System-Körper-Sprache Geld- und Wirtschaftslage


US-Finanzministerin warnt: Ohne Erhöhung der US-Schuldenobergrenze droht Finanzkrise.

Janet Yellen verleiht ihrer Drohung noch einmal Nachdruck: Sollte der Kongress der Regierung nicht erlauben, noch mehr Schulden aufzunehmen, sind die USA zahlungsunfähig. US-Finanzministerin Janet Yellen hat den Kongress erneut dringend gebeten die US-Schuldenobergrenze zu erhöhen. In einem Meinungsbeitrag im „Wall Stree Journal“ schrieb Yellen, wenn die USA ihren Verpflichtungen nicht nachkommen könnten, würde dies eine historische Finanzkrise auslösen. „Wir würden aus dieser Krise als eine dauerhaft geschwächte Nation hervorgehen“, schrieb Yellen. Die Kreditwürdigkeit der USA sei bisher ein strategischer Vorteil gewesen.Eine durch Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung ausgelöste Krise würde die wirtschaftlichen Schäden durch die anhaltende Corona-Pandemie verschlimmern, die Märkte in Aufruhr versetzen und die amerikanische Wirtschaft in die Rezession stürzen. Millionen Arbeitsplätze würden verloren gehen und die Zinsen dauerhaft steigen.

Yellen erwähnte in ihrem Text keinen Zeitpunkt für ein Eintreten der Zahlungsunfähigkeit. Sie hatte jedoch zuvor schon verlauten lassen, das diese bereits im Oktober drohen könne, wenn das Finanzministerium seine Zahlungsreserven und außerordentlichen Kreditaufnahmekapazitäten im Rahmen der 28,4 Billionen Dollar Grenze ausgeschöpft habe.

Inflation: Die unbequeme Wahrheit – heißt auch für Europa die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit.

Frau Prof. Isabel Schnabel aus dem EZB-Direktorium attackiert „Bild“, „Wirtschaftswoche“, „Spiegel“, „Tagesspiegel“ und „Focus Online“ für deren Berichterstattung zur Inflation: „Die Medien“, sagte sie im Rahmen des Baden-Badener Unternehmergesprächs, „verstärken die Ängste der Menschen – ohne jede Erklärung“.

Sie sagt:

Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die aktuelle Geldpolitik zu permanent höherer Inflation oberhalb von zwei Prozent oder gar zu einer Hyperinflation führen wird.
Gabor Steingart hat acht Fakten zusammengetragen, um nachzuweisen, daß die EZB etwas blauäugig bzw. wie die berühmten „Drei Affen“ zur Zeit agieren.

  1. Als Zentralbank mit einem klaren Mandat der Preisstabilität betreffen uns diese Sorgen unmittelbar. Eine sachliche Einordnung der Gründe für die jüngsten Preisanstiege und eine Einschätzung der zukünftigen Risiken sind wichtig. Richtig wäre zu sagen: Aus dem Auftrag der EZB leitet sich nicht zuvorderst eine Erklärfunktion ab, sondern eine Aufforderung zum Handeln. Das Instrument der Stunde ist nicht Public Relations, sondern ist die Zinspolitik.
  2. Der wahre Grund einer Nichtreaktion der EZB sei die Furcht, eine Zinserhöhung könnte den weniger leistungsfähigen Volkswirtschaften, die auf das billige Geld angewiesen sind wie der Süchtige auf sein Heroin, Probleme verursachen.Eine verfrühte Straffung der Geldpolitik in Reaktion auf einen vorübergehenden Inflationsanstieg wäre Gift für den derzeitigen Aufschwung und würde gerade denen noch mehr schaden, die auch unter dem jetzigen Inflationsanstieg leiden.
    Dem EZB-Auftrag angemessen wäre es, die europäischen Bürger zu retten, nicht die Finanzminister in Rom, Lissabon, Athen und Madrid.
  3. 13 Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise liege die Arbeitslosenquote vielerorts noch immer über dem Niveau vor der Krise und biete den Firmen damit kaum Spielraum, ihre Kosten auf die Konsumenten überzuwälzen. Was für eine Fehleinschätzung. Fakt ist: Auf breiter Front geben die Unternehmen die Preissteigerungen weiter, vom Holz bis zum Benzin.

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Update: 19. Aug. 2021

Corona-Schulden: Kann Deutschland sich das leisten?

Der zweite harte Lockdown wird teuer: Die Hilfen für die betroffenen Unternehmen kosten den Staat pro Monat – zusätzlich zu den anderen Unterstützungsmaßnahmen – weitere gut 11 Milliarden Euro. Damit steigt die Verschuldung des Landes weiter an. Mehr als 2,3 Billionen Euro – so hoch sind die Schulden Deutschlands, wie sie die Schuldenuhr des Bunds der Steuerzahler angibt. Eine unvorstellbare Summe. Aber die allein sagt noch nicht viel. Denn gleichzeitig hat Deutschland, nach Schätzungen der Bundesregierung, Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 3 Billionen Euro geschaffen.

Schuldenquote durch Corona deutlich gestiegen

Aussagekräftiger ist die relative Verschuldung, die Schuldenquote. Die wird in diesem Jahr nach Schätzungen des ifo-Instituts bei rund 74 Prozent liegen. Vor Corona waren es nur 60 Prozent. Der Anstieg ist also stark. Aber die Quote an sich ist noch nicht beängstigend hoch. Nach der Finanzkrise lag sie bei gut 82 Prozent. Die gute Konjunktur nach der Finanzkrise hat es möglich gemacht, aus dieser Verschuldung wieder herauszuwachsen.

Niedrige Zinsen helfen bei der Bewältigung der Schulden

Zugute kommt dem Staat dabei auch die Niedrigzinspolitik der EZB. Denn derzeit zahlt der Finanzminister keine Zinsen für die Kredite. Die deutschen Staatsanleihen haben eine negative Rendite, sprich die Anleger zahlen sogar, um die als sicher geltenden deutschen Anleihen zu kaufen. Und auch ein Blick über die Grenzen zeigt, dass sich Deutschland noch keine allzu großen Sorgen machen muss. Denn die Schuldenquoten sind in den meisten anderen Ländern deutlich höher: in Italien liegt sie bei knapp 159 Prozent, in Frankreich bei gut 116 Prozent und in Großbritannien sind es 102 Prozent, so die Schätzung der Europäischen Kommission

Wer zahlt all die Corona-Schulden zurück?

Bleibt die Frage, wer zahlt das alles zurück? Dabei verweisen Ökonomen immer gerne darauf, dass Staaten keine Privatpersonen sind und Schulden deshalb anders betrachtet werden müssen. Denn ein Staat stirbt nicht und hinterlässt den Schuldenberg irgendjemandem. Staatsschulden müssten auch nicht unbedingt zurückgezahlt werden. Solange die Zinsen bedient werden und die Anleger Vertrauen in diesen Staat haben, sind hohe Schulden kein großes ökonomisches Problem. Schwierig wird es erst dann, wenn die Zinsen wieder steigen und dann ein Großteil der Staatseinnahmen für die Zinszahlungen verwendet werden muss. Dann werden die hohen Schulden zur Belastung, da weniger Geld für andere Ausgaben zur Verfügung steht.

Europa:

  • € 11.000.000.000.000,-
  • Pro Kopf € 29.000,-

USA:

  • Absolut gesehen haben die USA höchste Verschuldung weltweit.
  • Schuldenstand USA:  28,4 Billionen US-Dollar.
  • Pro Kopf $ 87.000,-.
  • US-Schulden somit einmal mehr auf neuem Rekordniveau.
  • Schuldenuhr USA tickt seit Corona besonders schnell.
  • Corona Pandemie wird diese Entwicklung fortschreiben.

Schulden und Inflation

“Inflation ist und bleibt eine große Gefahr, mit ihren Verteilungswirkungen und Destabilisierungswirkungen, die daraus für die Gesellschaft ausgehen.”– Prof. Hans-Werner Sinn.

Die deutsche Wirtschaft in der Post-Corona-Welt – Gespräch mit  Prof. Hans-Werner Sinn.

Update: 01. Juni 2021

Das Wichtigste in Kürze für Deutschland:
  • Schuldenstand zum 31.12.2020: 2.171.800.000.000 Euro
  • Heute ca. 2.400.000.000.000 zzgl. implizierter Schulden.
  • Das sind über 2,1 Billionen. Somit neuer historischer Rekordstand
  • Nach 5 Jahren Schuldenabbau erstmals wieder Schuldenzunahme
  • Ursache ist die Corona-Krise
  • Dies sind vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2020. Bitte Hinweise zur Berechnung* beachten
Diesen Linksfolgen und für sich die richtigen, guten und genauen Schlüsse ziehen:
Das Wichtigste in Kürze aus den USA:

Update: 12. Mai 2021.

Steigende Rohstoffpreise dürften die Inflation anheizen.

Viel spricht dafür, dass der Boom bei Öl, Kupfer und Co. auf die Teuerung durchschlagen wird. Der Kupferpreis hat den sich abzeichnenden wirtschaftlichen Aufschwung vorweggenommen. Das Industriemetall begann sich im Sommer 2020 zu verteuern, als zumindest in den USA und Europa noch kein Ende der Pandemie in Sicht war. Der Durchbruch bei der Impfstoffentwicklung und der nahende Sommer in Europa hat dem Kupferpreis noch mal einen Schub gegeben – und nun scheint ein neues Allzeithoch nur noch eine Frage der Zeit. Der Boom der Kupferpreise und anderer zyklischer Rohstoffe wie Öl weckt an den Märkten Erinnerungen an vergangene Rohstoff-Superzyklen – und schürt besonders in Deutschland Ängste vor einer Inflation. Doch eine durch Rohstoffpreise ausgelöste Teuerung ist ein gutes konjunkturelles Signal. Für eine auf Industrie und Export ausgelegte Volkswirtschaft wie die deutsche ist das eine große Chance. Kurzfristig dürften sogenannte Basiseffekte dafür sorgen, dass die Inflation in Deutschland nach Jahren der Preisstagnation wieder ansteigt. Das hat vor allem mit der extrem starken Erholung der Rohstoffpreise seit dem Kollaps im März 2020 zu tun.

Die Industrie dürfte die gestiegenen Einkaufspreise weitergeben können, ohne dass die Margen nachhaltig in Gefahr sind. Auch um die Wettbewerbsfähigkeit der Exportnation muss sich wegen der gestiegenen Rohstoffpreise niemand Sorgen machen – Öl und Kupfer verteuern sich weltweit für alle Industrien. Eine kräftig wachsende Weltwirtschaft bedeutet für Deutschland höheren Wohlstand. Die Nähe zwischen Geld- und Fiskalpolitik wird von vielen Ökonomen ebenfalls als Inflationstreiber gesehen. Doch auch hier überwiegen die Chancen: Die Koordination zwischen Regierungen und Notenbanken sorgt dafür, dass der Aufschwung der Realwirtschaft nicht durch überhastete Zinserhöhungen gefährdet wird.

Boom der Realwirtschaft nimmt Druck von den Notenbanken

Diesen Fehler haben die Zentralbanker schon viel zu häufig gemacht: Die Bundesbank hat beispielsweise nach der Wende die Zinsen zu schnell angehoben – die nachfolgende Rezession Anfang der 90er-Jahre hat die Wiedervereinigung extrem erschwert. Und die Fed hat 2013 mit einem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik für Chaos an den Märkten gesorgt, obwohl die Inflationsrate zu der Zeit noch unter dem eigens gesetzten Zwei-Prozent-Ziel lag.

Mehr noch: Das Wachstum der Realwirtschaft nimmt den Druck von den Notenbanken, mit noch unkonventionelleren Methoden zu versuchen, die Teuerungsraten anzuheben. Davon, dass die Fed Aktienindexfonds kaufen könnte, redet inzwischen niemand mehr. Vielmehr ist Konsens, dass Fed, EZB und Co. Inflationsraten von mehr als zwei Prozent tolerieren könnten. Wenn etwas mehr Inflation der Preis dafür ist, dass wir die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise schneller hinter uns lassen, dann sollten wir bereit sein, diesen zu zahlen.

Sicher, eine erhöhte Inflation – oder genauer: negative Zinsen nach Abzug der Inflationsrate – ist für Sparer unerfreulich. Denn sie senken die reale Kaufkraft des Ersparten. Doch wer Vermögen hat, dem ist es auch zuzumuten, es gegen den Kaufkraftverlust abzusichern. Aktien, Rohstoffe, inflationsgeschützte Anleihen: Die Auswahl ist groß genug. Ein Recht auf einen risikolosen Sparzins gibt es nicht.

Die deutschen Inflationssorgen speisen sich aus einem verzerrten Geschichtsbild

Leider werden Schlüsse für die heutige Wirtschaftspolitik auf Basis verzerrter Erinnerungen getroffen, meint Philipp Heimberger. Das Trauma der Hyperinflation aus Zeiten der Weimarer Republik wirft einen langen Schatten und beeinflusst auch heute noch Sichtweisen der Deutschen zu Inflation und Wirtschaftspolitik. Ein Großteil der Deutschen hat verzerrte Vorstellungen der Wirtschaftsgeschichte, die fest in die kollektive Erinnerung eingeschrieben sind und aktuelle Inflationssorgen befeuern. Die Forscher Lukas Haffert, Nils Redeker und Tobias Rommel liefern eine repräsentative Umfrage zur Erinnerung der Deutschen an die Wirtschaftsgeschichte der Zwischenkriegszeit. Fast die Hälfte der Befragten vermischt die Massenarbeitslosigkeit und Armut der frühen 1930er-Jahre mit der Hyperinflation, die schon 1923 ein Ende nahm. Die Umfrage zeigt, dass diese Vermischung bei gut gebildeten und politisch interessierten Menschen häufiger vorkommt.

Nur einer von 25 Deutschen weiß laut Umfrage heute, dass die Krise der 1930er-Jahre durch Deflation, also sinkende Preise, geprägt war. Wenn man Deutsche bitte, die Große Depression in ihren eigenen Worten zu charakterisieren, beschreiben sie diese den Forschern zufolge gleichzeitig als Inflations- und Arbeitslosigkeitskrise. Die Weimarer Republik sei durchgehend durch zu hohe Inflation geplagt gewesen. Weil die Hyperinflation bis 1923 und die Große Depression der 1930er-Jahre in der kollektiven deutschen Erinnerung zu einem Ereignis verschmelzen, kann im öffentlichen Diskurs eine falsche Vorstellung dominieren: Die Hyperinflation habe direkt zum Aufstieg der Nazis geführt – weiterlesen.

Update 02. Mai. 2021.

Party auf Pump: In den USA steigt mit den Aktienkursen das Risiko für eine große Korrektur

In den USA sind die kreditfinanzierten Aktienkäufe auf einem Rekordhoch. Zuletzt war das vor großen Crashs der Fall. Auch andere Entwicklungen stimmen bedenklich. Während der US-Aktienmarkt von Rekord zu Rekord eilt, wächst im Hintergrund das Risiko. Seit dem Corona-Crash gibt es an der Wall Street eine nahezu beispiellose Rally: 33 Mal hat der marktbreite Leitindex S&P 500 allein in diesem Jahr neue Höchststände erreicht. Zuletzt am vergangenen Donnerstag. Doch die Rekorde an der Wall Street werden zunehmend auf Pump erzielt – und das kann gefährlich werden. Seit zwölf Monaten steigt das Kreditvolumen für Aktienkäufe, es erreichte im März den Rekordwert von 822 Milliarden Dollar, wie Daten der US-Aufsichtsbehörde Finra zeigen. Diese veröffentlicht die Zahlen immer mit zeitlicher Verzögerung, die aktuellsten Daten bilden den Stand von Ende März ab und zeigen im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 70 Prozent.

Ähnliche Werte gab es seit Beginn der Datenaufzeichnung 1997 nur zwei Mal: 2000 vor dem Platzen der Dotcom-Blase und 2007 vor der Finanzkrise. Der Hedgefonds-Manager Mike Burry warnte deshalb bereits auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Sein Wort hat Gewicht: Er ist einst berühmt geworden, weil er 2007 die Finanzkrise vorhersah und erfolgreich gegen den heiß gelaufenen Häusermarkt wettete. Jetzt schreibt er: „Spekulative Aktienblasen führen letztendlich dazu, dass die Zocker zu viel Schulden aufnehmen.

Der Markt tanzt auf der Rasierklinge.“

Mit seiner aktuellen Warnung meint Burry sogenanntes Margin Debt. Das ist der Teil eines Investments, den Anleger nicht selbst bezahlen, sondern Broker vorfinanzieren. Der Marktwert des Depots dient dabei als Sicherheit.
Der Wert dieses Margin Debt ist in den vergangenen Monaten regelrecht explodiert: Seit März des vergangenen Jahres ist es um fast 350 Milliarden Dollar gestiegen, gegenüber dem Stand vor dem Start der Finanzkrise 2007 hat sich der Wert nahezu verdoppelt. Das liegt nicht zuletzt an den amerikanischen Privatanlegern. Diese haben sich in den vergangenen Monaten so stark am Aktienmarkt engagiert wie nie zuvor. Im April waren 41 Prozent ihrer finanzieller Vermögenswerte in Aktien investiert, ein neuer Rekord, wie eine Analyse der US-Bank JP Morgan zeigt. Auch ein Teil der drei Stimulus-Schecks, die die US-Regierung während der Coronakrise verschickt hat, gingen in die Aktienmärkte.

Die große Begeisterung für Aktien hat einerseits mit dem niedrigen Zinsniveau zu tun. Insofern ist ein Anstieg des Margin Debt keine Überraschung, erklärt Thanos Papasavvas, Leiter Anlagestrategie beim Londoner Analysehaus APB Invests. „Aber das Ausmaß der durch die Politik ausgelösten Anreize sowie die Beteiligung von Privatanlegern und die starke Dynamik haben das auf ein völlig neues Niveau gehoben.“

Margin Debt hebelt das Aktiendepot

Solange die Kurse steigen, erscheint dieser kreditfinanzierte Handel ungefährlich, denn das Aktiendepot wird gehebelt: Die Investoren können deutlich höhere Gewinne machen, wenn sich der Markt wie erhofft entwickelt. Sie riskieren allerdings auch viel größere Verluste, wenn die Kurse fallen. Tritt dieser Fall ein, müssen die Anleger Geld als Sicherheit nachschießen – ansonsten verkaufen die Broker die Aktien in den fallenden Markt hinein: ein sogenannter Margin Call. Ein Blick auf die Kursentwicklung der vergangenen Jahre zeigt, wie stark Margin Debt und Aktienkurse korrelieren. Sowohl vor dem Platzen der Dotcom-Blase 2000 als auch vor der Finanzkrise 2007 stiegen die kreditfinanzierten Aktienkäufe stark an. Nachdem das Wachstum seinen Höhepunkt erreichte, stürzten die Kurse ab. Ähnliche Entwicklungen gab es vor der Korrektur Mitte 2011 und im Dezember 2018. Auffällig ist zudem der Blick auf die jährliche Wachstumsrate von derzeit mehr als 70 Prozent. Vergleichbare Werte gab es nur in der Endphase der Dotcom-Blase und der Finanzkrise.

Die Entwicklung des Margin Debt schürt aber bei Weitem nicht an der gesamten Wall Street Sorgen vor einem Crash. Ed Yardeni ist unabhängiger Kapitalmarktberater und ein anerkannter Börsenexperte in den USA. Er hält die aktuelle Entwicklung für normal: „In einem Bullenmarkt wollen Investoren sich Geld leihen, um noch mehr Aktien kaufen zu können und ihre Rendite somit in die Höhe zu treiben. Aber man kann diese Entwicklung nicht nutzen, um vorherzusagen, wann sich die Stimmung dreht.“

Stabiler Puffer für Investoren

Auch für Olaf Stotz, Professor für Asset-Management an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance, ist das starke Wachstum des Margin Debt an sich nicht alarmierend: „Das deutet zunächst einmal darauf hin, dass sich das Volumen der Käufe erhöht hat. Gleichzeitig ist der Puffer relativ stabil.“ Mit dem Puffer meint Stotz den nicht genutzten Kreditrahmen der Investoren. Dieser Puffer ist seit fast drei Jahren relativ konstant bei knapp über 20 Prozent. Auch der Anteil des Margin Debt an der Marktkapitalisierung des S&P 500 wirkt mit 2,34 Prozent unbedenklich. Vor dem Platzen der Dotcom-Blase lag dieser Wert bei 2,51 Prozent, vor der Finanzkrise sogar bei über drei Prozent.

Gleichwohl sehen sowohl Yardeni als auch Stotz die Risiken des großen Margin Debt. „Wenn sich die Anzeichen verdichten, dass sich die Stimmung dreht, dann werden gerade diejenigen am schnellsten nervös, die spät eingestiegen sind“, sagt Yardeni. „Dann beschleunigt Margin Debt den Kursverfall.“

Denn Margin Debt wirkt wie ein Turbo für den Aktienmarkt – sowohl auf dem Weg nach oben als auch nach unten. Werden viele Aktien mit geliehenem Geld gekauft, treibt das die Kurse und erzeugt für weitere Anleger einen Kaufdruck. Fallen dagegen die Kurse und werden Margin Calls ausgeübt, drückt das die Kurse weiter nach unten, was wiederum weitere Zwangsverkäufe auslöst. Papasavvas von APB Invests warnt deshalb: „Jeder Schock oder unerwartete externe Ereignisse können zu einem plötzlichen und heftigen Ausverkauf führen, die durch Margin Calls verursacht werden.“ Stotz von der Frankfurt School of Finance sagt, er wäre angesichts des Margin Debt „eher besorgt als komplett entspannt“. Denn Anleger können viel Geld zurückziehen, was die Gefahr für Ausschläge am Markt erhöhe. „Ich würde derzeit kein rotes Warnsignal setzen, aber zumindest ein orangenes.“

Auch die Wall-Street-Banken verfolgen die aktuelle Entwicklung aufmerksam. John Waldron, operativer Vorstand bei der Investmentbank Goldman Sachs, sagte angesichts des Margin Debt von 822 Milliarden Dollar: „Wir beobachten das genau.“ Die Banken sind auch deshalb sensibilisiert, weil sie erst jüngst zu spüren bekamen, wie gefährlich der gehebelte Handel für sie selber sein kann.

Archegos-Debakel sensibilisiert die Banken

Ende März erschütterten mysteriöse Blockverkäufe im Wert von mehreren Milliarden Dollar den US-Markt. Später stellte sich heraus, dass sich der US-Investor Bill Hwang mit seinem Family Office Archegos verzockt hatte. Er hatte unter anderem bei den Medienkonzernen Viacom CBS und Discovery mit stark gehebelten Derivaten auf steigende Kurse gewettet. Als die Kurse fielen und Archegos die Nachschussforderungen seiner Banken nicht mehr bedienen konnte, kam es zu einem sogenannten Margin Call, und Banken warfen hektisch die als Sicherheiten hinterlegten Aktien auf den Markt. Die Notverkäufe reichten aber nicht, um die Verluste zu decken. Der Schaden der beteiligten Banken summiert sich inzwischen auf über zehn Milliarden Dollar. Hedgefonds spielen in der Frage, wie stark der Markt gehebelt ist, eine wichtige Rolle. Denn die Geldpolitik der Fed setzt einen Kreislauf in Gang: Die US-Notenbank vergrößert ihre Bilanz und gibt den Banken Geld, welches diese an Hedgefonds zu günstigen Tarifen verleihen. Für die Hedgefonds sind die niedrigen Zinsen eine Einladung, ihre Wetten und damit den möglichen Gewinn über Fremdkapital oder Derivate zu erhöhen. Dadurch treiben sie die Aktienmärkte auf Rekordstände.

Zuverlässige Zahlen, wie riskant die Branche agiert, gibt es kaum. Denn Hedgefonds hebeln ihre Wetten oft nicht nur per Kredit, sondern verwenden andere Instrumente wie Derivate. Der Grad dieser Hebelwirkung wird aber nicht öffentlich erfasst und wird oft erst klar, wenn Wetten wie im Fall von Archegos spektakulär platzen. Nicht einmal die Fed weiß genau, wie stark die Geschäfte der Hedgefonds gehebelt sind. Sie ermittelt für ihren Finanzstabilitätsbericht die Nominalwerte der Wetten auf steigende Kurse (Long-) und auf fallende Kurs (Short-Positionen) sowie das Engagement mit Derivaten und setzt das ins Verhältnis zum Nettovermögen. Auf dieser Basis schätzt sie den Hebel auf rund acht. Anfang 2016 hatte dieser Wert noch bei sechs gelegen.

Die aktuellsten Daten der Fed wurden allerdings bereits im vergangenen November veröffentlicht. Gut möglich, dass dieser Hebel durch die Geldschwemme der Notenbanken noch gestiegen ist. Allerdings sind Hedgefonds längst nicht mehr die Einzigen am Markt, die mit hohem Risiko agieren. Denn während der Corona-Pandemie strömte eine neue Generation an Privatanlegern an den Markt, die sich zu Hause im Lockdown mit dem Aktienhandel die Zeit vertrieben. Meist mit günstigen Trading-Apps wie Robinhood. Diese neue Generation an Tradern hat dazu beigetragen, dass das Margin Debt so stark gestiegen ist, sagt Yardeni.

„Casino-Mentalität“ an den Märkten

Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die als US-Behörde die Future- und Optionsmärkte an den Wall Street reguliert, warnte zuletzt vor riskanten Wetten in Verbindung mit dem Internethype: „Spekulativer kurzfristiger Handel ist immer riskant, aber die Mischung aus unbekannten Produkten und Märkten, Hebelwirkung und Beratung durch anonyme Personen (in Internetforen) ist ein Rezept für eine Katastrophe.“ Auch Star-Investor Warren Buffett warnte vor einer „Casino-Mentalität“, an den Märkten, die noch nie so ausgeprägt war und die von Robinhood noch gefördert werde. Viele dieser neuen Anleger sind weniger an vermeintlich soliden, aber langweiligen Investments interessiert, sondern suchen das Abenteuer und gehen riskante Wetten ein. So ist der Optionsmarkt regelrecht explodiert. Im vergangenen Jahr wurden täglich 29 Millionen dieser Kontrakte gehandelt, zeigen Daten des US-Clearinghauses Options Clearing Corporation. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Plus von 28 Prozent.

Kaum Absicherungen gegen fallende Kurse

Optionen geben Anlegern das Recht, Aktien zu einem bestimmten Preis zu einem späteren Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen. Damit können sie sich entweder ihr Depot absichern oder Wetten auf die Zukunft abschließen. Die Absicherungsfunktion des Optionshandel wird derzeit aber kaum genutzt, wie Daten der Chicagoer Terminbörse CBOE zeigen. Das Put-Call-Verhältnis der CBOE ist derzeit auf einem extrem niedrigen Niveau. Das heißt, US-Anleger spekulieren schon lange mit Call-Optionen massiv auf eine Fortsetzung der Rally. Euphorie gilt am Aktienmarkt aber als gefährlich, weil vereinfacht gesagt die meisten Anleger schon investiert sind. Dadurch fehlen neue Käufer, um die Kurse weiter nach oben zu treiben oder bei fallenden Kursen den Abwärtstrend zu stoppen. Diese Kombination aus euphorischen Privatanlegern und hohen, durch Kredite gehebelte Kursen sind es, die Skeptiker wie Mike Burry zu Warnungen vor einem Crash veranlassen. „Die Leute sagen, dass ich das letzte Mal nicht gewarnt habe“, schrieb Burry auf Twitter. „Dabei habe ich gewarnt, aber niemand hat zugehört. Also warne ich diesmal. Und trotzdem hört niemand zu. Aber ich werde Beweise haben, dass ich gewarnt habe.“ Anleger, die Burrys Warnung ernst nehmen, sollten allerdings wissen: Wer dem Investor folgt, braucht mitunter einen langen Atem. Mike Burry wettete bereits 2005 auf den Kollaps des Häusermarkts. Seine millionenschweren Gewinne konnte er erst zwei Jahre später einfahren.


Update-Impuls 02.05.2021 – bilden Sie sich ihre Meinung – mit Hilfe der Farb-SEH-Hilfen …

und dann suchen Sie sich eine Möglichkeit, sich individuell vom Kollektiv abzukoppeln.
… Sonntag-Update weiterlesen:

Damals wie heute gelten die folgenden Wahrheiten, als Kausalität:

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“
Wilhelm von Humbold, 1767-1835

Dieses Zitat ist wohl eines der wichtigeren und verbindet uns, ohne es zu wissen, mit sehr alter Weisheit.
Daher wurde es wohl ebenso unbewusst vielfach wiederholt und präzisiert, wie hier von Hans-Friedrich Bergmann (1934-Heute) der sagte:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten.

Scheinbar hat jedoch nur der amerikanischen Philosoph und Schriftsteller George Santayana (1863-1952) die Konsequenz erkannt, die aus der Mißachtung dieses Spruches resultiert. Denn er war es der sagte:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“ – George Santayana (1863-1952).

Gehen wir noch weiter zurück. Goethe (1749-1832) hatte schon erkannt, wie wichtig es ist die Vergangenheit zu kennen, um Handlungen und Entscheidungen, welche in der Gegenwart geschehen, verstehen zu können:

Wer die Vergangenheit eines Menschen nicht kennt, versteht sein Handeln nur schwer.

Der Blick zurück in die „Goldenen Zwanziger„.

Trotz einer Bevölkerungszunahme steigerte sich damit das Volksvermögen pro Kopf von 2.000 auf gut 3.600 Dollar. Allerdings war dieser Vermögenszuwachs zu einem großen Teil von der Entwicklung an den Börsen abhängig. Damals verfiel die Bevölkerung dem Irrglauben an einen ewig währenden Wohlstand.

Große Dynamik an der Börse.

Ab 1924 legten die Kurse kräftig zu. Ab 1927 nahm Dynamik noch einmal zu. Spätestens ab da erfasste das Spekulationsfieber weite Teile der Bevölkerung. Und dann unterstütze die Fed das Treiben auch noch durch ein Absinken des Diskontsatzes von 4 auf 3,5%. Auch die Politik versuchte Warnungen vor einem Crash zu zerstreuen. So erklärte der US-Präsident im Januar 1928, dass kein Anlass zur Sorge bestehe, da die Börsenkredite nicht zu hoch seien.

Enorme Nachfrage beflügelt durch Kredite.

Ein deutliches Zeichen für das Börsenfieber waren einige Schließungen der Börse im Jahresverlauf 1928. Diese waren notwendig geworden, um auch tatsächlich alle ausstehenden Aufträge bearbeiten zu können. Kritisch war zu dieser Zeit auch der stetig wachsende Anteil, der auf Kredit getätigten Börsengeschäfte. Aber die Politik verkannte die Signale einer Blasenbildung. So erklärte der republikanische Präsidentschaftskandidat Herbert Hoover im Jahr 1928, dass “die USA kurz vor dem endgültigen Sieg über die Armut steht. Damit wird das Armenhaus verschwinden.”

2021:

Bei aller Fragwürdigkeit der Geldflutungspolitik: Sie hilft den Unternehmen aller Branchen und den Konsumenten, die Pandemie aus dem Gedächtnis zu vertreiben – „Geld heilt alle Wunden ist das Motto“ . EZB und die amerikanische Notenbank Fed narkotisieren den Corona-Schmerz. Erst in dieser Woche gaben beide Notenbanken zu verstehen, dass bei Bedarf „nachgespritzt“ wird.

Diesmal ein „Demokrat“ – Joe Biden:Amerika ist wieder in Bewegung“! Nach knapp 100 Tagen im Amt hat Joe Biden im Kongress von einem Neustart für das Land gesprochen. Amerika gehöre die Zukunft, sagte der US-Präsident.US-Präsident Joe Biden hat in seiner ersten Rede vor dem Kongress einen optimistischen Blick in die Zukunft geworfen und für seine Reformvorhaben geworben. Eine Spitze gegen Ex-Präsident Donald Trump konnte er sich nicht verkneifen. Erstmals redete Präsident Joe Biden am späten Mittwochabend vor dem Kongress. Seine Ansprache bot ein sozialdemokratisches Aufbauprogramm für Amerika mit populistischen Einsprengseln –  die Rede.

Kommt nach Corona der große Konsumrausch?

Höhere Zinsen als Renditen – 1929.

Nach strengeren Auflagen bei der Kreditvergabe für Aktienkäufe beruhigte sich die Lage in den ersten Monaten 1929. Doch schon im Sommer nahm die Dynamik an den Aktienmärkten wieder deutlich zu. Viele Anleger stiegen nun auf kurzfristigere Kredite um, bei denen die Zinsen dann schnell von 12 auf enorme 20 Prozent stiegen. Wenn man bedenkt, dass Aktien im langjährigen Durchschnitt eine Rendite von knapp 8 Prozent bringen, dann wird deutlich, dass die damaligen Aktienkurse nicht nachhaltig waren.

Dann scheinbar grundlose Kurseinbrüche – Erster Schritt in den Börsencrash von 1929

Doch die meisten Spekulanten schrieben die ersten Warnungen in den Wind und so kam es zu einem Rekordstand von 6,8 Mrd. Dollar bei den Maklerkrediten im Oktober 1929. Am 22. Oktober 1929 fielen die Kurse, ohne erkennbaren Grund und leiteten so den Börsencrash ein. Schon am nächsten Tag wurde 6 Mio. Aktien verkauft. Dabei handelte es sich um Zwangsverkäufe der auf Kredit gekauften Aktien. Dieser Abwärtsspirale gewann sehr schnell an Dynamik und am 29. Oktober 1929 stürzte der Dow Jones Index ab. Im weiteren Verlauf der Weltwirtschaftskrise brach der wichtigste Börsenindex der Welt um rund 90 Prozent ein.


Update-Impuls 27.01.2021 – bilden Sie sich eine Meinung.

Paul Schreyer: Pandemie-Planspiele – Vorbereitung einer neuen Ära? - YouTube

Paul Schreyer: Pandemie-Planspiele – Vorbereitung einer neuen Ära?

Der Vortrag wurde am 20.11.2020 in Berlin aufgenommen.

Die Politik in der Corona-Krise kam nicht aus heiterem Himmel. Der „Kampf gegen die Viren“ begann schon in den 1990er-Jahren als „Kampf gegen den Bioterror“. Eine Recherche zeigt: Über zwanzig Jahre lang wurden seither in Planspielen immer wieder Pandemie-Szenarien geprobt, erst in den USA, später international abgestimmt, auch mit deutscher Beteiligung. Die Titel dieser Übungen erinnern an Hollywood-Produktionen: „Dark Winter“ (2001), „Global Mercury“ (2003), „Atlantic Storm“ (2005) oder „Clade X“ (2018). Beteiligt waren hochrangige Behörden- und Regierungsvertreter sowie bekannte Journalisten, zuletzt, bei „Event 201“ im Oktober 2019, auch Vorstandsmitglieder großer Weltkonzerne. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO 2020 eine Coronavirus-Pandemie ausgerufen hatte, wurden viele der jahrelang geprobten und diskutierten Maßnahmen global umgesetzt.

In den Drehbüchern tauchten schon vor 20 Jahren Passagen wie diese auf: „Der Anblick von bewaffneter Militärpräsenz in amerikanischen Städten provoziert Proteste gegen die Beschneidung der bürgerlichen Freiheiten (…) Die Frage ist, wie und in welchem Maße wir diese Dinge durchsetzen. Wie viel Gewalt wendet man an, um die Menschen in ihren Häusern zu halten?“ Im Falle einer Pandemie könnten „grundlegende Bürgerrechte wie das Versammlungsrecht oder die Reisefreiheit nicht länger für selbstverständlich“ genommen werden. Freiheitsbeschränkungen, aber auch Massenimpfungen, waren regelmäßiger Bestandteil der Planspiele.

In diesem Vortrag wird chronologisch nachgezeichnet, wie es zu diesen Übungen kam, wer sie organisierte und welche Parallelen der Drehbücher zur aktuellen Situation bestehen. Ist das Virus nur ein Vorwand für eine länger geplante weltweite Umgestaltung? Und war ein schweres Börsenbeben im September 2019 vielleicht der eigentliche Auslöser für den globalen Lockdown?

Kapitelübersicht:

0:00:00 Pandemieplanspiele – Vorbereitung einer neuen Ära?

0:02:23 Die Ära des Kalten Krieges 1945 – 1990

0:05:05 Den USA gehen die Feinde aus

0:17:05 Bioterror-Planspiele 1990 – 2005

0:23:51 Die Übung “Dark Winter”

0:30:44 Notfallplanungen für Bioterror und Grippepandemien

0:35:40 Zwischenfazit

0:38:40 Das “Lock Step-Szenario” 2010

0:44:38 “MARS” und Das G20 Gesundheitsministertreffen in Berlin

0:50:35 Warum die Corona-Pandemie im Jahr 2020 begann

0:58:19 “Event 201“ – Üben mit einer Coronavirus-Pandemie

Haben Sie diesen Crash mitbekommen? Wenn NEIN – dann gab es einen „Blinden Fleck“ in ihrer System-Mustererkennung.

Das Zombie-Finanzsystem | Rubikon

Die US-Notenbank will mit Milliarden Dollar einen Totalausfall am Geldmarkt verhindern. Wie kritisch war und ist die Lage? – Von  – 

Die Krise kam über Nacht. Banken drohte das Geld auszugehen. Notenbanker pumpten Hunderte Milliarden Dollar in den Geldmarkt, bloß um das Schlimmste zu verhindern. Das alles klingt nach dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise vor elf Jahren – doch tatsächlich beschreibt es den Montag vorletzter Woche. Da stand ein wichtiger Teil des Weltfinanzsystems kurz vor dem Zusammenbruch, und die Öffentlichkeit bemerkte so gut wie nichts. In der Nacht zum 17. September schoss ein bestimmter Zinssatz am Repo-Markt ohne Vorwarnung nach oben: der Satz, der für Banken gilt, die sich kurzfristig etwas leihen wollen. Normalerweise werden Banken dort für etwa zwei Prozent Zinsen mit Cash versorgt: Instrumente also, die so liquide wie Bargeld sind. Aber plötzlich kostete Cash dort zehn Prozent. Man kann sich den Repo-Markt als das Stromnetz des Finanzsystems vorstellen und den Zinssprung als einen Kurzschluss. Um einen Totalausfall des Systems zu vermeiden, stellte die Federal Reserve Bank (Fed), die US-amerikanische Notenbank, den Banken 53 Milliarden Dollar zur Verfügung, gewissermaßen als Notstromaggregat. Am nächsten Tag 75 Milliarden. Dann noch einmal so viel.

Und dann noch einmal. Insgesamt leiteten die Notenbanker bis zum vergangenen Wochenende über 700 Milliarden Dollar ins System. Dass die Rettungsaktion innerhalb weniger Tage solche Dimensionen annahm, zeigt, wie wichtig ein funktionierender Repo-Markt in den Augen der Verantwortlichen ist. Das letzte Mal, dass die Notenbanker am Repo-Markt eingreifen mussten, war nach dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers 2008. Die Schieflage der Investmentbank löste damals einen Notstand in diesem Teil des Finanzsystems aus, was fast zum Kollaps der Weltwirtschaft geführt hätte.

Der jüngste alarmierende Zwischenfall spielte in den Nachrichten dennoch kaum eine Rolle, abgesehen von einschlägigen Finanzmarkt-Publikationen wie der Financial Times und dem Wall Street Journal. Das liegt auch daran, dass der Repo-Markt zwar eine entscheidende Rolle für das moderne Finanzsystem spielt, doch dass ihn kaum jemand kennt. Repo ist die Abkürzung für „Repurchase Agreement“. Gemeint ist eine kurzfristige Pfandleihe, bei der ein Transaktionspartner seine Wertpapiere einem anderen überlässt – sich aber versprechen lässt, dass er sie in ein bis zwei Tagen wieder zurückbekommt. Der Wertpapier-Verleiher erhält dafür Geld, das er gerade braucht, um fällige Verbindlichkeiten zu begleichen. Die Transaktion wird dann am nächsten oder übernächsten Tag zurückabgewickelt: Der ursprüngliche Besitzer erhält sein Wertpapier zurück und bekommt obendrauf noch Zinsen dafür.

Dieses Pfänderspiel ist in den vergangenen Jahrzehnten zum Kern des modernen Finanzsystems geworden. Versicherer, Hedgefonds und vor allem Geldmarktfonds beteiligen sich daran. Sie sind auf diese Weise zu Schattenbanken geworden: Banken, die hinter den Banken stehen. Man weiß nicht viel über den Repo-Markt, auf dem die Schattenbanken mit den herkömmlichen Banken kooperieren. Viel staatliche Aufsicht findet in diesem Bereich des Kapitalmarktes nicht statt, Informationen fließen spärlich nach draußen. Doch die Schattenbanken sind inzwischen mindestens so wichtig wie traditionelle Banken, und in vielen Fällen haben sie deren Funktionen übernommen. Im klassischen Geschäftsmodell nimmt die Bank das Geld von Sparern entgegen und entlohnt sie dafür mit Zinsen. Einen Teil des Geldes legt die Bank als Sicherheit zurück, mit dem Rest finanziert sie Kredite für Unternehmer oder Hauskäufer, wiederum gegen Zinsen. Die Bank lebt von der Differenz zwischen den beiden Zinssätzen – sie nimmt fürs Geldverleihen mehr ein, als sie an die Sparer auszahlt.

Doch Profite kann man aus diesem Geschäft seit den Achtzigerjahren kaum noch ziehen. Seither leihen sich Unternehmen weniger Geld bei den Banken aus, lieber geben sie Anleihen aus. Dieser Finanzierungsweg trat von der Wall Street aus einen Siegeszug um die Welt an. Auch die Sparer, vor allem große institutionelle wie Pensionsfonds, Versicherer und die Finanzabteilungen großer Konzerne, blieben von den klassischen Banken weg. Sie legten ihr Geld zunehmend in Geldmarktfonds an, Investmentpools mit einem besonderen Versprechen: Anleger können dort über ihre Anteile so schnell verfügen wie über Bargeld, aber dennoch Zinsen verdienen. Das ist eine verlockende Kombination, die den Geldmarktfonds ein rasches Wachstum ermöglichte.

Die Banken passten sich an. Sie kamen mit den neuen Rivalen ins Geschäft – über den Repo-Markt. So leihen sie sich heute selber Geld von den Geldmarktfonds. Damit begleichen sie offene Rechnungen aus ihrem täglichen Geschäft, etwa die Auszahlung von Zinsen an Kunden. Als Sicherheit für diesen kurzfristigen Kredit überlassen sie den Geldmarktfonds Wertpapiere wie Staatspapiere, Hypothekenpapiere und die eine oder andere solide Unternehmensanleihe, die sie in ihren Portfolios haben. Zunächst schienen alle Beteiligten zu profitieren, bis 2007. Da platzte die Immobilienblase, und eine ganze Klasse der hinterlegten Pfänder verlor ihren Wert: die Hypothekenpapiere. Der Crash kam so: Plötzlich erfasste Repo-Gläubiger die Angst. Wie sicher waren diese Sicherheiten, die die Banken bei ihnen hinterlegt hatten? Was, wenn sich die Hypothekenpapiere als Schrott herausstellten? So forderten die Repo-Gläubiger zusätzliche Sicherheiten. Das brachte die Banken in die Klemme: Sie mussten quasi über Nacht Mittel auftreiben, um die neuen Forderungen zu befriedigen. Doch sie hatten keine Reserven dafür. So verkauften sie hektisch Wertpapiere aus ihren Beständen. Die Preise für die Wertpapiere fielen daraufhin. Das löste einen neuen Angstschub bei den Repo-Gläubigern aus: Denn von dem allgemeinen Preissturz waren wiederum auch die Wertpapiere betroffen, die sie als Sicherheiten von den Banken bekommen hatten. Ihre Pfänder waren plötzlich weniger wert. Die Folge: Sie forderten noch mehr Sicherheiten von den Banken. Hilflos mussten die Aufseher mit ansehen, wie das sich immer rascher auflösende Schattensystem das offizielle Finanzsystem zum Erliegen brachte. Für Finanzhistoriker Gary Gorton ist der Kollaps, der 2008 Lehman Brothers in den Konkurs trieb, die moderne Variante eines Bankensturms, nur dass hier keine aufgeregten Kunden die Bankschalter belagerten, um ihre Einlagen abzuheben. Der Ansturm der Repo-Gläubiger fand hinter den glitzernden Glasfassaden der Wall Street statt. Nur eine umfassende Garantieerklärung der US-Notenbank, alle Geldmarktfonds zu retten, stabilisierte damals das System.

 

Das Video in Abschnitten:
II. Einbruch der Wirtschaft – ab 7:24 Min.

III. Fiskalische Gegenmaßnahmen – ab 28.21 Min.

IV. Die Rolle der Geldpolitik – ab 52:28 Min.

V. Das Urteil des Verfassungsgerichts – ab 1:08:31 Min.

VI. Die Überwindung der Pandemie – ab 1:19:43

VII. Fragen an die Geschichte – ab 1:27:06 Min. – Eine Analyse dieses Vortrages aus OekoHuman-Sicht, erfolgt bis Mittwoch den 3. Juni 2020 18 Uhr!

 


Erst die Arbeitslosen und dann die Ratingagenturen entscheiden wohin die Reise geht.

„Es wird ein viel größerer Kurssturz um noch einmal 30 bis 40 Prozent folgen“ Von Daniel EckertHolger Zschäpitz

Viele Anleger wähnen sich und ihre Börseninvestments bereits in einem neuen Aufschwung. Doch einige der bekanntesten Investoren mahnen zur Vorsicht. Ihre Szenarien sind deutlich negativer. Dabei haben sie die Historie der vergangenen Crashs auf ihrer Seite. Gary Shilling redet nicht lange um den heißen Brei herum. Gleich in der Überschrift seines neuen Investorenbriefs macht er klar, was seiner Meinung nach auf uns zukommt: „Alles wie 1929?“, fragt er in der Maiausgabe des vielbeachteten Newsletters „Insight“. Auf 32 Seiten führt der Investmentveteran aus, was ihn an den Märkten alles an die Weltwirtschaftskrise erinnert. Und das ist eine ganze Menge – mehr lesen.

Zu den möglichen holistischen Chancen und Risiken durch Wirkzusammenhänge und Wechselwirkungen für Geld – Wirtschaft und umgekehrt, heute NEU im OeHu-Wiki – Leerverkäufe und mehr.

Corona offenbart die systemischen Schwächen des Geld- und Wirtschaftssystem

Das „Arche-Konzept für die Klugen“ heißt auch – Jeder kann für sich Selbst und seine Familie sorgen!

Eine Übersicht der Zahlen, damit sich jeder selbst eine Meinung in Corona-Zeiten bilden kann – Zahlen in Milliarden Euro.

BIP                                        Gesamt   2017  Steuereinnahmen             Anleihen in der EZB – EU-Länder aktuell – lediglich Explizit. Die Impliziten als Zwangsjacke ca. x Zwei.                                 

Euroraum (19 Länder)        € 11.188.371  x  40,2% = 4.497.725                    ca. € 4.000.000 – € 10.646.000 – bedeutet, dass die EZB mit € 4 Billionen aushilft, damit sich die  schwachen Länder finanzieren können. 

Die Länder Einzeln:
Deutschland 3.277.340

U.K.                2.327.730

Frankreich    2.291.705

Italien             1.716.935

Spanien         1.166.319

Niederlande  737.048

Schweden      475.231

Polen              465.605

Belgien          437.204

Österreich     369.899

Irland             294.110

Dänemark     288.981

Finnland        223.843

Portugal         194.614

Tschechien   191.643

Rumänien      187.940

Griechenland 177.735

Ungarn           123.495

Slowakei       84.985

Luxemburg   55.378

Bulgarien      50.430

Kroatien        48.990

Slowenien     43.000

Litauen          41.857

Lettland         26.857

Estland          23.615

Zypern           19.571

Malta              11.140

Welche Anleihen die EZB im Jahr 2018 in ihrem Depot hatte – eine Bilanz. 

Insgesamt hat die EZB seit dem Start des Kaufprogramms am 9. März 2015 Zinspapiere im Wert von 2,6 Billionen Euro erworben. Ihre Bilanzsumme hat sie damit auf 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der gesamten Euro-Zone aufgebläht: mehr als 4,4 Billionen Euro. Noch mehr soll es nicht werden – mehr lesen.


Was haben die Richter entschieden?

Die Verfassungsrichter mussten sich mit dem „Public Sector Purchase Programme“, kurz PSPP, befassen, mit dem die EZB seit dem Jahr 2015 Staatsanleihen aufkauft. Dabei hat sie inzwischen mehr als zwei Billionen Euro in Staatsanleihen investiert. Die einschlägigen Beschlüsse des EZB-Rates sind nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts „offensichtlich“ nicht mit den Vorgaben des Europarechts vereinbar, urteilten die Richter in ihrer überraschend deutlichen Grundsatz- entscheidung. Allerdings stellten sie dabei nicht die Anleihekäufe in ihrem Grundsatz in Frage.

 

Sie bemängelten, dass die EZB die Auswirkungen ihrer Maßnahmen nicht auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüft habe, schließlich seien sie erheblich und beträfen alle EU-Bürger. Die Bundesregierung und der Bundestag müssen nun darauf hinwirken, dass die EZB dieses Versäumnis nachholt. Außerdem darf sich die Bundesbank nach einer Übergangsfrist von drei Monaten nicht mehr daran beteiligen, sollte dies bis dahin nicht geschehen sein – mehr lesen.

 

 

Das BVerfG hat der Europäischen Zentralbank enge Grenzen gesetzt.
Das weckt Zweifel an der Handlungs
fähigkeit der Notenbank!?

In der Entscheidung stellten die Richter nun fest, dass die bisherigen Anleihekäufe der EZB nicht gegen das Verbot der Staatsfinanzierung verstoßen. Allerdings begründeten sie dies damit, dass die Käufe an den Kapitalschlüssel der EZB gebunden seien und die Notenbank nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen wolle.

Bei ihrem neuen Kaufprogramm in der Coronakrise hat die EZB dagegen Flexibilität signalisiert, von diesen Prinzipien abzuweichen.

So deutlich das Urteil ausfiel, so unterschiedlich sind die Reaktionen darauf: Während aus der Politik Beschwichtigungen und von Wirtschaftweisen Mahnungen kamen, dass das Urteil europapolitischen Sprengstoff berge und die Coronakrise verschärfen könne, sieht etwa Bankvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank das Urteil als „grünes Licht für die EZB-Staatsanleihekäufe“ – allerdings mit Auflagen. „Die Richter sehen darin keinen Verstoß gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung“, erklärte Krämer. Die Prüfung der Verhältnismäßigkeit könne die EZB nun „recht einfach nachholen“. Seine Erwartung: „Am Ende dürfte das Bundesverfassungsgericht auch das neue PEPP-Anleihekaufprogramm nicht stoppen“ – mehr lesen.

OekoHuman-Lagebeurteilung:
Ich teile die Beurteilung von Bankvolkswirt Jörg Krämer von der Commerzbank deshalb, da die Formulierung – „sofern der EZB-Rat in einem neuen Beschluss nicht nachvollziehbar darlegt, dass das Programm verhältnismäßig ist“.
Dies bedeutet alles und/oder nichts!


Zwei Mönche und der Abt.
Ich möchte meine Haltung  an einer kleinen Geschichte verdeutlichen:

Zwei Mönche unterhalten sich und in dieser Unterhaltung stellen sie sich die Frage ob man während dem Beten auch rauchen darf. Da sich beider uneins sind, beschließen einzeln den Abt zu fragen: Gesagt – Getan.
Der erste Mönch fragt den Abt: „Abt ich habe eine Frage – darf ich während dem Beten rauchen?“
Der Abt antwortet: „Bruder während dem Beten, konzentriere dich auf dein Gebet“!.
Der zweite Mönch fragt den Abt: „Abt ich habe eine Frage – darf ich während dem Rauchen auch Beten“?
Der Abt antwortet: “ Natürlich Bruder, es ist gut bei jeder Gelegenheit und Tätigkeit zu beten“!.


In diesem Sinne werden werden die Verantwortlichen der EZB, nun die richtigen Formulierungen recht einfach nachholen können.

 

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