Der Preis des Erfolges Skizzen zur Psychologie des Vermögens und des Geldes.

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Der Preis des Erfolges!

Skizzen zur Psychologie des Vermögens und des Geldes – von Tarek el Sehity – Überlegungen zur polaren Natur zwischen Geld und Vermögen verdanke ich ausführlichen Gesprächen mit Jörg Schallehn im Frühjahr 2011.

Einleitung:
In diesem Beitrag werden die Interviews mit den 15 Hochvermögenden der vorliegenden Studie im Sinne von Expertengesprächen ausgewertet. Der Fokus der Auswertung liegt auf der Entwicklung einer Vermögens-psychologischen Theorie, in der die spezifischen sozial-kognitiven wie auch affektiven Eigenheiten erfasst werden sollen, die ein Leben im ökonomischen Ressourcenreichtum auszeichnen. Ausgehend vom aktuellen zeitgeschichtlichen Kontext der Finanzkrise wird deutlich, dass die Befragten sich gegenüber einer Finanzelite abgrenzen wollen und akute Sorge um die zukünftige Stabilität des Gesellschaftssystemshaben. Ein komplexes von der Psychologie des Geldes durchzogenes Grundprofil zeichnet sich ab, in dem affektiv die Furcht vor dem Neid der anderen hervortritt: Zwei Drittel der Befragten nennen den Neid der anderen als ihre vermögensbedingte größte Sorge.

Der Neid beziehungsweise die Sorge vor dem Neid der anderen erweist sich als Emotion,die aufgrund ihrer kognitiven Architektur in Geldnähe gehäuft auftritt. Eine detaillierte Analyse des Neidgefühls zeigt darüber hinaus, dass seine Ursache weniger im Begehren fremden Besitzes liegt als in einem genuinen Unvermögen. Tatsächlich erschließt sich in der Psychologie des Neides eine komplementäre Perspektive auf das Vermögens-psychologische Phänomen des Eigenvermögens. Der zweite Teil der Untersuchung vertieft anhand der Interviews der Studie die konzeptionelle Frage, wie Vermögen über einen mentalen Prozess angeeignet wird. Zwischen der Gründergeneration und der Nachfolgegeneration treten zwei deutlich zu unterscheidende Aneignungsprofile hervor: Während die Gründergeneration sich weitgehend in ihrem Schaffensprozess verwirklicht sieht, ist die zweite Generation mit der Herausforderung konfrontiert, sich vor allem psychologisch zu profilieren. Es verdeutlichen sich komplexe Profilierungsrituale, über die das zu erbende Vermögen auch tatsächlich, also psychologisch, angeeignet wird.

Mit der zeitlichen Distanz von mehr als einem Jahr gegenüber der Datenerhebung im Frühjahr 2010 und mit der Kenntnis um die sich mehrenden Protestbewegungen auf den Straßen der Finanzzentren werden die weitreichenden Konsequenzen einer mittlerweile historischen Finanzkrise deutlich. Die Interviews fanden mitten in einer Zeit des Umbruchs statt, dessen offizieller Beginn spätestens mit der Insolvenzerklärung der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. Sept. 2008 datiert werden kann.

Im selben Zeitraum drohte die Zahlungsunfähigkeit auch einigen anderen Finanzinstitutionen (Banken wie Versicherungen), die aus Sorge um den systemischen Zusammenbruch des globalen Finanzsystems mit öffentlichen Geldern gerettet wurden. Im Frühjahr 2010 verdeutlichte sich darüber hinaus, dass einige europäische Länder ihre öffentlichen Schulden nicht mehr würden bedienen können. Die Europäische Union rettete sich im Mai2010 mit 450 Mrd. € vor Griechenlands Zahlungsunfähigkeit. In den Medien mehrten sich gleichzeitig Berichte über die Millionenhöhe der Boni und Gehälter von Bankmanagern,deren Institute noch im Jahr zuvor hatten gerettet werden müssen (siehe hierzu die Stellungnahme von Frau Jung oben). In scharfem Kontrast dazu standen auf nationaler Ebene Budgetsparpakete, die sowohl höhere Steuern als auch geringere soziale Leistungen vorsahen.

Die Forderungen nach besonderen Beiträgen der Reichen – einer „Reichensteuer“ – wurden laut, und ab Sommer 2011 formieren sich Bürger unter dem Slogan „We arethe 99 %“ in verschiedenen westlichen Ländern zu Protestbewegungen gegen den Finanzsektor und die wachsende Kluft zwischen dem reichsten einen Prozent und der übrigen Bevölkerung. Dieser bereits zeitgeschichtliche Hintergrund schlug sich nicht nur in den Meldungen der Medien nieder, sondern auch in den Interviews der vorliegenden Studie, ohne dass die Interviewten direkt darauf angesprochen wurden. So kommt bei einem älteren Unternehmer – angesprochen auf die gesellschaftliche Verantwortung erfolgreicher Unternehmer– eine deutliche Betroffenheit über die aktuellen Entwicklungen zum Ausdruck: Auch in den folgenden kritischen Aussagen einer jungen Unternehmerin zu einem der Protagonisten der Finanzkrise werden Befürchtungen vor einem angespannten sozialen Klima in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft deutlich weiterlesen in der PDF:

El_Sehity_Der_Preis_des_Erfolges_Skizzen

Die Studie ist im Buch „Verantwortung und Bewährung„ – Eine vermögenskulturelle Studie im Springer Verlag erschienen.

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