Quantität | OekoHuman

Quantität ist die mess- oder zählbare Größe, Zahl, Menge etc. Eine Grundkategorie bei  Aristoteles. Bei  Kant eine apriorische Kategoriengruppe, die Erkenntnis erst ermögliche.

Die Naturwissenschaft beschäftigt sich vorrangig mit Quantitäten, mit der Erkenntnis quantitativer Unterschiede und Veränderungen.

In der Philosophie ist es erforderlich, sich auf die Erkenntnis der verschiedenen Qualitäten im Sein zu konzentrieren und auf die Entstehung neuer Qualitäten im Verlaufe der Entwicklung, z. B. der molekularen und biotische Evolution, der Entstehung von GeistGesellschaftEthik und Ästhetik zu konzentrieren. Das machen u. a. HegelNicolai HartmannSamuel Alexander und Ernest Renan. Wer die Entstehung neuer Qualitäten nicht sieht, wie z. B. Nietzsche und viele seiner Anhänger, kommt zu katastrophalen philosophischen Auffassungen und katastrophalen praktischen Verhaltensweisen. Da werden dann die Gesetze der Natur in die menschliche Gesellschaft übertragen, was zum Sozialdarwinismus, im Extremfall zum Faschismus führt.


Auffassungen zum Umschlagen von Quantität in Qualität

Eine Nervenzelle kann nicht denken und kein Bewusstsein hervorbringen. 100 Milliarden Nervenzellen (soviele hat ein menschliches Gehirn) können – wenn sie eine Struktur, ein Netz bilden –, denken und können Bewusstsein hervorbringen. 100 Milliarden Nervenzellen sind also nicht nur quantitativ mehr, als eine Nervenzelle, sie bilden zusammen eine höhere Qualität.

Ein kleines Kind bezieht alles auf sich. Mama und Papa existieren für mich. Das die ein Eigenleben haben, das begreift das Kind oft schmerzhaft. Wenn diese Erkenntnis da ist, ist sie neu. Sie ist auf nichts reduzierbar, was das Kind vorher wusste. Es ist eine neue Qualität von Wissen.

Das heutige Wissen der Menschheit unterscheidet sich von dem Wissen der Menschen des Mittelalters nicht nur quantitativ. Unser wissenschaftliches Weltbild, z. B. das Wissen um den subatomarenatomarenmolekularen und zellulären Aufbau der Welt, der Entwicklungsgedanke in der Kosmologie, in der Geologie, in der Biologie, in den Gesellschaftswissenschaften, das alles ist eine qualitativ höhere Weltsicht als der Buchstabenglaube an die  Bibel. Sehen Sie hierzu auch die Ausage  Koyre.

Ein drastisches Beispiel für die Verkennung der verschiedenen Qualitäten: Auch die Menschen unterliegen – soweit sie materielle Körper sind – den Gesetzen der Physik. Wollte man nun aber die Bewegung von Menschen in der Gesellschaft mit den Methoden der Physik erklären, dann bekäme man das Wichtigste nicht in den Blick. Hierfür gibt es zu recht die qualitativ andere Wissenschaft der Soziologie.

Dass sich die Natur nicht einseitig quantitativ erfassen lässt, sondern dass auch das Qualitative berücksichtig werden muss, hat Rudolf Steiner schon in seinen «Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften» betont:

„Gegenstand der Mathematik ist die Größe, das, was ein Mehr oder Weniger zulässt. Die Größe ist aber nichts an sich selbst Bestehendes. Es gibt im weiten Umkreise menschlicher Erfahrung kein Ding, das nur Größe ist. Neben anderen Merkmalen hat jedes Ding auch solche, die durch Zahlen zu bestimmen sind. Da die Mathematik sich mit Größen beschäftigt, hat sie zu ihrem Gegenstande keine in sich vollendeten Erfahrungsobjekte, sondern nur alles das von ihnen, was sich messen oder zählen lässt. Sie sondert alles, was sich der letzten Operation unterwerfen lässt, von den Dingen ab. So erhält sie eine ganze Welt von Abstraktionen, innerhalb welcher sie dann arbeitet. Sie hat es nicht mit Dingen zu tun, sondern nur mit Dingen, insofern sie Größen sind. Sie muss zugeben, dass sie da nur eine Seite des Wirklichen behandelt, und dass die letztere noch viele andere Seiten hat, über die sie keine Macht hat. Die mathematischen Urteile sind keine Urteile, die wirkliche Objekte voll umfassen, sondern sie haben nur innerhalb der ideellen Welt von Abstraktionen Gültigkeit, die wir selbst als eine Seite der Wirklichkeit von der letzteren begrifflich abgesondert haben. Die Mathematik abstrahiert die Größe und die Zahl von den Dingen, stellt die ganz ideellen Bezüge zwischen Größen und Zahlen her und schwebt so in einer reinen Gedankenwelt. Die Dinge der Wirklichkeit, insofern sie Größe und Zahl sind, erlauben dann die Anwendung der mathematischen Wahrheiten. Es ist also ein entschiedener Irrtum, zu glauben, dass man mit mathematischen Urteilen die Gesamt-Natur erfassen könne. Die Natur ist eben nicht bloß Quantum; sie ist auch Quale, und die Mathematik hat es nur mit dem ersteren zu tun.“ (Lit.:GA 1, S. 239f)

Platons Grundbegriffe

Platon war der erste, der die Begriffe auf Grundbegriffe zurückführte und damit die hierarchische Struktur der Ideenwelt offenbarte. Platon nennt in seinem Dialog Sophistes[1] fünf derartige Grundbegriffe, die nicht auf andere rückführbar sind: das Seiende, Ruhe und Bewegung sowie das Selbe und Verschiedenheit.

Die 10 Kategorien bei Aristoteles

Der eigentliche Begründer einer systematischen Kategorienlehre aber war Aristoteles. Seine schêmata tês katêgorias tôs ontôn umfassen die (objektiven) Grundaussagen über das Seiende, unter denen sich, als den obersten Gattungsbegriffen, alles Seiende unterordnen läßt. In seiner Schrift Kategorien nennt Aristoteles zehn Kategorien. Dieselben Kategorien zählt Aristoteles in Top. I 9 (103b 20) auf, ohne allerdings Beispiele zu geben. An anderen Stellen gibt Aristoteles, unter Auslassung von Sein und Haben, weniger Kategorien an (Analyt. post. I 22, 83a 21; 83b 16; Phys. V 1, 225b 6, Met. XIV 2, 1089b 23.). Die zehn Kategorien sind:

KategoriegriechischFrageBeispiel
Substanzousiati estiWas ist etwas?Mensch, Pferd
QuantitätposonWie viel/groß ist etwas?zwei Ellen lang
QualitativespoionWie beschaffen ist etwas?weiß, des Lesens kundig
Relationpros tiIn welcher Beziehung steht etwas (zu etwas)?doppelt, halb, größer
OrtpouWo ist etwas?im Lyzeum, auf dem Marktplatz
ZeitpoteWann ist etwas?gestern, voriges Jahr
LagekeisthaiIn welcher Position ist etwas?es ist aufgestellt, sitzt
HabenecheinWas hat etwas?hat Schuhe an, ist bewaffnet
TunpoieinWas tut etwas?schneidet, brennt
LeidenpascheinWas erleidet etwas?wird geschnitten, gebrannt

Die erste Kategorie, die Substanz, hat dabei eine besondere Bedeutung, denn nur ihr kommt, als dem jeder Aussage zugrundeliegenden (hypokeimenonSubjekt, ein selbstständiges und unveränderliches Sein zu, während die anderen neun Kategorien nur dessen wechselnde akzidenzielle Eigenschaften umfassen und aussagen. Die Akzidenzien existieren nicht selbstständig, sondern nur als nähere Bestimmungen in einer Substanz.

Die 12 Kategorien bei Kant

1. Der Quantität:EinheitVielheitAllheit.2. Der Qualität:RealitätNegationLimitation.3. Der Relation:der Inhärenz und Subsistenz (substantia et accidens)der Causalität und Dependenz (Ursache und Wirkung)der Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen dem Handelnden und Leidenden).4. Der Modalität:Möglichkeit – UnmöglichkeitDasein – NichtseinNothwendigkeit – Zufälligkeit.
Immanuel Kant: AA III, 93– KrV B 106[2]

Immanuel Kant unterschied in seiner Kritik der reinen Vernunft 12 Kategorien, die er systematisch auf die vier Formen des Urteils zurückführt, die jeweils wieder in 3 Urteilsmöglichkeiten geschieden sind:

  1. Quantität in: Einzelne, besondere, allgemeine,
  2. Qualität in: Bejahende, verneinende, unendliche (limitative),
  3. Relation in: Kategorische, hypothetische, disjunktive,
  4. Modalität in: Problematische, assertorische, apodiktische.

Die Kategorien seien nach Kant als reine Begriffe a priori, d.h. vor jeder Erfahrung, unmittelbar gegeben und machten so Erfahrung überhaupt erst möglich. Rudolf Steiner trat dieser Ansicht entschieden entgegen. Die Kategorien seien zwar sehr wohl vor jeder sinnlichen Erfahrung geben, aber keineswegs a priori, sondern ebenfalls nur durch Erfahrung, also a posteriori gegeben – allerdings durch rein geistige Erfahrung, nämlich durch die durch Inspiration geistig wahrnehmbare Sphärenharmonie. Was für Kant nur abstrakte leere Schemata („Gedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind blind“AA III, 75) sind, wird für Steiner gerade zum Ausgangspunkt einer vollgesättigten lebendigen geistigen Wahrnehmung, die den Gedanken ihren rein geistigen Inhalt gibt. Das Denken ist für Steiner eine «höhere Erfahrung in der Erfahrung». Diese geistige Erfahrung ist aber nicht einfach gegeben, sondern muss durch Menschen tätig im Denken hervorgebracht werden – darin liegt der wesentliche Unterschied zur sinnlichen Wahrnehmung. Durch die Denktätigkeit wird das wahre Wesen der Welt überhaupt erst zur Erscheinung gebracht. Die Kategorientafel und alle reinen Begriffe überhaupt stehen dabei für Steiner an der Schwelle zwischen sinnlicher und übersinnlicher Welt, während die von Steiner charakterisierten höheren geistigen Erkenntnisformen der ImaginationInspiration und Intuition bereits über diese Schwelle hinausführen[3].

„Sie können sich das Gefüge, das Netz von Begriffen, das der Mensch hat – von den mathematischen Größen und Zahlenbegriffen angefangen bis zu den komplizierten Begriffen, mit denen Goethe in seiner «Metamorphose» einen Anfang gemacht hat, die aber in unserer abendländischen Kultur noch ganz in den Anfängen ruhen -, Sie können sich dieses ganze Begriffsnetz wie eine Tafel vorstellen, die die Grenze bildet zwischen der sinnlichen Welt auf der einen und der geistigen Welt auf der anderen Seite. So also können wir uns gerade durch das Begriffsnetz begrenzt denken: auf der einen Seite die Sphäre der übersinnlichen und auf der anderen Seite die Sphäre der sinnlichen Wirklichkeit.“ (Lit.GA 108, S. 238)

Die geistige Realität der Kategorien

Wie die 10 Sephirot der jüdischen Kabbala sind die 10 Kategorien des Aristoteles in Wahrheit ein geistiges Alphabet, mit dem sich der ganze Kosmos beschreiben lässt. (Lit.GA 353, S. 210ffGA 236, S. 160ff)

„Und nun entstand, als jenes Monden-Weltenerklingen wieder da war, in dem erkannt wurde von Aristoteles und Alexander, was das Feuer von Ephesus bedeutete, wie dieses Feuer hinausgetragen hat in Welten-Ätherfernen dasjenige, was das Geheimnis von Ephesus war, da war es, daß in diesen beiden entstand die Inspiration, die Weltenschrift zu begründen. Nur, die Weltenschrift wird nicht begründet mit a b c d e f, sondern die Weltenschrift wird begründet, wie die Buchschrift mit Buchstaben, so diese mit Gedanken. Und es entstanden die Lettern der Weltenschrift.

Wenn ich es Ihnen aufschreibe, sind sie ebenso abstrakt wie a b c d:

Quantität, also Menge – GÜTE-Qualität, also Eigenschaft – Kausalität – Relation – Raum-Zeit – Lage – TUNkonstruktives Leiden-Partkdolg-Pflicht (Duty)

Da haben Sie eine Anzahl von Begriffen. Lernen Sie mit diesen Begriffen, die zuerst Aristoteles dem Alexander vorgeführt hat, lernen Sie mit diesen Begriffen dasselbe vollführen, was Sie gelernt haben mit a b c d, dann lernen Sie aus Qualität, Quantität, Relation, Raum, Zeit, Lage, Tun, Leiden -, aus dem lernen Sie lesen im Kosmos.

In der Schullogik ist in der Zeit der Abstraktivität etwas Besonderes geschehen. Denken Sie nur einmal, wenn in irgendeiner Schule die Gepflogenheit wäre, die Leute nicht lesen zu lehren, sondern meinetwillen nur Bücher zu fabrizieren, in denen sie immer a b c d lernen müßten in allen möglichen Kombinationen: a c, a b, b e und so weiter – aber nicht dazu kämen, diese Buchstaben zu verwenden, um reiche Inhalte sich vor die Seele zu stellen, dann wäre das dasselbe, was die Welt mit Aristoteles‘ Logik gemacht hat. In den Logiken ist es so, daß ja diese, man nennt es Kategorien, aufgeführt werden. Man lernt sie auswendig, aber man weiß mit ihnen nichts anzufangen. Das würde entsprechen dem, daß man a b c d e auswendig lernte und nichts mit ihnen anzufangen wüßte. Zurück auf etwas so Einfaches, wie der Inhalt des «Faust» in a b c d – was man nur lernen muß – geht dasjenige, was Lesen in der Weltenschrift ist. Und im Grunde genommen ist das, was Anthroposophie hervorgebracht hat und jemals hervorbringen kann, aus diesen Begriffen so erlebt, wie das Gelesene des «Faust» erlebt wird aus den Buchstaben. Denn alle Geheimnisse der physischen und geistigen Welt sind in diesen einfachen Begriffen als dem Weltenalphabet enthalten.

Es ist in der Weltentwickelung das geschehen, daß gegenüber dem früheren unmittelbaren Wahrnehmen, für das die Tatsachen von Ephesus noch etwas Allercharakteristischstes sind, etwas getreten ist, was von der Alexanderzeit aus den Anfang nimmt, was sich dann später erst besonders entwickelt durch das Mittelalter hindurch, was tief verborgen ist, was tief esoterisch ist. Tief esoterisch ist der Sinn, der lebt in diesen acht, oder man kann sie auch auf zehn erweitern, in diesen acht oder zehn einfachen Begriffen. Und wir lernen eigentlich immer mehr in diesen einfachen Begriffen leben, aber wir müssen streben, sie so lebendig in der Seele zu erleben, wie man in der Seele lebendig erlebt das Abc, wenn man eben einen reichgegliederten, geisterfüllten Inhalt hat.

So sehen Sie, wie in zehn Begriffe, deren innere Leuchte- und Wirkekraft erst wiederum enthüllt werden muß, hineinlief dasjenige, was eine gewaltige, instinktive Weisheitsoffenbarung durch Jahrtausende war. Und es wird schon einstmals dahin kommen, daß man dasjenige, was eigentlich wie im Grabe ruht, die Weltenweisheit, das Weltenlicht, wiederum finden wird, wenn man wieder lesen lernen wird im Weltenall, wenn man erleben wird die Auferstehung dessen, was in der Zwischenzeit der Menschheitsentwickelung zwischen den zwei geistigen Epochen verborgen worden ist.“ (Lit.GA 233a, S. 164f)

Quantität Sanskrit Wie übersetzt man das deutsche Wort Quantität auf Sanskrit? Sanskrit ist eine komplexe Sprache. Es gibt einige Sanskrit Wörter, mit denen man Quantität ins Sanskrit übersetzen kann. Deutsch Quantität kann ins Sanskrit übersetzt werden mit Parimiti . Das Sanskritwort Parimiti bedeutet auf Deutsch Maß, Quantität.

Folgende Sanskrit-Wörter sind Übersetzungen von Quantität:

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