Sparer als Bremser – Kreditnehmer als Beleber – Inflation, Deflation – Fluch oder Segen

Geld aus dem Nichts – doch gratis ist es nicht. Die Sparer bezahlen die Zeche.

„Irisches Sprichwort: Nimm, was Du willst, sprach Gott, doch bezahl dafür”.
Die Produkte werden im Prinzip nicht teurer, denn das Geld wird weniger WERT, weil es inzwischen zu viel davon ohne Warendeckung gibt!

Mit dem Konzept – „Arche für den Klugen” – hat OekoHuman ein „Drehbuch” geschaffen, daß in der Lage ist, echte Prävention im Ernstfall einer ausufernde Inflation zu leisten.
Und das Geniale an dem „Drehbuch” ist: Es ist auch ohne ausufernde Inflation gewinnbringend und zahlt zu jederzeit auf die eigene Sicherheit ein, wie das Halo-System, im Formel-I-Fahrzeug.

Die Rolle der Staatsschulden und darauf aufbauend, die der Rating-Agenturen:

Wir wissen, dass die Pandemie die Verschuldung hochgetrieben hat, sodass sie für einige Länder, die vorher schon damit zu kämpfen hatten, noch drückender geworden ist. Klar ist auch, dass die Zinsbelastung der Regierungen im historischen Vergleich überschaubar ist, weil die Zinsen so niedrig sind. Wir wissen wegen des Beispiels von Japan, dass selbst sehr hohe Staatsverschuldung, die indirekt durch die Notenbank finanziert wird, nicht zwangsläufig zu hoher Inflation führt. 
Umgekehrt ist aber bekannt, dass Staatsverschuldung und Inflation häufig Hand in Hand gehen. Außerdem ist ein Mechanismus bekannt und plausibel, der zur Inflation führt: Die Regierung macht Schulden und steigert damit Ausgaben und die Nachfrage, die Notenbank finanziert das über Anleihekäufe und erweitert damit den Spielraum für diese Ausgaben.
Niemand weiß genau, ab welchem Punkt die Investoren und Rating-Agenturen die Zahlungsfähigkeit einer Regierung (Staates) infrage stellen. Aber wenn das passiert, kann es entweder zu einer Schuldenkrise oder, wenn die Notenbank einspringt, zu einem Anspringen der Inflation kommen.


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  12. Unbequeme Wahrheit – so steht es wirklich um.
  13.  Prof. Sinn EZB – Verfassung

Bürger leiden unter Niedrigzinsen – Bund spart 228 Milliarden Euro!

Viele Menschen treiben die Niedrigzinsen zur Verzweiflung, weil sie keine Zinsen mehr auf ihr Sparguthaben bekommen. Nur einer profitiert ordentlich: der Staat.

Es war eine gewaltige Zahl. 215 Milliarden Euro neue Schulden nahm der Bund 2021 auf. Rekord. Gleichzeitig sank eine andere Zahl auf fast null und war den Regierungsvertretern offenbar etwas peinlich. Jedenfalls wurde diese Zahl – nämlich die Zinsausgaben – bei der Vorstellung des Haushaltsabschlusses 2021 mit keinem Wort erwähnt. Trotz Rekordschulden zahlte der Bund gerade mal 3,9 Milliarden Euro an Zinsen für seine Verbindlichkeiten – ein Rekordtief. Kalkuliert hatte der Bund ursprünglich mit 21,7 Milliarden Euro. Und so geht das seit der Finanzkrise.

Seit 2008 hat der Bund gegenüber seiner eigenen Haushaltsplanung 228 Milliarden Euro an Zinsausgaben gespart. Dies zeigen neue Daten des Bundesfinanzministeriums, die dem Handelsblatt vorliegen. So hatte der Bund zwischen 2008 und 2021 für den Schuldendienst Zinsausgaben von insgesamt 552 Milliarden Euro in seiner Finanzplanung veranschlagt. Doch durch die rekordniedrigen Zinsen waren es am Ende deutlich weniger. In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Berichtsbitte der Linkspartei schreibt Finanzstaatssekretär Florian Toncar (FDP): „Die Summe der nach Abschluss der Haushaltsjahre ausgewiesenen Beiträge aus den Jahren 2008 bis 2021 liegt bei 327,2 Milliarden Euro.“

Finanzpolitiker Victor Perli (Linkspartei), der die Anfrage gestellt hatte, wirft dem Bundesfinanzministerium bewusste Irreführung vor: „Es widerspricht den Grundsätzen der Haushaltswahrheit und -klarheit, völlig überzogene Zinszahlungen einzuplanen.“

Haushalt konsolidierte sich quasi von allein:

Bis vor Kurzem bekam der Bund sogar Geld dafür, wenn er sich verschuldete. Insgesamt nahm der Fiskus 2021 durch Negativzinsen elf Milliarden Euro ein, wie aus der Antwort des Bundesfinanzministeriums ebenfalls hervorgeht. Die gewaltigen Zinseinsparungen sind aus Sicht von Ökonomen neben dem hohen Beschäftigungszuwachs seit Ausbruch der Finanzkrise der maßgebliche Grund, warum der Bund vor Ausbruch der Coronapandemie teils hohe zweistellige Milliardenüberschüsse einfuhr. Der Bundeshaushalt konsolidierte sich nach der Finanzkrise bis zum Ausbruch der Pandemie quasi von ganz allein.

Werden noch die Länder und Kommunen hinzugerechnet, sind die Zinseinsparungen des Staates sogar noch höher. Laut Bundesbank-Berechnungen belief sich die Zinsersparnis dann bis Ende der vergangenen Wahlperiode auf insgesamt 551,6 Milliarden Euro. Die gewaltigen Einsparungen führen immer wieder zu Diskussionen, wie der Spielraum genutzt werden sollte. „Die Ampelkoalition muss eine Kurskorrektur vornehmen“, fordert Linken-Politiker Perli. Es mache „keinen Sinn, notwendige Investitionen durch ein faktisches Nettokreditverbot für den Staat zu verhindern“. Der Bund müsse jetzt in gute Infrastruktur, Klimaschutz und sozialen Ausgleich investieren, um Wohlstand für kommende Generationen zu sichern.

Auch FDP-Chef Christian Lindner hatte in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert, die Zinseinsparungen zu nutzen – allerdings für Steuersenkungen. „Es ist eine Frage der Fairness, dass der Staat sich über den Nullzins nicht zulasten der Menschen bereichert, sondern mindestens einen Teil seines Vorteils zurückgibt“, hatte Lindner etwa Ende 2019 erklärt. Nun profitiert Lindner als neuer Bundesfinanzminister selbst von den Niedrigzinsen. Seine Steuersenkungen konnte er in den Koalitionsverhandlungen allerdings nicht gegen SPD und Grüne durchsetzen.

 
Zeit der Minuszinsen vorbei:

Lesen Sie auch: Streitfall Inflation: Entlang dieser Linien teilt sich der EZB-Rat auf.

Allerdings könnte sich das Blatt ohnehin bald wenden. Die hohe Inflation von zuletzt rund fünf Prozent setzt die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck, die Zinsen anzuheben, um der Teuerung entgegenzuwirken. Die Ära der Minuszinsen könnte daher ein Ende haben. Die Finanzmärkte erwarten dies bereits. Die Furcht vor Zinserhöhungen trieb die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihe zuletzt erstmals seit Mai 2019 wieder in positives Territorium. Der Staat musste Anlegern also wieder Zinsen zahlen, wenn er sich bei ihnen Geld borgen wollte. Noch sind die Zinsen für den Bund weiterhin niedrig. Sollten sie tatsächlich weiter steigen, wäre dies auch nicht sofort ein großes Problem.

Die Schuldpapiere des Bundes laufen im Schnitt sieben Jahre und werden erst nach und nach durch Papiere mit höheren Zinsen ersetzt. Es dauert also, bis sich die höheren Zinsen im Bundeshaushalt „durchgefressen“ haben. Es ist allerdings nicht so, dass die höheren Zinsen gar nicht spürbar sind. Wegen der wachsenden Inflation und damit wahrscheinlich steigender Zinsen rechnet der Bund für das laufende Jahr mit deutlich höheren Zinsausgaben als bislang. Diese seien mit 14 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie 2020 veranschlagt, hieß es in einer Kabinettsvorlage im vergangenen Sommer. Und das, bevor die Inflation im Winter auf noch höhere Stände stieg als damals erwartet.

Höhere Inflation für Lindner ein doppeltes Problem:

Die Inflation ist für Bundesfinanzminister Lindner aber nicht nur wegen des drohenden Endes der Niedrigzinsen aus Haushaltssicht ein Problem, sondern noch aus einem anderen Grund: Je höher die Inflation, desto höher ist die kalte Progression.  
Die „kalte Progression“ ist der Fachterminus für „schleichende Steuererhöhungen“. Bei diesem Effekt haben Steuerzahler trotz höheren Gehalts nicht mehr Geld in der Tasche, weil ihr Gehaltszuwachs durch einen höheren Steuertarif und durch die Inflation aufgezehrt wird. In diesem Jahr gab es für etliche Steuerzahler bereits eine Mini-Steuererhöhung, weil die kalte Progression durch die neue Bundesregierung nicht vollumfänglich ausgeglichen wurde, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war.

 Ausgleich der schleichenden Steuererhöhungen wird teuer:

Lindner hat versprochen, die kalte Progression in den nächsten Jahren wieder voll durch eine Anpassung der Steuertarife auszugleichen. Doch bleibt die Inflation hoch, wird das nicht billig.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belaufen sich die Kosten für den Abbau der kalten Progression zwischen 2023 und 2025 auf 30 Milliarden Euro. Und das ist noch vorsichtig kalkuliert, weil das IW mit einer Inflationsrate von deutlich unter zwei Prozent gerechnet hat. Der Staat könnte deshalb nicht nur von niedrigen, sondern auch von höheren Zinsen profitieren. Jedenfalls dann, wenn er die schleichenden Steuererhöhungen auch in Zukunft nicht voll ausgleicht. Wenn er allerdings höhere Zinsen zahlen muss und gleichzeitig die kalte Progression kompensiert, wird Lindner vor einer großen Herausforderung stehen. Denn dann fehlen ihm im Bundeshaushalt schnell viele Milliarden Euro.


Geldschwemme und Null Zins – die Notenbanken haben sich in fatales Dilemma manövriert. Wie konnte es soweit kommen und wie könnte eine Lösung aussehen?  Prof. Hans Werner Sinn kritisiert, dass das Ziel der Geldwertstabilität nach und nach aufgeweicht wurde. Erst Anfang Juli änderte die EZB ihr Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent auf Punkt zwei Prozent. Dabei ließen die Notenbanker durchblicken, dass sie auch eine Inflation oberhalb dieses Werts zeitweilig tolerieren würden, da die Teuerungsrate für einige Jahre darunter gelegen habe.
Der Ökonom sieht mehrere Faktoren, die zu der heutigen Situation geführt haben. Der erste große Sündenfall sei gewesen, dass die Stabilitätskriterien des Maastrichter Vertrags nicht konsequent durchgesetzt worden seien. Als entscheidend sieht Sinn auch das OMT-Programm der EZB an, mit der sie im großen Stil Staatsanleihen aufkauft.

Damit sei die Disziplinierungsfunktion des Finanzmarktes außer Kraft gesetzt worden. Sinn fordert eine Rückkehr zu einer stabilen Geldpolitik. Er sieht allerdings auch, dass das nicht einfach werden wird.

Die Zentralbanken halten die Zinsen weiterhin auf historisch niedrigen Niveaus. Gleichzeitig ist aber die Inflation gestiegen. So verliert das Geld der Sparer deutlich an Kaufkraft – das Resultat ist eine schleichende Enteignung. An der Börse wimmelt es von Modewörtern und Phrasen. Finanzmarkt-Akteure sprechen von den FAANG, wenn sie die Technologiekonzerne Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google meinen, oder sie weisen auf TINA («there is no alternative») hin, wenn sie die Alternativlosigkeit von Aktienanlagen betonen. Ein weiterer in den letzten Jahren sehr verbreiteter Finanz-Slogan lautet «Low for longer». Er bezieht sich auf die schon seit Jahren sehr niedrigen bis negativen Zinsen an den Kapitalmärkten. Auch wenn diese mit den jüngsten Schwankungen an den Börsen etwas gestiegen sind, gehen viele Ökonominnen und Börsianer davon aus, dass sie noch auf längere Zeit tief bleiben dürften.


Der Schuldenturm wackelt.

Für weiterhin niedrige Zinsen in den Industrieländern sprechen zunächst einmal die hohen Schulden (expliziten Schulden) von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen, hinzu kommen die impliziten Schulden. Die Rettungsprogramme von Zentralbanken und Regierungen in der Corona-Krise haben Letztere noch weiter nach oben getrieben. Im zweiten Quartal dieses Jahres erreichte der weltweite Schuldenberg laut dem Institute of International Finance (IIF) ein rekordhohes Volumen von 296 Billionen Dollar. Das sind 353 Prozent des Welt-Bruttoinlandproduktes. In vielen Volkswirtschaften ist die Verschuldung, relativ gemessen, so hoch wie noch nie in Friedenszeiten. Dieser riesige Schuldenturm wackelt. Bei höheren Zinsen stünden in der Euro-Zone ganze Staaten vor dem Bankrott. Auch in der Unternehmenslandschaft käme es wohl zu schmerzhaften Bereinigungen. Das billige Geld hat sogenannte Zombie-Firmen am Leben gehalten, die ihre Zinskosten nicht aus eigener Kraft erwirtschaften können. Gleichzeitig käme wohl manch ein hoch verschuldeter Privathaushalt in die Bredouille, wenn die Zinsen steigen würden. Überhaupt ermöglicht wurde dieser Schuldenaufbau in den vergangenen Jahrzehnten primär durch die ultraexpansive Geldpolitik der Zentralbanken. Der Schuldenturm konnte so trotz morschem Fundament um immer neue Stockwerke wachsen. Zeichnete sich eine Krise ab, schwemmten die Notenbanken die Finanzmärkte mit Geld, stützten so die Konjunktur und verhinderten Marktbereinigungen. Zuletzt eilten ihnen in der Corona-Krise zudem die Regierungen mit gigantischen Ausgabenprogrammen zu Hilfe.

Tatsächlich spricht einiges dafür, dass eine wirkliche Zinswende vorerst weiter ausbleiben wird. Hingegen könnte sich die jüngst gestiegene Inflation als hartnäckiger erweisen als erwartet. Für Sparerinnen und Sparer sind das keine guten Nachrichten. Die ultraniedrigen Zinsen bei gleichzeitiger Teuerung zehren an ihren Ersparnissen. Wirtschaftsakteure können sich weiter profitabel verschulden, weil die Zentralbanken die Zinsen künstlich tief halten und Schuldpapiere in großem Stil aufkaufen. Der Preis dafür ist die zumindest teilweise Aushebelung der Marktwirtschaft. Dies zeigt sich sehr deutlich am Obligationenmarkt, auf dem die Zentralbanken gewissermaßen die Marktrenditen diktieren. Die Signalwirkung des Zinses ist so mehr oder weniger ausgeschaltet.
Oder wie lässt es sich sonst erklären, dass ein hoch verschuldetes Land wie Italien für zehnjährige Staatsanleihen nur einen Zins von 0,89 Prozent bezahlen muss? Möglich sind die Interventionen der Zentralbanken indessen nur, weil sie in einem System mit ungedecktem Papiergeld bzw. elektronischem Geld operieren. Sie können die Geldmenge beliebig signifikant erhöhen. Das Kapital gelangt per Kreditvergabe in den Umlauf, die Zentral- und Geschäftsbanken schaffen dabei praktisch «Geld aus dem Nichts». Um den Schuldenturm vor dem Einstürzen zu bewahren und wirtschaftliche Schein-Aufschwünge zu finanzieren, sind aber immer extremere Eingriffe nötig. Wie die Reaktion auf den Corona-Crash gezeigt hat, tun die Zentralbanken und Regierungen im Ernstfall aber alles in ihrer Macht Stehende, um das System am Laufen zu halten. Eine wirkliche Straffung der Geldpolitik scheint vor diesem Hintergrund gar nicht mehr möglich.

Schlechte Nachrichten für Sparer.

Auch wenn Rettungsprogramme in Extremsituationen gerechtfertigt sein mögen, ist es nicht nachhaltig, wenn der Schuldenturm kontinuierlich wächst. Schließlich leiden darunter die Sparer. Es ist nicht auszuschließen, dass sie durch Umschuldungen oder Währungsreformen einen Teil ihres Vermögens verlieren. Zumindest droht ihnen die finanzielle Repression, eine Art «heimliche Enteignung» durch Niedrigzinsen bei gleichzeitig höheren Inflationsraten. Die auf Basis der Konsumgüterpreise gemessene Teuerung war in vielen Volkswirtschaften lange niedrig, ist aber nach dem Ende der Lockdowns deutlich gestiegen. In den USA lag sie im August dieses Jahres bei 5,3 Prozent, in Deutschland im September um voraussichtlich 4,1 Prozent. In der Schweiz betrug sie im September vergleichsweise geringe 0,9 Prozent. In jedem dieser Länder verbuchen Sparer, die ihr Geld in als sicher geltende Anlagen investieren, aber nach Abzug der Inflation deutliche Verluste. Zehnjährige US-Staatsobligationen brachten am Mittwoch vor Abzug der Teuerung eine Rendite von 1,53 Prozent, deutsche Bundesanleihen rentierten mit –0,17 Prozent und Schweizer Staatsobligationen mit –0,16 Prozent.

Ökonominnen und Finanzmarkt-Akteure diskutieren derweil, ob die Teuerung temporär oder dauerhaft sein wird. Für Letzteres sprechen neben der Geldschwemme die knappen Vorprodukte für die Industrie, die gestiegenen Energiepreise sowie die anstehenden Investitionen für die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Je länger die Inflation auf höherem Niveau bleibt, umso mehr steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Arbeitnehmer höhere Löhne einfordern – was dann wiederum preistreibend wirken würde.

Funktion der Wertaufbewahrung immer weniger erfüllt.

So könnte die Teuerung bei den Konsumgüterpreisen vorerst auf höherem Niveau verharren. Bei den Vermögenspreisen ist die Inflation ohnehin bereits seit Jahren hoch. In vielen Märkten sind die Aktienkurse und Immobilienpreise regelrecht in die Höhe geschossen – viel schneller als die Einkommen der meisten Menschen. Deren Kaufkraft sinkt also schon seit Jahren. So können sich beispielsweise in der Schweiz oder in Deutschland immer weniger private Haushalte Wohneigentum leisten. Damit ist die Wertaufbewahrungsfunktion – neben der als Tauschmittel und derjenigen als Recheneinheit eine der drei Grundfunktionen von Geld – immer weniger erfüllt. Während Herrscher in früheren Jahrhunderten den Goldgehalt in Münzen reduzierten, um die Rückzahlung von Schulden zu umgehen, bringen die Zentralbanken die Bürgerinnen und Bürger heute um ihre Kaufkraft.

«Wenn die Leute das gegenwärtige Bank- und Geldsystem verstehen würden, gäbe es vermutlich eine Revolution noch vor morgen früh», soll der Autopionier Henry Ford einst gesagt haben. Sollte sich nun die Inflation als dauerhaft erweisen, könnten die Menschen zunehmend kritischer werden gegenüber der Geldpolitik. In diesem Zusammenhang ist die beschwichtigende Kommunikation der Zentralbanken zu sehen – und ihre Beteuerungen, nun werde die Geldpolitik gestrafft. Ob dies dann wirklich passiert, steht auf einem anderen Blatt.

«Verrückte Anlagewelt»!

Jetzt schon ist klar, dass die anhaltend ultraexpansive Geldpolitik die Bildung von Blasen an den Finanzmärkten stimuliert hat. Dies gilt für den manipulierten Obligationenmarkt, aber auch für Aktien, Immobilien und andere Sachwerte. Trotz den jüngsten Kursverlusten an den Aktienmärkten sind die Bewertungen sehr hoch. So lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Berechnungsart des US-Nobelpreisträgers Robert Shiller am Dienstag bei 37,5 und damit nicht allzu weit von seinem Rekordwert von 44,2 Ende 1999 entfernt. Dies soll aber nicht heißen, dass nun unmittelbar ein Crash an den Aktienmärkten bevorsteht. Gelingt es den Zentralbanken, die Zinsen weiterhin auf sehr tiefem Niveau zu halten, könnten die Aktienkurse durchaus wieder steigen.

Wie können sich Sparer und Vorsorgende für diese verrückte Anlagewelt wappnen? Zunächst einmal ist die Diversifikation, also die Streuung der Gelder auf verschiedene Anlagebereiche, auch in diesem Umfeld wichtig. Zu empfehlen ist, je nach Risikoneigung einen mehr oder weniger großen Teil des Geldes in Aktien weltweit zu investieren – beispielsweise mittels eines Indexfonds, der ein globales Aktienbarometer abbildet. Auch der Kauf von Immobilien kann sinnvoll sein, allerdings nur unter Berücksichtigung der Kriterien für gute Anlagen in diesem Bereich. Auch Gold und andere Edelmetalle können einen Platz im Portfolio haben. Zudem ist es wichtig, ein Liquiditätspolster für schwierige Zeiten einzuplanen. Bei aller Euphorie für Sachwerte sollten Investoren deren Preise im Auge behalten. Man kann auch mit den besten Anlagen Verluste machen, wenn man sie zu teuer einkauft. Es bleibt sinnvoll, langfristig zu investieren und sich nicht von kurzfristigen Ideen leiten zu lassen. Anleger sollten sich zudem genau überlegen, mit welchen Finanzinstituten sie Geschäfte machen, und ihre Gelder auf verschiedene Häuser verteilen.

Für die kommenden Jahre ist davon auszugehen, dass Staaten ihren Einfluss auf die Finanzmärkte weiter ausweiten werden. Die hohen Schulden werden mit hoher Wahrscheinlichkeit neue Krisen hervorbringen, die wiederum «Rettungsaktionen» von Zentralbanken und Regierungen nach sich ziehen werden. Dabei könnten in Zukunft die privaten Vermögen stärker in den Fokus rücken. Denkbar sind etwa höhere Steuern oder spezielle Abgaben. Wer sein Domizil und sein Vermögen in der Schweiz hat, ist dagegen nicht gefeit. Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte ist hierzulande aber immerhin um einiges geringer als in anderen europäischen Ländern. Zudem bildet die direkte Demokratie einen Schutzschild gegen allzu interventionistische politische Vorhaben. Letztlich werden sich aber auch Schweizer Sparerinnen und Sparer in einem «Low for longer»-Szenario nicht ganz einer schleichenden Enteignung entziehen können.

Ein unterschätzes Risiko: Rating-Agenturen!

Ratingagenturen (englisch Credit rating agency, CRA) sind private Unternehmen, die gewerbsmäßig die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Staaten und deren untergeordneten Gebietskörperschaften, Unternehmen, Finanzinstrumenten, Finanzprodukten und Forderungen bewerten. Der Vorgang der Bonitätseinstufung sowie das Resultat desselben wird Rating genannt, die vergebene Bonitätsstufe (Ratingklasse) wird abkürzend mit einem Ratingsymbol oder Ratingcode bezeichnet. Die Agenturen fassen das Ergebnis ihrer Untersuchung (Rating) in einer Buchstabenkombination (Ratingcode, kurz auch nur Rating) zusammen, die in der Regel von AAA bzw. Aaa (beste Qualität) bis D (zahlungsunfähig) reicht. Die Ratingcodes spiegeln dabei zunächst nur eine Rangfolge wieder. Außerdem wird im Rating auch die Widerstandsfähigkeit gegen Konjunkturschwankungen berücksichtigt, sodass zumindest höhere Ratings auf ein dauerhaft stabiles Unternehmen hinweisen. Ratingagenturen, die sich innerhalb der Europäischen Union zur Bewertung bestimmter Risiken auf Finanzmärkten förmlich anerkennen lassen, werden als External Credit Assessment Institution (ECAI) bezeichnet. Ratingagenturen unterliegen in der Regel staatlicher Aufsicht. So kann ohne Genehmigung der EU in Europa keine Ratingagentur gegründet werden. Die EU kann Agenturen bei Verstößen gegen EU-Recht die Lizenz entziehen. Die Aufsicht über die Agenturen liegt bei der europäischen Wertpapieraufsicht European Securities and Markets Authority (ESMA) und den Behörden der Mitgliedsstaaten.

Schon Henry Varnum Poor verfolgte diese Ziele in ersten Rating-Versuchen bei Eisenbahngesellschaften, veröffentlicht 1868 im Manual of the Railroads of the United States, das Anleger und potentielle Anleger über die Eisenbahngesellschaften informierte. Ein systematisches Rating für die US-Eisenbahngesellschaften folgte ab 1909 durch John Moody, den Gründer der Agentur Moody’s. Seit März 1918 gibt es bei Moody’s ein Rating für Staatsanleihen („Emissionsrating“; nicht für die Staaten selbst), über 120 Staatsanleihen wurden bereits 1929 durch die Agenturen geratet. Im April 1919 definierte Moody’s diese Ratings als die relative Kreditwürdigkeit einer Regierung mit den Komponenten der Fähigkeit (Kreditfähigkeit) und des Willens zur Schuldenrückzahlung. Die Agenturen versäumten 1931 die Vorhersage der Staatsschuldenkrisen und überreagierten in der Folge mit massiven Herabstufungen. Im Februar 1936 ordnete die US-Bankenaufsicht (englisch Comptroller of the currency) an, dass die Banken nur noch Emissionen und Forderungen mit einem Mindest-Rating (englisch investment grade) übernehmen durften, und löste damit einen Zwang zur Übernahme externer Ratings aus.

Zweites unterschätztes Risiko: Stagflation!

Mit dem Stagflationsszenario, das seit Jahren bereits aus Japan bekannt ist, zeigt, wie es herauskommen könnte. Bloss: Japan hat die letzten 30 Jahre von einer boomenden Weltwirrschaft profitiert, ist aber kaum vom Fleck gekommen. Wie sieht es aus, wenn alle anderen Länder japanisoert werden – und nirgends woher noch Wachstum kommt? Dann bleiben nur noch Währungsreform, Weginflationierung der Schulden, noch höhere Steuern und Gebühren, Verstaatlichung aller Rentensysteme mit tieferen Renten und höheren Rentenaltern, eine medizinische Zweiklassengesellschaft und sich weiter zuspitzende Verteilungskämpfe und damit wohl starke soziale Unruhen übrig. Davor fürchten sich jedoch alle so sehr, dass das süsse Gift der Schuldenmacherei allseits und weiterhin als weit bessere Taktik verstanden wird. Bis wohl irgendwann und irgendwo ein Systemfehler eine wirtschaftliche Kernschmelze auslösen wird. Ein “soft landing” wird immer je schwieriger, desto länger mit einem geordneten Rückbau der Schulden zugewartet wird.

Prof. Dr. Hans Werner Sinn: Wie schlimm werden Wirtschaftskrise und Inflation?

Wachstum und Austausch als Lebensprinzip.

Deflation und Inflation sind das Ergebnis von zwei Lebensprinzipien: Wachstum und Austausch. Diese finden wir im Leben allgemein und im Speziellen in der Art und Weise des Gesellschafts- und Wirtschaftssystems begründet. Grundsätzlich sind alle Lebewesen und damit auch der Mensch vom Austausch abhängig. Einatmen und Ausatmen ist ein natürlicher Prozess, auch in der Kommunikation und Kooperation sprechen wir vom Austausch, so auch in der Sprache, verbal und nonverbal.

Haushalten und Wirtschaften in der Familie und in der Ökonomie, im Kleinen und im Großen, ist u.a. der Austausch von Leistungen, in Form von Waren und Dienstleitungen. Um diese Art von Austausch in der Ökonomie frei zu gestalten, wurde das Geld als Mittler eingeführt (siehe: Das Wesen des Geldes). Natur und der Mensch streben nach Wachstum in jeder Beziehung, der eine geistig, ein anderer seelisch und wieder ein anderer körperlich. Der Wunsch nach Austausch und Wachstum ist jedem Atom, jedem Molekül und  jeder Zelle im Menschen und der Natur im Allgemeinen vorhanden, der antrieb ist der Überlebenswille. Deflation und Inflation sind gewissermaßen ein Messinstrument, wie weit die Balance durch Wachstum aus dem Ruder läuft. Ähnlich einem trainierenden Sportler, dem der Atem anzeigt, dass die Kondition noch nicht mit seinem Ziel übereinstimmt.

Im Folgenden stelle ich die Beispiele auf der Ebene der Ökonomie gewissermaßen in Schwarz und Weiß dar und verzichte auf die verschiedenen Grautöne, da es sonst zu komplex würde. Allerdings gelten dieselben Gesetzmäßigkeiten auch innerhalb der Grautöne.

Nun gibt es Menschen, die wollen aus ihrem Ersparten wachsen, andere wollen wachsen, indem sie Kredite aufnehmen. Die, die sparen, nehmen keine Waren aus dem Markt und die, die Kredite aufnehmen, nehmen Waren aus dem Markt, obwohl sie selbst noch keine Leistung dafür erbracht haben. So nehmen wir es hier der Einfachheit halber an. In der Regel müssen letztere allerdings ihre Leistungsbereitschaft und -fähigkeit nachweisen und bestehen die Prüfung der Bank entsprechend ihrer Kreditwürdigkeit und -fähigkeit. Akzeptiert das Kreditinstitut diese Sicherheit, dann haftet es für den gesamten Betrag beim Ausfall des Kreditnehmers.

In unserem Beispiel, das lediglich schwarz und weiß darstellt an, begnügt sich die Bank mit dem guten Namen, der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, den aktuellen Zahlen und der Prognose als Sicherheit.

1. Fazit: Der Sparer bringt seine erbrachte Leistung in Form von Geld zur Bank und verzichtet zunächst auf die Gegenleistung. Der Kreditnehmer erwirbt mit Hilfe des Kredites eine Leistung aus dem Markt, die er sich heute noch nicht leisten kann. Er glaubt allerdings fähig zu sein, seine eigene Leistung im Laufe der Zeit zu erbringen, um den Kredit inklusive der Zinsen rechtzeitig wieder zurückzuzahlen.

Der Sparer kauft und will immer in der Gegenwart wachsen, der Kreditnehmer kauft und wächst heute für ein Resultat, das in der Zukunft liegt. Der Sparer wirkt auf den Wirtschaftskreislauf bremsend und der Kreditnehmer belebend. Der Sparer geht das Risiko der Inflation ein und der Kreditnehmer das Risiko der Deflation.

Die Banken im Zusammenspiel mit den Zentralbanken haben im Kern die Aufgabe, Angebot und Nachfrage von Geld zu koordinieren. Das Angebot wird durch die Sparer hervorgerufen und die Nachfrage von den Kreditnehmern. Die Hauptaufgabe der Banken liegt in der Beachtung der Qualität. Die Kreditnehmer sind immer auf die Zukunft fixiert und glauben auch immer, dass heute der Vorteil für sie größer ist, als morgen. Dies gilt für den Konsumenten, Hauskäufer und den Unternehmer im gleichen Maße. Für unser Beispiel wenden wir uns dem Unternehmer zu.

Der Unternehmer „riecht“ gewissermaßen ein Geschäft. Wenn er überzeugt davon ist, einen Vorteil erkannt zu haben, kann ihn nur die Bank davon abhalten, diesen Vorteil auch für sich zu nutzen. Nehmen wir an, er konnte seine Bank von seiner Idee überzeugen und die Bank verlässt sich auf die seit Jahren bestehende gute Geschäftsbeziehung und den guten „Riecher“ ihres Kunden. Im Kern verlässt sich die Bank auf die Bilanzen, die Gewinn und Verlustrechnung (G + V) und Zahlen aus Gegenwart und Zukunft. Die Bilanz und die G +V stellt den Markt der Vergangenheit dar, die laufenden Zahlen den Markt der Gegenwart und die Prognosezahlen den Markt der Zukunft.

Der Unternehmer sieht in der Neuinvestition die Chance, Marktanteile dazuzugewinnen, er schätzt die Einnahmen und Erträge höher ein, als die Ausgaben und Kosten, so dass am Ende ein Gewinn verbleibt, den er sonst nicht generiert hätte. In den Kosten sind die Zinsen für den Kredit enthalten und aus dem Gewinn wird die Tilgung aufgebracht. Steuerliche Überlegungen und staatliche Subventionen lasse ich außen vor, obwohl diese sehr entscheidende und tragende Entscheidungshilfen darstellen.

Vorausgesetzt unser Beispielsunternehmer hat die Lage richtig eingeschätzt und sich richtig an den vier Eskalationsstufen der Risikoeinschätzung orientiert, so wird er seinen Kredit inklusive der vereinbarten Zinsen in der vereinbarten Zeit zurückbezahlt haben. In diesem Fall sind Inflation und Deflation im ersten Blick in Balance.

Aus dem Gesagten ist zu erkennen, dass Inflation und Deflation immer stattfinden, beides gehört zu einem natürlichen Prozess, wie das Einatmen und Ausatmen. Es ist kein Ereignis, dass sich plötzlich und unerwartet ergibt. Es lässt sich auch erkennen, dass es sich um eine Folge oder ein Kind der Geld- bzw. Kreditschöpfung handelt. Wenn der Prozess unkontrolliert abläuft und ohne Führung sich selbst überlassen wird, dann kollabiert das System, ähnlich dem hyperventilieren bei der Atmung. Die Aufgabe der Führung und Kontrolle übernimmt in der Regel die unabhängige Zentralbank.

Im Teil 2 zur Inflation und Deflation wird es um die vier Eskalationsstufen der Risikoeinschätzung gehen.

 

Geld, Inflation, Spekulation und Deflation oder „ewig grüßt das Murmeltier“.

Isaac Newton, die Südsee und das Geld – DENNIS KREMERAKTUALISIERT AM 

Der Physiker Isaac Newton

So genial Isaac Newton als Physiker war, so töricht verhielt er sich als Spekulant. Der Finanzwelt hat er trotzdem einen guten Dienst erwiesen. 

Der Engländer Isaac Newton (1643-1727) hat der Welt eine Anekdote hinterlassen, die zu schön ist, um wahr zu sein. Angeblich stand Newton eines schönen Sommertages im Jahr 1666 in seinem Garten und betrachtete einen Apfelbaum voller Früchte. Da fiel auf einmal ein Apfel herunter, und Newton fragte sich: „Warum fällt ein Apfel stets zu Boden? Warum fällt er nicht zur Seite oder bewegt sich wieder nach oben?“ Dieses Alltagserlebnis, so geht die Legende, steht am Anfang von Newtons revolutionären Forschungen zur Gravitationslehre, der Theorie der Schwerkraft. Die Welt der Physik und der Mathematik verehrt den Mann bis heute als einen der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten. Weniger bekannt dagegen ist, dass Newton sich auch um die Finanzwelt verdient gemacht hat.

Er hatte nach seinen Jahren als Wissenschaftler mit Mitte 50 nämlich eine Aufgabe übernommen, mit der sich nicht nur gutes Geld verdienen ließ, sondern die auch viel mit Geld zu tun hatte: Er wurde „Master of the Royal Mint“, was sich am ehesten mit „Vorstand der Königlichen Münzanstalt“ übersetzen lässt. Das war in der Praxis zwar eher ein lukrativer Versorgungsposten als ein Vollzeitjob, aber Newton nahm die Aufgabe sehr ernst. Man hätte kaum einen besseren Mann dafür finden können als den begabtesten Mathematiker seiner Zeit.

Die Königliche Münzanstalt

Es wäre nun zu viel des Guten, Isaac Newton, den Begründer der modernen Physik, auch noch zum Begründer der ersten modernen Finanzkonzepte auszurufen, die damals aufkamen. Aber er hatte einen wesentlichen Anteil daran, wie der Autor Thomas Levenson in seinem lesenswerten Buch argumentiert, das im Verlag „Head of Zeus“ erschienen ist (Money for nothing: The South Sea Bubble and the invention of modern capitalism; 455 Seiten; bislang nur auf Englisch erhältlich). Denn Newton übte sein Amt in der Münzanstalt über einen Zeitraum aus, in dem mehrere Entwicklungen zusammenkamen, die am Ende zu wichtigen Finanzinnovationen führten. Auch wenn, wie sich noch zeigen wird, der Umgang mit einigen dieser Innovationen viele Menschen viel Geld kosten sollte – unter anderem Isaac Newton selbst. Zu diesen besonderen Umständen der Zeit gehörte die Revolution des wissenschaftlichen Denkens, die von Newton höchstpersönlich angeführt wurde. Ihr Ziel: durch Beobachtung (Empirie) und durch Abstraktion allgemeingültige Naturgesetze herauszufinden. Das führte dazu, dass man abseits der Naturwissenschaften ebenfalls vieles überdachte, auch in der sich allmählich entwickelnden Welt des Geldes. Letzteres hatte auch einen ganz praktischen Grund: Die Königshäuser Europas, allen voran das englische, brauchten ständig Geld, um ihre Kriege zu finanzieren. Da kam es ihnen gerade recht, dass damals eine große Lust an der Spekulation aufkam, die man sich besonders in England zunutze machte.

Kriege und Staatsschulden

Mit dem Problem des mangelnden Geldes war Isaac Newton vom Beginn seiner Zeit in der Königlichen Münzanstalt konfrontiert. Er hatte damals vor allem ein praktisches Problem zu lösen, das mit Geld in seiner damals gebräuchlichsten Form zu tun hatte – mit Münzen. Die Silbermünzen, die die Basis des englischen Währungssystems bildeten, enthielten nämlich seit geraumer Zeit weniger Edelmetall, als das Gesetz versprach. Newton sprach sich damals für eine Abwertung der Münzen aus (ein eher modernes Konzept), fand aber ausgerechnet in seinem Freund, dem Staatsphilosophen John Locke, einen Gegner dieses Vorhabens. Auch am Hofe war man nicht amüsiert.

Newton musste trotzdem nicht um seine Stellung fürchten. Denn die Münzproduktion, für die seine Anstalt verantwortlich war, organisierte er mit Disziplin und harter Hand. Zeitweise, so schreibt Levenson, standen ihm dafür bis zu 500 Mann zur Verfügung. Die Herstellung physischen Geldes konnte einen Denker wie Newton aber intellektuell nicht wirklich erfüllen, weswegen er sich bald einer ganz anderen Geldfrage zuwandte. England hatte sich für seinen Krieg mit Frankreich zum Ende des 17. Jahrhunderts in hohem Maße verschuldet. Nach dem Ende dieser Auseinandersetzung entbrannte eine Diskussion: Waren Schulden in Form von Staatsanleihen eine gute oder eine verwerfliche Sache? Newton positionierte sich eher auf der Seite der Befürworter und äußerte mit Blick auf die Höhe des Zinssatzes eine ziemlich moderne Vorstellung: Dieser sollte sich am Markt bilden und nicht von der Regierung festgelegt werden. Nicht einmal ein so schlauer Mann wie Newton dürfte geahnt haben, dass aus dieser Diskussion um die Staatsschulden am Ende eine der ersten großen Finanzblasen der Geschichte entstehen sollte.

Die South Sea Company: Eine der ersten Finanzblasen der Geschichte

Und das kam so: Im Jahr 1711 hatte England scheinbar endlich einen Weg gefunden, um mit der steigenden Staatsverschuldung fertig zu werden. Eine neue Handelsgesellschaft, die South Sea Company, sollte einen Teil der Staatsschulden übernehmen. Im Gegenzug erhielt die Gesellschaft eine festgelegte Verzinsung und das Monopol auf den Handel mit dem Gebiet, das man damals als „Südsee“ bezeichnete – weiterlesen.

 

 

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