Behavioral Finance – Verhaltensökonomie | OekoHuman

Update 28.02.2021:

Kaum ein Thema treibt die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit so um wie der Wechselkurs. Der US-Dollar schwächelt – und der Euro hat in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Das bringt die EZB in Probleme, wie der niederländische Notenbankchef Klaas Knot am vergangenen Mittwoch deutlich zur Sprache brachte. In einem Interview mit Bloomberg TV verwies er auf die Folgen des starken Euros für die Inflationsentwicklung. Und drohte, die EZB verfüge über genug Instrumente, um einen weiteren Kursanstieg notfalls zu stoppen. Das schwächte den Euro kurzzeitig etwas und gab dem Dollar Auftrieb. Zuletzt hat sich die US-Währung auch dank des Anstiegs der amerikanischen Anleiherenditen etwas stabilisiert. Aber die Devisenexperten bleiben skeptisch.

„Längerfristig erwarten wir einen schwächeren Dollar“, sagt Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann. Als Grund sieht er vor allem den neuen geldpolitischen Kurs der US-Notenbank FedDiese hat im September ihre Strategie angepasst und will künftig nach längeren Phasen niedriger Preissteigerungen eine Inflation von über zwei Prozent tolerieren. Leuchtmann sagt daher: „Wir gehen davon aus, dass die Fed auch bei einer höheren Inflation an ihrer lockeren Geldpolitik festhält.“ Er nennt noch weitere Argumente für einen schwächeren Dollar.

Eines ist die im historischen Vergleich hohe Bewertung der US-Währung. Dazu kommt, dass durch die entschlossene Krisenpolitik auch die Staatsschulden in den USA stark steigen. Ein dauerhaftes Phänomen ist zudem das Defizit in der Leistungsbilanz, also im Handel von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Die USA führen mehr aus dem Ausland ein, als sie dorthin liefern. Um dafür zu bezahlen, müssen sie Dollar in ausländische Währung tauschen, was den Dollar-Kurs schwächt.

Sonja Marten, die Devisenanalystin der DZ Bank, richtet den Blick vor allem auf die Geldpolitik. Die Fed habe mit ihrer neuen Strategie „die Weichen für eine expansivere Ausrichtung gestellt“. Dies werde den Dollar in diesem Jahr beeinflussen. Sie warnt daher: „Wir rechnen damit, dass US-Dollar-Engagements für Anleger aus dem Euro-Raum auf Jahressicht einen negativen Gesamtertrag erzielen werden – weiterlesen.“

Update-Date 13. Februar 2021:

NACH GAMESTOP-HYPE:

Reddit-Gemeinde schwenkt um: Deutsche Kleinanleger sind bei Cannabis-Aktien im Kaufrausch – gleich zwei Sinnbilder:

  1. Wer, der noch alle Vernunft in sich trägt investiert in GAMESTOP?
  2. Der, der Cannabis konsumiert! 
  3. Zwei Brüder aus Texas trieben die Welt in die Silberhysterie. Nach GameStop nimmt ein Anleger-Flashmob den Silbermarkt ins Visier. Eine mächtige texanische Familie versuchte das schon einmal – und verlor ein Vermögen. Was sich daraus lernen lässt.

1. Das Phänomen, das der Begriff bezeichnet, soll auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 zurückgehen. Als selbst Hauspersonal in der Hausse Aktien zu kaufen begann, stiegen erfahrene Investoren aus, weil sie sich sorgten, dass Börsenneulinge selbst durch kleine Anlässe Verkaufspanik auslösen könnten. Der Volkswirt Hans Lurch schrieb allerdings bereits 1927, im Aufschwung vor der Krise: „Man berichtete, daß gerade im Jahre 1925 fast jeder Straßenkehrer und jedes Dienstmädchen mit Getreide spekulierte, ungefähr wie zur Zeit unserer Inflation auch beinahe jeder Deutsche glaubte, ohne Spekulation nicht mehr existieren zu können.“

Belegt ist die semantische Verbindung von Hausmädchen und Kleinspekulantin in den 1870er-Jahren. Nach dem Gründerkrach von 1873 erklärte der Berliner Journalist Wilhelm Wackernagel, die gegen die Spekulation gerichtete Börsensteuer würde „den kleinen Capitalisten, darunter Hausknechte und Dienstmädchen, stärker treffen als den reichen Geldmann.“ Für „durchaus vorstellbar“ hält es die Historikerin Barbara Orland, dass sich Dienstmädchen, die im Hause ihrer Herrschaft Informationen aufgeschnappt hatten, als „Nachspekulanten“ bereits an der Eisenbahnhausse der 1840er-Jahre beteiligt hatten.

2. Folgt am Montag

3. Zwei Brüder aus Texas trieben die Welt in die Silberhysterie

Nach GameStop nimmt ein Anleger-Flashmob den Silbermarkt ins Visier. Eine mächtige texanische Familie versuchte das schon einmal – und verlor ein Vermögen. Was sich daraus lernen lässt.
Die Brüder William Herbert und Nelson Bunker Hunt vor dem Kongressausschuss: »Eine Milliarde Dollar ist nicht mehr das, was sie einmal war« Foto: Bettmann Archive / Getty Images
Die Brüder William Herbert und Nelson Bunker Hunt vor dem Kongressausschuss: »Eine Milliarde Dollar ist nicht mehr das, was sie einmal war«. Es musste ein Texaner sein, wer sonst? Nur jemand wie Bunker Hunt kann an einem einzigen Tag eine Milliarde Dollar verlieren »und danach trotzdem noch zwei Milliarden übrighaben«, schwärmte das »Time«-Magazin im Jahr 1980 von dem Mann, der den Silbermarkt dominiert hat wie niemand zuvor: Nelson Bunker Hunt. Zu dieser Zeit waren Bunker Hunt und sein Bruder William Herbert der Schrecken der Wall Street: Die Texaner wollten den Silbermarkt beherrschen – und häuften dazu riesige Mengen an Silber und Silberkontrakten an. Der Preis des Edelmetalls stieg von 6 auf mehr als 50 Dollar je Unze. Viele Amerikaner trugen ihr Silberbesteck zum Pfandleiher, um es zu Geld zu machen. Doch dann setzte das Finanzestablishment dem Treiben ein Ende: Am »Silver Thursday«, dem 27. März 1980, stürzte der Silberkurs in die Tiefe – und nahm die Hunt-Brüder mit. Bunker Hunt blieb schließlich nichts anderes übrig, als Insolvenz anzumelden. Nun treten Anhänger der WallStreetBets-Bewegung in die Fußstapfen der texanischen Geschwister: Hobbyspekulanten wollen mit gezielten Käufen den Silberpreis von 25 auf 1000 Dollar hochtreiben. Zwar ist das Vorhaben in der Community umstritten, aber am Montag erreichte der Silberpreis mit 30,10 Dollar den höchsten Stand seit Anfang 2013.

So anders und doch so gleich – PODCAST vom 14. JANUAR 2021.

Im Großen wie im Kleinen – Leben ist vielfältig.

Doch wie sind diese Unterschiede entstanden, was verbindet sie?
Wir haben mit Max-Planck-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Vielfalt der Galaxien, Kulturen und Blattformen gesprochen und Erstaunliches dabei gelernt – ab 15:46 der Zoom von den Galaxien zur Menschheit und den vielfältigen Kulturen. Aus den Einsichten zum Thema Anpassungsfähigkeit und Gruppendynamik, insbesondere von Prof. David Haun, wichtige Informationen, die auch im Zusammenhang mit Behavioral Finance – Verhaltensökonomie zu interpretieren sind.

Die wichtigsten psychologischen Fallen –
Ergebnisse der Behavioral Finance Forschung

Verhaltensmuster, die über Jahrtausende für das Überleben der menschlichen Spezies vorteilhaft waren und entsprechend tief in uns verankert sind, – an den Finanzmärkten führen diese Verhaltensmuster heute zu Fehlleistungen.  Egal ob Finanz-Profis oder private Anleger: Anleger handeln oft, wenn nicht gar immer, ‚irrational’, erleiden hierdurch finanzielle Verluste oder gehen unnötige Risiken ein. Bestimmte Verhaltensmuster sind dabei so ausgeprägt, dass man sie sogar verlässlich prognostizieren kann.

Die Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) deckt irrationales Verhalten auf

Der Forschungszweig der Verhaltensökonomie (engl. Behavioral Finance, auch Behaviour Finance) hat inzwischen zahlreiche Verhaltensmuster in Studien nachweisen können. Anleger verhalten sich damit nicht so rational, wie es die Finanzwissenschaften bisher gerne unterstellt haben. Das Ausmaß der Irrationalität kann sogar weit größer sein, als die Kraft der rational Handelnden, welche die Irrationalität der Masse als solche erkennen und durch Gegenpositionen davon profitieren wollen. Dies zeigte Kindleberger (1989) anhand zahlreicher Spekulationsblasen und Kursstürzen. Dieses Übergewicht der Irrationalität kann durchaus über längere Zeiträume anhalten, was man auch in der jüngsten Immobilien-, Finanz- und Wirtschaftskrise wieder beobachten konnte. Viele der Verhaltensmuster können auf steinzeitliche ‚Erfolgsstrategien’ zurückgeführt werden. Diese mögen sich evolutionshistorisch als ‚Überlebensstrategien’ bewährt haben. Dem Anlageerfolg stehen sie heute im Wege. Erfolgreicher legt beispielsweise derjenige an, der die Mehrheitsmeinung und Trends ignoriert (oder sogar genau gegen die Mehrheitsmeinung handelt). Der Steinzeitmensch aber, der sich bei Gefahr nicht ‚blind‘ seiner fliehenden Sippe anschloss, sondern sich erst einmal selber eine Meinung bildete oder gar ‚gegen den Trend‘ handelte, dürfte sein autonomes Genom kaum an die nächste Generation vererbt haben.

Da diese Verhaltensmuster so tief in uns verankert sind, dürften die meisten Menschen kaum in der Lage sein, psychologische Fallen als solche zu erkennen und zu ‚neutralisieren’. Erfolgversprechender sollte sein, die eigene Psyche durch ein Korsett von einfachen Regeln zu kontrollieren, wie sie beispielsweise in einer Anlagestrategie formuliert werden. Vielleicht hilft Ihnen auch ‚Der Vertrag mit mir selbst’, wie wir ihn in Schritt 6 vorschlagen. Damit schreiben Sie Ihre persönliche Anlagestrategie sowie einige einfache Regeln, wie das Rebalancing, fest, um so Impulsen und Verlockungen zu widerstehen.

Overconfidence – die Selbstüberschätzung

Menschen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse zu überschätzen (vgl. Fischoff/Slovic, 1980; Barber/Odean, 2001; Gervais/Odean, 2001, Törngrn/Montgomery, 2004; Russo/Schoemaker, 1989). Dies zeigt sich in folgenden typischen Mustern:

  • Menschen schätzen sich selber meist besser ein als der Durchschnitt (Bsp.: 80% der Autofahrer halten sich für überdurchschnittlich – was rein mathematisch unmöglich ist),
  • sie schätzen die eigenen Fähigkeiten höher ein, als diese tatsächlich sind und
  • sie überschätzen, wie oft sie mit ihren Einschätzungen tatsächlich richtig liegen.

Faktoren, die die Selbstüberschätzung begünstigen, sind:

  • Je komplexer die Aufgabe, umso wahrscheinlicher wird die Selbstüberschätzung. Werden Aufgaben komplexer, reduzieren Menschen nicht im erforderlichen Umfang ihre Selbsteinschätzung.
  • Je länger der Zeitraum zwischen dem Handeln und der Rückmeldung des Ergebnisses (calibration), umso größer die Selbstüberschätzung.
  • Über viele Informationen und Kenntnisse zu verfügen erzeugt das trügerische Gefühl von Sicherheit (verhaltenswissenschaftlich: Wissensillusion, ‚Illusion of Knowledge’).

Overconfidence – Praktische Beispiele:

Gerade Finanzprofis, Fondsmanager und Vermögensverwalter dürften zur Selbstüberschätzung neigen. Selbstzweifel plagen den Profis kaum – schließlich hält man die eigenen Einschätzungen ja für richtig. Zudem analysiert die Branche die Investments ja nach recht ähnlichen Kriterien. Viele Profis dürften sich daher in ihrer Einschätzung durch ‚Kollegen’ bestätigt fühlen. In Newslettern und Medien preisen sie ihre eigene Fähigkeit, frühzeitig bereits auf eine aktuelle Entwicklung hingewiesen zu haben. Eine selbstkritische Bilanz richtiger und falschen Einschätzungen? – Fehlanzeige. Die Rückmeldung über das tatsächliche Anlage-Ergebnis kommt zudem in der Regel sehr spät. Tatsächlich sind die Einschätzungen der Profis zu mehr als 50% schlicht falsch wie zahlreiche Studien belegen. Je Selbstbewusster ein Akteur ist, umso schlechter sein Ergebnis.

Doch die Selbstüberschätzung hat auch positive Aspekte: Würden die Menschen ihre Erfolgschancen stets realistisch einschätzen, würden wohl viele Vorhaben gar nicht erst begonnen. Nur wenige Sportler gewinnen eine Meisterschaft oder schaffen es gar zu Olympia; die wenigsten Bücher finden überhaupt einen Verleger, nur ein Bruchteil aller verlegten Bücher werden Bestseller; die meisten Unternehmensgründer scheitern bereits in den ersten Jahren.

Recency – die jüngste Vergangenheit zu weit fortschreiben

Recency beschreibt das Phänomen, dass Menschen dazu tendieren, die jüngsten Trends zu weit (bzw. unendlich)  in die Zukunft fortschreiben. Dies entsteht dadurch, dass jüngsten Informationen und Daten – obwohl häufig unvollständig -, ein höheres Gewicht eingeräumt wird, als älteren, vollständigen Informationen (VGL. PEROLD/SHARPE, 1988).

Fallen beispielsweise die Kurse, so senkt auch der Anleger seine Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Renditen. Müsste es aber nicht genau anders herum sein? Denn historische Zeitreihen belegen, dass derjenige, der zu niedrigen Kursen kauft, immer eine höhere Rendite erzielt als derjenige, der zu höheren Kursen kauft. Steigt der Kurse dagegen, so werden auch die Perspektiven der Anlage positiver beurteilt. PEROLD/SHARPE bezeichnen das damit verbundene Anlageverhalten als ‚konvex’: die meisten Anleger kaufen Aktien, wenn sie zuletzt gestiegen sind, und verkaufen, wenn sie zuletzt gefallen sind. ‚Konkav’ verhält sich ein Investor genau umgekehrt: er kauft, wenn die Preise fallen und verkauft, wenn sie gestiegen sind. Und sie stellen fest: in einer Welt voller konvexer Investoren ist es für den Anleger vorteilhaft sich konkav zu verhalten (und vice versa).

Die historische Entwicklung der Börsen legt nahe, dass sich die meisten Anleger auf Grund des Recency-Effekts ‚konvex’ verhalten. So ist zu erklären, dass es immer wieder zu ausgeprägten Übertreibungen in den Kursentwicklungen kommt – in beide Richtungen. Wenn sich aber tatsächlich die meisten Anleger ‚konvex’ verhalten, dann sollte sich der rationale Anleger ‚konkav’ verhalten (auch bekannt als Contrarien-Strategie bzw. Value-Investing).

Recency – Praktische Beispiele:

Recency ist wohl einer der prägnantesten Fallen der Anleger, gerade auch der Profis. Wer auf die aktuellen Trends ‚wettet’ – liegt häufig daneben, mit teilweise erschreckenden Konsequenzen für das Vermögen. Denn jeder Trend geht irgendwann zu Ende, verkehrt sich oft sogar in sein Gegenteil.

Kaum ein Unternehmen dürfte vorsorglich einen gesamtwirtschaftlichen Abschwung in seiner Mittelfristplanung einplanen, obwohl die Erfahrung lehrt, dass Wirtschaft in konjunkturellen Zyklen verläuft. Diese Selbsttäuschung schreibt sich fort in den Berichten und Prognosen von Analysten, welche wiederum das Anlageverhalten vieler Fondsmanager (und auch Privatanleger) beeinflussen. Man kann diesem Verhalten auch Positives abgewinnen: im Abschwung steigern die Unternehmen regelmäßig ihre Effizienz, um wenigstens annähernd die optimistischen Renditeziele zu erreichen. Im nächsten Aufschwung überraschen dann viele Unternehmen mit Gewinnen auf Rekordhöhe, da die Kostenbasis zuvor massiv gesenkt wurde.
Auch Staaten prognostizieren zukünftiges Steueraufkommen fast immer steigend. Abschwünge kommen meist ‚völlig überraschend’, werden als ‚außerordentliche Systemstörung’ empfunden. Mindestens seit Hans Eichel hat jeder Bundesfinanzminister einen ausgeglichenen Haushalt in Aussicht gestellt – und ist genauso regelmäßig wegen unzureichender Vorsorge am zyklisch wiederkehrenden Abschwung gescheitert.

Recency findet sich gerade auch in den größeren, globalen Trends. Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass die Hoch-Zins/Hoch-Infationsperiode in den 70ern und frühen 80ern einmal enden könnte. Damals erreichte Gold Höchstpreise. Nach dem Absturz dauerte es fast 30 Jahre, bis der Goldpreis wieder die alten Werte erreichte. Oder nehmen wir den ‚Lauf’ der japanischen Wirtschaft in den 90ern: japanische Unternehmen eroberten eine Branche nach der anderen. Japanische Aktien waren schließlich so hoch bewertet, dass sie 45% des Wertes aller Unternehmen der Welt ausmachten. Die japanische Börse hat seit damals nie mehr die damaligen Höchststände erreicht.

Recency lässt sich auch aktuell beobachten: Noch in 2010 konnte man immer wieder Berichte lesen, die auf die überlegenen Renditen von Anleihen gegenüber Aktien verwiesen. Die Zinsen für zehnjährige deutsche Staatsanleihen fielen seit 1980 von weit über 10% auf unter 2% in 2012, welches in der Tat zu satten Kursgewinnen führte. Diese ‚Erfolgesgeschichte’ dürfte sich kaum fortsetzten. Selbst wenn die Zinsen nicht steigen, – weiter fallen können sie kaum. Alle Portfolio-Optimierungen, die sich an den historischen Renditen der letzten 30 Jahren orientieren, und diese somit implizit fortschreiben, dürften somit zu Enttäuschungen führen. Überhaupt: dass Staatsanleihen und private Rentenversicherungen als ‚sichere Anlagen’ gelten, wäre der Generation unserer Väter und Großväter, die zweimal durch Hyperinflation und Währungsreform alles verloren, wohl kaum eingefallen. Der Boom der Schwellenländer…; die Knappheit / Endlichkeit fossilier Energieträger (der Höhepunkt der Ölproduktion (‚peak oil‘) war angeblich bereits vor Jahren) … .

Identifizieren Sie die großen ökonomischen Themen und Trends unserer Zeit, schreiben Sie sie auf ein Blatt Papier, damit Sie nie vergessen, worauf sie auf keinen Fall ‚wetten’ sollten.  Und: die etwas ältere Historie lehrt uns oft mehr, als die jüngere Vergangenheit.

Psychological Accounting bzw. Mental Accounting

Psychological Accounting, auch Mental Accounting genannt, beschreibt die Neigung von Menschen, Entscheidungen innerhalb eines bestimmten mentalen Rahmens zu treffen, welcher durch die Konsequenzen der Entscheidungen geprägt ist. Menschen beurteilen ihre Entscheidungen vorzugsweise einzeln innerhalb von bestimmten mentalen Körben, als über einen weit gefassten Rahmen (vgl. Tversky/Kahnemann, 1981; Quattrone/Tversky,1988).

Kahneman und Tversky befragte Leute, ob sie sich immer noch ein Konzert ansehen würden (Eintrittskarte kostet $ 10.-), wenn sie auf dem Weg dahin eine $ 10 Note verloren hätten. 88% sagten: ja. Sind hingegen die Leute gefragt worden, ob sie sich ein neues Ticket für $ 10.- kaufen würden, wenn sie entdeckt hätten, dass sie das Ticket verloren hätten, bejahten dies nur 46% der Leute. In beiden Fällen ist man am Ende des Abends um $ 20 ärmer. Aber: Ist das mentale Budget für ‚Konzert’ verloren, sind nur 46% der Leute bereit, dieses Budget durch weitere $10 ‚aufzustocken’. Für viele Menschen ist die Bildung mentaler Konten ein Instrument der Selbstkontrolle. Allerdings würde ein weiter gefasstes mentales Konto die Möglichkeit bieten, Risiken bzw. Konsequenzen von einzelnen Entscheidungen auszugleichen und so das Risiko des Einzelfalles deutlich reduzieren.

Psychological Accounting – Praktische Beispiele:

Teilen Anleger beispielsweise ihr Geld auf in Geld, dass zu jeder Zeit sofort verfügbar sein muss, Geld, das 100% sicher angelegt sein soll, Geld, dass man riskanter anlegen kann und ggf. auch bereit ist zu verlieren (‚Spielgeld’), Geld für das Haus, den Sparvertrag für die Ausbildung der Kinder, die Rentenvorsorge, Rücklagen für das neue Auto, etc.., dann ist das Gesamtergebnis suboptimal. Die Optimierung der Anlage findet dann nur innerhalb des jeweiligen mentalen Kontos statt, nicht über alle Konten hinweg. Mit dem ‚Spielgeld’ gehen Anleger unter Umständen Risiken ein, die sie bei weiterer Betrachtung nicht eingehen würden. Gleichzeitig könnte der Anleger für viele anderen Konten eine höhere Rendite erzielen, wenn er das Risiko über mehrere Konten hinweg optimiert.
Banken unterstützen eine solche mentale Disposition, indem sie Kunden bereitwillig (kostenlose) Unter-Konten anbieten sowie ungezählte, nach Zweck differenzierte ‚Produkte‘. Die zahlreichen Einzelposten und ‚Restguthaben‘ summieren sich zu beträchtlichen, meist schlecht verzinsten Einlagen, während man auf den Girokonto vielleicht sogar hohe Überziehungszinsen zahlt.

Loss Aversion / Risk Aversion – Verluste bzw. Risiken vermeiden

Menschen erleben Verluste nahezu doppelt so intensiv als vergleichbare Gewinne. Daraus folgt, dass Anleger stärker darauf fokussieren Verluste zu vermeiden, als entsprechende Gewinnchancen wahrzunehmen. Das Anlageergebnis ist suboptimal (vgl. Kahnemann/ Tversky, 1979; Shefrin/ Statman, 1985; Odean 1998; Benartzi/ Thaler 1995).
Wenn einen Anleger ein Verlust mehr ärgert, als er sich über einen gleich hohen Gewinn freuen würde, dann folgt daraus, dass er eine Situation, in der man nichts gewinnt aber auch nichts verliert, als angenehmer empfindet. Risikoscheues Verhalten ist die Konsequenz.
Besonders negativ sind die Konsequenzen der Verlustaversion im Zusammenwirken mit dem Mental Accounting: betrachten Anleger jede ihre Anlagen separat, wird es unmöglich, von den Vorteilen der Diversifikation zu profitieren. Denn die Diversifikation setzt ja gerade auf eine Risikokompensation, indem nicht alle Anlagen gleichzeitig steigen und fallen. In jedem gut diversifizierten Depot wird es immer einzelne Anlagen geben, die zurückgeblieben, oder gar im Wert gefallen sind.
Zudem lassen Studien vermuten, dass der Horizont des durchschnittlichen Investors zur Beurteilung von Risiken bei ca. 1 Jahr liegt. Es sorgt die meisten Anleger mehr, wenn beispielsweise der Wert ihrer Anlagen kurzfristig und vorübergehend mal 20% einbüßt, als dass ein langfristiges, wichtigeres Ziel, wie beispielsweise der Erhalt bzw. die Steigerung der Kaufkraft des Vermögens, nicht erreicht würde. Da viele Anleger so disponiert sind, erzielen Aktien eine höhere Risikoprämie (sprich: eine höhere Rendite), als man dies erwarten dürfte, wenn alle Anleger rational handeln würden (bekannt als ‚Equity Premium Puzzle’; vgl. Mehra/Prescott 1985). Benartzi/ Thaler (1995) zeigen, dass mit zunehmender Länge des Anlagehorizontes die Risikoaversion der Anleger deutlich zurückgeht, somit auch die Risikoprämien sinken. Die kurzsichtige Beurteilung des Anlageerfolges in Verbindung mit Risikoscheu sind letztlich dafür verantwortlich, dass ein langfristig orientierter Anleger mit Aktien hohe und vergleichsweise sichere Renditen erzielen kann.

Loss Aversion / Risk Aversion – Praktische Beispiele:

Loss Aversion und Risikoscheu kann erklären, warum viele Anleger ihre Ersparnisse als (schlecht verzinste) Sichteinlagen halten: Anleger empfinden den nominalen Erhalt der Ersparnisse als angenehmer, als irgendein Risiko von Wertschwankungen einzugehen, und nehmen dafür selbst einen Verlust der Kaufkraft ihrer Ersparnisse in Kauf.
Die Finanzbranche reagiert auf diese psychologische Disposition der Kunden mit zahlreichen ‚Produkten’ (Garantie-Produkte, Wertabsicherungen, Verlustbegrenzungen,…) – die damit zwar der Irrationalität der Anleger gerecht werden, letztlich aber zu suboptimalen Anlageergebnissen führen, da die Kosten der Absicherung die Rendite schmälern.
Wer bei der Wertentwicklung eines gut diversifizierten Depots vor allem den Gesamtbetrag im Auge hat und zudem nicht auf der ‚Jahresscheibe’ sein Urteil fällt, sondern seinem langfristigen Anlagehorizont entsprechend in längeren Zyklen, hat gute Chancen überdurchschnittliche Renditen einzufahren. ‚Wer das macht, was die meisten machen, bekommt letztlich das, was die meisten bekommen: einen schlecht bezahlten Job, Angst vor Arbeitslosigkeit und eine Rente knapp über dem Existenzminimum.’ AnlegerCampus

Herding – das Herdenverhalten

Herdenverhalten (Trendfolge) beschreibt das Phänomen, dass einzelne Personen ihr Verhalten an anderen ausrichten und als Gruppe letztlich irrationale Effekte auslösen können (vgl. Hubermann/Regev, 2001).

Herding / Herdenverhalten – Praktische Beispiele:

In der Finanzwelt hat Herdenverhalten viele Gesichter: Anleger kaufen, was ‚gut gelaufen’ ist – nicht was gerade stark gefallen ist (und somit gerade günstig und unterbewertet sein könnte). Einschätzungen orientieren sich am ‚Mainstream’, z.B. an der in den Medien vorherrschenden Meinung, oder an der  Konsensprognose von Analysten. Investment-Manager dürften sich ebenfalls eher am ‚Mainstream’ orientieren: sie sind damit persönlich immer ‚auf der sicheren Seite’. Welcher Investment-Manager stellt sich schon gerne gegen die Mehrheit der Experten im eigenen Haus? Oder gegen die Konsensmeinung in einem Anlageausschuß? Oder gegen die Meinung seines Chefs? Oder gegen die (vorgeprägte) Meinung eines Kunden? – Karriere machen und möglichst viele ‚Finanzprodukte verkaufen’ ist leichter mit dem Trend, als gegen den Trend. Spekulationsblasen und zyklische Übertreibungen sind Ergebnisse des Herdenverhaltens, häufig in Kombination mit Selbstüberschätzung: schließlich muss man dabei sein, ‚wenn die Musik spielt’ und traut sich gleichzeitig zu, rechtzeitig vor dem Crash (d.h. vor allen anderen) auszusteigen.

Overreaction – Übertreibung

Overreaction (Übertreibung) besagt, dass Anleger überreagieren, sowohl auf gute Nachrichten als auch auf schlechte Nachrichten (vgl. DeBondt/ Thaler, 1985, 1987). Fundamental nicht gerechtfertigte Kursreaktionen können die Folge sein. Heute stehen jedem Marktteilnehmer mehr Informationen zur Verfügung, als dieser aus Gründen der Zeitknappheit, des Aufwandes oder der Verarbeitungskapazität nutzen kann. Jeder Marktteilnehmer beschränkt sich daher auf bestimmte Informationen und wendet zudem sogenannte Heuristiken an, Vereinfachungen in der Informationsverarbeitung, mit denen er schnell zu einem Ergebnis kommen kann. Sowohl bei der Informationswahrnehmung, als auch durch die vereinfachenden Bewertungsmuster, kommt es zu Verzerrungen im Vergleich zur ’neutralen‘, rationalen Einschätzung. Verzerrungen ins positive, aber auch ins Negative sind die Folge. Die Informationswahrnehmung ist zunächst beeinflusst von der Verfügbarkeit der Information, d.h. der Zugänglichkeit und Sichtbarkeit einer Information. Eine hohe Verfügbarkeit positiver (Unternehmens-) Nachrichten beeinflusst die Nachfrage nach dem entsprechenden Wertpapier.

Die Heuristiken der Informationsverarbeitung sind nicht rein zufällig, sondern folgen bestimmten Mustern. Handeln viele Marktteilnehmer aufgrund einer ähnlichen Informationswahrnehmung und ähnlicher Heuristiken, kommt es unvermeidlich zu einer Übertreibung, in die positive aber auch negative Richtung, und unter Umständen weit ab von einer rationalen, fundamentalen Einschätzung. Dies führt dazu, dass Anlagen, die zuletzt stark verloren haben, tendenziell unterbewertet sind und Anlagen, die zuletzt stark gestiegen sind, tendenziell überbewertet sind.

Overreaction / Übertreibung – Praktische Beispiele:

Den Medien kommt hier eine herausgehobene Bedeutung zu, bestimmen sie doch weitestgehend über die Verfügbarkeit der Informationen. Manche Themen erlangen eine unangemessen große Bedeutung, andere verschwinden in der Versenkung. Darüber hinaus werden Wertungen meist gleich mitgeliefert. Die Informationswahrnehmung der Marktteilnehmer kann sich diesem Filter / Verstärker kaum entziehen.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmen zielt auf eine prominente, positive Darstellung in den Medien. Nicht zuletzt, um beim Anleger in die Menge der wahrgenommenen (Investment-) Alternativen aufzusteigen, Stichwort ‚Kurspflege‘. Die Presse fokussiert gerne auf die großen, einheimischen Unternehmen. Kleine Unternehmen haben es vergleichsweise viel schwerer, überhaupt wahrgenommen zu werden – und bieten auch deshalb höhere Renditen (Small Cap Effekt). Ausländische Unternehmen werden vom hiesigen Anleger viel weniger wahrgenommen und folglich bei Investitionsentscheidungen weniger berücksichtigt (‚Home Bias‘).

Ereignisse wie Naturkatastrophen (Hurrikans, Flut), Terroranschläge (11. September), große Unfälle (BP Ölplattform Deep Water Horizon), unerwartete Wahlausgänge (Italien 2013), Kriege (Golfkrieg I und II) etc. führen regelmäßig zu Reaktionen an den Börsen, die fundamental kaum zu rechtfertigen sind. Markteilnehmer interpretieren offensichtlich die gleichen Informationen nach den gleichen Heuristiken.

Hyperbolic Discounting – zeitinkonsistente Diskontierung

Die hyperbolische Diskontierung bezeichnet das Phänomen, dass Menschen häufig ein zeitinkonsistentes Modell der Diskontierung anwenden (vgl. Thaler, 1981; Green, 1994; Kirby, 1997; Laibson, 1997).

Werden Personen vor die Wahl gestellt, entweder € 50 heute oder € 100 in einem Jahr zu bekommen, werden sich viele für ‚€ 50 heute’ entscheiden. Wird ihnen hingegen angeboten, € 50 in 5 Jahren oder € 100 in 6 Jahren zu bekommen, werden fast alle die € 100 in 6 Jahren bevorzugen, obwohl dies genau die gleiche Entscheidung wie im ersten Fall darstellt – nur eben 5 Jahre später. Der intuitiv benutzte Diskontierungsfaktor ist nicht linear und auch nicht exponentiell, wie man erwarten dürfte (höherer Zins, je länger man auf seine Auszahlung warten muss), sondern verläuft in einer Hyperbel (fallend, mit zunehmendem Zeithorizont) – was zu suboptimalen Entscheidungen führt. Personen, die solche Präferenzen zeigen, sind stark gegenwartsfokussiert (present-bias).

Hyperbolische – / Zeitinkonsistente Diskontierung – Praktische Beispiele:

Auf kurze Sicht reagieren Personen mit hyperbolischer Nutzen-Wahrnehmung eher ungeduldig, während in der Zukunft liegende Effekte mit großer Nachsicht hingenommen werden. Eine solche Disposition ist beispielsweise extrem schädlich für die Altersvorsorge: Im Vergleich zum späteren Konsum im Rentenalter ist der heutige Konsum so viel attraktiver, dass meist nicht ausreichend gespart wird. Und dies, obwohl auch hyperbolisch disponierte Personen bereits heute ahnen, dass sie ihr heutiges ‚Sparverhalten’ später bereuen werden. Dieser Neigung kann mit Maßnahmen der Selbstverpflichtung entgegengewirkt werden (vgl. in Schritt 6 ‚Der Vertrag mit mir selbst’). Vor diesem Hintergrund ist auch der Reiz der selbst genutzten Immobilie zu sehen – und warum der Staat durchaus ein Interesse daran hat, selbst genutztes Wohneigentum zu fördern: der Gegenwartsfokussierte ‚belohnt’ sich heute (das Glück der eigenen ‚vier Wände’, Prestige…) und verpflichtet sich gleichzeitig über viele Jahre, ja Jahrzehnte, regelmäßig zu sparen (Hypothek tilgen etc.). Besitzer von selbstgenutzten Immobilien stehen im Alter nicht deshalb besser da, weil die Immobilie eine hervorragende Investition ist, – die Immobilienpreise schafften zwischen 1970 und 2010 gerade mal den Inflationsausgleich, Aktien und Anleihen stiegen deutlich mehr (vgl. Kommer (2011) -, sondern schlicht, weil sie mehr gespart haben als andere Personen gleichen Einkommens.

Regret – Die Furcht zu bereuen

Regret besagt, dass die Angst vor dem späteren Bereuen die Anlageentscheidungen beeinflusst (vgl. Bell, 1982). Menschen können alleine deshalb Anlageentscheidungen meiden, weil sie befürchten, sie könnten diese Entscheidung später bereuen, z.B. wenn der Wert der Anlagen sinken sollte. Aber Entscheidungen können auch alleine dadurch zustande kommen, weil Anleger das Gefühl des Bereuens fürchten, wenn sie eine Investition verpassen, die sich als lohnend erweisen könnte.

Anchoring and Adjustment – Ankerpunkte beeinflussen

Wenn Menschen schätzen, ist das Ergebnis abhängig von Ankerpunkten. Menschen nutzen sogar eine beliebige, zufällig ermittelte Zahl als Ankerpunkt für ihre Einschätzungen und bringen anschließend eine Korrektur nach oben oder unten an.

Tversky/Kahnemann (2004) haben unterschiedlichen Gruppen zufällig ausgewählte Zahlen gezeigt und anschließend um eine Schätzung gebeten, wie hoch der Prozentsatz afrikanischer Mitgliedsstaaten in der UNO ist. Die Gruppe, die vorher eine niedrige Zufallszahl gesehen hatte, hat den Prozentsatz deutlich niedriger geschätzt als die Gruppe, die vorher eine hohe Zufallszahl gesehen hat.

Anchoring and Adjustment – Praktische Beispiele:

Wenn es beispielsweise um die Prognose von zukünftigen Kursen geht, sind Menschen nicht frei von dem Einfluss von Ankerpunkten. Oft ist es der heutige Kurs oder die letzte Entwicklung (Recency), die mit einem Zu- bzw. Abschlag in die Zukunft projektiert wird. Dies führt dann zu einer Unterreaktion auf die jeweilige Information. Genau dies ist der Moment, in dem ein Trend entstehen kann. Obwohl eine Information fundamental eine größere Reaktion rechtfertigt, bewirkt die Verankerung, dass diese erst sukzessive von den Marktteilnehmern umgesetzt wird. Sowohl bei positiven als auch bei negativen Veränderungen. Die Wall Street kennt den Spruch ‚Bullen (-märkte) sterben langsam’: es dauert eben eine ganze Weile, bis sich bei einer Mehrheit der Marktteilnehmer die Erkenntnis durchsetzt, dass der Aufschwung vorbei sein könnte und nun der Abschwung droht. Genauso in der Baisse: erst sukzessive stellt sich bei den Markteilnehmern das Vertrauen ein, dass die Krise nun vorbei ist und ein neuer Aufschwung bevorsteht.

Aber selbst Schlagzeilen wie ‚Dax demnächst bei 10.000 Punkten’ bleiben nicht ohne Wirkung auf unsere Einschätzung der Zukunft – und das selbst dann, wenn wir die ‚10.000 Punkte Prognose’ für völlig absurd halten.

Home Bias – Der Heimatmarkt wird übergewichtet

Mit Home Bias (in der Finanz-Literatur auch ‚Equity Home Bias Puzzle‘ genannt) bezeichnet man die Tendenz von Anlegern, überproportional in Anlagen des Heimatmarkes zu investieren und so die Vorteile einer internationalen Diversifizierung des Portfolios nicht oder nicht ausreichend zu nutzen. Das Phänomen des Home Bias wurde erstmals durch Kenneth French und James M. Poterba (1991) sowie Linda Tesar und Ingrid Werner (1995) beschrieben.

Home Bias – Praktische Beispiele:

Dieses Verhalten ist nur teilweise rational zu erklären, beispielsweise durch höhere Transaktionskosten, Wechselkursrisiken, rechtliche Hürden oder objektive Informationsdefizite eines ausländischen Investments. Vielmehr scheinen auch subjektive Aspekte einen starken Einfluss zu haben: die meisten Anleger gehen davon aus, dass sie Werte aus dem eigenen Land besser kennen und einschätzen können – was in der Regel ein Trugschluß sein dürfte. Denn objektiv gesehen kann ein Anleger die Geschäftsentwicklung, beispielsweise der BASF, ebenso gut bzw. schlecht einschätzen, wie von Dow Chemical. Trotzdem würden sich die meisten deutschen Anleger eher für Aktie der BASF entscheiden, die meisten amerikanischen Anleger eher die Aktie von Dow Chemical bevorzugen. So wird jeweils den nationalen Firmen der Vorzug gegeben, obwohl es möglicherweise im Ausland sogar bessere Unternehmen derselben Branche gibt.

Eine Übergewichtung von Anlagen in der nationalen Währung kann durch eine persönliche, zukünftige Verpflichtung in gleicher Währung rechtfertigt sein. Wer beispielsweise mit dem angelegten Geld in Zukunft einen Kredit in Euro tilgen muss, ist darauf angewiesen, die Kaufkraft seiner Anlagen in Euro zu sichern. Wer ein Währungsrisiko ausschließen möchte, wird Wertpapiere bevorzugen, die in Euro notieren, beispielsweise Anleihen europäischer Staaten bzw. in Euro begebene Anleihen von Staaten außerhalb des Euro-Raumes. Wer heute schon weiß, dass er seinen Lebensabend im Dollar-Raum verbringen wird, wird die Kaufkraft seiner Ersparnisse in Dollar sichern wollen, und entsprechend Wertpapiere übergewichten, die in Dollar notieren. Doch auch unter solchen Bedingungen gilt grundsätzlich, dass eine breite Streuung der Anlagen das Risiko reduziert und die Rendite verbessert. Es gibt ungezählte weitere, spannende Verhaltensmuster aus der Welt der ‚Heuristiken‘

 

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