
Das Wort Geduld (auch altertümlich: Die Langmut) bezeichnet die Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen. Oft gilt Geduld als eine Tugend; ihr Gegenteil ist die Ungeduld. Als geduldig erweist sich, wer bereit ist, mit ungestillten Sehnsüchten und unerfüllten Wünschen zu leben oder diese zeitweilig bewusst zurückzustellen. Diese Fähigkeit ist eng mit der Fähigkeit zur Hoffnung verbunden. Geduldig ist auch, wer Schwierigkeiten, Leiden oder lästige Situationen mit Gelassenheit und Standhaftigkeit erträgt.
Geduld geht auf das urgermanische Verbalabstraktum ga-thuldis zurück. Das Verb ist längst verloren gegangen. Es hatte vermutlich die indogermanische Verbwurzel tol bzw. tla (tragen, ertragen). Man findet die Wurzel im lateinischen Verb fero, tuli, latum (aus ferre), das ‚bringen‘ und ‚tragen‘ bedeutet. Auch die griechischen Wörter τλάω (τλῆναι) tláō (tlänai), deutsch ‚ertragen‘, τολμάω (τολμᾶν) tolmáō (tolmān), deutsch ‚wagen‘ und πόλυτλας, πολύτλας pólytlas, polýtlas, deutsch ‚standhaft‘ gehören in diesen Kontext.
Geduld – Eine Tugend mit ungeahnten Möglichkeiten – die Sicht von Veronika Langguth.
Ge-Duld = Gott duldet es = Duldsamkeit oder Gelassenheit:
Während die von Geduld abgeleiteten Begriffe Duldung und duldsam schon im 17. Jahrhundert nachzuweisen sind, wird das Wort Duldsamkeit erst im 18. Jahrhundert als Übersetzung des Fremdwortes Toleranz kreiert. Die Bezeichnung Dulder kommt ebenfalls erst im 18. Jahrhundert auf. Sie findet sich zunächst vornehmlich bei Friedrich Gottlieb Klopstock, später dann auch in Kirchenliedern, in denen vorwiegend Jesus Christus als Dulder bezeichnet wird. In den allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Dulder durch Johann Heinrich Voß eingeführt. In seiner Übersetzung der Homerschen Odyssee benennt er Odysseus als „herrlichen Dulder“. Kaiser Friedrich der Dritte wurde als „Dulder auf dem Thron“ bezeichnet.
Geduld ist die Fähigkeit oder Bereitschaft, etwas ruhig und beherrscht abzuwarten oder zu ertragen. In der Spieltheorie findet der Begriff in vielen Bereichen der Sozialwissenschaften Anwendung. Beispielsweise in Modellen der Prinzipal-Agent-Theorie zu Verhandlungen wie bei Gehaltsverhandlungen (Ihre Grundzüge gehen auf die Theorie unvollständiger Verträge zurück, wie es aktuell im Konflikt zwischen Rußland und NATO der Fall zu sein scheint, der vordergründig auf dem Rücken der Ukraine ausgetragen wird).
Während einer Verhandlung werden Angebote und Gegenangebote ausgetauscht. Bei einer Verhandlung, etwa einer Gehaltsverhandlung, handelt es sich um ein sequentielles Spiel. Ein mögliches Ergebnis ist ein Kompromiss. Dieser könnte darin bestehen, dass die zu verteilende Auszahlung halbiert wird. Eine solche 50-50-Aufteilung entspricht dem allgemeinen Verständnis von „Fairness“. Um herauszufinden, welche Entscheidung die beste ist, greift die Spieltheorie auf Entscheidungsbäume oder Spielbäume zurück. Dabei werden die verschiedenen Varianten bis zum Ende durchgespielt und vom Ende aus zurückgeschlossen, um herauszufinden, welche Entscheidung die beste ist. Für viele verbreitete Verhandlungstypen ist die oben angesprochene 50-50-Aufteilung die Lösung, die sich aus dem Zurückschließen ergibt.
Dass Zeit Geld bedeutet, ist ein entscheidender Faktor in Verhandlungen, denn der zu verteilende „Kuchen“ (d. h. die Auszahlung) schrumpft, wenn die Verhandlungen sich hinziehen. Trotzdem kann es passieren, dass die Parteien sich nicht einigen, weil beide Parteien glauben, die Kosten des Verhandelns würden durch ein vorteilhafteres Ergebnis (höhere Auszahlung) aufgewogen. „Charles Dickens’ ‚Black House‘ illustriert den Extremfall: Der Disput über den Jarndyce-Nachlass zog sich so lange hin, dass das gesamte Vermögen durch Anwälte aufgefressen wurde”.
Die Technik des Zurückschließens kann ebenfalls angewendet werden, wenn das Problem keinen festen Endpunkt hat. „Dieser Ansatz wurde erstmals von dem Ökonomen Ariel Rubinstein entwickelt, und die Lösung, die wir diskutieren, wird ihm zu Ehren oft als Rubinstein-Verhandlungslösung bezeichnet“.

