Investigativer Journalismus | OekoHuman

Persönlichkeitsrechte und Quellenschutz? Die Veröffentlichung des Ibiza-Videos hat Medien ethische Abwägungen abverlangt. (´picture alliance / dpa / picturedesk / APA/ Hans Punz)

Investigativer Journalismus ist im Trend – und hat gleichzeitig immer mehr Probleme: Regierungen machen Druck, auch wird es schwerer, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Für „taz“-Journalist Martin Kaul haben Bürger aber ein Recht auf Transparenz.Zeitungsberichte haben mit für den Sturz der Österreichischen Regierung gesorgt. Die CumEx- und Panama-Paper-Berichte internationaler Medien haben Schwarzgeldkonten offengelegt und so Banker und vermögende Menschen weltweit arg in Bedrängnis gebracht.
Und: Es haben sich zahlreichen neue investigative Recherche-Bündnisse und -Redaktionen gegründet. Der so lange Zeit für tot erklärte investigative Journalismus – er lebt. Dabei müsse es sich aber nicht immer um eine lange, komplexe Recherche handeln, meint der „taz“-Journalist Martin Kaul. Es gehe vielmehr darum, ein Bewusstsein als Journalisten für den gesellschaftlichen Auftrag zu haben und Aussagen zu überprüfen.

Manchmal genügt es einfach nachzurechnen!

weiter lesen und/oder hören das Interview im DLF – Artikel in der Wirtschaftswoche: Und dann lobt Edward Snowden das Bundesverfassungsgericht und der Spiegel sagt „DANKE

Filme sehen – zwei Beispiele:

Ein Amerikaner in Iran: „The Iran Job“ – der Filmemacher Till Schauder hat einen amerikanischen Basketballer in Iran begleitet. Entstanden ist ein witziger wie tiefer Einblick in die iranische Gesellschaft und

Nichts als die Wahrheit – die Geschichte: Venezuela ist schuld! Nach einem Anschlag auf den US-Präsidenten startet die Armee einen Angriff auf das Land. Die investigative Reporterin Rachel Armstrong (Beckinsale) findet über einen CIA-Mittelsmann heraus, dass die Geheimdienstinfos, mit denen die Regierung die Offensive legitimiert hat, getürkt waren. Staatsanwalt Dubois (Matt Dillon) versucht mit allen Mitteln, die Quelle der Journalistin aufzuspüren – und bringt Rachel hinter Gitter.
Gleichzeitig gerät Agentin Erica Van Doren (Vera Farmiga) ins Fadenkreuz der Ermittler und wird mit brutalsten Methoden unter Druck gesetzt… Hochaktuelles, sehr emotionales und verdammt spannendes Filmwerk nach Tatsachen über die Versuche der Bush-Administration, die garantierte Freiheit der Medien zu beschneiden.

Investigativer Journalismus (von lateinisch investigare ‚aufspüren‘, ‚genauestens untersuchen‘) setzt eine langwierige, genaue und umfassende Recherche vor Veröffentlichung voraus. Themenschwerpunkte sind in der Öffentlichkeit als skandalträchtig angesehene Vorgänge aus Politik oder Wirtschaft.

Viele dieser Reporter erfüllen als sogenannte Vierte Gewalt im Staat eine wichtige Funktion bei der Kontrolle der Staatsorgane und Wirtschaftskonzerne in Demokratien (siehe auch Checks and Balances). Eine Spielart des investigativen Journalismus wird im Deutschen als Enthüllungsjournalismus bezeichnet. Darunter versteht man das Aufdecken von Skandalgeschichten aus Prominenz, Wirtschaft und Politik. Diese Form wird eher dem Bereich des Boulevardjournalismus als dem klassischen investigativen Journalismus zugeordnet. Der Begriff wird als abwertend betrachtet.

Als Quellen verwenden investigative Journalisten häufig sogenannte Whistleblower. Dies sind Personen, die etwa in den untersuchten Institutionen beschäftigt sind und geschützte oder geheime Informationen an die Presse geben, oft unter Inkaufnahme persönlicher Risiken. Im Internet helfen sogenannte Enthüllungsplattformen wie etwa WikiLeaks, die Anonymität der Whistleblower zu wahren. Zahlreiche von investigativen Journalisten aufgedeckte Skandale konnten nur durch derart gewonnene Informationen aufgedeckt werden, etwa die Watergate-Affäre oder der Datenschutzskandal um die Spionageprogramme PRISM und Tempora.

Gegenstand dieser aufwändigen und hohen Ansprüche an das Können und Durchhaltevermögen stellenden Form der Berichterstattung sind meist skandalöse Vorfälle oder Demokratie gefährdendes Fehlverhalten leitender Personen aus Politik und Wirtschaft. Eine Hochphase erlebte der investigative Journalismus in den 1970er Jahren in den USA, als Reporter großer Zeitungen eine Reihe von politischen Skandalen aufdeckten (z. B. die Watergate-Affäre, infolge derer US-Präsident Richard Nixon im August 1974 zurücktrat). Mit der Frage, ob die klassische Funktion der Besten unter den Journalisten in den USA noch bestehe und Zukunft habe, befasste sich ein umfangreicher Essay des New York Review of Books vom August 2007 unter Berücksichtigung der Plame-Affäre.

Deutschland

In der Bundesrepublik deckte Hans Leyendecker, Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, später der Süddeutschen Zeitung, die Flick-Affäre und die CDU-Schwarzgeldaffäre auf. Weitere Beispiele sind die Kießling-Affäre, aufgedeckt von Udo Röbel, und die Barschel-Affäre, aufgedeckt vom Spiegel. Mit dem Berliner „Filz“ beschäftigte sich Mathew D. Rose (Berlin, Hauptstadt von Filz und Korruption, 1997, und Eine ehrenwerte Gesellschaft, 2003). Von dem Frankfurter Publizisten und Organisierte-Kriminalität-Sachkundigen Jürgen Roth kam 2004 mit Ermitteln verboten! ein Reportage-Buch über die Grenzen polizeilicher Ermittlungsbemühungen heraus. Im Jahr 2006 nahm sein Buch Der Deutschland-Clan die Abhängigkeiten zwischen hochrangigen Politikern, führenden Managern und Justizbeamten ins Visier.

Sonderformen des recherchierenden Undercover-Journalismus sind die Veröffentlichungen von Leo LaniaGerhard Kromschröder und Günter Wallraff. Leo Lania verschaffte sich 1923 in der Tarnung eines italienischen Faschisten Zugang zu Adolf Hitler und dem Völkischen Beobachter und dokumentierte seine Erfahrungen mit der frühen Nazi-Bewegung in dem Buch Die Totengräber Deutschlands (1924). Wallraff nahm pseudonyme Identitäten an, um skandalöse Verhältnisse aufzuklären. Seine Reportagen über das Innenleben der Bild-Zeitung und die Arbeitssituation von Arbeitern mit Migrationshintergrund (Ganz unten) in Deutschland lösten breite gesellschaftliche Debatten aus.

Weitere deutschsprachige Recherche-Journalisten:

Eines der ersten investigativ-Politmagazine im deutschen Fernsehen war das erstmals am 4. Juni 1961 ausgestrahlte Magazin Panorama, dem weitere folgten und die zunächst zur Hauptsendezeit gesendet wurden. Seit dem Jahr 2014 ist der Rechercheverbund NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung investigativ tätig. Zudem entdeckt  das Privatfernsehen mittlerweile den investigativen Journalismus als Quotenbringer, beispielsweise RTL Television mit seinem Format Team Wallraff.

USA

Das bekannteste Beispiel ist die Aufdeckung der Watergate-Affäre durch die amerikanischen Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post. Ein weiterer bedeutender Fall war der Bericht von Seymour Hersh über das Massaker von My Lai 1968, bei dem amerikanische Soldaten über 500 Bewohner eines vietnamesischen Dorfes umgebracht hatten. Im Jahr 2004 brachte Hersh den Folterskandal um das Abu-Ghuraib-Gefängnis im Irak in die US-amerikanischen Medien.

Weitere bekannte Muckraker in den USA:

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnet die NSA-Überwachung als Ausknebeln des investigativen Journalismus in den USA. Der Schnüffelwahn schade der Meinungs- und Pressefreiheit, klagt HRW. Uramerikanische Werte wie „Freiheit, Demokratie und eine offene, verantwortliche Regierung“ seien „schwer bedroht“ – durch die groß angelegten, staatlichen Überwachungsprogramme, gepaart mit verschärften, oft gnadenlosen Maßnahmen zur Geheimhaltung regierungseigener Interna.[4][5][6]

Siehe auch

 

 

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