Wo wird aus einem Gewinn ein Übergewinn? Warum ist ein dem starken Dollar geschuldeter Gewinn in Ordnung, während ein auf hohen Energiepreisen beruhender Profit als Krisen- und Kriegsgewinn geächtet wird?

Die anhaltende Debatte über die Übergewinner deutet implizit auf einen weiteren Profiteur der Inflation: den Staat. Als «public debtor number one», wenn die Analogie erlaubt ist, haben die Staaten ein enormes Interesse, ihre Schuldenlast mithilfe der Teuerung quasi automatisch zu drücken («finanzielle Repression»). Das läuft wie geschmiert, solange die Inflationsrate höher ist als der Zins für den Schuldendienst.

Noch ist das der Fall: Zwar kann auch der sichere deutsche Staat seine zehnjährigen Anleihen nicht mehr zinslos auf den Markt bringen, sondern muss dafür 1,8 Prozent zahlen. Im hoch verschuldeten Italien fordern die Gläubiger noch höhere Renditen. Doch schon winkt die EZB mithilfe (genannt «Antifragmentierung») aus Sorge um die Stabilität des Euro-Raums. Und dies, obwohl die Zinsen, die von Italien derzeit gefordert werden, weit von jenen 7 Prozent der Euro-Krise entfernt sind.

Provokant könnte man deshalb auch sagen: Mit dem geplanten Programm der Antifragmentierung wird die EZB zum Helfershelfer der Staaten und ihrer Inflationsprofite. Sie verliert das Stabilitätsziel aus dem Auge, zu dem (und zu nichts anderem) ihr Mandat sie verpflichtet.

Die inflationsbedingte Kompression der Schuldenlast ist indes nur ein ökonomischer Mechanismus, der die Staaten zu Profiteuren der Teuerung macht. Allein die sprudelnden Gewinne der Konzerne, von denen die Rede war, wirken sich positiv auf die Steuereinnahmen aus. Die Steuerschätzer in Deutschland erwarten nach ihrer jüngsten Prognose Rekordeinnahmen. Sollte man diese Entwicklung nicht schon per se Übergewinnsteuer nennen und von zusätzlichen willkürlichen Abschöpfungen absehen?

Kalte Progression.

Das ist immer noch nicht alles: In Ländern mit progressivem Steuersystem profitiert der Staat zusätzlich, und die Arbeitnehmer leiden. Man nennt das kalte Progression. Diese wird dadurch – ebenfalls automatisch – ausgelöst, dass eine Lohnerhöhung, welche nominal die Inflation ausgleicht, den Arbeitnehmern über die Progression des Steuertarifs höhere Abgaben abverlangt, was dem Staat reale Zusatzeinnahmen beschert, aber den Menschen Reallohnverluste. Dass die Parlamente sich schwertun, diesen für die Bürger grob ungerechten Mechanismus abzuschaffen, dürfte mit dem Hunger der Staaten nach Einnahmen zusammenhängen.

Hat die Inflation somit ihren schlechten Ruf zu Unrecht? Natürlich nicht. Denn es stehen den Gewinnern auf der anderen Seite Verlierer gegenüber. Besonders ächzen die neuen Immobilienbesitzer, die auf dem überhitzten Häusermarkt ihr Eigenheim teuer bezahlen mussten, aber es günstig zu Nullzinsen finanzieren wollten. Jetzt drehen die Bauzinsen, und die Kalkulation wird obsolet. Auch die Rentner klagen: Sie sollten in Deutschland im laufenden Jahr mit überdurchschnittlichen Erhöhungen von 5,3 bis 6,1 Prozent bei Laune gehalten werden. Angesichts der derzeitigen Inflationsrate werden daraus unter dem Strich reale Einkommensverluste.

Noch keinem ökonomischen Forschungsinstitut ist es gelungen, die Verteil-Wirkung der Inflation zu beziffern und Gewinner und Verlierer gegeneinander aufzurechnen. Das liegt nicht an fehlenden mathematischen Modellen, sondern an der Natur der Sache: Die Wirkung der Inflation bleibt willkürlich. Rasch werden aus Gewinnern Verlierer. In den USA gibt es längst eine Lohn-Preis-Spirale, in der Euro-Zone (noch) nicht. Sollten die Gewerkschaften erst einmal in einer deglobalisierten Welt ihre neue Macht spüren, wäre das Rennen um die Inflationsprofite eröffnet, und die Teuerung selbst würde sich beschleunigen. Inflation ist nicht nur willkürlich, sie ist auch ungerecht. In einer Marktwirtschaft sollte es einen Zusammenhang zwischen Gewinn und Leistung geben. Doch die Gewinner der Inflation (Konzerne wie Staaten) streichen ihre Profite leistungslos ein: Die Firmen profitieren von steigenden Energiepreisen, die sie, ihre Preissetzungsmacht nutzend, an die Kunden mit Aufschlag weiterreichen. Und die Staaten haben, quasi parasitär, einen Sekundärgewinn. Investitionen und Innovation, der eigentliche Treiber von Fortschritt und Wohlstand, bleiben auf der Strecke.

Die Verlierer verlangen nach Kompensation. Mieter wollen einen Mietendeckel, Autofahrer eine Tankprämie, Niedriglöhner verlangen eine Erhöhung des Mindestlohns, und Sozialhilfeempfänger wollen eine Erhöhung ihrer Subvention oder ein an die Inflation gekoppeltes Grundeinkommen. So wird die Fiskalpolitik ihrerseits zum Treiber der Inflation und zugleich einer Interventionsspirale, bei der jene Gruppe am meisten unterstützt wird, deren Lobby über das größte Drohpotenzial verfügt. Langfristig könnte sich das Verhalten der Menschen fundamental ändern, wenn Indexierung und Subventionsmentalität zum Normalfall werden. Inflation bleibt somit der «public enemy number one» – nicht zuletzt, weil es viele Trittbrettfahrer und Profiteure gibt, die die Erträge leistungslos einstreichen. Das ist die moralische Conclusio. Ökonomisch verliert durch Inflation eine Volkswirtschaft als ganze (auch wenn einige verlieren, andere gewinnen).

Rainer Hank leitete bis zum Sommer 2018 die Wirtschafts- und Finanzredaktion der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Er lebt als Publizist in Frankfurt am Main.

Mit dem OeHu-Konzept: „Arche für Klugen” könnten Sie,
unter gewissen Voraussetzungen, auch zu den Gewinnern gehören!
Wir haben die meisten „Schwarzen Schwäne“ in getrennten „Gehegen“!

Im Prinzip geht es auch darum, daß Informationen, die vorhanden sind, unberücksichtigt bleiben, warum auch immer  – siehe Video 17:03. Deshalb werden sie später Phänomene genannt. Manches wird zum Mythos oder als ein Mythos dargestellt.

Diese vier grundsätzlichen Kognitionen bzw. Haltungen zum Risiko gilt es zu beachten.

Optische – Gefühl Täuschung: „Schwarzes Loch” auf Expansionskurs.

Beim Anblick dieser Illusion weiten sich bei den meisten die Pupillen, man erkennt Bewegung, wo keine ist. Wie der Effekt zustande kommt und was das über die Wahrnehmung aussagt – von Lukas Lorber.

Für die meisten sieht es so aus, als ob sich die schwarze Fläche in der Mitte ausdehnt. Dabei ist das Bild statisch,
die Illusion entsteht erst im Kopf –  (Foto: Lucie Senn; Akiyoshi Kitaoka/Lucie Senn)

Keine Sorge, das schwarze Loch, das hier zu sehen ist, wird nicht größer. Der Sog, der einen beim Anblick des schwarzen Punktes gefühlt erfasst, ist nur ein visueller Bluff. Die optische Täuschung hat ein Forscherteam ersonnen und im Zuge einer Studie analysiert. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift Frontiers in Human Neuroscience veröffentlicht.

Für die Studie hat das Team um den Psychologen Bruno Laeng von der Universität Oslo unterschiedliche Versionen des expanding hole, des „expandierenden Lochs“, 50 Frauen und Männern mit normaler Sehkraft gezeigt. Dabei wurden die Bilder nicht nur mit einem schwarzen Loch und einem weißen Hintergrund dargestellt, sondern auch mit weißen oder bunten Flecken in der Mitte. Die Hintergründe variierten ebenfalls, sie trugen Farben wie Blau, Magenta oder Grün. Während sich die Probanden die Bilder ansahen, analysierten die Forscher die Augenbewegungen und die Größenveränderung der Pupillen mit einem Infrarot-Augentracker. Nach dem Betrachten bewerteten die Teilnehmer, wie stark ihnen die Illusion des wachsenden Flecks subjektiv erschien. 86 Prozent der Teilnehmer haben diesen Effekt bemerkt, als das Loch in der Mitte schwarz war. 80 Prozent konnten ihn bei bunten Löchern erkennen. Die stärkste Ausweitung des schwarzen Punktes bemerkten die Teilnehmer, als der Hintergrund lila eingefärbt war, schreiben die Forscher in der Studie.

„Wie wenn man in ein Loch oder in einen Tunnel hineinfahren würde“.

Als die Teilnehmer speziell die schwarzen Löcher betrachteten, weiteten sich ihre Pupillen. Im Gegenzug verengten sich die Pupillen, wenn die Probanden die Bilder mit den farbigen Flecken sahen. Die jeweilige Anpassung der Pupillen ist eine Reaktion auf unterschiedliche Lichtsituationen. Wenn es dunkel wird, vergrößern sich die Pupillen, damit mehr Licht ins Auge gelangt. Bei hellen Lichtsituationen werden die Pupillen kleiner, um nicht zu viel Licht durchzulassen. In den Studien-Ergebnissen zeigte sich ebenfalls, dass die Vergrößerung der Pupillen und die subjektive Wahrnehmung der Intensivität der Illusion zusammenhängen. Je stärker die optische Täuschung von den Teilnehmern wahrgenommen wurde, desto größer wurden die Pupillen. Bei den farbigen Löchern konnte man diesen Zusammenhang nicht feststellen. Mit diesen Ergebnissen wird eine Studie von Laeng aus dem Jahr 2012 bestätigt. Dort hat man den Teilnehmern die „Asahi Illusion“ gezeigt, die eine Situation simulieren soll, wo das Sonnenlicht teilweise durch Hindernisse wie Bäume oder Wolken verdeckt wird. Damals erkannte man, dass sich die Pupillen der Probanden beim Betrachten verkleinern.

Die „Asahi-Illusion“ lässt die Pupillen schrumpfen, weil man sich geblendet fühlt –  (Foto: Akiyoshi Kitaoka).

Der Effekt des expanding hole ist ein Beispiel dafür, wie die eigene Wahrnehmung getäuscht werden kann. „Der kreisförmige Schattenverlauf des zentralen schwarzen Lochs erweckt einen ausgeprägten Eindruck des optischen Flusses, wie wenn man in ein Loch oder in einen Tunnel hineinfahren würde“, erklärt Bruno Laeng in einer Mitteilung der Fachzeitschrift. Das Gehirn bereitet das Auge somit auf eine neue Lichtsituation vor, die in der Realität gar nicht eintritt. „Mit dieser Täuschung zeigen wir, dass die Pupille darauf reagiert, wie wir Licht – selbst wenn dieses Licht imaginär ist – wahrnehmen und nicht auf die Menge der Lichtenergie, die tatsächlich ins Auge gelangt“, so Laeng.

Für die Wahrnehmung der Umwelt spielen die Augen und das Gehirn zusammen. Das Auge nimmt etwas wahr und das Hirn versucht, das Wahrgenommene zu interpretieren. Dafür greift das Hirn auf vergangene, bereits bekannte Ereignisse zurück, um sich der neuen Situation anzunähern. Wenn das Gehirn den Sehreiz, den es von den Augen bekommt, missinterpretiert, kommt es zu einer optischen Täuschung. Das expanding hole muss jedoch gar nicht expanding sein, denn es besteht auch die Möglichkeit, dass beim Anblick des Musters keine visuelle Illusion auftritt. Falls das passiert, befindet man sich als Beobachter in einer eher kleinen Gesellschaft: 14 Prozent der Studien-Teilnehmer konnten diesen Effekt bei der Grafik mit dem schwarzen Punkt nicht erkennen, 20 Prozent waren es bei den bunten Ausführungen. Warum das so ist, können die Forscher noch nicht genau erklären. Möglicherweise schreiben sie, könnten diese Beobachter die Muster nicht als Löcher, sondern als „sich ausdehnende Tintenkleckse“ sehen. Das heißt, sie würden das Bild zweidimensional anstatt dreidimensional wahrnehmen.

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Joanna
Joanna
1 month ago

Alles ist relativ

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