LEBEN | OekoHuman
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Das Wort Leben ( Anhören?/i) bezeichnet zum einen die Organisations- bzw. Prozessform, die allen Lebewesen gemeinsam ist und die sie von lebloser Materie unterscheidet. Zum anderen bezeichnet es die Gesamtheit der Lebewesen in einem bestimmten Gebiet.

Was Leben bzw. ein Lebewesen ist, wird – in der modernen Biologie wie auch schon bei Aristoteles – nicht über einzelne Eigenschaften, einen bestimmten Zustand oder eine spezifische Stofflichkeit definiert, sondern über eine Menge von Aktivitäten, die zusammengenommen für Leben bzw. Lebewesen charakteristisch und spezifisch sind.[1] Als diese Aktivitäten werden üblicherweise genannt:

Jegliches Leben kann als System betrachtet werden, da es immer aus aufeinander aufbauenden und miteinander wechselwirkenden Einheiten besteht, die sich gegenseitig funktional bedingen und erhalten. Lebende Systeme erreichen einen besonders hohen Grad der Komplexität, der von unbelebten Systemen nicht erreicht wird.

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Naturwissenschaft

Ähnlich angepasste, aber weitgehend unterschiedlich aufgebaute Lebewesen: Korallen und Seepferdchen

Fast die Hälfte aller heutigen Arten gehören zur Klasse der Insekten→ Hauptartikel: Lebewesen und chemische Evolution

Die Biologie untersucht und beschreibt die Erscheinungsformen lebender Systeme, ihre Beziehungen zueinander und zu ihrer Umwelt sowie die Vorgänge, die sich in ihnen vollziehen. Dazu zählen Energie- und Stoffaustausch, Wachstum, Fortpflanzung, Reaktion auf Veränderungen der Umwelt sowie Möglichkeiten, sich über Kommunikationsprozesse zu koordinieren. Einige dieser Merkmale findet man auch bei technischen, physikalischen und chemischen Systemen, andere Merkmale sind nur den biologischen Lebewesen zu eigen. Als minimale Eigenschaft aller lebenden Systeme gilt jedoch die Autopoiesis: die Fähigkeit, sich selbst zu erhalten und zu reproduzieren.

Bisher ist nur das auf Ribonukleinsäure und Desoxyribonukleinsäure (RNA und DNA) beruhende Leben bekannt, welches auf der Erde vor etwa 3,5 bis 3,9 Milliarden Jahren begann. Die bekannten Lebensformen, BakterienArchaeenPilzePflanzen sowie Tiere mit dem Menschen, verwenden – von wenigen Ausnahmen abgesehen – den gleichen, universell gültigen genetischen Code und erzeugen aus den gleichen chemischen Bausteinen, nämlich vier verschiedenen Nukleotiden und etwa 20 verschiedenen Aminosäuren, die für irdisches Leben typischen Nukleinsäuren und Proteine. Grundsätzlich ist seitens der Naturwissenschaft nicht auszuschließen, dass Leben im Universum auch auf anderen chemischen Stoffen beruhen kann (siehe den sog. Kohlenstoffchauvinismus).

Nach der Theorie der biologischen Evolution entwickelten sich im Laufe von Milliarden Jahren aus vergleichsweise einfachen Lebensformen immer komplexere Lebewesen.

Entstehung des Lebens

Der heutige Wissensstand in den Naturwissenschaften reicht nicht aus, um zu erklären, wie das Leben entstand.[3] Wird für Lebewesen ein genetisches Programm, seine Funktionalität und seine Entwicklung als essenziell angenommen, dann ergibt sich für den Beginn des Lebens der Zeitpunkt, zu dem Moleküle als Träger des Programms und weitere Hilfsmoleküle zur Realisierung, Vervielfältigung und Anpassung dieses Programms erstmals so zusammentreten, dass ein die charakteristischen Eigenschaften des Lebens tragendes System entsteht.

Die derzeit populärste (autotrophe) Theorie zur Entstehung des Lebens postuliert die Entwicklung eines primitiven Stoffwechsels auf Eisen-Schwefel-Oberflächen unter reduzierenden Bedingungen, wie sie im Umfeld vulkanischer Ausdünstungen anzutreffen sind.[4] Während dieser Phase der Evolution auf der Erde, die im Äon, vor zwischen 4,6 und 3,5 Milliarden Jahren, stattfand, war die Erdatmosphäre wahrscheinlich reich an Gasen, vor allem KohlenstoffdioxidWasserstoff und Kohlenstoffmonoxid, während die heißen Ozeane relativ hohe Konzentrationen an Ionen von Übergangsmetallen wie Eisen (Fe2+) oder Nickel (Ni2+) enthielten. Ähnliche Bedingungen finden sich heute in der Umgebung hydrothermaler Schlote, die in plattentektonischen Störzonen auf dem Meeresgrund entstanden sind und noch entstehen. In der Umgebung solcher als Schwarze Raucher bezeichneten Schlote gedeihen thermophile methanogene Archaeen auf der Grundlage der Oxidation von Wasserstoff und der Reduktion von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu Methan (CH4). Dieses extreme Biotop zeigt, dass Leben unabhängig von Sonnen­licht als Energiequelle gedeihen kann, eine grundlegende Voraussetzung für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Leben vor dem Aufkommen der Photosynthese.

Die phylogenetische Perspektive auf die Entstehung des Lebens enthält die Frage, ob Leben auf der Erde entstanden ist oder auf einem anderen Himmelskörper, und auf welche Art die ersten lebenden Systeme in einer unbelebten Umwelt entstanden sind (siehe den vorhergehenden Abschnitt).

Die ontogenetische Perspektive richtet sich auf die Entwicklung eines Individuums, nicht auf die erstmalige Entstehung von Lebewesen. Sie stellt die Frage, wie sich ein Organismus entwickelt (z. B. aus einer befruchteten Eizelle). Man spricht hier fälschlich auch vom „Beginn des Lebens“, obwohl es sich um eine Kontinuität des Lebens im Laufe von Generationen und um das Entstehen eines Individuums handelt, nicht um die erstmalige Entstehung eines lebenden Systems. Aus der Ontogenese ergibt sich eine Möglichkeit zur Definition von Beginn und Ende eines individuellen Lebens: Das Leben endet, wenn die charakteristischen Eigenschaften von Lebewesen verschwinden, also der Tod eintritt. Der Beginn wird verschieden definiert, oft wird bei Lebewesen mit sexueller Fortpflanzung die Vereinigung zweier Gameten als Beginn des Lebens eines Individuums angesehen.

Spekulationen über außerirdisches Leben

→ Hauptartikel: Außerirdisches Leben

In einem Meteoriten vom Planeten Mars wurden Spuren gefunden, die man zunächst als versteinerte Bakterien deutete. Ein definitiver Beweis für außerirdisches Leben ließ sich trotz intensiver Forschung bisher nicht erbringen (siehe auch Leben auf dem MarsAstrobiologiechemische Evolution und Kosmochemie).

Im April 2007 wurde der zwanzig Lichtjahre von der Erde entfernte Gliese 581 c als erster Planet mit erdähnlichen Bedingungen entdeckt. Er wurde als „zweite Erde“ bezeichnet und gab Anlass zu vagen Spekulationen über dort vorkommendes Leben.[5]

Wissenschaftler fanden mit Hilfe der Sonde Cassini-Huygens Hinweise, dass auf dem Saturnmond Titan eine primitive Lebensform existieren könnte. Messungen ergaben, dass weniger Wasserstoff und Ethin auf Titan vorhanden war, als die Modelle voraussagen. Dies wäre mit einer Lebensform auf Methanbasis erklärbar.[6] (→Leben auf Titan)

Der theoretische Physiker Gerald Feinberg und der Chemiker Robert Shapiro begründeten in ihrem bereits 1980 erschienenen Buch Life Beyond Earth die folgende alle Lebensformen im Kosmos erfassende Definition: Leben entsteht durch Wechselwirkungen zwischen freier Energie und Materie, die imstande ist, auf diese Weise eine größere Ordnung innerhalb des gemeinsamen Systems zu erreichen. Demnach wäre Leben in eisigen Ammoniakseen ebenso denkbar wie in Ölmeeren, es könnte auf der Basis elektromagnetischer oder Gravitationsfelder existieren. Es gibt vielleicht Siliziumwesen in geschmolzenem Gestein, Plasmaleben im Inneren von Sternen oder Strahlungsorganismen in interstellaren Staubwolken. Mögliche Lebewesen mit wissenschaftlich-technischer Organisation im Sinne außerirdischer Zivilisationen auf extrasolaren Planeten sind Gegenstand von Spekulationen und Hochrechnungen innerhalb der Astrobiologie und der Exosoziologie. Über die Wahrscheinlichkeit der Existenz und möglichen Häufigkeit solcher Zivilisationen wird vor allem mit Hilfe der Drake-Gleichung diskutiert, die auch als Green-Bank-Formel bekannt ist.

Philosophie

Griechische Philosophen

Wasser, Luft, Feuer, Erde/Samen

Thales postulierte vor 2500 Jahren, dass das Leben aus dem Wasser entstanden und eng mit der Frage nach dem Arché (ἀρχή, „Urgrund“) allen Seins und allen Geschehens verknüpft sei. Das Wasser als wandlungsfähiger und weit verbreiteter Stoff erfülle den Anspruch, allem zugrunde zu liegen und jegliche Gestalt annehmen zu können.

Anaximander (um 610–547 v. Chr.) suchte den Ursprung des Lebendigen im Wasser, als eine spontane Entstehung aus dem feuchten Milieu. Die ersten Lebewesen seien im Feuchten entstanden.

Anaximenes (um 585–528/524 v. Chr.) sah die Luft (ἀήρ aer) als Arché (ἀρχή) und Apeiron (ἄπειρον ‚Unbeschränktes‘) an. Auch das Göttliche komme entweder aus der Luft oder sei die Luft. Das belebende Prinzip liege im Stoff selbst.

Für Anaxagoras (499–428 v. Chr.) war der Samen (σπέρματα spermata) als unendlich kleiner Bestandteil aller Dinge (z. B. Fleisch, Blumen) von Anfang an vorhanden.[7]

Heraklit (um 520–460 v. Chr.) sah im Urfeuer den Beginn auch des Lebens: „Diese Weltordnung, dieselbige für alle Wesen, hat kein Gott und kein Mensch geschaffen, sondern sie war immer da und ist und wird sein ewig lebendiges Feuer, nach Maßen erglimmend und nach Maßen erlöschend.“ Aus allem Feuer soll alles hervorgegangen sein.

Empedokles (um 495–435 v. Chr.) vertrat eine biologische Theorie von der Entstehung des Lebens und der Evolution der Lebewesen. Er führte die Lehre von den vier Urstoffen (Vier-Elemente-Lehre) ein.

Aristoteles erklärte in De anima das Belebte als das Beseelte. Er unterscheidet grob drei verschiedene Stufen von Leben, die er nach ihren Seelenvermögen hierarchisch anordnet: Auf der untersten Stufe stehe das allein durch Ernährung und Fortpflanzung bestimmte Leben der Pflanzen, darauf folge das zusätzlich durch Sinneswahrnehmung und Fortbewegung bestimmte Leben der Tiere, auf der obersten Stufe das darüber hinaus durch Denken bestimmte Leben der Menschen.

Eine weitere historische Vorstellung besagte, dass Leben sich aus Unbelebtem immer wieder neu bilde, diese Theorie wurde als Spontanzeugung bezeichnet. Louis Pasteur und andere Naturwissenschaftler konnten dies experimentell widerlegen.

Die griechische Philosophie (siehe z. B. Platon und Aristoteles) unterscheidet begrifflich zwei Aspekte von Leben, die in der mittelalterlichen Philosophie beide unter den Begriff vita gefasst werden: ζωή (zoḗ) und βίος (bíos). Ζωή meint Beseeltheit, die Tieren und Menschen als psycho-physische Natur gemeinsam ist, βίος hingegen die Lebensweise des durch eine Vernunftseele ausgezeichneten Menschen.[8]

Neuere Zeit

In der neueren Zeit entwickeln sich zwei gegensätzliche Grundauffassungen:

  • Mechanizismus: Leben lässt sich allein aus den Gesetzmäßigkeiten der Bewegung der Materie vollständig erklären (siehe auch: Materialismus und Physikalismus).
  • Vitalismus: Leben kommt nur den „organischen Erscheinungsformen“ (dem Organischen) zu und unterscheidet sich qualitativ von „anorganischen Erscheinungsformen“ (dem Anorganischen): Alles Lebendige zeichnet sich durch eine zielgerichtet formende Lebenskraft (vis vitalis) aus (siehe auch: Idealismus). In Anlehnung an religiöse Vorstellungen wurde angenommen, dass es belebte und unbelebte Materie gebe.

Der Organizismus stellt eine Synthese beider Ansätze dar: Lebensvorgänge lassen sich zwar durch Prinzipien der Physik und Chemie erklären. Lebewesen würden aber auch Eigenschaften besitzen, die unbelebte Materie nicht aufweist. Dies wären emergente Eigenschaften,[9] die sich einerseits aus der Komplexität von Lebewesen, andererseits durch die besondere Rolle ihres genetischen Programms ergeben sollen.

Wilhelm Dilthey (1833–1911) formulierte in seinen späteren Schriften: „Leben ist nun die Grundtatsache, die den Ausgangspunkt der Philosophie bilden muss. Es ist das von innen Bekannte; es ist dasjenige, hinter welches nicht zurückgegangen werden kann.“

Karl Popper (1902–1994) formulierte: „Ich glaube, wir könnten das Leben nicht wirklich schätzen, wenn es immer weitergehen würde. Gerade die Tatsache …, dass es endlich und begrenzt ist, …erhöht den Wert des Lebens und damit sogar den Wert des Todes…“[10]

Nach Ernst Mayr (1904–2005) ist der Begriff „Leben“ nur der zum Ding gemachte Vorgang und existiert nicht als selbstständige Entität.

Ferdinand Fellmann (* 1939) betonte, Leben fungiere als absolute Metapher, die den biologischen Zugang mit dem subjektiven Standpunkt verbindet.

Für Günther Witzany ist Leben maßgeblich durch Kommunikation zu definieren. Bei jeglicher Koordination von Zellen, Geweben, Organen und ganzen Organismen sind zeichenvermittelte Interaktionen festzustellen. Selbst die Regulation der Gene durch RNAs und sesshafte Viren folgt diesem Prinzip. Gelingen diese Kommunikationsprozesse ist eine gedeihliche Entwicklung von Organismen wahrscheinlich, misslingen sie, ist oft Krankheit die Folge.[11]

Religion

→ Hauptartikel: Religion

Fast alle Religionen, insbesondere die Weltreligionen, definieren zumindest zwei Wirklichkeiten des Lebens. Die irdisch-biologische Form, wie sie in den Naturwissenschaften beschrieben werden kann, und das ewige Leben. Im Letzteren sehen sie einen Zustand oder Ort, der unvergänglich sei, eine von Naturwissenschaften nicht erklärbare, auch von Materie zu unterscheidende Seinsform, die im göttlichen Wirken oder einer Schöpfung ihren Grund habe. Das irdische Leben (zumindest das menschliche) findet demnach in beiden Seinsformen gleichzeitig statt, in der sterblich irdischen und in der göttlich ewigen. Der göttliche Seinszustand im und außerhalb des Menschen, insbesondere ausgedrückt durch die häufig genannte Gottesliebe, kann naturwissenschaftlich nicht erklärt und verstanden werden, er wird meist als heilig bezeichnet.

In der jüdisch-christlichen Tradition ist Gott Schöpfer der unbelebten und belebten Natur und er ist Ursprung des heiligen Lebens (zumindest im Menschen). Somit ist er Grund für das ewige Leben und „Herrscher“ über das sterbliche Leben und den Tod. Dem Menschen habe er geboten, zu lieben und keine Entscheidungen zu treffen, die der Gottesliebe widersprechen, so auch nicht über den Tod; dies komme einem willentlichen Eingriff auf das Leben und Wirken Gottes im Menschen gleich. (Siehe auch Ex 20,13 „Du sollst nicht töten“).

Im christlichen Glauben kommt dem ewigen Leben durch die Auferstehung Jesu Christi eine besondere Bedeutung zu. Jesus bezeichnete sich selbst als Quell des ewigen Lebens (Joh 4,14), in einem Gleichnis als das „…Brot des Lebens, wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Joh 6,35). Zugleich verkündete er seine „Göttlichkeit“ (in ihm) und den Glauben daran als Zugang zum ewigen Leben (Joh 14,6). Das aus christlicher Sicht „unvollkommene“ irdische Leben sei nur die Vorstufe auf ein ewiges Lebens in verherrlichter Gestalt, in Abwesenheit der zu Staub gewordenen Natur und ihrer „Produkte“ (zum Beispiel Schmerz, Leid, Tod und Trauer).

Im Islam gibt es sechs Glaubensartikel, darunter der Glaube an den Tag des Jüngsten Gerichts und das Leben nach dem Tod: Der Mensch werde eines Tages für seine Taten zur Verantwortung gezogen und mit dem Höllen­feuer (DschahannamKoran: 67:7) bestraft oder mit dem Paradies (Dschanna, Koran: 13:35) belohnt.

Wie in diesen Religionen existiert auch in vielen anderen Religionen die Vorstellung eines ewigen Lebens oder eines Weiterlebens nach dem Tod.

Künstliches Leben

→ Hauptartikel: Künstliches Leben

Unter künstlichem Leben werden die Herstellung eines bekannten Lebewesens im Labor sowie die Herstellung neuer, auch nicht organischer Lebensformen aus nicht-lebenden Ausgangselementen verstanden. Die züchterische oder gentechnische Veränderung von Lebewesen stellt also keine Herstellung von künstlichem Leben dar.

Idee und Herstellungsanweisungen für künstliches Leben sind Jahrtausende alt. Sie beruhen auf tradierten religionsübergreifenden Überzeugungen, dass zumindest einfache Lebensformen spontan entstehen können. Ethisch-religiöse Einwände gab es nicht. Das 20. Jahrhundert war durch eine Vielzahl von Ankündigungen geprägt, künstliches Leben sei im Labor geschaffen worden oder man stünde kurz davor.[12] 2010 gaben Forscher um Craig Venter die Herstellung des künstlichen Bakteriums Mycoplasma mycoides JCVI-syn1.0 bekannt. Zuvor hatten sie erfolgreich das 1,08 Millionen Basenpaare umfassende Erbgut eines Laborstammes von Mycoplasma mycoides aus chemischem Rohmaterial synthetisiert und in ein zuvor von der DNA befreites Bakterium von Mycoplasma capricolum übertragen.[13][14] Damit haben sie aber nicht Leben künstlich erschaffen, sondern ein natürlich entstandenes Lebewesen darin verändert, dass seine genetische Information zu einem großen Teil künstlich ist.

Fiktionale, d. h. belletristische und filmische Darstellungen künstlicher Lebewesen mit einer künstlichen Intelligenz findet man unter anderem in Werken wie Ich, der RobotGhost in the Shell2001: Odyssee im WeltraumRaumschiff Enterprise: Das nächste JahrhundertTräumen Androiden von elektrischen Schafen? (bekannter als Blade Runner), Battlestar Galactica und Mass Effect.

Leben

Leben wird im normalen menschlichen Bewusstsein als eine Ansammlung von Ereignissen betrachtet, die sich aneinanderreihen. Das Leben beinhaltet auch Beziehungen zu anderen Menschen oder TierenFamilieFreundePartnerKinderPferdeHundeKatzenMäuseHasen u.a. Die Beziehungen sind sehr stark geprägt durch Emotionen und Gedanken. Wenn wir über das normale menschliche Bewusstsein hinausgehen und an Reinkarnation glauben, dann können wir auch davon ausgehen, dass das Leben aus Verabredungen besteht, die auf einer anderen Ebene getroffen worden sind oder sich aus einem früheren Leben ergeben.

Schneeglöckchen stehen für neues Leben im Frühling. Leben erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Alles, was bisher gesagt wurde, stellt nur einen Bezug zu matriellen Dingen her und sieht Leben nur in Bezug zu Formen wie menschliche Wesen, Emotionen oder Gedanken usw. Was ist mit dem nichtmateriellen Leben? Existiert so etwas wie ein Leben ohne Materie? Könnte das eventuell ein Leben sein, das dem „wahren“ Leben mehr entspricht? Swami Sivananda, Swami ChidanandaSwami Brahmananda, Sri N. Ananthanarayanan geben Antworten auf diese Fragen.

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Swami Sivananda über das Leben

Auszug aus dem Buch „Die Botschaft“

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„Das Ziel des Lebens ist, Not und Elend zu überwinden und ewige Seligkeit zu erlangen. In diese Welt geboren zu werden, ist untrennbar mit Elend verbundenen. Willst du Elend, Not und Sorge überwinden, so musst du verhindern, wiedergeboren zu werden. Kenntnis des Brahman (des Absoluten) ist eine wesentliche Bedingung für göttliche Vervollkommnung.

Göttliche Vervollkommnung des menschlichen Wesens ist das Endziel der Menschheit. Man muss integrale Vollkommenheit erreichen. Dich selbst gegenüber dem Göttlichen zu öffnen, ist eine wesentliche Bedingung für göttliche Vervollkommnung. Wirkliches Leben ist nichts anderes als Gott, weil nichts außer Gott existiert, und Gott Liebe ist. Der Mensch ist ständig auf der Suche nach der unendlichen Glückseligkeit und der vollkommenen Überwindung von Elend und Not.

Wenn er kein Glück im Leben hat, so wendet er seinen Geist zu Gott, dem Ozean der ewigen Glückseligkeit. Gibt es keine Flucht aus diesem endlosen Kreislauf von Leben und TodLust und Schmerz, [Freude] und Sorge? Es gibt einen sicheren Weg! Wende dich Gott zu, er kann deine Befreiung bewirken. Alle Menschen stimmen darin überein, dass das einzige Ziel eines jeden die Sicherung seines Glückes ist.

Wirkliches bleibendes Glück kann man nur in seinem eigenen Atman, der unsterblichen Seele, finden und nicht in äußeren vergänglichen Dingen. Schwinge dich allezeit hoch empor in die Gebiete der Erforschung des Göttlichen und der höheren geistigen Erkenntnis und verwirkliche das gottnahe Leben, die Liebe und die Freude: Das ist das wahre Ziel des Lebens.“

Was ist Leben?

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Was ist Leben, liebe Brüder? Ist es nichts anderes als AtmungVerdauung, Ausscheidung, Verwandlung, nichts anderes als die aufbauenden oder zerstörenden Veränderungen, die im physischen Organismus, im menschlichen Körper oder im Haushalt der Natur vor sich gehen? Ist es nur Denken, Planen oder Überlegen, um Geld, Namen, Ruhm zu erwerben? Ist es der Zeugungsvorgang, um die Generationen fortzuführen, oder ist es die Zusammenfassung aller dieser Vorgänge? Vielleicht auch die Bewegung des Protoplasmas im einzelligen Organismus, in der Amöbe mit ihrem einzigen Zellkern? Wissenschaftler und Biologen haben eine sehr unterschiedliche Vorstellung vom Leben. Philosophen wie Shankara wieder eine andere.

Es gibt zweierlei Leben: einmal das Leben in der Materie, zum anderen das Leben in Atman, dem Geist oder reinen Bewusstsein. Nach Ansicht der Biologen und Physiologen besteht das Leben aus DenkenFühlenWissenWollen, aus Verdauung, Ausscheidung, aus Kreislauf und Atmung. Dieses Leben aber ist nicht von ewigem Bestand. Es ist verbunden mit Gefahren, mit SchmerzAngstKummerUnruheSorgen und Erschöpfung, mit SündeGeburt und Tod und mit dem sie begleitenden Gefolge an Übeln wie AlterKrankheit und so fort.

Darum haben Weise und Seher, RishisPropheten und Heilige, die durch die Zucht des Denkens und Schulung der Organe, durch ein Leben der Selbstverleugnung, des Opfers, der Selbstüberwindung ihr inneres Selbst verwirklicht haben, mit Nachdruck und ohne den geringsten Zweifel erklärt, dass allein ein Leben in Atman oder dem reinen Geist immerwährenden Frieden, unendliche Seligkeit, höchste Freude, nie endende Zufriendenheit und Unsterblichkeit bringen kann.

Sie haben Vorschriften für verschiedene Wege gegeben, die – entsprechend den TemperamentenFähigkeiten und Neigungen der Einzelnen – zur Selbstverwirklichung führen. Wer unbedingtes Vertrauen in diese Lehren, in die Veden und in die Worte des Gurus, des geistigen Führers, legt, geht furchtlos auf dem Weg zur Geistigkeit oder Wahrheit voran und erlangt FreiheitVollendung, Heil.

Sie kommen nach ihrem Tod nicht wieder auf die Welt zurück, sondern bleiben im Sein – Bewusstsein – Glückseligkeit, im Sat Chit Ananda. Dies ist das Ziel des menschlichen Seins, die größte Aufgabe, der Sinn des Lebens. Es ist das endgültige Auslöschen, das verschiedene Namen hat wie: NirvanaParama GatiParam DhamaBrahma SthitiSelbstverwirklichung ist die höchste Pflicht des Menschen.

Dies aber bedeutet nicht, dass wir das Leben auf der physischen Ebene der Materie leugnen sollten. Materie ist Ausdruck Gottes (Brahman), sein eigenes Spiel – LilaMaterie und Geist sind unzertrennlich wie Hitze und Feuer, Kälte und Eis; Blume und Duft, Shakti und Shakta sind eins, Brahman und Maya sind eins und nicht voneinander zu trennen. Ein Leben auf der physischen Ebene ist die vorbestimmte Vorbereitung für das ewige Leben in Brahman.

Die Welt ist der beste Lehrmeister des Menschen, die fünf Elemente sind seine Gurus. Die Natur ist die mütterlich Führende. Prakriti ist der schweigende Meister. Die Welt ist die beste Übungsstätte für die Entwicklung verschiedenartiger göttlicher Tugenden wie BarmherzigkeitVergebungToleranz, allumfassende Liebe, Freigiebigkeit, WürdeMutGroßzügigkeitGeduldWillensstärke und so fort. Die Welt ist der Kampfplatz gegen die diabolische Natur, damit die innere Göttlichkeit in Erscheinung treten kann.

Die Lehren der Gita und von Yoga Vasishtha ist die Selbstverwirklichung in der Welt. Lebe in der Welt und stehe außerhalb von ihr, halte dich wie das Wasser auf dem Lotusblatt. Gib die niederen Impulse der Natur, SelbstsuchtLustÄrgerBegierdeHass und Eifersucht auf. Behaupte die göttliche Natur, führe ein Leben der Entsagung und Selbstaufopferung.

Wissenschaft und Religion, Politik und Religion sind nicht voneinander zu trennen. Sie gehen Hand in Hand. Die Politik bereitet den Boden für die Aufnahme des geistigen Samens. Wenn es keine Freiheit und keinen Frieden im Land gibt, wie kann dann geistiger Samen in den Boden gesenkt werden? Wie können geistige Lehrer ihr Wissen den Erdenkindern übermitteln, wie können Propheten subtile philosophische Weisheiten dem Bewusstsein der Menschen nahebringen, wenn Chaos im Land herrscht, wenn die Menschen in ihrem Denken verwirrt sind und nicht genug Essen, Kleidung und Lebensnotwendigkeit haben?

Der Mensch kann die Lehre der Weisen nur aufnehmen, wenn er ohne Sorgen und Ängste ist und wenn alles für einen geistigen Weg vorbereitet ist. Früher hatten die Rishis in ihren Ashrams eigene Kühe und ernteten Lebensmittel und konnten dadurch geistige Schulung üben. Ohne diese Lebensmittel ist es heute schwer, ein Leben der Entsagung zu führen und die Sannyasins müssen Geld für ihren Unterhalt aufbringen.

Die meisten Rajas und Grundbesitzer in Indien sind Materialisten und bemühen sich nicht um geistige Weisheit. Sie sind in Weltlichkeit versunken und werden einmal schwere Buße vor Gott leisten müssen. Sie können dem unergründbar und unwandelbaren Gesetz Gottes nicht entrinnen. Eine unversiegbare Quelle göttlichen Lebens liegt in einem Ashram für Brahmacharins,Vanaprasthas und Sannyasins und wird ein Segen für jeden Staat und die ganze Welt sein. Dies ist unbedingt notwendig für unsere Zeit im Gegensatz zu den Höhenkurorten oder Bädern und Quellen, die nur Geld kosten, Zeit und Energie verbrauchen, aber nicht wirklichen Segen und Frieden bringen können.

Die Menschen sollen ihre Augen schließen, ihre Sinne und ihr Denken vom Außen abziehen und sich tief in die inneren, nie versiegenden Quellen Atmans, des Göttlichen, versenken. Hier ist ewige Glückseligkeit und höchste Zufriedenheit.

Warum gibt es heute so viele Sannyasins? Weil die Hausväter ihre Aufgaben nicht in rechter Weise nach den Lehren der Shastras oder des „Gesetzes von Manu“ erfüllen. Man muss nicht unbedingt ein Leben als Mönch oder in einer Höhle oder in der Zurückgezogenheit des Himalaya führen, wenn man als Hausvater die Regeln befolgt, die in den Schriften niedergelegt sind.

In ihrer jetzigen Lebensführung aber liegen viele Fehler. Sie sprechen nicht die Wahrheit, sie verletzen die Gefühle anderer, sind gierig, unehrlich, leidenschaftlich und materialistisch. Aus diesem Grund entwickeln sie sich nicht zum Geistigen. Sie haben keine moralische Schulung, essen, trinken und leben nur für das Vergnügen. Sie sind Nachfolger der epikuräischen Philosophie.

Copyright Divine Life Society

Das Ziel des Lebens

Artikel von Swami Sivananda

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Das Leben eines Menschen ist ein Anzeichen dafür, was außerhalb von ihm ist und was den Verlauf seiner GedankenGefühle und Handlungen bestimmt. Das größere Leben ist unsichtbar und das sichtbare ist ein vom unsichtbaren geworferner Schatten und das eigentlich wirkliche. Der Schatten gibt eine Vorstellung vom Inhalt und man kann durch das Wahrnehmen des Schattens den Pfad zum wirklichen Inhalt einschlagen. Die menschlische Existenz zeigt durch ihre Einschränkungen, Bedürfnisse und verschiedenen Formen der Ruhelosigkeit, Unzufriedenheit und Kummer auf ein höheres, ersehntes Ende, so unbegreiflich dieses Ende auch sein mag.

Da das Leben auf dieser Erde durch einen unablässigen Wandel gekennzeichnet ist und nichts die Eigenschaft der Wirklichkeit zu haben scheint, kann nichts hier die Menschen vollständig befriedigen. Die Bhagavad Gita beschreibt dies als anityam, asukham, duhkhalayam, ashashvata, „unbeständig, unglücklich, die Heimat von Kummer, flüchtig“. Die Weisen von einst bestimmten mit unmittelbarem Verstehen, dass die Wahrheit Eins ist und dass das Ziel des menschlichen Lebens die Verwirklichung und Erfahrung dieser Wahrheit ist.

Das Universum ist unbeständig und es ist nur ein Experimentierfeld für die Individuen, auf dem sie sich in Richtung der Erfahrung der Höchsten Wahrheit entwickeln können. Es ist die Ehre der Menschen von Bharatvarsha, dass für sie das sichtbare Universum nicht das wirkliche, das unsichtbare Ewige, aber alleine das wirkliche ist. Sie haben keinerlei Glauben an dem, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen. Sie haben nur Glauben an das, was die Basis aller Erfahrung ist, über den Sinne, sogar über dem individuellen Verstand hinaus.

Aufrichtige Sucher suchten Schutz unter großen Weisen, die die heilige Himalaya-Region durch ihre machtvolle Gegenwart reinigten und das strenge Leben von Yogis lebten, um Freiheit von den Fesseln des erdgebundenen Lebens und Ruhe in der Glückseligkeit des Absoluten, Brahman, zu erlangen. Das sahen sie als das wahre Leben an und daher der Weg, das Gesetz des Ewigen zu erfüllen.

Der große Gesetzgeber Manu, versicherte nach dem Beschreiben der verschiedenen Grundsätze von Dharma schließlich: „Von all diesen Dharmas, ist das Wissen vom Selbst das höchste. Es ist wahrlich die führende aller Wissenschaften. Durch es und mit ihm erreicht man Unsterblichkeit.“ Das Streben nach Dharma, Artha und Kama hat seine Bedeutung im Erreichen von Moksha, dem wichtigsten der Purushartas (das Ende menschlichen Lebens). Dharma ist der ethische und moralische Wert von Leben, Artha ist sein materieller Wert und Kama ist sein wesentlicher Wert. Aber Moksha ist der unendliche Wert der Existenz, der alle anderen mit einschließt und selbst größer als all die anderen ist. Die anderen existieren als Mittel oder Vorbereitungen für Moksha. Ohne Moksha haben sie keinen Wert und tragen keine Bedeutung. Ihr Wert ist bedingt durch das Gesetz des Unendlichen, was das selbe wie Moksha ist.

Die Veden und die Upanishaden sind das Ausgeatmete der Göttlichen Wesenheiten und sie geben eine gründliche Erläuterung zum sprituellen Leben. Sie sind Darstellungen der Wichtigkeit und der Bedeutung menschlichen Lebens und der Methode der Umwandlung des sterblichen Äußeren in Unsterbliche Essenz. Der Fall des grossen Nachiketas und die Geschichte seiner abenteuerlichen Suche nach Wahrheit, erzählt in den spannenden Kathopanishaden, ist ein Musterbeispiel für alle zu Denken und Reflektion fähigen Menschen.

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Nichts in der Welt des Empfindungsvermögens kann von echten Wert sein. Das ist, was Nachiketas durch seine unvergessliche Handlung der Entsagung lehrt. Nicht einmal das längste Leben und der unermesslichste Wohlstand, die ihm angeboten wurden, konnten ihn verlocken. Er hielt durch auf seiner Suche nach dem Höchsten und erreichte schlußendlich das Höchste. Nichts geringeres konnte ihn befriedigen. So sind die „Dhiras“ oder auch wahre Helden. Ein richtiger Held ist nicht der, der sich Geschossen entgegenstellt oder sein Leben in gefährlichen Versuchen riskiert, Schlachten kämpft, in Meere taucht und hohe Berge erklimmt, sondern der, der seine Sinne unterwirft und seinen Verstand bezwingt, die höchste Einheit des Lebens erkennt und der Dualitäten und Wünsche beseite schiebt. Das zu erreichen ist die Aufgabe des Menschen, das ist die unsterbliche Nachricht der Weisen der Upanishaden.

Das Durcheinander der Sinneserfahrung, in dem Menschen verfangen sind, ist äußerst verwirrend und es ist sehr schwer, sich selbst daraus zu befreien. Der Mensch wird durch die Vorstellung von der Realität als sogenannte externe Beziehungen zwischen Dingen verwirrt und geht daran zugrunde. Das Mahabharata sagt, dass der Kontakt zwischen Wesen in diesem Universum wie der Kontakt von Baumstämmen in einem fließenden Fluss ist: vorübergehend. Jedoch ist die Anhaftung an Sinnesempfindungen so stark, daß Phantome irrtümlich für Fakten gehalten werden, das Unreine für das Reine, das Schmerzliche für das Freudige und das Nicht-Selbst für das Selbst.

Die Botschaft der alten Weisen ist, dass das Leben in der Sinneswelt trügerisch ist, weil es die Existenz, die allem zugrunde liegt, verbirgt und einem vormacht, daß die bestimmte Darstellung von Formen vor den Sinnen allein wahr sei. „Kinder laufen äusserlichem Vergnügen nach und fallen in das Netz des weit ausgebreiteten Todes. Die Helden jedoch, des Unsterblichen bewußt, suchen nicht das Unendliche unter den unbeständigen Dingen hier.“, sagen die Upanishaden. Der Aufruf der alten Weisen an die Menschen ist: „Oh Sohn des Unsterblichen! Werde Dir selbst als das Unendliche bewußt, werde das Alles. Das ist der höchste Segen. Das ist die höchste Glückseligkeit.“ Dies ist die unsterbliche Botschaft an die Menschen.

Die Weisen haben immer wieder betont: „Wenn jemand Es (d.h. das Unsterbliche Sein) hier kennt, dann ist das das wirkliche Ende alles Strebens. Wenn es jemand hier nicht kennt, ist der Verlust groß für ihn.“ (Kena-Upanishade). Und der Weise Yajnavalkya sagt, dass alle großen Handlungen dieser Welt, die ohne das Wissen des einen Unvergänglichen Wesens gemacht wurden, nichts wert sind.

Humanitäre DiensteFasten und Nächstenliebe, jemandes politisches, nationales, soziales und individuelles Leben sollten alle auf dem Gefühl der universellen Gemeinsamkeit, die der äussere Ausdruck der Realität von universelle Individualität ist, aufbauen.

Wenn diese Bedingungen, von den Rishis entdeckt und niedergeschrieben, also durch das Gesetz des Göttlichen festgehalten, erfüllt sind, kann die Menschheit auf Frieden hoffen. Frieden bekommt man nur in dem Ausmaß, wie man das System des Göttlichen in seinem Leben beachtet. Und dieser Frieden ist umgekehrt proportional zur körperlichen Liebe, Individualität und seiner Beziehungen in die Welt, die generell von Menschlichkeit durchdrungen ist. Ein „Erwachen“ zu einem höheren Bewusstsein ist notwendig, damit diese Unordnung und Unzufriedenheit beseitigt werden können.

Das Lehren von Menschlichkeit in die richtige Richtung ist die Voraussetzung des Weltfriedens. Materialismus, Atheismus, Skeptizismus und Agnostizismus, die heutzutage weitverbreitet sind und die den Menschen die Ehrfurcht vor dem Höchsten Absoluten gestohlen haben, sind hauptverantwortlich für die Eigensucht, Begierde, Verwirrheit, Gewalt und Hetze von Seelen, die in dieser Welt brodeln. Die Menschen müssen lernen, dass es hinter dem Auftritt von Materialiät, Eigenständigkeit, Äusserlichkeit, Zweifel und Unbeständigkeit die Wirklichkeit von SpiritualitätEinheit und Unendlichkeit, Gewissheit gibt.

Ohne das Anerkennen dieser Wirklichkeit verliert Leben Leben und wird zur Leere, frei von Sinn und Zweck, tot sozusagen. Im Göttlichen zu leben heißt, in der Begrenztheit der Sinneswelt zu sterben und in letzterer begrenzt zu sein, heißt „sich selbst zu zerstören“ (in den Worten der Ishavasyopanishade). Der momentane Trend zu leben, muss gründlich überprüft werden und in ihm eine Re-Orientierung hin zu MoralEthik und Spriritualität erreicht werden. Der notwendige Wechsel geschieht nicht nur in der äußerlichen Form, sondern auch im Blickwinkel und dem inneren Aufbau des Lebenssystems.

Dies kann erreicht werden, wenn die Ideale der Menschheit auf den Wahrheiten der Spiritualität vom Einssein, gehoben über blinden Glauben, Unterschieden und Materialität, basieren. Wenn dies erreicht ist, hätte die Menschheit ihre größte Aufgabe hier erfüllt. Für den in der wasserlosen Wüste der Weltlichkeit verbrannten Menschen liegt die einzige Hoffnung in den kühlen Wassern des Ganges von Weisheit, der aus den Höhen der Himalaya-Gipfel fließt, wie es die Weisen aus den Upanishaden beschreiben. Trinke aus dieser beständigen Quelle und erneuere dich selbst.

Originaltext

Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Leben

Schütze die Natur und die Natur schützt dich

– Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2018 –

Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Leben. Ist eine der Lebensweisheiten, eines der SprichwörterSprüche. Aber was heißt das, stimmt das überhaupt? Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Leben.

Es ist etwas pointiert ausgedrückt, was heißt jetzt Leben. Natürlich kannst du sagen, Leben heißt lebendig sein. Leben heißt auch das Gefühl etwas zu bewirken, Leben heißt auch das Gefühl zu haben für irgendwas wichtig zu sein. Lebendig fühlst du dich, wenn du irgendwo auch Träumen kannst, etwas umsetzen kannst.

Natürlich gibt es auch Menschen, die träumen wenig und leben ihr Leben. Sie tun, was sie zu tun haben, sie genießen die kleinen Freuden des Lebens, sie sind mehr Realisten. Leben die nicht? Sie leben auch ihr Leben. Deshalb ich meine jetzt nicht, dass dieses Sprichwort so ganz zutrifft.

Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Leben. Nicht alle Menschen träumen. Helmut Schmidt hat einmal gesagt, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. Das ist jetzt natürlich etwas übertrieben, aber so gibt es manche Realisten und Pragmatiker, die machen was zu tun ist und setzen sich dafür ein, was jetzt möglich ist. Sie machen das möglich machbare und halten nichts von großen Träumen. Es braucht auch diese Pragmatiker, aber es braucht auch die großen Träumer. So wie es zur Zeit der Aufklärung die Träumer gab, die gedacht haben, es sei eine Welt möglich, wo es keine Kriege gebe. Es ist eine Welt möglich, wo alle Menschen unabhängig von Nation, Kultur, Hautfarbe, Geschlecht, sozialer Herkunft Menschenrechte haben und sich entfalten können.

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es diesen Traum, dass es in Europa keine Kriege mehr gibt und dass Konflikte gewaltlos gelöst werden können. Also haben Träumer sehr wohl vieles bewirkt. Deshalb ist es gut, dass es die Pragmatiker gibt und es ist gut, dass es die Träumer gibt. Ich würde durchaus sagen, wer Träume hat, hat den Mut zu kämpfen und die Kraft zu kämpfen und sich einzusetzen. Aber wir sollten den Pragmatikern auch nicht vorenthalten, dass sie auch leben.

Ich selbst bin auch oft ein Träumer, ich träume davon, dass ein goldenes Zeitalter ausbricht. Ich träume davon, dass Krieg auf dieser Welt nicht mehr existiert und ich träume davon, dass Hunger in dieser Welt verschwindet. Und ich träume davon, dass Menschen mitfühlend miteinander umgehen. Ich träume davon, dass die Angehörigen von den vielen Religionen sich achten und wertschätzen und auch diejenigen, die keiner Religion angehören. Und ich träume auch davon, dass Menschen auf der ganzen Welt Yoga üben und sich miteinander verbinden. Das gibt mir durchaus die Kraft, mich einzusetzen. Obgleich der Traum manchmal etwas weiter weg erscheint, aber im Kleinen gibt es andere Träume, die ich auch habe. Und manches davon kann sich umsetzen lassen.

Wer Träume hat fühlt sich lebendig. Wer Träume hat, hat vielleicht die Kraft, etwas umzusetzen. Aber natürlich reicht es nicht nur aus in einer Parallelwelt zu träumen. Es gilt auch, sich einzusetzen und etwas zu tun. Manche sagen auch, Menschen die zu verträumt sind, die leben nicht, sie leben in einer Parallelwelt. Es gilt zu träumen, Visionen zu haben und sich dann einzusetzen und etwas zu tun. Oder mindestens andere zu inspirieren etwas zu tun, nicht immer sind die Visionäre die, die einiges bewirken. Die meisten Philosophen der Aufklärung blieben nur Intellektuelle. Es blieb anderen vorbehalten, deren Träume umzusetzen.

Also Träume sind wichtig, aber die Menschen der Tat sind auch wichtig. Und manchmal sind die Träumer Menschen der Tat und manchmal braucht es auch die Modellierung durch die Realisten und Pragmatiker.

Video – Wer keinen Mut zum träumen hat, hat keine Kraft zum leben

Gedichte über das Leben

Auszüge aus dem Buch „Samadhi Yoga“ von Swami Sivananda

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Was ist das Leben?

Das Leben ist ein Kampf, kämpfe ihn.Das Leben ist ein Lied, singe es.Das Leben ist ein Weg, geh ihn bis zum Ende.Das Leben ist eine Reise, vollende sie.Das Leben ist ein Geheimnis, lüfte es.Das Leben ist eine Chance, nutze sie.Das Leben ist ein Traum, mache ihn wahr.Das Leben ist ein Garten, pflanze darin die Blume der Meditation.

Lebe dieses unendliche Leben

Dein Leben ist kurz.Es währt nur einen Tag oder zweiEs zieht wie ein Blitz vorbeiDeine Hoffnung ist eitelDiese Welt ist wie eine SchenkeSie ist wie eine PilgerherbergeSie ist ein JammertalWandere hier nicht länger herumGeh zurück in deine ursprüngliche HeimatDen unsterblichen Ort der ewigen WonneMeditiere, meditiere, meditiereLebe dieses ewige LebenLebe dieses glorreiche Leben, oh Ram!

Code des göttlichen Lebens

Göttliche Gedanken für den KopfKonzentration für den GeistMitgefühl für das HerzMeditation für die SeeleSelbstlosen Dienst für die MenschheitAll das wird dir helfenEwige Wonne und Unsterblichkeit zu erlangen.

Copyright Divine Life Society

Alles Leben ist Eins – von Swami Chidananda

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Es war einmal ein Sufi Mystiker, der im Zustand des kosmischen Bewusstseins verankert war. Er war ein Gärtner. Eines Tages kam ihn ein Freund besuchen. Durch die Unterhaltung, die sie führten, war er abgelenkt, und so schnitt er sich mit seinem scharfen Gärtnermesser ins Bein. Sein Freund war sehr erschrocken, denn aus der Wunde am Bein quoll kein rotes Blut, sondern eine dünne Flüssigkeit. Es war Pflanzensaft! Dieser Sufi lebte in absoluter Übereinstimmung und Harmonie mit allem Lebendigen. Er war eins mit den Pflanzen. Er war in ihr reines Bewusstsein eingedrungen. Sein Leben und das Leben der Pflanzen war völlig eins geworden.

Viele andere Geschichten könnten von Mystikern erzählt werden, die diesen Zustand des absoluten Bewusstseins mit allem erreicht hatten. Eines Tages saß eines dieser überirdischen Geschöpfe in diesem Zustand im Hof eines großes Tempels, der am Ufer eines Flusses stand. Ein Fährboot trug Menschen über den Fluss. Beim Aussteigen beanstandete ein Passagier beim Fährmann den Preis für die Überfahrt. Zuerst gab es eine Diskussion. Dann hitzige Worte. Dann einen heftigen Streit. Plötzlich holte der Passagier aus und schlug den Fährmann. Und der Mystiker, der in der Nähe saß, war derart empfindsam, dass der Schlag, der den Fährmann traf, ihn ohnmächtig zusammenbrechen ließ. Es war, als ob der Passagier auch ihn geschlagen hätte.

Es gibt noch ein anderes Gedicht, in dem der Dichter sagt: „Eine Berührung der Natur verwandelt das ganze Leben.“ Der Dichter bezieht sich hier auf die ursprüngliche Natur, in der alle Formen des Lebens mit dem Einen in Beziehung stehen. Vedanta verkündet das Einssein von allem, das existiert. Vedanta legt dar, das ein göttliches Prinzip in allen Dingen waltet. Der erste Vers der ersten Upanishade sagt: „Was immer existiert, ist durchdrungen von dem einen, großen kosmischen Sein. Dieses Sein durchdringt, erfüllt und sättigt alle Dinge im Universum.“ Sogar die moderne Wissenschaft bestätigt nun diese große Wahrheit. Hinter all der Verschiedenheit, hinter all dieser Mannigfaltigkeit, gibt es etwas Gemeinsames in allem Leben. Wenn du dieses berühren kannst, erfährst du Kosmisches Bewusstsein.

Die Vedanta-Methode ist deduktiv; die wissenschaftliche Methode ist induktiv. Vedanta beginnt mit der Einheit und kommt dann zur Vielheit. Inzwischen scheint es fast, als ob die moderne Wissenschaft, insbesondere die moderne Physik, eine Theorie verkündet, die beinahe wortwörtlich die zentralen Thesen der uralten Sakta Philosophie-Schule aus Indien bestätigt und untermauert.

Die Sakta-Schule stellt folgende These auf: universelle Energie oder kosmische Kraft ist der entscheidende Faktor, der existiert. Sagt die Wissenschaft heute nicht fast genau dasg Gleiche? Aber die Wissenschaft beschreibt nicht, ob diese Kraft bewusst und intelligent ist oder nicht. Dagegen ist die Sakta Philosophie in diesem Punkt sehr präzise. Die Sakta Philosophie sagt aus, dass Energie oder Kraft die wahre Natur von reinem Bewusstsein ist. Moderne Wissenschaftler sind in diesem Punkt zurückhaltend und unverbindlich. Alles ist das Ergebnis von Kraft. Das geben sie zu. Kraft ist Bewusstsein. Dieses akzeptieren sie überhaupt nicht. Denn wenn Kraft Bewusstsein ist, dann ist die Schlussfolgerung klar. Es muss irgend eine gewaltige Intelligenz geben, die die Bewegung des Kosmos steuert.

Die ganze Idee ist so inakzeptabel für die meisten Wissenschaftler, so wenig schmeichelhaft für ihr Ego, dass sie sich weigern, sie zu akzeptieren. Nur für wenige, nur für jene, die demütig und bescheiden sind, ist die Idee glaubwürdig. Die Philosophieschule des Sakta behauptet schlicht und einfach, dass der Mensch sich Licht von einer anderen Quelle der Intelligenz borgt. Ohne dieses Licht wäre der Geist leblos, denn genau dieses Licht erleuchtet den Geist und ermöglicht sein Funktionieren. Der Mensch bezieht es vom reinen Bewusstsein. Hinter dem menschlichen Geist liegt daher das reine Bewusstsein. Und nur das reine Bewusstsein ist wirklich.

Der Verstand ist bewusst, wenn man sich im Wachzustand befindet, halbbewusst, wenn man träumt und unbewusst, wenn man im Tiefschlaf ist. Diese Bewusstheit ist nicht beständig. Wenn du morgens aufwachst, geht sie sozusagen auf, und wenn du abends schlafen gehst, geht sie unter. Diese Bewusstheit ist deshalb flüchtig und vorübergehend, nicht beständig und auch nicht wirklich. Wenn sie wirklich wäre, würde sie nie unterbrochen werden. Das Bewusstsein von „ich bin“ jedoch ist immer da, sogar im Zustand des Tiefschlafes.

„Ich habe gut geschlafen“, sagt man morgens beim Aufwachen. So ist also dieses Bewusstsein beständig. Du bestätigst das Vorhandensein des „Ich“ ständig: wachend, träumend und schlafend. Das „Ich“-Prinzip ist die Grundlage, auf der sich die drei anderen Zustände des Bewusstseins stützen. Alle fühlenden Wesen haben dieses „Ich“-Prinzip gemein. Es ist ein unerklärlicher, geheimnisvoller Faktor, der das Leben in eine große kosmische Einheit einbindet. Denke darüber nach. Denn letztendlich musst du alles darüber wissen.

MYOB – Mind Your Own Business

„Die Welt wäre so viel besser, und die Menschen würden so unendlich viel glücklicher sein, wenn jeder einzelne nur etwas ganz Einfaches täte,“ sagte einmal eine alte Wahrheitssuchende zu mir. „Was ist es denn, Tabby?“, fragte ich. „Jeder soll in riesengroßen Buchstaben MYOB in die Luft schreiben!“, antwortete sie und fügte hinzu: „Wenn jedermann sich um seinen eigenen Kram kümmern würde (engl.: Mind Your Own Business), dann wäre es auf der Welt wirklich in Ordnung.“

Atman – unser wahres Selbst

Ich fand noch eine andere Bedeutung in ihrer kleinen Predigt. Weißt du, was „own“ auf Sanskrit heißt? Das Sanskritwort dafür ist Atman. Atman ist dein innerstes Selbst. Dich um deinen eigenen Kram kümmern heißt, dass du dich um dein eigenes Selbst kümmerst. Nun ist aber leider die Beschäftigung mit dem Selbst das einzige, was wir nicht tun. Wir kümmern uns stattdessen um die Angelegenheiten der anderen. Deshalb erkennen wir unser Selbst nicht. Dieser Atman, dieses Selbst, sollte ein Anliegen von großer Wichtigkeit in unserem Leben sein, wir sollten darüber nachdenken, uns besinnen, darüber meditieren, unser Lebensziel sollte sein, größtmögliche Erkenntnis darüber zu erlangen, denn Atman ist unser wahres Selbst.

Was sagt Buddha über das Leben?

Buddha hat so ziemlich genau dasgleiche in anderer Weise ausgedrückt. In seiner Abschiedspredigt an die Bhikkhus sagte er: „Ananada und all ihr Bhikkhus, hört das Tathagata. Vernachlässigt nicht euer höchstes Selbst. Seid immer sehr gewissenhaft in der Fürsorge für euch selbst. Das ist kein Egoismus. Das ist die Vernichtung des kleinen Selbst. Und wenn dieses belanglose, kleine Selbst untergegangen ist, was bleibt? Es gibt kein Wort, um das zu beschreiben. Jedenfalls nicht in einer Weise, die mit dem kleinen Selbst zu tun hat, denn dieses hat aufgehört zu sein.“

Leben – die Geschichte von Sindbad, dem Seefahrer

Erinnert ihr euch an die Geschichte von Sindbad, dem Seefahrer? Sindbad erlitt Schiffbruch und wurde vom Meer an den Strand einer Insel gespült. Als er dort aufwachte, war er allein. Aber eines Tages fand er einen alten Mann mit verkrüppelten Beinen am Strand liegen. Der Alte bat Sindbad, ihn aufzuheben. Aus Mitleid half er ihm auf und nahm ihn hoch auf seine Schultern.

Aber kaum hatte er das gemacht, wand der Alte beide Beine um Sindbads Hals und drückte fest zu. Dann trieb er Sindbad in die Verzweiflung: „Bring mich hierhin! Bring mich dorthin! Ich will dies! Ich will das!“ Und Sindbad wäre auch fast verzweifelt. Dann hatte er eine Idee. Er trug den Alten eines Tages zu leckeren Weintrauben. Der alte Mann stopfte sich voll mit Weintrauben, bekam eine Alkoholvergiftung, wurde ohnmächtig, so dass sich der Griff um Sindbads Hals lockerte. Und mit einem großen Stoß warf er ihn ab.

Genau wie Sindbad von dem Alten zur Verzweiflug getrieben wird, so werden wir alle zur Verzweiflung getrieben. Der Alte, der uns zur Verzweiflung treibt, ist unser Ego. Seit ewigen Zeiten hat es uns fest im Griff. Es ist hartnäckig. Unsere Unfreiheit kommt von dem kleinen „Ich“. Wir müssen es abschütteln, um frei zu sein. Das ist der einzige Weg.

Leben – hierzu eine Geschichte aus den Upanishaden

In der Kathopanishad gibt es einen Jungen, genannt Nachiketas, der fragt Yama, den großen Gott der Gerechtigkeit: „Wieso sind alle Wesen in dieser Welt so elend?“ Und Yama antwortete: „Du fragst nach der Kenntnis des unsterblichen Selbst. Frage nochmals, Nachiketas! Frage etwas anderes. Sogar die Götter sehnen sich nach diesem Wissen!“ Aber Nachiketas blieb hartnäckig. Und bald erkannte Yama die Ernsthaftigkeit seines Schülers und führte ihn in das Wissen um die Unsterblichkeit ein.

„Als der Schöpfer alle Wesen erschuf, gab er etwas Rajas in ihren Geist. Die Auswirkung von Rajas ist die nach außen strebende Tendenz des Geistes. Der Geist verliert sich inmitten der zahllosen Objekte des Universums. Die natürliche Konsequenz hieraus ist die Unzufriedenheit der Menschen. So lange der Geist nach außen strebt, kann man keinen Frieden, keine Ruhe und keine Glückseligkeit finden. Höchst selten dagegen, oh Nachiketas, ist der Eine, der den wahren, inneren Zustand des Geistes erkennt, seinen Drang nach außen stoppt, ihn nach innen zieht und auf den Atman lenkt. Er ist der wahre Held. Er ist der Eine, dem es gelingt, in direkte, innere Zwiesprache mit dem Atman zu kommen. Dann findet er FriedenRuhe und Glückseligkeit.“

„Sei bestrebt, oh Nachiketas! Halte Innenschau! Ziehe deinen Geist von veränderlichen, flüchtigen Erscheinungen ab. Leite ihn tief nach Innen. In der tiefe deines Selbst wohnt die Ewigkeit. Übe Unterscheidung. Du darfst den Sinnesobjekten nicht erlauben, deinen Geist nach außen zu ziehen, ihn wegzulocken vom richtigen Weg. Törichte Menschen, die nicht nachdenken, lassen sich leicht blenden und verführen. Sie verlassen den richtigen Weg und eilen zum Pfad des billigen Vergnügens. Nimm dich in acht! Der Pfad des Vergügens führt nicht zu Frieden. Er scheint anfangs sehr angenehm, aber seine Folgen sind sehr unangenehm und sehr schmerzhaft. Dieser angenehme Pfad ist deinem höchsten Wohlergehen nicht dienlich.“

Wer kennt den Unterschied zwischen dem guten, richtigen Pfad und dem bequemen Pfad? Wer wendet sich energisch ab vom Bequemen und wählt freiwillig in des Guten zu gehen? Das Gute wird irgendwann den Sieg davontragen. wer sich dem Guten zuwendet, dem wird sich Atman enthüllen. Sei entschlossen bemüht um deinen Atman. Dieser Atman gehört vollständig dir. Wach auf! Stehe auf! Gehe nicht wie jemand, der döst, sondern wie jemand, der hellwach ist, wie jemand, der unterscheiden kann.

Die Brücke des Lebens – „Mezas Vision“

Während meiner Schulzeit habe ich mal ein kleines Gedicht gelesen, ich glaube, es hieß „Mezas Vision“.

Meza geht mit seinem Lehrer auf den Gipfel eines Berges, von dort soll er ins Tal hinabschauen. Während er das üppige Grün betrachtet, die Schafe und Ziegen, die auf den Hängen grasen, sieht er, wie sich am Talboden plötzlich Nebel bildet. Dieser Nebel kriecht das Tal entlang und allmählich verschwindet die ganze Szenerie. Meza versucht, den Nebel zu durchdringen. Plötzlich ruft sein Meister: „Schau, schau!“ Und er sieht, aufgehängt in der Luft, einen kleinen Punkt klar und hell scheinen. Eine Brücke mit vielen Bögen erscheint darin, aber beide Enden sind in Nebel eingehüllt.

„Schau wieder, schau wieder!“, sagt der Meister. Und wie Meza wieder in den Nebel späht, sieht er deutlicher und näher, dass die Brücke nicht leer ist, sondern nur so wimmelt von Menschen. Einige tanzen, andere wiegen sich und singen. Einige rennen hinter leuchtenden Dingen, Blasen und Schmetterlingen her. Manche klammern sich krampfhaft an ihre Habe. Einige eilen schnellen Schrittes voran. Andere gehen ganz vorsichtig. Dann verschwinden einige Leute plötzlich. Meza schaut nochmal. Nur wenige erreichen die andere Seite. „Oh Meister, erkäre mir das!“, weint er.

„Dies ist die Brücke des Lebens, oh Meza. Alle diese Wesen versuchen, die andere Seite der Brücke zu erreichen. Aber wie du siehst, schaffen es nur wenige. Warum? Verborgen auf der Brücke gibt es so viele Falltüren. Sie öffnen sich nach unten, so dass die meisten Menschen ins Wasser stürzen und weggeschwemmt werden. Es gibt nur wenige, die wirklich die andere Seite erreichen wollen. Und von diesen sind nur wenige wachsam und vorsichtig genug, um die Fallgruben unterwegs zu meiden. Groß ist der Jubel auf der anderen Seite, wenn einer oder zwei es geschafft haben.“ Dann verblasst die Vision.

Merke Dir „Mezas Vision“. Sei achtsam. Richte deinen Blick immer auf das Ziel und vermeide die Fallen durch Unterscheidungskraft. Jage nicht dem einfachen Vergnügen hinterher. Strebe nach dem Guten, auch wenn es hart ist. Und dann: Mind your own business! Erfahre Atman. Und erreiche das Ziel des Lebens.

Du hast diese Ideen gehört. Nun denke über sie nach. Überlege. Und erlaube nicht, dass sie aus deinem Geist verschwinden. Versuche herauszufinden, in welcher Weise sie bedeutungsvoll für dein Leben sein können. Sind sie wesentlich? Indem du ihre Bedeutung erkennst, wirst du sie in Perlen von Weisheit verwandeln können. Schrittweise wird deine Weisheit wachsen und du wirst mehr und mehr die Wahrheit erkennen, die diese Ideen verkörpern. Und allmählich wird sich in dir das Gefühl entwickeln, dass alles Leben Eins ist.

Dies ist ein Artikel von Sri Swami Chidananda Offizielle Homepage von Swami Chidananda

Das Schiff des Lebens

Es gilt, das Schiff des Lebens geschickt zu steuern

Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 38, I/2019 von Dirk Gießelmann

  • Gut oder schlecht,
  • richtig oder falsch,
  • hilfreich oder hinderlich?

Im Regelfall scheint die Welt eine Welt der Polarität, eine Welt der Gegensätze zu sein. Dadurch zeichnet sie sich aus. Es gibt auch Abstufungen, Nuancen, Teil-Aspekte, Zwischenschritte. Neben heiß und kalt gibt es kühl und warm, zwischen gut und schlecht liegen weniger gut und besser; Tag und Nacht sind verbunden durch die Dämmerung. Jahreszeiten gibt es vier. Und an Monaten zählen wir zwölf. Also ist doch nicht alles schwarz und/oder weiß?

Feld der Veränderung

Das irdische Sein ist ein Feld der Veränderungen zwischen den Extremen. Der Mensch wird durch den Intellekt motiviert, die Geschehnisse und Prozesse seines Erlebens zu bewerten, einzuordnen und sie zu definieren. Genau hier liegt die Ursache eines fundamentalen Spannungsfeldes, das sich zum Beispiel auch in der Frage „Ist das Glas halb voll oder halb leer?“ wiederfinden lässt.

Wir können uns die Relativität des irdischen Seins immer wieder vor Augen führen, um uns von radikalen, starren Glaubensmustern zu lösen und in eingefahrenen Situationen offen für Lösungen zu sein, die uns der Verstand vordergründig nicht bietet. Hier sei der Einwurf erlaubt: Die Welt wird zum Dilemma, wenn man sie dazu macht. Eine Weisheit aus Indien besagt: „Nimm es als Vergnügen und es ist Vergnügen. Nimm es als Qual und es ist Qual.“

Das, was ich „die Welt“ nenne, ist lediglich eine Deutung, eine Interpretation. Mein inneres Verständnis erzeugt ein Bild, das als solches für mich als „Welt“ erscheint. Die Psyche, im Yoga-Vedanta auch Antahkarana, projiziert sozusagen (m)eine innere Deutung auf die äußeren Gegebenheiten. Wahrheit wird für das Individuum subjektiv erfahren. Ein chinesisches Sprichwort lautet daher: „Es gibt drei Wahrheiten: deine Wahrheit, meine Wahrheit und die Wahrheit.“

Leben ist Verbindung von Gegensätzen

Ein Baum ist ein Lebewesen. Als ein im Erdboden gekeimter Same strebt er sodann seiner Wesensnatur entsprechend hin zum Licht, während sein Wurzelwerk in die Tiefe wächst. Das Wachstum findet dahingehend statt, dass der Baum sich fest mit der Erde verbindet, sich gründet und dadurch Halt und Stabilität bekommt. Die inhärente LebenskraftPranaShakti, schickt ihn gleichzeitig nach oben, damit er mit wachsendem Umfang mehr Licht aufnehmen kann. Wachstum bedeutet Ausdehnung. Wachstum ist Grenzüberschreitung. Dieses dem Leben innewohnende Prinzip verursacht innerhalb menschlicher Bewusstseins-Erfahrung oftmals Spannung. Kinder weinen, wenn Zähne wachsen. Wenn Schule, Studium, Job oder Partnerschaft ihn fordern, ächzt der Mensch. Trotzdem: Wachstum ist ein Segen.

Einheit und Da-Sein

In unserer natürlichen Umwelt befinden sich die Gegensätze, ebenso wie alle anderen Elemente, in einer Einheit. Wir erinnern uns an den Baum. Wachsend und sich ausdehnend, verbindet er als Einheit die Gegensätze oben und unten, hell und dunkel. Liegt es da nicht auf der Hand, das Gegensätzliche im Verbund zu sehen und das Sein als ein Bündnis verschiedener Aspekte zu deuten? Im asiatischen Raum wird diese Idee durch das Yin und Yang-Symbol repräsentiert. Aktiv und passiv, männlich und weiblich sind Teile einer Einheit. Das eine wird bedingt durch das andere. Das Ganze ist die Summe seiner Teile.

Es zeigt sich, dass das Leben, die Natur und somit auch das menschliche Da-Sein nicht lediglich eine Sache von entweder-oder ist, sondern gleichermaßen von sowohl-als-auch. Auch hier haben wir es wieder mit einem scheinbaren Gegensatz zu tun. Wenn wir aber die Gültigkeit des einen UND des anderen voraussetzen, wird der Gegensatz nicht dadurch aufgehoben? Das verbindende Element ist somit Anerkennung. Anerkennung kommt im spirituellen Kontext unter anderem auch mit Worten wie Liebe oder Vergebung zum Ausdruck.

Wenn ich etwas akzeptieren kann, wie es ist, schwindet dadurch die Spannung gegensätzlicher Kräfte. Ärgere ich mich zum Beispiel darüber, dass ich den Job nicht bekomme, für den ich mich beworben habe, dann erlebe ich einen inneren Konflikt. Kann ich hingegen gelassen mit der Situation umgehen, indem ich das Ergebnis gut annehmen kann, dann habe ich Spannung zwischen dem, was ich will, und dem, was sich ereignet, reduziert. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die persönliche Zufriedenheit. Annehmen-Können und Gelassenheit tragen fundamental zur Erfahrung geistigen Friedens bei. Raja YogaYoga der Geisteskontrolle und Karma Yoga, Yoga des Handelns, bieten uns dahingehend hervorragende Werkzeuge für ein erfüllteszufriedenes Leben.

Frieden

Finde Frieden in dem was ist – auch auf der Achterbahn des Lebens

Man kann sagen: Gegensatz ist Einheit und Einheit ist Gegensatz. Und: Gegensatz ist Gegensatz und Einheit ist Einheit. Wer darin seinen Frieden findet, ist wahrlich weit gekommen. Damit wäre eigentlich alles gesagt, oder?

Natürlich ist das recht vage formuliert. Aber innerhalb der Gegensätze gleichzeitig etwas Verbindendes wahrzunehmen und dazwischenliegende Aspekte mit einzubeziehen, verhilft zu einer objektiveren Sichtweise. Und durch Objektivität relativieren wir unser persönliches Schicksal, das unter anderem aus einer emotionalen Mischung von Höhen und Tiefen besteht. Die Achterbahnfahrt des Lebens verliert beachtlich an Dramatik, wenn sie in einen übergeordneten Kontext eingeordnet werden kann. Hier helfen uns ganz klar die Betrachtungsweisen aus dem Jnana Yoga, Yoga der Weisheit und Bhakti, die Hingabe an Gott.

So, so und so! Oder so?

Sind wir in unserem Denken festgefahren und zu sehr auf spezielle Sichtweisen fixiert, für nur eine bestimmte Möglichkeit oder einen einzigen Standpunkt offen und wollen dieser Perspektive dann Allgemeingültigkeit zuschreiben, so kollidiert eine starre Einstellung früher oder später mit unseren praktischen Erfahrungen, die wir machen. Dann gibt uns das Leben zu verstehen: Keine Regel ohne Ausnahme. Das gilt für einen Großteil unserer Alltagserfahrungen und verlangt Kompromissbereitschaft. Ein Offen sein. Toleranz und Flexibilität. Wie im Hatha Yoga.

Das Schiff des Lebens auf dem Ozean der Welt

„Yoga ist Geschick im Handeln“, verrät Lord Krishna seinem Schüler Arjuna in der Bhagavad Gita, indisches Heldenepos. Dieses Geschick anzuwenden bedeutet auch, den Anforderungen des Lebens gekonnt beizuwohnen – sozusagen das Schiff des Lebens auf dem weiten Ozean der relativen Welt verantwortlich zu navigieren – mit Anerkennung eines entscheidenden Faktors: Gott.

Das Meer und der Wind sind gottgegeben. Mein Leben, das Schiff, ist zu einem gewissen Grad mir überlassen und ich kann Segel und Ruder sinnvoll nutzen. Schlussendlich jedoch tragen alle Faktoren dazu bei, wie die Reise von statten geht. Einiges kann ich beeinflussen, anderes wiederum nicht. Weisheit besteht in der Verbindung (Yoga) von Kenntnis (Jnana) und Anerkennung (Bhakti). Leben innerhalb der Gegensätze bedeutet Vielfalt – und Vielfalt ist (auch) Einheit, wie oben ausgeführt.

Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit?

Feuer ist heiß und Zucker ist süß. Ohne Hitze kein Feuer, kein Zucker ohne Süße. Es gilt zu erkennen, was essenziell ist, und was nicht. Auch hier hat uns Jnana YogaVedanta, mehrere wertvolle Ansätze zu bieten. Laut Vedanta, indische Philosophie ist nur wirklich, was einen unabhängigen und unveränderlichen Status hat. Und wenn wir ehrlich sind, dann bleibt nicht viel übrig, auf das diese Definition zutrifft. Laut Jnana Yoga ist da im Grunde genommen nur Eines, das ohne etwas anderes es selbst sein kann: Reines Sein, ExistenzBewusstseinUnendlichkeit. Dieses Eine ist gleichzeitig Alles, so wie Gold in verschiedenen Formen, zum Beispiel als Ring, als Armreif oder als Brosche in Erscheinung treten kann und die Schmuckstücke vom Gold, also dem essenziellen Faktor, abhängig sind, das Gold jedoch nicht von den verschiedenen Formen seiner Erscheinung.

Das Essenzielle bleibt und verbleibt unbeeinträchtigt. Namen und Formen hingegen sind zeitweilig. Das allgegenwärtige Bewusst- Sein ist die ewige, unabänderliche Konstante und Grundlage aller Geschehnisse und Objekte. DAS, durch das alles, was ist, gekannt werden kann. Das Licht aller Lichter. Der Urgrund aller Erscheinungen. Das sich selbst kennende Selbst. Es gibt viele Umschreibungen dafür – eine davon lautet Brahman. Das Eine ohne ein Zweites. Das alldurchdringende, allumfassende, absolute Sein. Hier stehen wir sozusagen am Anfang und am Ende unserer Suche nach einer Antwort auf die Frage nach dem Sinn und Werdegang des Lebens.

Yoga der Synthese

Integraler Yoga, die sechs Yogawege, bieten uns Einblicke und Hilfsmöglichkeiten, um unser Leben zu harmonisieren, es praktisch, gesund und zufriedenstellend auszurichten und den menschlichen Bedürfnissen auf den Grund zu gehen. Yoga ist keine ReligionSpiritualität erwächst aus der menschlichen Wesensnatur. Yoga ist ein altes, traditionelles System zur Harmonisierung von Körper, Geist und Seele. Je mehr Raum wir dem Yoga mit all seiner Vielfalt in unserem Leben bieten, desto mehr Verständnis und Lernen kann stattfinden. Entwicklung wird vollzogen. Wachstum geschieht, begleitet von wertvollen Einsichten und wichtigen Erkenntnissen.

Frieden und Harmonie festigen sich mit dem Wissen darüber, wer ich wirklich bin. Mich selbst zu kennen hilft mir dabei, das Leben, so wie es ist, anzunehmen und sinnvoll zu gestalten. Dies ist auch ein Zusammenspiel von Dharma, Gesetz und Svadharma, Pflicht, wie es zum Beispiel in der Bhagavad Gita auf meisterhafte Weise thematisiert wird, was ganz sicher ein eigenes Kapitel im Buch des Lebens wert ist.

Sich selber Leben

Geh tief nach innen und lebe deine eigene Vision

Ein Beitrag aus dem Yoga Vidya Journal Nr. 38, I/2019 von Satyadevi Bretz

Hast du dich schon mal gefragt, ob du dich selber lebst? Oder lebt irgend jemand oder irgendetwas durch dich hindurch? Das sind große Fragen des Vedanta, dem Yoga der Philosophie.

Geprägt von Eindrücken, ErziehungFamilie und Freunden, Büchern und Filmen, entwickeln wir unser scheinbares Selbst mit den verschiedensten Mustern. Wie sieht dein Muster aus? Lebst du dein Leben? Erheben dich die Menschen in deinem Umfeld oder ziehen sie dich eher runter?

Aufbruch in die Freiheit

Wenn wir uns selber leben, schöpfen wir aus unserer eigenen Quelle. In ihr ist ein unermessliches Potenzial. Wir können Vieles bewirken und bekommen den Raum dafür. Alles, was im Leben geschieht, seien es auch Schicksalsschläge, sind Sprungbretter in deine Freiheit.

Wenn du erst mal bei ihr angekommen bist, heißt es nicht, dass alles einfacher ist, aber du lebst aus dir selbst heraus. Du bist dir deines Selbst bewusst und gleichzeitig selbstbewusst! Du bist der/ die Handelnde, aber gleichzeitig der/die stille Beobachter/in, der/die die Zusammenhänge des Lebens erkennt und meistert.

Deine Intuition führt dich gemeinsam mit deinen geistigen Helfern in deine Lebensthemen und hilft dir, sie zu meistern.

Sich selbst zu leben heißt auch, sein Karma abzuarbeiten und aufzulösen. Und ganz wichtig:

Wir dürfen auch unsere Träume leben! Hast du noch irgendwelche Lebensträume? LEBE SIE!

Ablenkungen

Nachrichten, Filme, Bücher, Klatsch und Tratsch können große Hindernisse auf dem Weg zu dir selbst sein. Du brauchst dich nicht ganz von der Welt abzuwenden, doch vergeuden viele Menschen viel zu viel Zeit mit Problemen und Schicksalen anderer und vergessen dabei, ihr Leben zu leben. Schon gleich beim Eintreffen auf der Arbeit wird über die letzte Sendung im Fernsehen gesprochen oder über den aktuellen Buch-Besteller oder über die Arbeitskollegin, die jetzt mit einem jüngeren Mann zusammen ist usw.

Wo bleibt das Wesentliche im Leben, wo die Vergeistigung, wo die grenzenlose Kreativität und wo die Stille …?

Suche den Schatz in dir

Wenn du von oben auf einen See herunterschaust, siehst du nur die Wellen. Sie sind aufregend und du kannst dich auf ihnen bewegen. Doch sie machen mit dir, was sie wollen, und du erkennst nicht, was für ein wertvoller Schatz auf dem Grund strahlt.

  • Die erste Erkenntnis ist: Da ist ein See.
  • Die zweite Erkenntnis ist: Da sind Bewegungen.
  • Die dritte Erkenntnis ist: Ich bin nicht die Wellen – Gedankenwellen.
  • Die vierte Erkenntnis – bei Gedankenruhe – ist: Dieser Schatz, dieses Strahlen auf dem Grund bin Ich.

Wie bringe ich meinen See zur Ruhe?

Wir haben diverse Muster und sind Meister/innen in Ablenkungen. Wir tun alles, um nicht in den Spiegel zu schauen. Doch eines Tages kommen sie, die lieben Herausforderungen und Lebensthemen. Durchleben wir sie bewusst? Es erfordert am Anfang sehr viel Mut, sich selbst in die Augen zu schauen.

Bis man zum Selbst durchdringt, gibt es diverse EmotionenÄngste oder Zwänge. Je mehr ich mich im Leben ablenke, umso mehr weiß ich, dass ich nicht bereit bin, mich selbst zu leben.

Bringe deinen See zur Ruhe, indem du erst mal anfängst, ruhiger und bewusster zu atmen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass wir uns mit unseren Ängsten und Unannehmlichkeiten intensiv auseinandersetzen müssen.

Einfacher und angenehmer ist es, neben unseren Ängsten und Herausforderungen ein Pflänzchen der Tugend zu kultivieren. Irgendwann ist es so groß, dass es die Unannehmlichkeiten in unserem Leben überragt. Die Ängste lösen sich dann oft von selber auf.

Somit wird der See automatisch ruhiger. Tägliche Meditation und tägliches Reflektieren unserer Handlungen ersparen so manchen Nachwind.

  • Achte auf deine Gedanken, denn sie werden zu deinen Worten.
  • Achte auf deine Worte, denn sie werden zu deinen Handlungen.
  • Achte auf deine Handlungen, denn sie werden zu deinen Gewohnheiten.
  • Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Schicksal!

Ein Satz aus dem Talmud sagt: Dort, wo du deine Energie hin ausrichtest, das nährst du in dir. Beuge schon vor, indem du Gedankenhygiene betreibst. So bekommt deine Intuition immer mehr Raum und dein Leben fühlt sich immer geführter und immer freier an, durchdrungen von LiebeVerbundenheit mit dir und dem ganzen SEIN.

„Gutes Leben und göttliches Leben“ von Sri N. Ananthanarayanan

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Die Menschen machen oft keinen Unterschied zwischen gutem Leben und gottesfürchtigem Leben oder göttlichem Leben. Es gibt viele gut meinende Menschen, die ein wenig in folgenden Bahnen denken. „Also, ich lebe ein gutes Leben. Ich bin glücklich verheiratet. Ich lebe ein sauberes Leben. Ich trinke nicht, Ich rauche nicht. Ich habe keine schlechten Angewohnheiten. Ich bin Vegetarier. Ich esse noch nicht mal Eier. Ich betrüge nicht. Ich verdiene mein Geld anständig. Was will man mehr?”

Im Grunde sind das gute Menschen. Sie sind zweifellos besser als die Verbecher, Betrüger und Schurken in dieser Welt. Sie folgen bestimmten ethischen Richtlinien. Sie gehen als respektable Bürger durch. All dies ist gut. All diese Qualitäten stellen eine gute Basis dar. Aber eine Basis ist kein Gebäude. Sie ist als sie selbst nicht genug. Der Überbau des Gebäudes muss sichtbar werden.

Gutherzigkeit ist keine FrömmigkeitTugend ermöglicht ein gutes Leben in dieser Welt, aber es wird keine spirituelle Erlösung bringen. Die sogenannten guten Menschen sind oft selbstsüchtige Menschen, die an ihre Familien und Freunde gebunden sind. Das Herz ist immer noch eingeschränkt. Sie sind immer noch Anhänger der Preyo Marga (Pfad der Ignoranz bzw. der Freuden).

Sie haben nur vage Ideen über Sreyo Marga (Pfad der Erfüllung und des ultimativ Guten), aber sie trauen sich nicht, den Pfad der Sreyo Marga zu beschreiten und haben Angst davor, den Preis zu zahlen. Sie fürchten sich, die Opfer zu bringen, die von ihnen verlangt werden, wenn sie sich auf den spirituellen Weg begeben. Sie können sich nicht mit den Gedanken anfreunden, wohltätige Dinge zu tun, Feinde und Fremde zu lieben, in Maßen zu essen, Entbehrungen auf sich zu nehmen, Ärger und Eifersucht zu kontrollieren usw.

Wenn ein Mensch sich auf den spirituellen Weg begeben will, muss er zuerst diese Missverständnisse geklärt haben. Ein gutes Leben reicht nicht aus. Was diese Leute mit „gutem Leben“ meinen, ist, wenn man genauer hinsieht, nur „nicht böse“ zu sein. Es ist negative “Gutheit”. Das allein reicht nicht.

Jeder Mensch ist eine Kombination aus Gemeinheit, menschlicher Natur und Frömmigkeit. Leute, die mit ihrem guten Leben angeben, haben meist ihre gemeinen Eigenschaften überschritten, aber das ist nur der Anfang. Sie sind immer noch unzähligen menschlichen Schwächen, Versagen, Zu- und Abneigungen ausgesetzt. Sie leiden noch immer an menschlichen Lastern wie WutEifersucht und Begierde.

Oft rechtfertigen sie ihre falschen Taten, indem sie Gedanken äußern wie: „ Ach ja, ich bin eben nur menschlich. Im Moment der Leidenschaft hab ich halt einen Fehler gemacht“ oder „In einem Wutanfall hab ich dieses Verbrechen begangen“ oder „In einem plötzlichen Geizanfall ist mir dieses Versehen passiert“. Diese guten Menschen müssen noch ihre menschlichen Untugenden bezwingen und göttliche Tugenden entwickeln oder Daivi Sampat (gebündelte Kräfte, die uns zum Zentrum hinziehen), so wie es in der Gita verkündet wird. Dies ist der Beginn spiritueller Praxis. Dies ist der Beginn göttlichen Lebens. Dies sind Schritte auf dem Weg zum Himmel.

Diese Leute mit geringem Verständnis – mit spärlichem spirituellen Wissen – identifizieren gutes Leben mit angenehmem Leben. Es sind schwache Menschen, die nicht Willens sind, den Unanehmlichkeiten und Widrigkeiten eines wahrhaft spirituellen Lebens zu begegnen. Man kann diesen Menschen in der ganzen Welt begegnen, in allen sozialen Schichten, in allen Religionen. Einige von ihnen leugnen die Existenz Gottes, aber die meisten bekräftigen ihre Zugehörigkeit zu einer Religion, weil sie immer noch ein flackerndes Gewissen haben. Ihr inneres Gewissen, die Stimme Gottes in ihnen, ist noch nicht völlig erstickt.

Nicht nur das. Diese Freunde leiden unter einem falschen Sinn der Selbstbefriedigung und Selbstgenügsamkeit. Da Gott sie, wegen kleiner guter Taten in ihren früheren Leben, mit menschlichem Komfort in diesem Leben ausgestattet hat, fühlen sie keine Notwendigkeit für einen Gott in diesem Leben oder für irgendeine Hilfe von außen. Ihre Philosophie ist: „Iss, trink und freu dich, denn morgen sterben wir“.

Wenn man sie fragt, „was wird in deinem nächsten Leben passieren, wenn du keine Verdienste durch tugendhafte Taten in deinem jetzigen Leben anhäufst?“, dann haben sie eine fertige Antwort, die sie dir entgegenschleudern „Wer weiß, ob es ein nächstes Leben gibt? Wer weiß, was passiert wenn wir sterben?“ Für sie ist das gegenwärtige Leben alles. Selbst wenn du ihnen etwas über die Theorie der Reinkarnation erzählst, die durch so viele Beispiele und stützende Beweise demonstriert und bestätigt wurde, sind sie nicht in der Stimmung, hinzuhören. Ihr Verstand ist nicht offen. Sie leiden an einem Gefühl der Selbstgenügsamkeit.

Selbstgenügsamkeit und Selbstgerechtigkeit sind die größten Stolpersteine auf dem Weg zu spirituellem Fortschritt. Der Mann, der ignorant ist, aber willens, die Weisheit von welcher Quelle auch immer kommend, anzunehmen, mit anderen Worten, dem ignoranten aber demütigen Mann kann durch einen Mann mit größerem Wissen geholfen werden. Der Mann, der schon weise ist, der seine Weisheit jedoch wegen seinem überwältigendem Stolz nicht praktiziert, hat auch eine Chance auf Besserung, weil sein Stolz auf den Widerstand des Universums treffen wird und über kurz oder lang bezwungen wird. Dann wird er bescheiden und beginnen, weise zu leben. Aber der ignorante Mann, der zugleich Zeit arrogant und von seiner Weisheit überzeugt ist, ist am schwierigsten von allen zu überzeugen. Selbst Gott kann ihm nicht helfen. Er ist in einer hoffnungslosen Situation.

Dieser Abschnitt wurde verfasst von Sri N. Ananthanarayanan

„Yoga und Leben“ von Swami Brahmananda

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Es kursiert der allgemeine Irrglaube unter der Mehrheit der Bevölkerung, dass Yoga nur für jene geeignet sei, die weit weg von der geschäftigen Welt in Höhlen und Wäldern oder in einsamen Mönchs- und Nonnenklöstern leben, wo man sich mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftige, ohne sich auch nur im Geringsten um seine Mitmenschen zu kümmern. Dort verzichte man auf die normalen Freuden des Lebens, um auf irgendein Glück nach dem Tod hinzuarbeiten, das sich weit weg in unbekannten Welten befinde, und das bisher noch keiner gesehen habe.

Mit diesen Argumenten vermeiden die meisten Menschen alle höheren Werte des Lebens, die Religion und Philosophie anzubieten haben. Im Namen der Spiritualität auf alle Annehmlichkeiten zu verzichten, die das moderne Familienleben mit all seinen Möglichkeiten zu bieten hat, zum Beispiel hohes Ansehen in der GesellschaftWohlstand und Ruhm, verunsichert die große Mehrheit, und sie misstraut der zukünftigen Seligkeit, die obengenannte Einsiedler anstreben. Das ist ein trauriges Missverständnis, das aus einem Mangel an richtigem Wissen über das Leben in dieser Welt resultiert.

Die Abkehr von der Welt wird als gemeinsamer Faktor in allen Schriften gefunden, die sich mit Befreiung beschäftigen, als die einzig wirksame Medizin gegen alle Leiden hier in dieser Welt. Das mag seltsam klingen. Einer der das Gute will, muss auf das Schlechte verzichten. Das ist verständlich. Wer die Wahrheit begehrt, soll sich von der Unwahrheit abwenden, darüber gibt es ebenfalls keine Meinungsverschiedenheiten. Einer der das Leben will, sollte natürlicherweise den Tod aufgeben. Niemand würde diese logischen Schlussfolgerungen abstreiten. Aber, wenn wir durch das Entsagen der Welt unser normales Leben mit allen Sinneserfahrungen aufgeben, was bleibt dann von unserem Leben? Nichts! Die Medizin scheint schlimmer als die Krankheit zu sein! Diese Schlussfolgerung ist das Resultat eines Nichtverstehens der wahren Bedeutung der Schriften.

Vedanta findet diese Welt in keiner Weise falsch, aber unterweist sicherlich die Menschen, die nach Befreiung streben, davon Abstand zu nehmen. Entsagung hat nichts mit Abneigung oder gar Hass auf diese Welt zu tun. In den Worten der Isavasya Upanishaden ist es Verzicht, um die Welt mit Gott zu bedecken und zu füllen. Wir werden aufgefordert, uns von der Welt unserer gegenwärtigen fehlerhaften Wahrnehmung abzuwenden und ihre wahre Natur zu erkennen. In aller Kürze gesagt, die ganze Welt als Gott zu sehen ist wahre Entsagung der Welt, beschrieben von denen, die die Wahrheit gesehen haben.

So wie die verschiedenen Teile eines großen Feigenbaums, die unterirdischen Wurzeln, die oberirdischen Wurzeln, der Stamm, die Äste, die Blätter und die Früchte, obwohl sie verschieden aussehen, nicht getrennt vom Körper des Baumes sind, und so wie die verschiedenen Teile einer riesigen modernen Maschine alle miteinander verbunden sind und dem gemeinsamen Zweck dienen, für den diese Maschine errichtet worden ist, so sind die zahlreichen Objekte, die wir hier einzeln wahrnehmen, nicht voneinander unabhängig und unzusammenhängend, sondern formen aus sich selbst heraus eine organische Einheit, bilden dieses Universum.

Die kleinste Störung des unbedeutendsten Objekts in irgendeinem Winkel dieses unermesslichen Kosmoses beeinträchtigt den ganzen Kosmos, genauso wie der kleinste Nadelstich in irgendeinem Teil unseres Körpers von unserem ganzen Körper gefühlt wird. Eine wissenschaftliche Analyse eines beliebigen Objekts hier, zum Beispiel eines Sessels, wird beweisen, dass er aus Atomen besteht, die im Endeffekt auf Kräfte reduziert werden können. Wenn wir die Kräfte, die den Sessel bilden, mit dem Intellekt beobachten, verschwindet der Sessel als solches, und wenn wir den Sessel sehen, nehmen wir die Kräfte nicht wahr. Diese Kräfte haben Bewusstsein als ihre Basis, und es sind keinerlei haarspaltenden Argumente nötig, um zu beweisen, dass nichts ohne Bewusstsein existieren kann.

Reines Bewusstsein ist daher die fundamentale Realität. Es ist das Wahrnehmende, das Wahrgenommene und auch die Wahrnehmung. In anderen Worten: Bewusstsein, das nichts außer eins, homogen und non-dual sein kann, und daher ewig und unsterblich ist, wird mit den verschiedenen Begriffen Seher, Gesehenes und Sicht, Hörer, Gehörtes und Hören, Wissender, Gewusstes und Wissen und so weiter bezeichnet.

Noch einmal, es ist dieses eine Bewusstsein, auf das mit verschiedenen Namen Bezug genommen wird, mit Brahman oder Atman bei den Vedantins, mit Bhagavan oder Gott bei den Bhaktis, mit Vishnu oder Narayana bei den Vaishnavas und mit Shiva oder Parameshwara bei den Shaiviten. Andere Religionen auf der ganzen Welt haben wieder andere Namen für dieses eine Prinzip, diese eine göttliche Wahrheit. Es wird Christus von den ChristenAllah von den MoslemsArhat von den Jains und Buddha von den Buddhisten genannt.

Die Wahrheit über die Beziehung zwischen Gott und der Welt wird von einem einfachen tamilischen Vers wunderschön zum Ausdruck gebracht: Der Elefant verhüllt das Holz und verschwindet darin, genauso verhüllen die Elemente die Wahrheit und verschwinden in ihr. Das nimmt Bezug auf einen lebensgroßen Elefanten, der von einem kundigen Tischler aus schwarzem Holz gefertigt wurde. Die Ähnlichkeit ist vollkommen. Doch obwohl die Augen die Form eines Elefanten sehen, nehmen der Intellekt und das Bewusstsein das Holz wahr, aus dem er gemacht ist. Die Form des Elefanten verhüllt das Holz, doch wenn die Wahrheit des Holzes erkannt wird, verschwindet der Elefant. Gleichermaßen sagt dieser Vers, dass diese aus den fünf Elementen gemachte Welt das Bewusstsein verhüllt und dass, wenn letzteres erkannt wird, sich erstere von selbst auflöst.

Wissen, Erfahren und eins werden mit dem höchsten Bewusstsein ist Yoga. Diese Yogapraxis variiert je nach individuellem Temperament. All die rationalistischen, hingebungsvollen, aktiven und mystischen Temperamente mit ihren zahllosen Kombinationsmöglichkeiten machen die Yogapraxis eines jeden einzelnen Individuums verschieden von der eines jeden anderen. Streng genommen können keine zwei Aspiranten der genau gleichen Methode folgen, obwohl es gemeinsame Faktoren darin gibt, die von allen Suchenden angewendet werden. Nicht wenige in dieser modernen Welt profitieren von einer Kombination aus den Grundlagen der verschiedenen Yogasysteme.

Aus diesem Grund empfehlen Weise diese kluge Mixtur – ein wenig JapaPranayama und Asana, ein wenig Studium der Schriften, Verehrung der eigenen Schutzgottheit und uneigennütziger Dienst, ein wenig Konzentration und Meditation – besonders für die Neulinge auf dem spirituellen Weg. Wenn diese all das verständig und ernsthaft eine ausreichend lange Zeit praktizieren, findet sich jeder einzelne an das spezielle Yoga angeschlossen, das am besten zu seinem Temperament passt oder zu seinen natürlichen geistigen Neigungen, die er als karmisches Resultat seiner Handlungen aus zahllosen vergangenen Leben erworben hat.

Und weitere Konzentration des Übenden entlang der Linien seines speziellen Yoga unter Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit – nicht als Hobby, sondern als sein einziges Ziel und seine einzige Bestimmung, wird ihn zum göttlichen Bewusstsein führen.

Videos zum Thema Leben

Einfach Leben und erhaben Denken

Erfolg im Leben und Selbstverwirklichung

Reinkarnation – Leben nach dem Tod

Siehe auch

Leben

Die Biosphäre reicht von 5 km unter der Erde bis 60 km in die Erdatmosphäre, d.h. von der oberen Lithosphäre über praktisch die gesamte Hydrosphäre bis an den unteren Rand der Mesosphäre.

Leben (griech. ζωή zoélat. vitahebr. חִיִּים Chajim) ist im allgemeinen Sprachgebrauch eine zusammenfassende Bezeichnung für jene nur unscharf zu definierenden Eigenschaften, durch die sich Lebewesen von toter Materie unterscheiden. Durch seine Vitaliät (lat. vitalis „lebensfähig“) vermag sich ein Organismus innerhalb gewisser Grenzen einer wechselnden Umwelt anzupassen, sich selbst beständig zu regenerieren und so gegen Alter und Krankheit anzukämpfen.

Aus anthroposophischer Sicht ist alles Leben kosmischätherischen Ursprungs. Das irdische Leben ist verdichtete Sphärenharmonie, die den Stoff als Klangäther durchdringt und dadurch erst zur physisch greifbaren, zunächst aber noch ganz fließend beweglichen, überwiegend wässrigen Realität wird. Bis in die festen Strukturen hinein wirkt das schöpferische Wort, das sich durch den Lebensäther manifestiert. Am Anfang der Erdentwicklung war die Erde als Ganzes ein lebendiges Wesen, aus dem sich erst allmählich zunächst riesenhafte Einzellebenwesen von noch sehr flüchtiger und wandelbarer Gestalt abgesondert haben. Leben auf zellulärer Basis ist laut Rudolf Steiner erst viel später entstanden.

Die Gesamtheit der irdischen Lebewesen bildet die Biosphäre (von griech. βίος bíos „Leben“ und σφαίρα sphaira „Kugel“) der Erde. Sie reicht von etwa 5 km unter der Erde bis ca. 60 km hinauf in die Erdatmosphäre und umfasst dabei auch den größten Teil der Hydrosphäre. Nach der Mitte der 1970erJahre von James Lovelock und Lynn Margulis entwickelten, aber umstrittenen Gaia-Hypothese bildet die Biosphäre in ihrer Ganzheit einen mit der Fähigkeit zur Selbstorganisation ausgestatteten lebendigen Organismus, der das Leben auf Erden stabilisiert und die Evolution komplexer Einzellebewesen fördert.

Inhaltsverzeichnis

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Was ist Leben?

Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
Encheiresin naturae nennts die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiß nicht wie.Goethe: Faust I, Studierzimmer

In den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen wird das Leben sehr unterschiedlich definiert. Der österreichische Quantenphysiker Erwin Schrödinger (1887-1961) charakterisierte es ganz knapp so:

„Wie entzieht sich der lebende Organismus dem Zerfall? Die Antwort lautet offenbar: Durch Essen, Trinken, Atmen und (im Falle der Pflanzen) durch Assimilation. Der Fachausdruck heißt Metabolismus. Das griechische Wort (μεταβαλλειν) bedeutet Wechsel oder Austausch.“

– Erwin Schrödinger: Was ist Leben, Piper Verlag, München 1987, S. 102[1]

Auf physikalischer Ebene erscheint ein lebendes Sytem als offenes System fern vom thermodynamischen Gleichgewicht, das seinen hohen inneren Ordnungsgrad durch beständige Energiezufuhr aufrechterhält. Im engeren biochemischen Sinn sind Lebewesen „diejenigen Naturkörper, die Nucleinsäuren und Proteine besitzen und imstande sind, solche Moleküle selbst zu synthetisieren.“ (Lit.: Czihak, Langer, Ziegler, S 1) Aus biologischer Sicht sind die wesentlichsten Merkmale des Lebens ein beständiger Stoff-, Energie– und Informationsaustausch mit der Umgebung und die Fähigkeit zu WachstumRegeneration und Reproduktion. Durch alle diese verengenden Definitionen, so nützlich sie im Einzelfall sein mögen, werden jedoch jeweils nur einzelne Aspekte, nicht aber das Gesamtphänomen des Lebens erfasst. Es entspricht daher einem ehrlichen naturwissenschaftlichen Selbstverständnis, zu bekennen:

„Die Definition eines lebenden Systems oder Organismus können wir als Naturwissenschaftler noch immer nicht geben. Wir sind lediglich in der Lage, lebenden Systemen bestimmte Eigenschaften zuzuordnen. Viele Eigenschaften der lebenden Organismen sind aber noch nicht genügend erforscht und können nicht genau angegeben werden.“ (Lit.: Dose, S 1)

Im allgemeinsten und umfassendsten Sinn charakteristisch für jegliches Leben ist die dynamische, gesetzmäßig sich entwickelnde, sich bewahrende und vervielfältigende und für jede Lebensform unverwechselbar typische Form. Das hat vielleicht Goethe am klarsten erkannt und in seiner Metamorphosenlehre ausführlich beschrieben und dabei wesentliche Grundgesetze aller lebendigen Formbildungsprozesse aufgedeckt.

„Jedes Lebendige ist kein Einzelnes, sondern eine Mehrheit; selbst insofern es uns als Individuum erscheint, bleibt es doch eine Versammlung von lebendigen selbständigen Wesen, die der Idee, der Anlage nach gleich sind, in der Erscheinung aber gleich oder ähnlich, ungleich oder unähnlich werden können. Diese Wesen sind teils ursprünglich schon verbunden, teils finden und vereinigen sie sich. Sie entzweien sich und suchen sich wieder und bewirken so eine unendliche Produktion auf alle Weise und nach allen Seiten.
Je unvollkommener das Geschöpf ist, desto mehr sind diese Teile einander gleich oder ähnlich, und desto mehr gleichen sie dem Ganzen. Je vollkommner das Geschöpf wird, desto unähnlicher werden die Teile einander. In jenem Falle ist das Ganze den Teilen mehr oder weniger gleich, in diesem das Ganze den Teilen unähnlich. Je ähnlicher die Teile einander sind, desto weniger sind sie einander subordiniert. Die Subordination der Teile deutet auf ein vollkommneres Geschöpf.“

– Goethe: Zur Morphologie: Die Absicht eingeleitet.[2]

Goethe erkannte nicht nur, dass sich die Elemente eines lebendigen Systems aufeinander beziehen und wechselseitig bedingen, sondern dass jedes Einzelne zugleich auch in ganz spezifischer Weise von der charakteristischen Eigenart des Ganzen bestimmt wird und beide, das Einzelne wie das Ganze, sich dabei von einer ideellen Grundform, dem Typus, ableiten. Der Typus tritt dabei als solcher nicht äußerlich in Erscheinung und kann nur ideell, d.h. durch innere geistige Anschauung, erfasst werden, wirkt aber gestaltend im Ganzen wie auch in jedem einzelnen seiner Glieder. Äußere Einflüsse wirken zwar modifizierend, aber nicht grundlegend bestimmend auf die äußere Ausprägung des Typus ein. Veränderte Klima- und Bodenverhältnisse beeinflussen zwar die Wachstumsgestalt einer Pflanze, aber eine Rose bleibt dabei doch immer eine Rose und eine Lilie eine Lilie. Die Gestalt eines amorphen toten Körpers ist demgegenüber rein zufällig oder von außen her bestimmt. Kristalle mit ihrer starken Formbildungstendenz bilden bereits eine interessante Übergangsstufe zum Reich des Lebendigen und es ist mehr als bloßer Zufall, dass Kristalle, wenn sie sich in hauchdünnen Schichten abscheiden, geradezu pflanzlich anmutende Muster zeigen, wie wir sie etwa von den Eisblumen kennen. Der fertige Kristall ist zwar weitgehend tot, aber er ist das Ergebnis eines lebendigen Bildungsprozesses.

Der physische Leib hat keine eigenständige, dauerhafte Realität; diese wird ihm erst durch das Leben verliehen. Den stofflichen physischen Leib haben wir mit den Mineralien gemeinsam. Mineralien sind unbelebte, bewusstlose stoffliche Körper. Was unseren physischen Leib von den Mineralien aber sehr deutlich unterscheidet, ist, dass diese für oftmals lange Zeit weitgehend unverändert in der äußeren Welt existieren können, während unser stofflicher Körper, rein für sich genommen, sofort zu zerfallen beginnt, wenn er nicht von Lebenskräften durchdrungen wird. Ein menschlicher physischer Körper allein genommen ist bloßer Leichnam, der, wenn er nicht gerade einbalsamiert wird, sehr rasch der Verwesung anheim fällt.

Sehr entscheidend ist nun folgende Frage: ist das Leben bloß eine sehr komplexe Funktion des physischen Leibes, wie es der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Anschauung ganz selbstverständlichen entspricht, oder handelt es sich dabei um eine eigenständige Realität, die auch unabhängig vom stofflichen Körper in gewisser Weise existieren kann? Ist das Leben vielleicht sogar die primäre Wirklichkeit und der stoffliche Körper nur eine sekundäre, abgeleitete Erscheinung? Vielleicht sind die biochemischen Prozesse im Körper ja bloß eine Wirkung des Lebens und gar nicht dieses selbst! So wie wir etwa das Licht in Wahrheit gar nicht kennen, sondern nur seine Wirkungen, durch die es die materielle Welt in den verschiedensten Farben erglänzen lässt. Das mag zwar für das moderne Denken zunächst geradezu provokant und paradox erscheinen, stellt unsere ganzen modernen Überzeugungen völlig auf den Kopf – ist aber dennoch bei näherer Betrachtung gar nicht so einfach von der Hand zu weisen. Der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther hat sehr deutlich darauf hingewiesen, dass sich das Leben – und noch weniger das Bewusstsein – nicht durch rein materielle Prozesse befriedigend erklären lässt:

„Weshalb ist es den Biologen bis heute nicht gelungen, den Unterschied zwischen dem Gegenstand ihres Faches – dem Lebendigen – und dem noch nicht Belebten oder nicht mehr Lebenden herauszufinden? Noch immer bleiben alle Versuche, diesen Unterschied herauszuarbeiten, auf der Ebene der Auflistung all jener Merkmale stecken, die sich als beobachtbare, mit objektiven Verfahren messbare Phänomene beschreiben lassen. Ebenso wenig lässt sich auch genau das beobachten, isolieren und messen, was einen Menschen ausmacht- seine Vorstellungen, seine Wünsche, seine Sehnsüchte, seine inneren Haltungen und seine festen Überzeugungen. All das also, was letztlich darüber bestimmt, wie und wofür er nicht nur sein Gehirn und seinen Körper, sondern auch das Gehirn und den Körper all jener strukturiert, die mit ihm in Beziehung treten, die mit ihm auf eine ebenso wenig messbare Weise verbunden sind.

Offenbar existiert hinter der Welt der materiellen, beobachtbaren und messbaren Phänomene, die das Lebendige hervorbringt, noch eine immaterielle, unsichtbare und nicht messbare geistige Welt. Sie bleibt dem seit der Aufklärung so erfolgreich zum Erkennen, Analysieren und Gestalten der äußeren Welt eingesetzten technischen Instrumentarium und den diesem Vorgehen zugrundeliegenden Mustern des Wahrnehmens, Fühlens, Denkens und Handelns verborgen.“ (Lit.: Hüther, S 35)

In der Pflanzenwelt lässt sich das wuchernde, überschäumende Leben am besten studieren. Ihre Lebensenergie schöpft die Pflanze durch Photosynthese unmittelbar aus dem Sonnenlicht. Das Wesen der Pflanzen lässt sich nur verstehen, wenn man sieht, wie es ganz und gar zur Sonne hin orientiert ist. Das Blattgrün, das Chlorophyll, mittels dessen die Pflanze Photosynthese betreibt, ist geradezu ein stoffliches Abbild der inneren Gesetzmäßigkeiten des Sonnenlichts, und man geht vielleicht nicht ganz fehl darin zu sagen, dass das Sonnenlicht im Laufe langer erdgeschichtlicher Entwicklungsepochen der irdischen Materie solange seine innerste Natur aufgeprägt hat, bis endlich das Blattgrün, aber auch viele andere komplexe Strukturen entstehen konnten, die es der Pflanze ermöglichen, sich vom Licht zu ernähren. Das Sonnenlicht verleiht der Pflanze nicht nur ihre vitale Lebenskraft, es hat ihr bis zu einem gewissen Grad auch die typische Struktur gegeben! Diese lässt sich aus der materiellen Grundlage allein nicht verstehen und in einer finsteren, lichtlosen Welt wären die Pflanzen niemals entstanden.

Wirkliches Verständnis für das Lebendige lässt sich nur durch ein lebendiges künstlerisch-bildhaftes Denken gewinnen:

„Wenn man in dem Sinn, wie ich es charakterisiert habe, versucht, zu einer geistigen Anschauung aufzusteigen, dann kommt man, indem man durchaus von dem geschulten naturwissenschaftlichen Denken der Gegenwart ausgeht, zu dem, was ich charakterisierte als ein lebendiges Denken, als ein bildhaftes Denken. Mit diesem bildhaften Denken fühlt man sich nun auch gerüstet, dasjenige, ich möchte sagen, wie mathematisch, aber jetzt qualitativ, zu begreifen, was mit der gewöhnlichen Mathematik und Geometrie nicht zu begreifen ist: das Lebendige. Mit dem lebendigen Gedanken fühlt man sich geeignet, das Lebendige zu ergreifen.

Indem dasjenige, was, sagen wir, in bloßen chemischen Verbindungen der unorganischen Welt wirkt, von uns überschaut wird, ist – wenn ich mich jetzt populär aussprechen darf – das, was da wirkt an Stoffen und Kräften, in einem mehr oder weniger labilen Gleichgewicht. Immer labiler und labiler wird das Gleichgewicht, immer komplizierter und komplizierter wird das Ineinanderwirken, je mehr wir heraufsteigen zum Lebendigen. Und in demselben Maße, wie das Gleichgewicht labiler wird, entreißt sich das lebendige Gebilde der quantitativen Erfahrung; und erst dem lebendigen Gedanken wird es so zugänglich, daß er sich mit dem lebendigen Gebilde so verbinden kann wie der mathematische Gedanke mit dem leblosen. Dadurch aber gelangen wir – ich habe schon in einem der früheren Vorträge darauf hingewiesen, daß ich damit eigentlich für viele heutige Denker etwas Horribles sage -, dadurch gelangen wir herauf zu einem Erkenntnisstandpunkt, der kontinuierlich überführt das gewöhnliche, logische, abstrakte Denken in eine Art künstlerischen Denkens, in eine Art künstlerischer Anschauung, die aber durchaus innerlich so exakt ist, wie nur jemals die Mathematik oder Mechanik exakt sein können.

Ich weiß, wie sehr man davor zurückschreckt von seiten des modernen Wissenschaftsgeistes aus, dasjenige, was exakt sein will, überzuführen in das Künstlerische, in das, was sich, indem die Qualität mitwirkt, im Menschen zu einer Art qualitativen Mathesis gestaltet. Aber was nützt denn alle Erkenntnistheorie, die da deklamiert, daß wir zu einer Erkenntnis der Objektivität doch nur kommen könnten, wenn wir von Schlußfolgerung zu Schlußfolgerung fortschreiten und uns ja hüten müßten, irgend etwas von einem solchen künstlerischen Wesen in die Erkenntnis einzubeziehen, wenn die Natur, die Wirklichkeit auf einer gewissen Stufe eben künstlerisch wirkte, so daß sie sich nur einem künstlerischen Erkennen ergeben würde.

Insbesondere gelangen wir nicht zu dem, was den menschlichen Organismus so von innen heraus gestaltet, wie ich das vorgestern beschrieben habe – was als eine Art erster übersinnlicher Mensch in uns wirkt -, wenn wir nicht dasjenige, was zusammenfügendes Denken ist, in eine Art künstlerische Gestaltung einlaufen lassen, wenn wir nicht aus einer qualitativen Mathematik heraus die menschliche schaffende Gestalt nachschaffen können. Wir brauchen nur beizubehalten den Geist der Wissenschaftlichkeit und aufzunehmen den Geist des Künstlerischen.“ (Lit.:GA 83, S. 94f)

Gene – Bauplan des Lebens?

Es entspricht einem weit verbreiteten modernen Vorurteil, dass sich die Gestalt eines jeglichen Lebewesens aus seiner genetischen Grundlage verstehen lasse. Zweifellos sind die Gene und die in ihnen enthaltenen Nukleinsäuren Träger wichtiger biologisch relevanter Information, doch diese allein reicht nicht aus, die Gestalt eines Lebewesens zu erklären. Tatsächlich lässt sich nicht einmal die Struktur der einfachsten lebendigen Zelle aus den Genen ableiten. Die Biologin Ellen Baake sagt daher zu Recht:

„Kaum jemand bestreitet, daß selbst die vollständige Kenntnis der genetischen Ausstattung eines Organismus bei weitem nicht dafür ausreichen würde, seine Eigenschaften vorauszusagen.“ (Lit.: Baake, S. 126)

Dass in den Molekülen der DNS die Information über die für ein Lebewesen wesentlichen Proteine gespeichert werden und bei Bedarf abgerufen werden kann, ist ein unbestreitbares, wissenschaftlich gut erforschtes Faktum. Das sagt aber nichts über den konkreten Inhalt der gespeicherten Information aus. Genau diesen konkreten Inhalt müssten wir aber erfassen, wenn wir verstehen wollen, wie sich das Leben in seinen einzelnen physischen Erscheinungen manifestiert.

„Naturgesetzlich erklären läßt sich daher nur das «Dasein» biologischer Strukturen, nicht aber ihr «Sosein». Das «Sosein» spiegelt die historische Einzigartigkeit lebender Systeme wider und entzieht sich prinzipiell einer naturgesetzlichen Beschreibung. Dies bedeutet: Der Ursprung biologischer Information läßt sich zwar als allgemeines Phänomen erklären, die biologische Information ist jedoch nicht in ihrem konkreten Inhalt aus den Gesetzmäßigkeiten der Physik und Chemie ableitbar.“ (Lit.: Küppers, S. 261)

Und J.T. Fraser präzisiert noch weiter:

„Entgegen der Annahme, daß gewisse körperliche Kennzeichen in den Genen verankert seien, vermitteln diese wunderbaren tanzenden Dinge nicht «vom Vater die Statur, vom Mütterchen die Frohnatur». Nirgendwo ist im Verlauf und beim Kopieren der ursprünglichen Melodie etwas darüber gesagt worden, wie eine Zelle gebaut ist, ganz zu schweigen vom Körper. Das ursprüngliche Lied wird mit vielen Veränderungen nur als Fahrplan gebraucht, das den Ribosomen zeigt, wie und in welcher Reihenfolge sie Aminosäuren lehren können, einer bestehenden Umwelt Komponenten zu entnehmen, damit sie Proteine herstellen können.“ (Lit.: Fraser, S. 183)

Marek B. Majorek schreibt:

„Selbst wenn man aber auf der Basis der im Genom befindlichen „Information“ die Synthese bestimmter Proteine in bestimmten Zellarten erklären könnte, wäre das Rätsel der Morphogenese noch nicht gelöst. Denn das Hauptproblem des gegenwärtigen Erklärungsparadigmas liegt nicht darin, dass es nicht imstande ist, die Differenzierung der Zygote in unterschiedliche Zellarten befriedigend zu erklären, sondern dass es überhaupt nicht imstande ist, die Entstehung selbst einer einzigen Zelle, geschweige denn eines komplexen Organismus zu erklären. Im Erfolgsrausch der täglich neuen punktuellen Entdeckungen auf immer tieferen Ebenen der subzellularen Prozesse wird nämlich die unangenehme Tatsache völlig übersehen, dass die moderne Molekularbiologie uns im besten Fall Teileinsichten in die Mechanismen bietet, welche zur Fabrikation der Rohstoffe des Organismus, der Proteine, führen, dass sie uns aber keine Einsicht darin gibt, wie aus diesen Rohstoffen die komplexen Strukturen einer Zelle entstehen können, geschweige denn wie es dazu kommt, dass aus Millionen oder sogar Milliarden unterschiedlichen Zellen komplexe Organe gebildet werden und wie diese komplexen Organe zu einem harmonischen und weisen Zusammenwirken innerhalb eines Organismus gelangen.“ (Lit.: Majorek, S. 555)

Dass den Genen und den an der Morphogenese beteiligten musterbildenden Morphogenen dennoch eine wichtige Rolle zukommt, soll deshalb keineswegs geleugnet werden, denn sie stellen das geeignet bildsame Material bereit, das von dem gestaltenden Licht und anderen verwandten Kräften durchformt werden kann, die Rudolf Steiner zusammenfassend als ätherische Bildekräfte bezeichnet hat. Insoweit ein lebendiges Wesen diese Kräfte auf unverwechselbare Weise in seinen Organismus aufnimmt, darf man von einem Bildekräfte- oder Ätherleib sprechen, der als eigenständige Realität im physischen Leib wirkt und diesen am Leben erhält. Mit dem Tod zieht sich dieser Ätherleib vom physischen Körper zurück und überlässt ihn dem dann unausweichlichen Zerfall.

Seit den 1940er Jahren beschäftigt sich Johannes W. Rohen mit goetheanistischen und anthroposophischen Ideen zur Anthropologie. Die Frucht dieser Studien publizierte er im Jahr 2000 in seinem Buch: „Morphologie des menschlichen Organismus – Versuch einer goetheanistischen Gestaltlehre des Menschen“ und 2009 in: „Eine funktionelle und spirituelle Anthropologie: unter Einbeziehung der Menschenkunde Rudolf Steiners“. Rohen stützt sich dabei auf die von Rudolf Steiner beschriebene funktionelle Dreigliederung des menschlichen Organismus und zeigt, wie die höheren Wesensglieder des Menschen, also der Ätherleib, der Astralleib und das Ich, konkret an der Gestaltung des anatomisch fassbaren physischen Leibes mitwirken.

„Der moderne Mensch wird natürlich an dieser Stelle sofort auf das Genom verweisen, in dem ja alle diese «ätherischen» Lebensprozesse, wie Vererbung, Rhythmik und Entwicklung, als «Programm» fixiert seien. Es ist natürlich richtig, dass die Chromosomen mit ihrer DNA ein genetisches Programm enthalten, das vom Organismus «nur» abgerufen zu werden braucht, um die entsprechenden Entwicklungsvorgänge in Gang zu setzen. Man hat diesen DNA-Code berechtigterweise mit einer Schrift verglichen, die insgesamt einen Text darstellt, der dann die «Befehle» für die notwendigen Lebensprozesse in der jeweiligen Entwicklungsphase erteilen soll. Derjenige, der sich mit diesen Erklärungen zufriedengibt, übersieht einen kardinalen Denkfehler. Wer liest denn diese Schrift – und wer erteilt letztlich die «Befehle»!? Ein chiffrierter Code hat ja keinen Inhalt – wie der Computer mit seinen zwei Zeichen (ja und nein oder + und -) zwar alles ver- und entschlüsseln kann, aber über die Bedeutung, d.h. den eigentlichen Inhalt, natürlich niemals etwas aussagen kann. Im Genom haben wir zwar eine «Geheimschrift des Lebendigen», nicht aber das Lebendige selbst vor uns. Der Ätherleib ist es der diese Schrift entziffern und in «Befehle» umsetzen kann.“

– Johannes W. Rohen: Eine funktionelle und spirituelle Anthropologie: unter Einbeziehung der Menschenkunde Rudolf Steiners (2009), S. 21

Lebendiges Wasser – Leben abseits des Gewohnten

Begreift man das Leben wie Goethe als gesetzmäßig sich metamorphosierende Form, dann öffnet sich dadurch ein Tor, das Leben auch dort zu verfolgen, wo es sich nicht auf der Basis von Eiweißmolekülen entfaltet. Tropfbar flüssiges Wasser, das für alle irdischen Lebewesen unverzichtbar ist, hat selbst eine starke Tendenz, geordnete innere Strukturen zu bilden, die sich selbst dynamisch erstaunlich stabil erhalten und reproduzieren. Liegt der Ursprung des Lebens im Wasser?

Wasser selbst ist jedenfalls im eben genannten Sinn lebendig und es ist umso lebendiger, je reichere innere Strukturen es zu bilden vermag. Davon ausgehend kann man auch die biologische Wirksamkeit homöopathischer Präparate besser verstehen. Zu deren Bereitung wird eine Urtinktur, beispielsweise eine konzentrierte Silbersalzlösung, schrittweise mit einem Alkohol/Wasser-Gemisch verdünnt. Durch das Silber bilden sich in der Lösung ganz spezifische geordnete Strukturen aus, gleichsam als Hohlräume, die die gelösten Silberionen umgeben. Durch die schrittweise Verdünnung („Potenzierung“) wird das Silber bei genügender Potenzierung allmählich völlig aus der Lösung entfernt, doch die geordneten Strukturen, die „Hohlräume“, bleiben, wenn die Lösung beim Verdünnen in richtiger Weise geschüttelt und dadurch dynamisiert wird, erhalten und reproduzieren sich sogar. So wird Strukturinformation vom Silber auf das Lösungsmittel übertragen. Die „Hohlräume“ sind das Komplement, das Negativbild, der strukturierenden Silberkräfte und wirken dort heilend, wo das materielle Silber krankmachend ist.

Das Vorhandensein solcher Strukturen lässt sich spektroskopisch klar nachweisen[3] und durch die sogenannten bildschaffende Verfahren, die nach Anregungen Rudolf Steiners entwickelt wurden, sogar sichtbar darstellen, etwa durch die Steigbildmethode oder die Tropfbildmethode, die in der Pharmazeutik auf anthroposophischer Basis längst zu unverzichtbaren Werkzeugen geworden sind, um die Vitalqualität von Heilmitteln zu überprüfen. Wir haben damit ein einfaches Beispiel gegeben, wie biologisch relevante Information gebildet, übertragen und verarbeitet wird.

Der kosmische Ursprung der biologischen Information

Das ist die Eigenschaft der Dinge:
Natürlichem genügt das Weltall kaum;
Was künstlich ist, verlangt geschloßnen Raum.GoetheFaust II, Laboratorium

In der Pflanzenwelt lässt sich das wuchernde, überschäumende Leben am besten studieren. Ihre Lebensenergie schöpft die Pflanze durch Photosynthese unmittelbar aus dem Sonnenlicht. Das Wesen der Pflanzen lässt sich nur verstehen, wenn man sieht, wie es ganz und gar zur Sonne hin orientiert ist. Das Blattgrün, das Chlorophyll, mittels dessen die Pflanze Photosynthese betreibt, ist geradezu ein stoffliches Abbild der inneren Gesetzmäßigkeiten des Sonnenlichts, und man geht vielleicht nicht ganz fehl darin zu sagen, dass das Sonnenlicht im Laufe langer erdgeschichtlicher Entwicklungsepochen der irdischen Materie solange seine innerste Natur aufgeprägt hat, bis endlich das Blattgrün, aber auch viele andere komplexe Strukturen entstehen konnten, die es der Pflanze ermöglichen, sich vom Licht zu ernähren. Das Sonnenlicht verleiht der Pflanze nicht nur ihre vitale Lebenskraft, es hat ihr bis zu einem gewissen Grad auch die typische Struktur gegeben! Diese lässt sich aus der materiellen Grundlage allein nicht verstehen und in einer finsteren, lichtlosen Welt wären die Pflanzen niemals entstanden.

Der wahre Ursprung der biologischen Information liegt aus anthroposophischer Sicht nicht in den Genen, er ist auch sonstwo nirgends auf Erden zu finden, sondern er ist im Kosmos zu suchen, primär in den gestaltentenden Kräften des Sonnenlichts selbst, sekundär aber auch in den Wirkungen anderer Himmelskörper. Dass der Mond einen bedeutsamen Einfluss auf das Pflanzenwachstum hat, ist seit alten Zeiten bekannt. Aber auch die Planeten unseres Sonnensystems hinterlassen ihre Spuren in allem irdischen Leben. So korrespondieren viele Wachstumsrhythmen der Pflanzen signifikant mit den verschlungenen Bewegungsrhythmen der Himmelskörper. All das lässt sich streng wissenschaftlich beobachten und beschreiben, sofern man nur gewillt ist, den Blick von der Erde zum Himmel zu erheben und zusammenzuschauen, was scheinbar so weit auseinanderliegt.

Wie ist das Leben entstanden?

„Für die Geistesforschung kann sich die Frage, wie das Lebendige entstanden ist, gar nicht stellen, sondern lediglich die Frage: Wie ist das Tote entstanden? – Ich habe Ihnen das schon einmal an einem Vergleich begreiflich zu machen versucht. Schauen Sie sich die Steinkohle an: sie ist jetzt nichts weiter als Stein, und dennoch, wenn Sie Jahrmillionen in unserer Erdentwickelung zurückverfolgen könnten, dann würden Sie feststellen, wie das, was da in der Steinkohle ist, von riesigen Farnwäldern herstammt, die verkohlt sind. Was ist also die Steinkohle? Aus ganzen Wäldern ist sie entstanden; ganz und gar lebendig war die heute tote Steinkohle.

Könnten Sie sich den Meeresboden anschauen, so würden Sie mancherlei Kalkgebilde finden. Wenn Sie Meerestiere beobachten würden, so könnten Sie sehen, daß diese Tiere fortwährend Kalk absondern. Diese Kalkschale ist das, was als festes Material bleibt. Sie haben hier wiederum das Tote als Produkt des Lebendigen. Hätten Sie die übersinnlichen Wahrnehmungsorgane entwickelt, um entsprechend weit in der Erdentwickelung zurückzugehen, so würden Sie finden, daß alles Tote vom Lebendigen kommt, daß auch der Bergkristall und der Diamant, überhaupt alles Tote, vom Lebendigen herstammt. In der äußeren Natur ist das Versteinern ein ähnlicher Prozeß wie die Entstehung des Knochensystems in uns. Sie wissen, es gibt auch Fische, die noch kein Knochensystem haben. Beim Menschen finden Sie in früheren Zuständen auch noch keine Knochen, nur Knorpel. Alles Knochensystem ist eine Art von beginnendem Leblosen im Menschen. Es ist derselbe Prozeß der Verdichtung.

So haben Sie sich auch den lebendigen Erdenkörper vorzustellen. Der ganze Erdenkörper ist ein lebendiger Organismus. Die richtige Frage ist also: Wie ist das Tote, das Leblose, entstanden? – Es ist eine der unsinnigsten Fragen: Wie ist das Lebendige aus dem Toten entstanden? – weil das Lebendige zuerst war und das Tote sich als Versteinerung, als Verhärtung abgesondert hat. So gab es einst auf unserem ganzen Erdkörper Leben, und das Leben, das damals vorhanden gewesen ist, als es noch kein Totes gab, war ursprünglich lebendige Materie.“ (Lit.GA 96, S. 35f)

Etwas von diesen ursprünglichen Lebenskräften der Erde ist noch in der fünften Schicht des Erdinneren, der sog. Fruchterde, enthalten.

„Und die fünfte Schicht, die Fruchterde, hat die Eigentümlichkeit, daß sie als Material selbst von einer unendlichen Fruchtbarkeit ist. Wenn Sie einen Teil dieser Erdenschicht haben würden, so würde sie fortwährend aus sich heraus neue Triebe und Sprossen hervorsprießen lassen; strotzende Fruchtbarkeit ist das Element dieser Schicht.“ (Lit.:GA 107, S. 178)

Im engeren und eigentlichen Sinn ist das Leben allerdings erst während der Erdentwicklung entstanden, als sich der Lebensäther bildete, den es auf den vorangegangenen planetarischen Weltentwicklungsstufen noch nicht gegeben hatte. Das war etwa zu jenem Zeitpunkt, als der Mensch als Ich-begabtes Wesen als Folge des Sündenfalls während der lemurischen Zeit erstmals auf die sich gleichzeitig zum festen kristallinen Erdelement verdichtende Erde herabstieg. Nur der Lebensäther vermag des feste Erdelement zu durchformen.

„Sie werden sagen: Haben denn die Dinge nicht früher gelebt? – Meine lieben Freunde, wie das ist, können Sie am Menschen selber lernen. Ihr Ich und Ihr astralischer Leib haben nicht das Leben und wesen eben doch. Das Geistige, das Seelische braucht nicht das Leben. Erst bei Ihrem Ätherleib fängt das Leben an, und es ist das etwas äußerlich Hüllenhaftes. Und so kommt auch das Leben erst nach dem Mondendasein mit dem Erdendasein in den Bereich derjenigen Evolution hinein, der eben unsere Erde angehört. Die farbenschillernde Welt wurde durchlebt. Nicht nur, daß jetzt Angeloi, Archangeloi und so weiter Sehnsucht empfingen, Finsternis in Licht, Licht in Finsternis hineinzutragen und dadurch im Planeten das Farbenspiel hervorzurufen, sondern es trat dieses auf, innerlich zu erleben dieses Farbenspiel, es innerlich zu machen. Zu erleben, wenn Finsternis innerlich das Licht dominiert, Schwachheit zu fühlen, Lässigkeit zu fühlen; dagegen wenn Licht die Finsternis dominiert, Aktivität zu fühlen. Denn was ist es, wenn Sie laufen? Wenn Sie laufen, ist es eben so, daß Licht in Ihnen die Finsternis dominiert; wenn Sie sitzen und faul sind, dominiert die Finsternis das Licht. Es ist seelisches Farbenwirken, seelisches Farbenschillern. Von Leben durchsetztes, durchströmtes Farbenschillern trat auf, indem die vierte Hierarchie, der Mensch, kam. Und in diesem Augenblicke des kosmischen Werdens fingen die Kräfte, die da regsam wurden im Farbenschillern, an, Konturen zu bilden. Das Leben, das die Farben innerlich abrundete, abeckte, abkantete, rief das feste Kristallinische hervor. Und wir sind im Erdendasein drinnen.“ (Lit.:GA 233a, S. 23f)

Im Zuge dieser Entwicklung bildete sich allerdings auch die sog. flüssige Erde als zweite Schicht des Erdinneren aus, die eine weiche, plastisch fließende Zone lebenszerstörender Kräfte ist und darum von Rudolf Steiner auch als Todesbezirk bezeichnet wird. Sie liegt unmittelbar unter der kristallinen mineralischen Erde.

„Die zweite Schicht versteht man nur, wenn man sich durchringt zu der Idee einer Materie, die derjenigen, die wir kennen, entgegengesetzt ist. Es ist ein negatives Leben, der Gegensatz zum Leben. Alles Leben erstirbt hier. Eine Pflanze, ein Tier, das man da hinein versenkte, würde unmittelbar vernichtet werden, aufgelöst in der Masse. Diese zweite halbflüssige Umhüllung, welche die Erde umgibt, ist in Wahrheit ein Todesbezirk.“ (Lit.:GA 94, S. 108)

Ätherische Bildekräfte

→ Hauptartikel: Bildekräfte

Das Licht, als typischste dieser Ätherkräfte, ist von nicht-materieller und übersinnlicher Natur – wir machen uns nur gewöhnlich allzu materialistische Vorstellungen davon, die uns über diese Tatsache hinwegtäuschen. Niemand noch hat das Licht mit sinnlichen Augen gesehen! Was wir einzig sehen, sind die glänzenden Farberscheinungen, die das Licht auf die Oberflächen der materiellen Welt zaubert. Die ganze Farbenfülle, die uns aus der Natur entgegen leuchtet, die strahlende Aureole einer Kerzenflamme, selbst die blendende Erscheinung der Sonnenscheibe sind nur Wirkungen des Lichtes, aber nicht dieses selbst. Ein Raum mag ganz und gar von Licht durchflutet sein – er erscheint uns solange vollkommen finster, als nicht materiellere Gegenstände, und seien es auch nur die feinsten Stäubchen, in ihn eintreten und das Licht an ihrer Oberfläche farbig erglänzen lassen. Der nächtliche Sternenhimmel ist dafür das beste Beispiel. Zwar sehen wir die leuchtenden Sterne, dazwischen aber ist der Himmel finster, obwohl er ganz und gar von allen Seiten vom Sternenlicht durchströmt wird. Wie uns die moderne Physik lehrt, ist das Licht letztlich reine strahlende Energie, und die zeitgenössische Kosmologie geht davon aus, dass der ganze äußere Kosmos aus einem gewaltigen lichtartigen Energieblitz, dem vielzitierten Urknall, entstanden sei und dass sich die Materie erst allmählich aus dieser ursprünglichen Energieflut herauskristallisiert hat. Materie ist, populär ausgedrückt, so etwas wie „gefrorenes“ Licht. Die nichtmaterielle übersinnliche Lichtenergie ist also die primäre Realität und die Materie selbst nur eine sekundäre Erscheinung.

Die primäre kosmische Energie ist keineswegs als blind wirkende Kraft anzusehen, sondern sie trägt in sich alle die Naturgesetze, die unsere Welt beherrschen und von denen wir heute erst jene annähernd durchschauen, welche in der toten trägen Materie eingefangen wurden. Diese Naturgesetze sind gleichsam die dem Kosmos innewohnende schaffende Intelligenz, die unsere Welt gestaltet. Etwas von dieser Intelligenz, die in der gesetzmäßigen Struktur der Materie begraben ist, haben wir heute bereits entdeckt. Die weit größere schöpferische Intelligenz, die den Lebenserscheinungen zugrunde liegt, kennen wir noch sehr wenig. Dass wir uns diese kosmische Intelligenz nicht allzu anthropomorph analog unserem kleinen menschlichen Verstand vorstellen dürfen, versteht sich von selbst. Dieser mag höchstens ein matter Abglanz derselben sein. Indem wir zugeben, dass Naturgesetze in unserer Welt wirken, dass das Naturgeschehen nicht vollkommen regellos und willkürlich abläuft, – und das müssen wir als Naturwissenschaftler, der gerade diese Gesetze zu entdecken sucht, zwangsläufig – dann geben wir damit auch implizit zu, dass eine derartige Intelligenz in der Welt waltet.

Man liegt nicht ganz falsch, wenn man die Ätherkräfte als Gedankenlichtkräfte bezeichnet. Nur muss man sich dabei klar sein, dass das, was hier mit „Gedanken“ gemeint ist, sich nicht mit den blassen Gedankenschatten vergleichen lässt, die wir durch unseren abstrakten Verstand bilden. Unsere menschlichen Gedanken sind nur wesenlose, kraftlose Schatten, sind bloße Bilder ohne eigenständige Wirklichkeit – die hier gemeinten ätherischen Gedankenlichtkräfte sind dagegen gesetzmäßig in der äußeren Welt real tätige wirkende Naturkräfte. Der Ätherleib, sei es nun der des Menschen, der eines Tieres oder der einer belebten Pflanze, darf dementsprechend als Gedankenlichtleib bezeichnet werden. Was wir mit unserem irdischen Verstand etwa mit dem Allgemeinbegriff, mit der Idee der „Rose“ zu erfassen meinen, ist in Wahrheit der in sich konsolidierte Gedankenlichtleib, der eine heranwachsende Pflanze zur Rose ausgestaltet. Johann Wolfgang von Goethe, der sich ja sehr vielfältigen Pflanzenstudien gewidmet hat und daraus seine Metamorphosenlehre entwickeln konnte, hat etwas davon geahnt, wenn er von der Urpflanze sprach, die ihm weit mehr war als ein bloßer abstrakter Begriff. Der Gedankenlichtleib, der Ätherleib verleiht jedem Lebewesen – Pflanze, Tier und Mensch –seinen charakteristischen arttypischen bzw. individuellen Bau. Und so ist es der menschliche Gedankenlichtleib, der uns die äußere physische Gestalt bildet und erhält.

Sakramentalismus als Voraussetzung für die künftige Erschaffung lebendiger Wesen

→ Hauptartikel: Sakrament

„Das Ich steht erst auf der Stufe des Mineralreichs. Der Bewußtseinszustand des Ich-Menschen ist durchaus auf der Stufe des Mineralreichs. Versuchen Sie sich einmal gemäß dieser Wahrheit zu prüfen, was Sie alles an Erkenntnissen haben können; versuchen Sie es richtig zu erkennen. Was kann denn der Mensch verstehen? Er kann die physischen Gesetze des Mineralreichs verstehen, nach denen er Maschinen und Fabriken bauen, Bauwerke aufrichten kann und so weiter. Das alles geschieht nach den physischen Gesetzen des Mineralreichs. Schon bei den Pflanzen sagt der Mensch mit Recht, er könne das Leben selbst nicht mit dem Intellekt begreifen. Es wird einmal die Zeit kommen, wo der Mensch ebenso die Pflanzen begreifen wird, wie er heute die Mineralien begreift; dann wird er auch die Pflanze aufbauen können, wie er sich heute seine Dome und Häuser und seine Maschinen nach den Gesetzen des Mineralreiches aufbaut. Es sind alles Gesetze des Mineralreichs, wovon das Ich durchdrungen ist.

Die Wissenschaft wartet darauf, daß sich ihr Ideal erfüllt, einmal lebendige Wesen im Laboratorium herzustellen. Das wird sie nicht können, wenn die Menschheit nicht auf einer gewissen notwendigen Stufe der moralischen Entwickelung angelangt sein wird. Es wäre schlimm, wenn die Menschheit das heute schon können würde. Wie man heute eine Uhr herstellt nach mineralischen Gesetzen, wie man ein Haus baut, so wird der Mensch in der Zukunft das Lebendige nach den Gesetzen des Lebendigen herstellen. Dann wird er aber imstande sein müssen, dem Lebendigen das Leben selbst einzuprägen. Wer dann am Laboratoriumstisch stehen wird, wird imstande sein müssen, von sich aus überzuleiten jene – nennen wir es: Schwingungen, die in seinem eigenen Ätherleibe sind, auf das, was zu beleben ist. Ist er ein guter Mensch, so leitet er das Gute über; ist er ein schlechter Mensch, so leitet er das Schlechte über. Es gibt aber einen Satz im Okkultismus: Nicht eher wird das Wissen der Weißen Loge, das man das Geheimnis der Lebenserzeugung nennt, an die Menschheit ausgeliefert, bevor nicht der Mensch das Geheimnis des Sakramentalismus erlernt hat.

«Sakramentalismus» ist ein Ausdruck dafür, daß die menschliche Handlung von moralischer Vollendung, von Heiligkeit durchglüht sein muß. Erst wenn dem Menschen der Laboratoriumstisch, wo er seine Arbeit vollbringt, ein Altar sein wird und seine Handlung eine heilige, dann wird er dazu reif sein, daß ihm dieses Wissen ausgeliefert werden kann. Man denke sich die heutigen Menschen mit all ihrem Materialismus – wie weit ist ihr Laboratoriumstisch heute entfernt von einem Altar!“ (Lit.:GA 101, S. 213ff)

Künftig wird man die Lebenskräfte auch zum Antrieb von Maschinen benutzen, die allerdings nur funktionieren werden, wenn sie von Menschen mit guter moralischer Gesinnung in Gang gesetzt werden. Ein erstes Beispiel dazu, auf das Rudolf Steiner wiederholt hinwies, ist der bereits Ende des 19. Jahrhunderts von John Worrell Keely entwickelte Keely-Motor.

„Vielleicht ist Ihnen bekannt, daß Keely einen Motor konstruiert hat, der nur ging, wenn er selbst dabei war. Er hat damit den Leuten nichts vorgemacht, denn er hatte in sich selbst jene treibende Kraft, die aus dem Seelischen hervorgeht und Mechanisches in Bewegung setzen kann. Eine Antriebskraft, die nur moralisch sein kann, das ist die Idee der Zukunft; die wichtigste Kraft, die der Kultur eingeimpft werden muß, wenn sie sich nicht selbst überschlagen soll. Das Mechanische und das Moralische werden sich durchdringen, weil dann das Mechanische ohne das Moralische nichts ist. Hart vor dieser Grenze stehen wir heute. Nicht bloß mit Wasser und Dampf, sondern mit spiritueller Kraft, mit spiritueller Moral werden in Zukunft die Maschinen getrieben werden. Diese Kraft ist symbolisiert durch das Tau-Zeichen und wurde schon poetisch angedeutet durch das Bild des Heiligen Gral. Wie der Mensch nicht mehr nur angewiesen ist darauf, zu benützen, was ihm die Natur freiwillig hergibt, sondern wie er die Natur formt und umgestaltet, wie er zum Werkbaumeister des Unlebendigen geworden ist, so wird er zum Werkbaumeister des Lebendigen werden.“ (Lit.:GA 93, S. 286)

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