Rekursivität | OekoHuman

 

Rekursivität – Substantiv
SingularPlural
Nominativdie Rekursivität
Genitivder Rekursivität
Dativder Rekursivität
Akkusativdie Rekursivität

Worttrennung: Re·kur·si·vi·tät, kein Plural

Bedeutungen:

[1] LinguistikEigenschaft einer Grammatik, mit dort formulierten Regeln (unendlich viele) Sätze bilden zu können.
[2] PsychologieManagementKybernetik: Rückbezüglichkeit einer Handlung, eines Verhaltens.

Herkunft:

Ableitung (Suffigierung) vom Adjektiv rekursiv mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem-ität

Sinnverwandte Wörter:

[1] RekurrenzRekursion
[2] FeedbackInterdependenzReflexivitätRückbezüglichkeitZirkularität
[3] Fraktale, Autopoiese, Selbstreferentialität.

Beispiele:

[1] „Dieses zentrale Prinzip der Sprache wird technisch genauer als «Rekursivität» gefaßt. Es handelt sich dabei um die Möglichkeit, eine (syntaktische) Regel immer wieder anzuwenden, so daß unendlich viele und unendlich lange Sätze entstehen können.“
[1] „Hier ist S unter NP Quelle von Rekursivität, obwohl Regel (11) nicht in dem oben definierten Sinne rekursiv ist: Es erscheint nicht rechts und links vom Pfeil in einundderselben Regel dasselbe Symbol.“
[2] „Eine weitere und aus konstruktivistischen Perspektiven zentrale Möglichkeit ist Rekursivität (Rückbezüglichkeit), nach denen Gesetze und Randbedingungen von dem Beobachteten abhängen können.“
[2] „Kommunikationen werden weiterhin geprägt durch Rekursivität: Das Subjekt steht nicht mehr der Gesellschaft oder dem sozialen System gegenüber, sondern ist Teil von beidem.“
[2] „Autopoietisch ausgedrückt, sagt er: Wir sind, weil wir informieren, kommunizieren und verstehen (Zirkularität). Und weil wir dies tun, entsteht Rekursivität (Rückbezüglichkeit), d. h. wir lernen voneinander, ent-wickeln uns und geben unser Wissen und unsere Fähigkeiten erzieherisch und genetisch an die nächste Generation weiter.“
[2] „Die neuen Ordnungszustände wirken im Sinne einer zirkulären Kausalität oder Rekursivität wiederum auf das System zurück.“

 

Als Rekursion (lateinisch recurrere ‚zurücklaufen‘) bezeichnet man den abstrakten Vorgang, dass Regeln auf ein Produkt, das sie selbst erzeugt haben, von neuem angewandt werden. Hierdurch entstehen potenziell unendliche Schleifen. Regeln bzw. Regelsysteme heißen rekursiv, wenn sie die Eigenschaft haben, Rekursion im Prinzip zuzulassen. Rekursion ist ein zentraler Begriff in Mathematik und Informatik und hat vielfältige Anwendungen darüber hinaus; diese reichen bis in die Kunst, wo das Phänomen auch als mise en abyme bezeichnet worden ist.

Rekursion ist auch eine Problemlösungsstrategie. Komplexe Sachverhalte können oft mit rekursiv formulierten Regeln sehr elegant erfasst werden. Das Grundprinzip ist dabei dann das Zurückführen einer allgemeinen Aufgabe auf eine einfachere Aufgabe derselben Klasse. Beispielsweise ist die rekursive Programmierung Bestandteil vieler Programmiersprachen. Prozeduren oder Funktionen können sich dabei selbst aufrufen. Rekursion und Iteration sind im Wesentlichen gleichmächtige Sprachmittel.

In Mathematik und Informatik erscheint Rekursion auch spezieller in der Form, dass eine Funktion in ihrer Definition selbst nochmals aufgerufen wird (rekursive Definition). Wenn man mehrere Funktionen durch wechselseitige Verwendung voneinander definiert, spricht man von wechselseitiger Rekursion. Nicht jede rekursive Definition ist eine Definition im eigentlichen Sinn, denn die zu definierende Funktion braucht nicht wohldefiniert zu sein. Jeder Aufruf der rekursiven Funktion muss sich durch Entfalten der rekursiven Definition in endlich vielen Schritten auflösen lassen. Ist dies nicht erfüllt, so spricht man von einem infiniten Regress (in der Informatik auch als Endlosschleife bezeichnet) mehr Information in Wikipedia.

 

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