Behavioral Finance | OekoHuman

Nobelpreisträger wie Richard Thaler und Daniel Kahneman haben gezeigt, dass die Investitionsentscheide der meisten Menschen von tief verwurzelten Verhaltensmustern und Emotionen beeinflusst werden. Hierzu gehören unter anderem Gier, Angst und übermäßiges Selbstvertrauen. Die daraus resultierenden Fehlentscheide kosten den durchschnittlichen Anleger laut Studien zwischen ein und vier Prozent Rendite pro Jahr. Die mag nach wenig klingen, aber in den 20 bis 40 Jahren?!

Der Fachbereich Behavioral Finance beschäftigt sich mit der Psychologie der Anleger. Die Aktionäre als Handelnde und ihre typischen Verhaltensweisen stehen im Mittelpunkt des Interesses. Im Grunde genommen geht es darum aufzuzeigen, wie Anlageentscheidungen tatsächlich zustande kommen und welche Fehler immer wieder gemacht werden.

Die Hauptfehler:

0. Fehlende systemtheoretische Kenntnisse  und fehlende Empathie für manipulierende Propaganda.

1. Selbstüberschätzung durch Gier – der Dunning-Kruger-Effekt , manchmal auch Vermessenheitsverzerrung, ist eine Form der systematischen Fehleinschätzung eigenen Könnens und eigener Kompetenzen. In der Wissenschaft wird Selbstüberschätzung zumeist unter den Begriffen Hybris oder englischsprachig Hubris innerhalb der PsychologieMedizin sowie in der Organisations- und Managementforschung untersucht und thematisiert. In der Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) wird der Selbstüberschätzung (Overconfidence-Biasenglisch overconfidence, overconfidence bias) aufgrund von robuster experimenteller Evidenz eine wichtige Rolle in Beurteilungen, Heuristiken und Entscheidungsprozessen von Menschen eingeräumt (siehe hierzu auch die Prospect Theory).

2. System-Wandel und System-Veränderungen ignorieren.

4. Fehlende kluge System-Anpassungsfähigkeit.

Die dabei bisher gewonnenen Erkenntnisse widersprechen der häufig vertretenen These, wonach die Anleger immer alles wissen sowie effizient und rational handeln. Anhänger der Behavioral Finance Theorie glauben also nicht an den in vielen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern postulierten Homo oeconomicus. Sie rütteln außerdem auch an der Annahme, wonach in den Kursen jederzeit alle Informationen eingearbeitet sind. Die These, dass die Anleger in der Regel irrational handeln. Nach ihrer Überzeugung gilt die Theorie der nutzenmaximierenden Marktteilnehmern nicht mehr. Letztlich erhärtet dies die Behauptung, wonach es unwahrscheinlich ist, an den Börsen eine bessere Rendite zu erzielen als der Gesamtmarkt. Doch da es an den Finanzmärkten letztlich auch immer um Verlustminimierung geht, kann Behavioral Finance so oder so eine gute Hilfestellung leisten. Denn wer andere Marktteilnehmer besser versteht und ihre typischen Eigenarten kennt, macht vermutlich selber weniger Fehler. Wie so vieles an der Börse hat im übrigen auch diese Forschungsrichtung ihre Ursprünge in den USA. Dort wurde sie Mitte der 80er Jahre nach und nach richtig entdeckt und findet nun auch in Europa immer mehr Anhänger. Außerdem gibt es inzwischen auch immer mehr Fonds, die nach den Grundsätzen der Behavioral Finance-Theorie agieren.

Verhaltensökonomische und psychologische Sichtweisen

Die Verhaltensökonomie und die Psychologie ordnen die Selbstüberschätzung in die Kategorie kognitive Verzerrungen ein.

Man kann drei Arten der Selbstüberschätzung unterscheiden bzw. beobachten:

  1. Einschätzung der aktuellen Leistung.
  2. Einschätzung der Leistung relativ zur Leistung anderer Menschen.
  3. Einschätzung des eigenen Wissens (Exaktheit, Aktualität usw.).
  4. Einschätzung des Unterschieds von Präzision und Genauigkeit.

Selbstüberschätzung ist keine generelle Persönlichkeitseigenschaft eines Menschen. Sie ist in der Regel kontextabhängig. Menschen überschätzen ihre Fähigkeiten tendenziell in Aufgabenbereichen, die einfach und üblich sind (Autofahren, sich gut mit anderen sozialisieren usw.), und unterschätzen sie tendenziell bei schwierigen Aufgaben. In Labor-Experimenten konnten Muriel Niederle und Lise Vesterlund zeigen, dass Männer sich eher für konvexe Vergütungssysteme (z. B. Wettbewerbs- oder Turniersysteme) entscheiden, wogegen Frauen sich eher für lineare Entlohnungssysteme (Stücklohn, englisch: piece rate) entscheiden. Die an diesen Experimenten teilnehmenden Männer und Frauen überschätzten beide im Durchschnitt ihre Fähigkeiten, Frauen jedoch in einem viel geringerem Maße.

Behavioral Finance von:

Prof. Dr. Martin Weber & Dipl.-Kffr. Eva Brit Kramer – Dr. Thomas Langer – Dipl.-Oek. Andreas Laschke – Prof. Dr. Dirk Schiereck – Dr. Niklas Siebenmorgen – Dipl.-Kfm. Frank Vossmann.

Wikipedia:

Die Verhaltensökonomik (englisch behavioral economics, auch Verhaltensökonomie) ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft. Sie beschäftigt sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen. Dabei werden auch Konstellationen untersucht, in denen Menschen im Widerspruch zur Modell-Annahme des Homo oeconomicus, also des rationalen Nutzenmaximierers, agieren. Derartige Fragestellungen werden zudem mathematisch von der Spieltheorie untersucht. Der Übergang der Verhaltensökonomik zur Ökonomischen Psychologie ist fließend. Subdisziplinen der Verhaltensökonomik sind die verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie (engl. behavioral finance), welche sich mit dem vermeintlich irrationalen Verhalten auf Finanz- und Kapitalmärkten beschäftigt, und teilweise die verhaltensorientierte Politikgestaltung (engl. behavioral public policy), sofern angewandt auf ökonomische Kontexte.

Während der Ära der klassischen Nationalökonomie bestand eine enge Verbindung zwischen der Wirtschaftstheorie und der Psychologie. Adam Smith zum Beispiel schrieb einen wichtigen Text, in dem er psychologische Prinzipien des individuellen Verhaltens beschrieb, The Theory of Moral Sentiments (Die Theorie moralischer Gefühle). Jeremy Bentham schrieb ausführlich über die psychologischen Fundamente der Nützlichkeit. Wirtschaftler begannen erst, sich von der Psychologie zu entfernen, als sie während der Ära der Neoklassischen Theorie versuchten, ihre Disziplin als Naturwissenschaft zu etablieren. Nun wurde versucht, wirtschaftliches Verhalten von Annahmen aus der Natur der wirtschaftlich Handelnden abzuleiten. Es wurde das Konzept des Homo oeconomicus entwickelt, und die Psychologie dieses hypothetischen Wesens beruhte grundsätzlich auf der Vernunft. Trotz allem beeinflusste die Psychologie die Analysen vieler wichtiger Figuren bei der Entwicklung der neoklassischen Theorie, wie Francis EdgeworthVilfredo Pareto und Irving Fisher.

Gegen Mitte des 20. Jahrhunderts war die Psychologie weitgehend aus der ökonomischen Diskussion verschwunden. Eine Vielzahl von Faktoren trug dazu bei, dass ihr Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen wieder aufgegriffen und die Theorie der behavioral economics entwickelt wurde. Modelle über erwartete Nützlichkeit und Nützlichkeit nach Kostenabzug (discounted utility) waren zuvor zu weitgehender Anerkennung gelangt, indem sie überprüfbare Hypothesen unter Berücksichtigung von Unsicherheit beziehungsweise zwischenzeitlichem Verbrauch (intertemporal consumption) lieferten. Eine Reihe beobachteter und sich wiederholender Anomalien stellten diese Hypothesen infrage. Des Weiteren begann die kognitive Psychologie in den 1960er Jahren, das Gehirn im Gegensatz zu Modellen des Behaviorismus als Informationsverarbeitungsmaschine anzusehen. In der Folge begannen Psychologen auf diesem Gebiet wie Ward Edwards, Amos Tversky und Daniel Kahneman, ihre kognitiven Modelle des Entscheidungsprozesses unter Risiko und Unsicherheit an wirtschaftlichen Modellen vernünftigen Verhaltens zu erproben. Vielleicht der wichtigste Aufsatz bei der Entwicklung der Disziplin der behavioral finance und behavioral economics wurde von Kahneman und Tversky 1979 geschrieben. Dieser Aufsatz mit dem Namen Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk verwendete kognitive psychologische Techniken, um eine Anzahl dokumentierter Anomalien beim Treffen vernünftiger wirtschaftlicher Entscheidungen zu erklären. Weitere bedeutende Schritte auf dem Weg zur Entwicklung der Disziplin waren eine gutbesuchte und vielseitige Konferenz an der Universität von Chicago und eine Sonderausgabe im Jahr 1997 des anerkannten Quarterly Journal of Economics zum Gedenken an Amos Tversky, die sich mit dem Thema der behavioral economics beschäftigte.

Der erste Nobelpreis für das Thema Verhaltensökonomik wurde 2002 zu gleichen Teilen an Daniel Kahneman und Vernon Smith verliehen. Zuvor hatte bereits 1994 der deutsche Verhaltensökonom und Begründer des Labors für experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Bonn, Reinhard Selten, den Nobelpreis für seinen Beitrag zur Spieltheorie erhalten. Im Jahr 2017 wurde Richard Thaler mit dem Nobelpreis für seinen Beitrag zur Verhaltensökonomik ausgezeichnet.

 

 

 

 

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